Leser_innen-Interview #7: Sunny

Leser_inneninterview by meyrose IconLiebe Sunny,

in Deinem Blog Sunny’s side of life zeigst Du dreimal pro Woche Outfits aus Deinem Ü40er-Leben als Frau, Tochter, Partnerin, Mutter, Führungskraft, Köchin, Organisatorin, Musikliebhaberin, Pragmatikerin und Ü30 Bloggerin.

Du bist über ein berufliches Projekt aus technischer Sicht zum Bloggen gekommen. Was hat Dir dabei so viel Freude gemacht, dass Du das Bloggen zu Deinem Hobby gemacht hast? Was hat Dich dazu bewogen, Outfits als Hauptthema zu wählen?

Als ich zu bloggen begonnen habe, war die ganze Sache wirklich nur ein Testballon. Also habe ich eine gmx-Adresse von mir verwendet, die möglichen Spam verträgt – sunstorm.gmx. Diese Mailadresse kommt natürlich nicht von ungefähr… ;-) . Also baute ich auf die Schnelle einen Blognamen um dieses sunstorm. Wie ist es, so ein Sonnensturm zu sein? Für die Sonne völlig unspektakulär. Für andere kann das ganz schön heiß werden.

Wir haben uns im Kollegenkreis verschiede Plattformen ausgesucht, mit denen man im Team Ideen vorstellen, zur Diskussion stellen kann. Alles für einen begrenzten Teilnehmerkreis. Um das Handling zu testen, stellte jeder ein Projekt auf die Beine. Warum gerade Outfits? Weil Kleider schon irgendwie immer mein Hobby waren. Meine Mutter war Damenschneidermeisterin mit Atelier, angestellten Schneidern und Lehrlingen. Es war bei uns im Haus und ich konnte so oft und so viel ich wollte Zeit dort verbringen. Und allein durch zuschauen, gerade bei den Anproben, lernt man unheimlich viel und entwickelt ein Gefühl wie sich durch bestimmte Kniffe die Proportionen in die gewünschte Richtung verschieben lassen. Ich habe im Prinzip meine halbe Kindheit zwischen Modezeitschriften, Stoffballen, Nähmaschinen, Kunden und Anproben verbracht. Das Interesse daran wurde mir quasi in die Wiege gelegt.

Kürzlich hast Du geschrieben, dass Dir ein gewisser Coolnessfaktor enorm wichtig ist. Was verstehst Du unter cool und was bedeutet das für Dich?

Hmm … lebendig – herzlich – zuverlässig.

Cool genug, um man selbst zu sein. Zuzupacken, wenn es die Situation erfordert. Nicht aus der Fassung zu geraten. Flexibel zu sein. Sich nicht unterkriegen lassen. Auch ungünstigen Umständen noch eine positive Wendung abzuringen. Uncool sind Rührmichnichtan-Heulsusen. Das drückt sich für mich beides über Kleidung aus. Was natürlich völliger Quatsch ist. Es gibt bestimmt auch coole Frauen nach meiner obigen Definition, die sich elegant kleiden. Vermutlich ist es sogar die Definition für eine echte Dame.

Jeder ist das Kind der sozialen Prägung. Ordentliche Kleidung, hochwertige Kleidung, aber auf alle Fälle saubere Kleidung war für meine Mutter wie Sauerstoff. Ohne das wäre sie eingegangen wie eine Primel. Aber man muss sich schließlich irgendwo abgrenzen. Eleganz, und wir hatten viele richtige Damen, die sich elegante Kleidung haben schneidern lassen, schien das Wichtigste zu sein. Diese Damen waren alle sehr nett, damenhaft eben. Aber gleichzeitig mächtig uncool. Mehr Schein, mehr Fassade, als Sein. Sie waren irgendwie alle Anhängsel ziemlich reicher Männer. Sie hatten Kinder, gingen in den Tennisclub, was man eben in den 1960/70/80er Jahren so tat, wenn man richtig Knete hat … aber beruflicher Erfolg, arbeiten am Erfolg, das kam da nicht so vor. Und es waren auch nicht wirklich alle immer glücklich in der Situation. In der Nachschau hatten manche vielleicht ein Alkoholproblem. Sooo wollte ich nie sein.

Foto: Copyright www.sunnys-side-of-life.de

Wir teilen die Freude an farblichen Wiederholungen in Outfits. Bei Deinem Look mit der Culotte ist mir das wieder besonders aufgefallen. Wie gehst Du an die farbliche Komposition Deiner Outfits heran?

Das ist eine wirklich gute Frage. Ich denke das ist in großen Teilen Intuition. Mein Gehirn speichert scheinbar Farbzusammenstellungen, die ich irgendwo sehe und die mir gut gefallen. Ich mag Kontraste und Zusammenstellungen, die aus einer meiner Basisfarben und dann noch ein bis zwei weiteren Farben bestehen. Dabei probiere ich auch gerne mal Verschiedenes aus. Denn nicht jede Idee bringt dann den erwarteten Effekt.

Foto: Copyright www.sunnys-side-of-life.de

Du hast eine Vorliebe für rockige Looks und ab und an auch Stilmixe. Bei diesem Outfit mit Businessblazer und Chucks kombinierst Du einige Aspekte, die scheinbar gar nicht zusammen passen – strenger Blazer, Comic-Aufdruck auf dem T-Shirt, Turnschuhe – und dennoch ist eine aus meiner Sicht absolut gelungene Zusammenstellung für genau Deine Person. Wie bist Du auf die Idee für dieses Outfit gekommen?

Ich meine, ich hatte so was in der Art kurz zuvor bei Chrissie auf dem Blog Die Edelfabrik gesehen und gedacht, hey cool, das könntest Du auch mal versuchen. Durch die beruhigenden Farben Hellgrau und Dunkelblau geht da auch ziemlich viel. Ich vermute, mit einem roten, gelben oder grünen Shirt – also einer Buntstiftfarbe – wäre das längst nicht so harmonisch ausgefallen.

Ich bin wirklich viel zu Fuß unterwegs. Außerdem habe ich eine schwierige Schuhgröße. Schwierige Füße. Und zwischenzeitlich auch ein schwieriges Alter. Trage ich also sportliche Schuhe, fällt der Rest der Kleidung auch meist sportlich aus. Das geht dann noch am ehesten mit rockig zusammen. Ich trage zwar meine Lederröhre in die Arbeit, auch mit meinen Sterndal Sneakern. Dann aber mit einem schönen Shirt und einer femininen Strickjacke, Tüchern oder größerem Modeschmuck. Schon jetzt haben wir morgens oft knapp über 0 Grad. Ich bin 1,5 Stunden mit mindestens einmal Umsteigen unterwegs. 30 Minuten Fußmarsch in Schuhen mit höherem Absatz tu ich mir nicht gerne an. Höhere Schuhe sind wirklich nur Gelegenheiten vorbehalten, wo das Laufen und die Außentemperatur keine Rolle spielt.

Wenn Du fremde Menschen auf der Straße siehst, was begeistert Dich optisch und worüber schüttelst Du den Kopf?

Hmmm…. Was mich begeistert sind Menschen die auf eine herzliche Art cool aussehen. Ungekünstelt und echt wirken. Nicht perfekt, aber in sich stimmig. Ich überlege gerade, ob ich wirklich jemals den Kopf schüttle. Vielleicht wenn jemand aussieht, als wäre er Stunden im Bad gewesen … und nun doch nur angemalt aussieht. Was für eine Zeitverschwendung. Aber das ist mehr innerlich. So im Großen und Ganzen lächle ich den Leuten einfach ins Gesicht und freue mich, wenn sie zurück lächeln. Das tun die meisten übrigens auch.

Welche Leser_innen möchtest Du gerne mit Deinem Blog ansprechen? Auf welche Gedanken möchtest Du sie bringen?

Als erstes möchte ich mich mit gleichgesinnten Austauschen. Weniger jetzt mit Frauen, die denselben Stil haben, sondern mit all denen, die sich auch Gedanken um ihre Kleidung machen, die sich gerne in ihrer Kleidung wohl fühlen. Kleidung muss zum Leben passen, helfen es rund und gut zu machen. Nicht zu behindern oder einem etwas einbrocken, was man nicht halten kann und will. Auf welche Gedanken? Einfach mal ein bisschen zu probieren. Mal andere Farben, andere Schnitte. Einfach mit den Gedanken in Bewegung bleiben. Auch mal zu riskieren, dass es eben nicht so toll aussieht. Einen Versuch ist es doch immer wert.

Um etwas Neues zu probieren, muss man aber unter keinen Umständen neue Kleider kaufen. Es lohnt sich, in wertige Kleidung zu investieren. Ich hebe meine auf, solange sie gut ist, auch wenn ich sie jahrelang nicht trage. Ich muss mich in etwas mögen. Nur das ist wichtig. Das bleibt. Dann kann man das Teil auch in 5, 10 oder 20 Jahren neu kombinieren.

Was inspiriert Dich auf anderen Blogs? Warum liest Du meinen Blog?

Das ist ganz unterschiedlich. Vermutlich die Leichtigkeit und die Selbstverständlichkeit wie andere sich kleiden. Wie sie es mögen. Wie es zu ihnen passt. Oder vielleicht sogar nicht passt. Wie andere Dinge tragen, die mir selbst sehr gut gefallen, die ich auch ausprobieren möchte. Oder wie sie Dinge tragen, die ich niemals anziehen würde.
Muss ich ja nicht. Ich bin ja nicht die Anderen. Man muss sehen, dass sie es mögen.
Warum ich Deinen Blog lese? Weil ich Dich mag. Du bist echt. Du könntest auch täglich Nachthemden zeigen. Ich würde Dich trotzdem lesen.

Was beschreibt Deine Grundeinstellung zum Leben in einem Satz?

Das Leben ist leicht!

Vielen Dank für das Interview!

Bitte gern geschehen. Ich hätte mir ja gaaaanz andere Fragen gestellt…. *hehe*

Habt Ihr weitere Fragen an Sunny? Dann besucht einfach ihren Blog und stellt sie dort im Kommentarfeld oder hier. Du möchtest auch gerne hier vorgestellt werden? Dann melde Dich bei mir! Hier findet Ihr die bisherigen Interviews: Leser_innen-Interview by meyrose.

16 Gedanken zu „Leser_innen-Interview #7: Sunny

  1. Ein superschönes Interview! Sunny, du antwortest genau so wie man es nach Deinem Blog vermutet: cool (in Deiner eigenen Definition), authentisch und mit Liebe zu Kleidung und Mode. Sehr sympathisch!
    Höchst beeindruckend finde ich auch Deinen Pragmatismus (und den langen Weg zur Arbeit!) gepaart mit Optimismus.
    Auch wenn ich eigentlich keinen weiteren Blog mehr lesen kann aus Zeitgründen, werde ich doch nun noch öfters mal bei Dir reinschauen. Leider finde ich das Procedere des Kommentierens für mich bei Dir schwierig (muss ich über Mail tun). Aber ein Blick in Deinen Blog lohnt sich auf jeden Fall.
    Und in den von Ines sowieso! Danke Euch beiden für das sehr lesenswerte Interview!
    Herzliche Grüße von Sieglinde.

  2. Liebe Sunny,
    genau so herzerfrischend habe ich dich persönlich kennen gelernt – genau wie Ines. Vielleicht sollten wir mal ne Pyjama-Party feiern :)

    LG Sabine

  3. Schönes Interview.
    Man (zumindest ich ;-) ) macht sich ja beim lesen ein Bild vom jeweiligen Blogger.
    Sunny kommt genau sympathisch und unverstellt rüber, wie ich sie mir im echten Leben vorstelle.

  4. Hey wie cool, Sunny im Interview vor Ines’ Mikrophon. Hat mir sehr gut gefallen! Auch die Bilderauswahl!

    Und das ist ja mal eine Definition von COOL, typisch Sunny, weil die 100% auf Dich zutrifft, die ich aber so noch nicht kannte. Für mich hat Coolness auch gerne einen kleinen Hauch “von oben herab”, was Dir und mir im stehenden Umgang mit anderen nicht schwerfallen würde. Aber Du hast recht, so bist Du nicht. Du bist offen und freundlich.

    Ich habe trotzdem noch eine ganz entscheidende Frage an Dich:
    welche Fragen hättest Du denn lieber gehört oder lieber beantwortet???
    Erzhähl doch mal bitte, das wollen wir jetzt nämlich alle wissen, so ein Cliffhänger ist doch uncool!

    Liebe Grüße zum Tage!
    Bärbel ☼

    • Na, z.B. trägst Du gepunktete Nachthemden? Ja
      Hast Du Haare auf den Zehen? Ich hätte welche….
      Haderst Du mit Deiner Körperlänge? Ja, wenn ich fliegen muss….

      LG Sunny

  5. Ein super Interview! Es ist very spannend was so für Menschen hinter einem Blog stecken …Hilft uns dabei, die Person viel besser zu verstehen und kennenlernen! :)
    Ich finde diese Reihe einfach toll liebe Ines und würde mich über weitere Interviews freuen!
    LG Claudia

  6. Ja, Ines… wenn gibts denn die Reihe mit den Nachthemden…. 6 aus 24….:-) Ich bin schon sehr gespannt.
    Vielen Dankf für das schöne Interview. hat mir sehr viel Spaß gemacht.
    LG Sunyn

  7. Liebe Ines,

    ganz tolles Interview! Habs dieser Tage schon gelesen, komme aber erst jetzt dazu, etwas dazu zu sagen.

    Ich finds sehr interessant, ich wusste z.B. bisher nicht so richtig, wo der “Sunstorm” herkommt. Und auch nicht, dass Sunny (übrigens genau wie ich) ursprünglich über ihren Job ans Bloggen gekommen ist.

    Lg, Annemarie

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