Nice to have #11

Besticktes Handtuch

Was der einen ihr Kitsch, ist der anderen ihre sentimentale Erinnerung. Umso erstaunlicher, dass so ein Handtuch einen festen Platz in meinem Badezimmer hat. Das liegt daran, dass meine Mutter es von Hand liebevoll bestickt hat und ich bei jedem Blick darauf einen guten Gedanken verspüre.

Das einzig Dämliche dabei ist, dass meine Mutter den Fehler gemacht hat, dieses Handtuch und ein weiteres mit einem Baum darauf so lange zu schonen, dass sie über den Schonen verstorben ist … Das passte gar nicht zu ihr, weil sie das sonst mit fast nichts gemacht hat. 20 Jahre haben die beiden Handtücher fast unbenutzt im Wäscheschrank gelegen und wurden wie ein Schatz gehütet, weil die Arbeit daran so mühsam gewesen ist. Kaum dass sie verstorben war, kamen die Handtücher wie selbstverständlich zum Einsatz. Als ich das gesehen habe, habe ich sie kurzerhand mitgenommen. Das eine direkt vom Haken weg. Das ging für mich nicht, dass die jetzt verhunzt wurden.

Dann lagen sie bei mir im Schrank, später wurden sie für die Katze Unterlegetücher auf den beiden Bürostühlen in der menschenfreien Zeit, um die Stühle darunter katzenhaarfrei zu halten. Dann war die Katze weg und ich bin endlich zu dem Entschluss gekommen, dass nicht dämlicher ist, als etwas Schönes oder etwas mit guten Erinnerungen zu Tode zu schonen. Jetzt sind die beiden Handtücher meine Lieblinge im Badezimmer und leben gut mit Nutzungsspuren. Was ist daran nice to have? Die schönen Gedanken, dass die Stickerei von kraftvollen Händen gefertigt wurde. Die beiden Geschirrhandtücher, die ich letztes Jahr von Heidi bekommen habe, sind übrigens auch im Einsatz.

Wie geht Ihr mit solchen Sachen um?

17 Gedanken zu „Nice to have #11

  1. was für eine schöne erinnerung! und nicht in einer vitrine weggeschlossen sondern als kleiner sonnenstrahl im alltag!
    ich habe von schwiegermama einige handgearbeitete haushaltstextilien und diverses kristall und porzellan geerbt – das alles wird auch schön benutzt. genauso wie die 40er jahre villeroy&boch schale und sammeltassen von meiner oma. und wenn ich dann kaffee schlürfe, den tisch decke oder mich freue dass ich mir nicht die hand an der heissen pfanne verbrenne wg. 1A gehäkeltem topflappen dann denke ich an diesen beiden wunderbaren frauen…..
    xxxxxx

    • Klasse, dass Du die Sachen auch verwendest. Ich habe jahrelang das silberne Aussteuerbesteck meiner Oma (Jahrgang 1910) täglich benutzt. Als ich es 1991 geerbt habe, war es quasi unbenutzt …

  2. Schön das du die bestickten Handtücher im Bad hängen hast, das ist viel besser als im Schrank, da hast du vollkommen recht :)

    Liebe Grüße!

  3. du machst es richtig und schön, dass du uns die arbeit deiner mutter zeigst. so langsam gewöhne ich mir das “schonen” der erbstücke auch ab. eigentlich mit einzug der digitalen fotografie, dann habe ich wenigstens noch die fotos mit den schönen dingen. ganz wertvolle sachen von meinen großeltern (das gute rosenthaler porzellan von vor dem 2. weltkrieg) benutze ich häufig, aber nicht täglich. denn ich bringe es nicht übers herz, die teller in die spülmaschine zu stellen.
    liebe grüße
    bärbel

  4. Ja, die Sache mit dem Schonen… das kenne ich von meiner Mutter. Als sie starb, fand sich im Wäscheschrank noch selbstgenähte und handbestickte Bettwäsche aus ihrer eigenen Aussteuer, die noch nie benutzt wurde. Vermutlich wurde sie es bis jetzt nicht, denn mein Vater steht ihr im Schonen in nichts nach.

    Mein liebstes “Erbstück” ist mein Hund. Sein Frauchen, meine Freundin, starb ganz plötzlich, als Finchen gerade mal drei war. Niemand wollte dann den Hund. Seitdem lebt sie bei uns und jedes Mal, wenn ich mit ihr rausgehe oder sie kraule, ist meine Freundin quasi dabei. Und darüber freue ich mich.

    Liebe Grüße
    Fran

  5. Liebe Ines, das ist auch viel besser. Und immer wenn sie im Bad hängen eine Erinnerung. Viel wertvoller als im Schrank. Ich habe nicht viele Erbstücke, aber die die ich habe nutze ich mit Freude und achtsam das sie nicht kaputt gehen.
    Liebe Grüße Tina

  6. Hach, Ines!
    Ich glaube jeder hat so ein persönliches Erb- und Erinnerungsstück in seinem Haushalt. Aber im Schrank wird es doch eh vergessen und darum ist deine Entscheidung genau richtig!
    Herzliche Grüße,
    Kirsten

  7. Auf jeden Fall benutzen und damit die Erinnerung wachhalten und sich oft dran freuen! Ich habe auch allerlei Porzellansachen von Oma, Mutter, Schwiegermutter, die ich teils auf einem Regal ausstelle, teils ab und an benutze. Ist halt nix für die Spülmaschine…
    Doch sind die Geschirrteile auch alle selbst schon genutzt worden von den Generationen vor mir. Und ich hoffe, dass sie das auch noch nach mir werden…
    Herzliche Grüße, Sieglinde

  8. Es “ehrt” ein Andenken viel mehr (und öfter), wenn es seinen ursprünglich angedachten Zweck erfüllt, als wenn es irgendwo ein Dasein als Stehrumchen fristet und nur beim Abstauben mal kurz angeschaut/in die Hand genommen wird.

    Ich finde es schön, daß deine Mutter auf diese Weise einen Platz in deinem Alltag hat.

    Viele Grüße von der Bunten

  9. Hi Ines,

    ich finde auch, dass man schöne Dinge nicht in irgendwelchen Schränken verstecken, sondern gebrauchen sollte!
    Hatte mal eine Freundin, die besaß eine Riesenkiste mit “Aussteuer” – nein, es war nicht kurz nach dem Krieg! ;-) sondern eher 19irgendwas90. Deren Inhalt sie partout nicht anrührte, obwohl sie einige Dinge daraus gut hätte gebrauchen können. Hoffen wir mal, dass sie mittlerweile verheiratet ist, damit sie ihre Aussteuer endlich verwenden darf!

    Auch meine Mum hebte früher gerne Sachen (z.B. Kleidung) für “besondere Anlässe” auf, ist lt. eigener Aussage aber davon abgekommen.
    Sie sagt, sie trägt die schönen Sachen jetzt auch “einfach so”.

    Lg, Annemarie

  10. Das kenne ich auch sehr gut, liebe Ines. Auch bei uns wurde geschont. Ich praktiziere das so streng auch nicht mehr. Klar, das Porzellan, das nicht in die Spülmaschine darf, kommt bei uns auch nicht täglich zum Einsatz aber doch immer öfter.
    Und einige ausgewählte Stücke habe ich auch noch aus der Kindheit. Manches beginnt schon zu zerfallen. ;-) wie dieses Tuch

    http://herz-und-leben.blogspot.de/2014/11/die-farben-der-kindheit.html

    Da muß ich mir was einfallen lassen, denn noch möchte ich mich davon nicht trennen …
    Und Handstickerei ist um so vieles schöner, als mit der Maschine gestickt!!!

    Liebe Grüße
    Sara

    • Das Tuch mit der Erinnerung ist sehr schön. Ich habe ein rotes Seidentuch ewig lange getragen. Irgendwann hatte es solche Trageränder, dass ich es nicht mehr anziehen mochte. Färben kam nicht in Frage, weil es von der Farbe lebte. In meinem Herzen lebt es weiter. Ich habe es bestimmt 20 Jahre lang regelmäßig getragen.

  11. Ich finde so liebevoll hansgearbeitet Stücke auch besonders. Die Handtücher von Heidi hab ich auch im Einsatz, denn am schönsten sind sie eben nicht im Schrank, sondern wenn ich sie jeden Tag sehen kann.
    Liebe Grüße Ela

  12. Ich bin ja auch so ein “Schoner” und praktiziere es in vielerlei Hinsicht weiter, obwohl ich gleichzeitig weiß, dass es dämlich ist. Aber man kann halt so schwer aus seiner Haut.
    Meine Mama hat auch viel geschont und – in Plastiktüten verstaut – im Schrank verwahrt. Ich stehe nun da und überlege, was ich damit mache. Habe allerdings doch schon die meisten Dinge entsorgt. Reicht ja, dass ich schon so viel eigene “Schon-Ware” habe …

    Liebe Grüße
    Gunda

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