Werbung: Frauen und Kleider

Werbung ohne Auftrag für das Buch Frauen und Kleider: Was wir tragen, was wir sind von Leanne Shapton, Sheila Heti, Heidi Julavits und 561 weiteren

Das Buch geht gerade durch die Presse und weil die Frage, warum Menschen was tragen für mich als Imageberaterin elementar ist, wollte ich es unbedingt lesen und habe es gekauft. Die Autoren haben einen Fragebogen entwickelt und hangeln sich mit über 500 Frauen aus aller Welt gemeinsam dadurch. Es geht um Möglichkeiten, sich mit Kleidung auszudrücken.

International in jeder Sichtweise

Es ist eine “Liebeserklärung an die emotionale Sprache, die Kleider sprechen” (Umschlagseite). Einige Interviewpartner beantworten viele Fragen, oft steht nur eine Frage im Zentrum mit Antworten ganz verschiedener Frauen. Mal ist es ein Satzfetzen, mal eine tiefgründige Betrachtung. Es sind zwar ein paar bekannte Namen dabei, aber die meisten Gesprächspartner sind ganz normale Frauen. Die Auswahl der Frauen ist international – auch in Bezug auf Religionen und deren Kleidungsaspekte sowie Ausdrucksformen von Homo-/Bisexualität und Transgenderfrauen.

Lockere Frauenrunde

Das Buch liest sich wie ein Gespräch mit guten Freundinnen über das, was wichtig ist, was schutzbedürftig ist und schräge Weg, wie wir zu denen wurden, wie wir jetzt gerade sind. Es sind lustige und nachdenkliche Geschichten um Kleider und Menschen. Es ist tiefgründig und leicht zugleich.

Für Leseratten und abends-nur-kurze-ein-paar-Zeilen-Leserinnen

Die Kapitel sind kurz und die Statements lesen sich wie Kurznachrichten. Deshalb kann man das Buch gut sowohl am Stück als auch als eine Kurzgeschichtensammlung immer mal wieder weiter lesen. Mich fesselt es schnell so, dass ich beim Lesen die Zeit vergesse. Beim Lesen bin ich total in die Leben der Frauen eingetaucht, auch bei nur wenigen Sätzen. Die Worte haben mich völlig in ihren Bann gezogen und ihre Emotionen erleben lassen.

Bilder im Kopf

Fotos von ganzen Menschen oder Outfits sind übrigens kaum in dem Buch, es sind eher ein paar Accessoires oder Kleidungsstücke als eine Art Sammlung abgebildet. Die haben für mich allerdings eher den Charakter einer Illustration des Buchs. Der eigentliche Inhalt steht in den Köpfen der Frauen.

Zitate, die mir aus der Seele sprechen

  • “Die, die sich gut anziehen, tun es, weil sie sich Gedanken machen.” (Sheila Heiti, Seite 9) Das passt zu meiner These, dass es keine Zufälle gibt.
  • “Etwas, das mich an Modezeitschriften stört, ist, dass sie Frauen dazu ermutigen, andere Frauen zu kopieren. … Die unwiderstehlichsten Frauen sind die, die herausfallen, die am meisten sie selbst sind und am wenigsten wie andere Frauen.” (Leanne Shapton, Seite 11) Alle spannend gekleideten Frauen, die ich persönlich kenne, haben kein Look-alike.
  • “Frauen in Kleidern erzählen Geschichten.” (Heidi Julavits, Seite 11) Manchmal viel mehr, als man vielleicht preisgeben möchte?
  • “Vielleicht sollten wir das Projekt Kleidergarten nennen.” (Heidi Julavits, Seite 14) Leannes Shaptons Gedanken dazu, dass Kleidergarten einleuchte, weil er mit den Jahreszeiten gehe, man ihn hege und pflege, Unkraut jäte und dünge, finde ich schön. Der Begriff Kleidergarten gefällt mir viel besser als Kleiderschrank.
  • “Menschen mit Stil behalten immer ein Gefühl für diesen potentiellen Neuanfang, das Gefühl, zu wissen, wie es geht, aber auch ständig neu zu lernen, wie es geht.” (Alexander Nagel, Seite 175) Stil heißt nicht, immer das Gleiche zu tun oder machen. Stil unterliegt ebenso wie Mode ständiger Veränderung. Man kann seinen Stil behalten, aber nicht immer die gleichen Sachen tragen oder machen. Alexander Nagel nennt “Stil das Stadium, in dem man die Trennung von Körper und Geist am wenigsten spürt.” (Seite 174). Deshalb sind Menschen, die als stilvoll wahrgenommen werden, oft schwer im Detail zu beschreiben. Es ist nicht ein Detail, es ist das Ganze, das wirkt.

Fazit

Wer sich mit seiner Kleidung, seiner Wirkung auf sich selbst und auf andere, beschäftigen möchte, wird in dem Buch Gedankenanstöße finde. Es hilft, sich selbst zu verstehen.

Warum kleidet Ihr Euch so, wie Ihr es tut?

P.S.

Es ist schön, sich in einigen Macken wieder zu erkennen. Ich bin also nicht die Einzige, die nach Möglichkeit alle Etiketten und Labels von Kleidung entfernt (Molly Murray, Seite 225). Neu gelernt habe ich das Wort Schrankstuhl von Nina Moog (Seite 380). Das ist bei mir der, auf dem sich die getragenen Sachen der Woche sammeln, die nicht direkt in den Wäschekorb wandern.

27 Gedanken zu „Werbung: Frauen und Kleider

  1. Ich glaube, das ist ganz nach meinem Geschmack. Weg vom Einheitsbrei, hin zum eigenen Stil. Da muss ich gleich mal “luschern” :)

    LG Sabine

    • Du meinst die mit einem Stern mit dem Titel “Nichtige Nicht-Information” vom Bibliothekswurm? Ich kann die Kritikpunkte nachvollziehen, empfinde es aber selbst nicht so. Mir ist es ganz schnell gelungen, mich in die Aussagen der Frauen einzufühlen, mir es vorzustellen. Auch gerade die Bilder der Mütter vor der Geburt der Kinder fand ich interessant. Als jemand mal ein frühes Bild von meiner Mutter gesehen hat, die live aber nur in ihren letzten zwei Jahren konnte, war die Frage: Was ist aus dieser Frau mit dieser Ausstrahlung geworden, was ist passiert? Dass meine Mutter nach dem frühen Tod meines Vaters auch äußerlich ein wirklich anderer Mensch wurde, war mir vorher nicht bewusst. Vielleicht zeige ich demnächst hier auch mal so ein Bild, ich gehe mal auf die Suche. Auf besagtem Bild bin ich bereits mit dabei. Im Buch fehlen mir keine Bilder. Die Sammlungsbilder/Collagen empfinde ich – wie im Artikel geschrieben – als “Illustration des Buchs. Der eigentliche Inhalt steht in den Köpfen der Frauen.” Sie könnten weggelassen werden und das Buch würde genauso noch für mich funktionieren. Wenn ich etwas am Buch kritisieren würde, dann vielleicht nur, dass es etwas kürzer sein könnte. Die letzten 100 Seiten lasen sich länger als die ersten 300 – aber sie sind trotzdem lesenswert.

    • Vielleicht ist es gar nicht so schlecht, einmal die Phantasie walten zu lassen und nicht immer die Bilder vorgekaut zu bekommen. Das haben viele Menschen verlernt. Man muss das Buch ja nicht in einem Stück lesen.

  2. Die Zitate sind sehr schön, tolle Aussagen! Das Buch klingt insgesamt sehr ansprechend :)

    Liebe Grüße <3

  3. Leider habe ich auch einen Schrankstuhl (schönes Wort für eine eher unschöne Sache). Er füllt sich immer wie von selbst …
    Kleidergarten ist auch so ein schönes Wort.
    Überhaupt, das Buch klingt interessant und persönlicher Stil ist eh das Schönste.
    In diesem Sinn schicke ich Dir sehr persönliche Grüße, Sieglinde.

    • Das “füllt sich wie von selbst” kenne ich auch. Entweder ist der Wäschekorb nach einer Woche voll oder der Schrankstuhl :) .

  4. ich habe kleiderhaken an der schlafzimmertür! *angeb*
    ansonsten hab ich das buch wohl schon gelesen – in meinem letzten leben. aber prima dass es das jetzt auch für alle gibt ;-)
    xxxxxx

    • Die habe ich auch – aber da hängen unsere Bademäntel. An einer kleinen Kleiderstange an der Wand haben 4-5 Bügel Platz – aber da kommen dann nur Kleider oder Blusen dran, die sonst auf dem Bügel hängen. Die Hosen, Pullover und Tücher der Woche landen auf dem Schrankstuhl.

    • Vermutlich ist es eins der Bücher, dass Du mit der Erfahrung aus Deinem ersten Leben selbst geschrieben haben könntest :) .

  5. Einen Schrankstuhl habe ich auch. Schön, dass es bei Euch auch welche gibt. :)

    Lesen …. – die Vorstellung, mit Buch unter einer dicken Decke in der Sofaecke zu sitzen und zu lesen, ist soooo schön (gerade bei dem trüben Novemberwetter), aber ich tu’s trotzdem praktisch nie. Keine Ahnung, warum. Früher hab’ ich gern gelesen. Da hatten die Augen aber auch noch kein Problem. Außerdem tut mir der Rücken immer so schnell weh … – ach menno.

    Früher haben mich Bücher gereizt. Jetzt irgendwie nicht mehr. Find’ ich selbst blöd, aber die olle Fernsehkiste gewinnt immer.

    LG
    Gunda

    • Ich glaube, wir alle haben einen Schrankstuhl – oder Nachttischstuhl. Der ist immer schnell zugemüllt :)
      Ohne Lesebrille geht es bei mir auch nicht. Manchmal bin ich ganz froh, wenn ich mal wegkomme vom Kasten. Ich hocke eher am PC – auch zuviel!

    • Wenn der Fernseher gerade besser passt – why not? Wichtig finde ich nur, dass Du es so willst. Nur wenn Du es eigentlich anders haben willst, gibt es einen guten Grund, das zu ändern.

  6. ich bin immer wieder erstaunt, wieviele bücher es zu diesem thema gibt. deine zitate finde ich auch klasse. und nein, ich habe keinen solchen stuhl, ich bin altmodisch und habe einen herrendiener/stummen diener und einen breiten bügel in der dusche. liebe grüße, bärbel ☼

    • Die Menge der Bücher zum Thema überrascht mich auch immer wieder … und auch, dass sie dann doch auf ihre Art alle ein bisschen anders sind.

  7. Liebe Ines,
    Hört sich interessant an das Buch. ich habe auch Haken an einer Tür, statt dem Schrankstuhl für die Zwischenwelt .. Wäschekorb – Schrank.
    Schönes Wochenende, liebe Grüße Tina

  8. was ein schöner Beitrag. ich werde auf meinem Blog demnächst auch darüber berichten, denn ich mag das Buch auch sehr!

    Apropos Schrankstuhl, mein Mann hat auch einen.

    • Bin gespannt auf Deinen Eindruck. Bitte hinterlasse den Link hier, wenn Dein Beitrag online ist. Dann können meine Leser Deinen Beitrag schnell finden. Zweitmeinungen sind immer gut.

      P.S. Über meinen Mann darf ich hier nicht sprechen :D .

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