Nachhaltige Stilberatung? Stilvolle Nachhaltigkeit!

Modeflüsterin trifft Meyrose: Fashion-Dialog über "Mode als Wegwerfware" und Alternativen zum "Schnell&Billig-Schick", Coypright Grafik Stephanie Grupe

Modeflüsterin trifft Meyrose: Ein Fashion-Dialog über „Mode als Wegwerfware“ und Alternativen zum „Schnell&Billig-Schick“

Der Blogbeitrag Weg von Viel&Billig-Schick begeistert mich, weil er den Zustand der Modebranche so treffend beschreibt, dass es nicht besser geht. Dr. Kirsten Brodde nimmt darin auf ihrem Blog Grüne Mode die Produktions-Überkapazitäten und Shopping-Auswüchse unserer Gesellschaft aufs Korn. Gefunden habe ich den Artikel über einen Tweet der Modeflüsterin:

Daraus ergab sich ein interessanter Dialog mit der lieben Blogger-Kollegin Stephanie Grupe, der Modeflüsterin. So kam es, dass wir uns gemeinsam darüber Gedanken machten, wie eine so wunderbare Sache wie Mode zu Wegwerfware verkommen konnte und was man – und damit meinen wir uns und andere Frauen, die Mode eigentlich lieben – dagegen tun kann. Nur Eines vorweg: Wir haben festgestellt, dass Nachhaltigkeit in der Mode auch viel mit Stilberatung zu tun hat. Hier ein Auszug aus unserem Dialog:

Modeflüsterin
In ihrem Artikel skizziert Brodde einen Modemarkt, in dem immer mehr, schneller und billiger konsumiert werden muss, damit die Umsatzzahlen der großen Mode-Riesen stimmen. Mode ist zur „Wegwerfware“ geworden. Den Verbrauchern wird suggeriert, sie müssten nur immer wieder neue Kleidungsstücke kaufen, um vermeintlich attraktiv, cool oder glücklich zu sein. Aber dass ein übervoller Schrank nicht schöner und schon gar nicht glücklicher macht, dürfte sich herumgesprochen haben. Im Gegenteil: Viele Frauen leiden sogar unter ihrem überfüllten Kleiderschrank.

Meyrose
Da haben Sie Recht. Sie sind orientierungslos, stehen hilflos im Geschäft und wissen nicht, was aus dem riesigen Angebot zu ihnen passt. Überfüllte Onlineshops machen die Auswahl trotz Filterfunktionen auch nicht einfacher, wenn das Ziel unklar ist. Frauen möchten ihre Persönlichkeit modisch ausdrücken, attraktiv sein, wissen aber nicht wie. Sie haben eine Vorstellung davon, wie sie gerne sein möchten, wissen aber nicht, wie sie das in der Kleidung zeigen können. Wenn eine Frau zur Stilberaterin kommt, ist sie bereits mehrfach daran verzweifelt, aus der neuen Frühjahrs- oder Herbstmode in den Schaufenstern das für sie Passende herauszufiltern. Die meisten haben bereits unzählige Fehlkäufe hinter sich.

Modeflüsterin
Und genau mit diesen Fehlkäufen und immer wieder neuen Versuchen, sich attraktiv zu stylen, geben Frauen – auch wenn sie nur Billig-Kleidung kaufen – insgesamt dann doch sehr viel Geld aus. Wenn diese Frauen zusammenzählen würden, wie viele Kleidungsstücke nicht richtig sitzen, nicht vorteilhaft wirken oder nicht zu ihrem Stil passen, würden sie erschrecken. Dafür hätten sie auch in ein paar wenige, aber hochwertigere Kleidungsstücke investieren können. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich hochwertige Mode immer rentiert, da man sie über einen längeren Zeitraum trägt. Aber ich glaube auch, dass viele Frauen Angst davor haben, sie könnten altmodisch oder langweilig wirken, wenn Sie nicht ständig die aktuellen Trends tragen.

Meyrose
Wenn Kundinnen, die viel und billig kaufen, über ein Jahr ihre Investitionen addieren und ermitteln würden, was jedes Kleidungsstück sie pro Tragen gekostet hat, würde den meisten ganz anders werden. Diese Modemathematik rechne ich bei Einkaufsbegleitungen vor, wenn ich Kundinnen von hochwertiger, langlebiger Ware überzeugen möchte. Oft erzählen mir Kundinnen dann nach Jahren, wie viel Freude sie an diesem Teil haben, wie oft sie es tragen und wie sehr sie es immer noch lieben. Die Modemathematik geht also auf. Ständige Neukäufe sind nicht erforderlich, um zeitgemäß gekleidet zu sein. Eine Garderobe lässt sich schick und aktuell halten, wenn Sie Basisteile in langlebiger Version kaufen und bei Kombinationsteilen sowie Accessoires kurzfristigere Trends aufgreifen. Die Basics Ihres Kleiderschranks sind Teile, die Sie oft und über einen sehr langen Zeitraum hinweg gerne tragen. Das können bei jeder Frau ganz andere Stücke sein. Bei sehr modischen Käufen wiederum ist es wichtig, diese in einer kurzen Zeitspanne so oft wie möglich zu tragen. Dann sind sie aufgetragen und können mit gutem Gewissen entsorgt werden. So geht zum einen die Modemathematik auf, zum anderen ist die Ware nicht vergebens mit all ihren Nebenwirkungen produziert worden.

Modeflüsterin
Um eine Garderobe so nachhaltig aufzubauen, wie Sie das beschreiben, braucht man eine passende Strategie und viel Planung. Zudem ist ein großes Maß an Selbsterkenntnis nötig. Ich muss meinen Charakter, meinen Lebensstil, meinen Figurtyp und meine Bedürfnisse sehr genau kennen und diese quasi in Mode übersetzen können. Ganz alleine ist das für viele Frauen sehr schwierig. Auch mir selbst gelingt es ja nicht immer, das optimale Outfit zusammenzustellen. Bei anderen Frauen fällt es mir viel leichter, die Stärken und Schwächen zu erkennen. Die Stilberatung, die ich vor einigen Jahren absolvierte, hat mir sehr geholfen, mich selbst objektiver zu sehen. Vielleicht sollte jede Frau erst einmal eine Stilberatung machen, bevor sie ihre perfekte Garderobe aufbaut?

Meyrose
Wer sich in seiner Kleidung wohl fühlt, das meiste seiner Sachen gerne und oft trägt sowie kein Bedürfnis nach Veränderung hat, braucht keine Stilberatung. Wer seine Garderobe modifizieren möchte und unsicher dabei ist, findet mit der Stilberatung optimale Hilfe zur Selbsthilfe. Eine Stilberatung führt dazu, dass Frau besser weiß, was ihr steht, was sie wirklich braucht. Sie lernt, sich mit anderen Augen zu betrachten. Das vermeidet Fehlkäufe. Die Verbraucherin kann weniger, dafür hochwertigere Stücke einkaufen und diese lange tragen. Daraus ergibt sich der Vorteil einer Stilberatung: Frau sieht besser aus und spart auf lange Sicht viel Geld. Das schont Umwelt und Portemonnaie. Wie so oft ist ökologisch sinnvoll auch ökonomisch besser!

Modeflüsterin
Dann wäre zusätzlich auch eine Einkaufsbegleitung sinnvoll. Denn ich glaube, dass viele Frauen unsicher sind, ob ein Kleidungsstück hochwertig verarbeitet ist oder das Material eine besondere Qualität hat. Heute ist es nicht mehr selbstverständlich zu wissen, wie die Sachen produziert werden. So können viele Frauen die besondere Handwerkskunst von Designern, Stoffproduzenten, Schnittmachern und Schneidern gar nicht mehr wertschätzen. Dann entscheidet über die Wertigkeit eines Kleidungsstücks nur noch die Werbung, die es natürlich mit emotionalen Werten auflädt. Diese sind schwer zu beweisen – oder zu widerlegen. Überhaupt scheint für mich das Thema Nachhaltigkeit sehr viel mit Wertigkeit zu tun zu haben. Da kommen mir die guten alten Werte, wie Haltbarkeit, Qualität und Pflege in den Sinn.

Meyrose
Nicht umsonst ist das Thema Nachhaltigkeit in aller Munde, spätestens seit durch die Folgen der letzten Wirtschaftskrise viele Menschen in ihren Grundfesten erschüttert wurden. Werte und Wertschätzung bekommen eine neue Bedeutung. Dazu gehört auch der Umgang mit den Ressourcen unserer Welt. Die Aufklärung der Verbraucher ist sinnvoll, weil viele Kundinnen gar keine Ahnung haben, was woher kommt und welche Rohstoffe und Handarbeit in Materialien bzw. fertigen Kleidungsstücken stecken. „Handmade in Italy“ bei Lederwaren hat Ansehen – aber die Jeans im mittleren Osten werden auch von Hand gefertigt. Die Frage ist, wie dort gearbeitet wird. Als Stilberaterin zeige ich der Kundin, woran sie an einem Kleidungsstück die Herkunft und Zusammensetzung erkennt. Ich informiere sie über Hersteller, die möglichst nachhaltige Mode anbieten. An konkreten Teilen zeige ich auf, woran Qualität in der Verarbeitung zu erkennen ist, z.B. an vernähten Fäden, wellenfreien Säumen, eingefassten Kanten und der Haptik des Stoffs. Um die Wertigkeit des Stücks zu erhalten, gebe ich Tipps zur Pflege und Reinigung.

Modeflüsterin
Das ist ein sehr umfangreicher Service, der eine besondere Kompetenz voraussetzt. Wie findet man denn eine gute Stilberaterin, die das alles kann? Haben Sie da einen Tipp? Ich werde oft von meinen Leserinnen gefragt, woran man die Qualität einer Stilberaterin erkennt. Einige haben sogar schon eine Beratung hinter sich, die nicht das gewünschte Ergebnis gebracht, sondern noch mehr Ratlosigkeit zurückgelassen hat. Wie sollte man bei der Suche vorgehen?

Meyrose
Eine gute Stilberaterin erkenne ich daran, dass sie meine Bedürfnisse für die Beratung erkennt und mit mir gemeinsam das Beratungsziel und dessen Erfüllung erarbeitet. Das gleicht einem Coaching-Prozess, den Sie vielleicht aus Ihrem beruflichen Kontext kennen. Referenzen sind hilfreich. Wenn Sie sehen, wer zu den Kunden der Beraterin gehört, können Sie einschätzen, ob sie zu Ihnen passt. Stilberaterin ist kein geschützter Titel und kein Lehrberuf. Stilberaterin wird man durch Weiterbildungen, Interesse und Talent. Ob Sie eine Stilberaterin wählen, die aus dem Modebereich kommt oder beispielsweise aus der kaufmännischen Richtung, hängt vom Beratungsziel ab. Wenn es um berufliches Styling und Ihre Wirkung geht, ist jemand mit Erfahrung aus ähnlichem Umfeld vorteilhaft. Wenn Ihnen Schnittdetails und Proportionen wichtiger sind, kann eine Schneiderin genau die passende Beraterin für Sie sein. Diese Informationen können Sie vorab im Internet finden und am Telefon oder per E-Mail näher klären. Ich empfehle ein Telefonat, weil Sie dabei einen weiteren Sinneskanal nutzen und die Sympathie spüren können. Denn auch die ist wichtig – Kleidung ist ein sehr intimer Teil des Menschen.

Modeflüsterin
Mode ist eben nicht nur reine Äußerlichkeit, sondern hängt eng mit Persönlichkeit und Werten eines Menschen zusammen. Umso schwieriger ist es, in diesem Bereich etwas zu ändern. Ich glaube nicht, dass mehr Nachhaltigkeit in der Mode mit dem erhobenen Zeigefinger zu bewirken ist. Frauen wollen einfach gut aussehen, sich selbstbewusst und schön fühlen. Es kann daher nur auf ein „weniger, aber dafür intelligenter und besser“ hinauslaufen. Dazu müssen die Konsumentinnen jedoch aufgeklärt sein: Sie sollten wissen, was ihnen wirklich steht und was sie wirklich brauchen. Sie sollten die Wertigkeit von Kleidung wieder richtig einschätzen können. Und sie sollten sich nicht mehr von der Mode- und Medienbranche verunsichern lassen. Wir brauchen selbstbewusste, informierte und konsequente Konsumentinnen. Eben richtig starke Frauen.

Meyrose
Ich verfolge da die Politik der kleinen Schritte. Jeder nicht gemachte Fehlkauf, jedes nicht gekaufte Teil und alle intelligent gekauften Lieblinge tragen ihren Teil zu einer besseren Modewelt bei, zu denen Frau sich dann selbstbewusst und voller Freude bekennen kann.

Haben wir Euch mit diesem Einblick in unseren Dialog zum Nachdenken gebracht? Wir freuen uns auf Eure Gedanken dazu hier bei Meyrose oder im Blog der Modeflüsterin.

7 Gedanken zu „Nachhaltige Stilberatung? Stilvolle Nachhaltigkeit!

  1. Ein großartiger Beitrag !!!!! Ich mag schöne/hochwertige Kleidung (also bin ich wohl eher der klassische Typ). Durch die Geburt unserer Tochter veränderte sich auch meine Möglichkeit der jeweiligen Investition. Seither investiere ich verstärkt in „gute Basics“ ! Eine teure Tasche, Kaschmirpullover& Co. Der Rest darf dann modisch “ günstiger“ sein. So fällt es mir dann auch nicht so schwer ein Tuch & Co nach einer gut getragenen Saison auszusortieren . Ihr habt mich hier nochmals bestätigt !!!

    • @Rokizo
      Freut mich, dass Dir der Beitrag so gut gefällt. Ja, veränderte Budgets können auch das eigene Shoppingverhalten etwas modifizieren … Ich wünsche Dir weiter viel Erfolg beim selektiven Shoppen!

  2. @Rokizo
    Freut mich, dass Dir der Beitrag so gut gefällt. Ja, veränderte Budgets können auch das eigene Shoppingverhalten etwas modifizieren … Ich wünsche Dir weiter viel Erfolg beim selektiven Shoppen!

  3. Toller, tiefgehender Artikel, danke. Ich habe mir darüber noch nicht weitere Gedanken gemacht, weil ich das automatisch so mache. Ich nehme mir nur selten Zeit, den Inhalt meines Kleiderschranks zu ergänzen (Meist aus der Not, dass ich meine Hemden oder Anzüge aufgetragen habe). Von daher schaue ich sowieso eher auf gute Standards und Langlebigkeit. Das hat zwar seinen Preis, rechnet sich für mich aber allemal. Nicht dass der falsche Eindruck entsteht: Ich kleide mich durchaus modisch, warum lese ich wohl sonst diesen Blog. Aber dadurch, dass ich eher selten Shoppen gehe, weil ich dazu kaum Zeit habe, hat sich mein Verhalten in den letzten Jahren automatisch in die oben beschriebene Richtung geändert. Ich gebe zwar ungefähr das gleiche dafür aus wie früher, aber deutlich bewusster. Ach ja, und eine Stilberatung vor etlichen Jahren hat da natürlich auch sehr geholfen, diesen Weg zu finden.
    Noch ein ach ja: die Grafik oben ist ja der Hammer, toller Eye-Catcher!

    • @Michael
      Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Freut mich, dass Du schon lange von Deiner Stilberatung profitierst.
      Die Grafik finde ich auch toll. Die hat die künstlerisch talentierte Stephanie Grupe für unsere beiden Blogartikel gezeichnet und ausgestaltet. Darüber habe ich mich auch sehr gefreut.

  4. Toller, tiefgehender Artikel, danke. Ich habe mir darüber noch nicht weitere Gedanken gemacht, weil ich das automatisch so mache. Ich nehme mir nur selten Zeit, den Inhalt meines Kleiderschranks zu ergänzen (Meist aus der Not, dass ich meine Hemden oder Anzüge aufgetragen habe). Von daher schaue ich sowieso eher auf gute Standards und Langlebigkeit. Das hat zwar seinen Preis, rechnet sich für mich aber allemal. Nicht dass der falsche Eindruck entsteht: Ich kleide mich durchaus modisch, warum lese ich wohl sonst diesen Blog. Aber dadurch, dass ich eher selten Shoppen gehe, weil ich dazu kaum Zeit habe, hat sich mein Verhalten in den letzten Jahren automatisch in die oben beschriebene Richtung geändert. Ich gebe zwar ungefähr das gleiche dafür aus wie früher, aber deutlich bewusster. Ach ja, und eine Stilberatung vor etlichen Jahren hat da natürlich auch sehr geholfen, diesen Weg zu finden.
    Noch ein ach ja: die Grafik oben ist ja der Hammer, toller Eye-Catcher!

    • @Michael
      Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Freut mich, dass Du schon lange von Deiner Stilberatung profitierst.
      Die Grafik finde ich auch toll. Die hat die künstlerisch talentierte Stephanie Grupe für unsere beiden Blogartikel gezeichnet und ausgestaltet. Darüber habe ich mich auch sehr gefreut.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Kommentarlinks könnten nofollow frei sein.