#sisterhood – Gedanken einer Frau

Bei der Farbenfreundin habe ich einen Beitrag zu #sisterhood gelesen. Es ist eine Blogparade von Digital Media Woman, bei der ich spontan gerne dabei bin. Allerdings wird mein Beitrag einen anderen Tenor haben als vermutlich erwartet.

Eine für alle – alle für eine?

Frei seinDas ist unrealistisch. Und ganz ehrlich? Ich will das gar nicht. Teamgedanke und Teamhandeln? Ja gerne! Aber Zusammenschluss nur des gemeinsamen Geschlechts wegen? Nein danke. Ich bin keine Freundin der unfamiliären Schwesternschaft. Ich suche mir Freunde und Geschäftspartner aus – unabhängig vom Geschlecht.

Es gibt Dinge, die einige Menschen besser können und andere weniger gut. Da versuche ich, um mich herum einen Mix zu haben, der möglichst breit alles abdeckt, was ich brauche. Und ich sehe zu, dass ich helfen kann, wo es gefragt ist. Ich unterstütze mir sympathische Menschen viel lieber als andere. Dabei ist mir das Geschlecht völlig egal. Gemeinsame Geschlechtszugehörigkeit als Zusammenhaltargument? Das reicht mir nicht aus.

Natürlich gibt es reichlich Probleme, unter denen Frauen gemeinsam leiden. Die Basis für das Erreichen dieses Kulturwandels ist meiner Ansicht nach nur gemeinsam in den Köpfen von Männern und Frauen zu schaffen.

Gleiches Geld für gleiche Leistung!

Am 18. März 2016 haben wir hier im Blog über den Equal Pay Day gesprochen. Die himmelschreiende Ungerechtigkeit, dass so viele Frauen auf der Welt weniger Geld für gleiche Arbeit erhalten und die gläserne Decke nur wenige durchlässt, lässt sich für mich nicht mit expliziten Frauennetzwerken lösen. Dazu braucht es auch Erkenntnisse auf Männerseite. Die kann man nur im gemeinsamen Dialog erzielen.

Ich habe nicht das Bedürfnis, Teil eines expliziten Frauennetzwerks zu sein, obwohl diverse Gruppen bereits um meine Mitgliedschaft geworben haben. Mir sind echtes Selbstbewusstsein und echte Emanzipation wichtiger. Das geht für mich nur im offenen Kontakt über Geschlechtergrenzen hinweg. Vielleicht ändere ich meine Meinung, wenn ich auf das passende Frauennetzwerk treffe. Bis dahin gibt es von mir eine unsolidarische Absage an die #sisterhood.

Wie stehst Du zum Zusammenhalt von Frauen?

27 Gedanken zu „#sisterhood – Gedanken einer Frau

  1. liebe ines – diesen text unterschreibe ich vorbehaltlos!!!

    und ich setze noch einen drauf: “mädelsabende” und frauenyoga haben nichts mit emanzipation zu tun!
    du weist das natürlich. denn du bist ganz offensichtlich schon weit vorn was deine emanzipation betrifft. wenn du dann auch über schleifchen an deiner wäsche nur müde lächeln kannst dann hastes quasi geschafft ;-))

    und genau – alle müssen sich engagieren. und umdenken. und ich muss sagen – da war der osten wirklich weiter. und vielen “ost”männern&frauen merkt man es immer noch an, auch den jungen die von ihren müttern & vätern dazu erzogen wurden: es gibt kein “hier die frauen – da die männer”.
    und trotzdem halten die jungs die mädchen für zaubrische, begehrenswerte wesen :-)

    in diesem sinne – freiheit, gleichheit, geschwisterlichkeit!
    xxxxx

    • Ines, Schwestern im Geiste, was nicht heißt, dass wir uns nun verbünden müssten :)!
      Beate, ich unterschreibe bei dir – das liegt sicher an der östlichen Sozialisation, dass ich es genau so sehe wie du!
      Ich füge hinzu: nach wie vor heißt es in meinen Mails – Liebe Kollegen.. und damit sind alle gemeint, Emanzipation hängt nicht am großen “I”. Das empfinde ich persönlich als lächerlich…

      LG S

    • @rotlilie: ich auch! für das “Innen! kriegen wir schliesslich keinen cent und keine fussbreit macht mehr! xxxxx

    • Dass Ostdeutschland da weiter war und immer noch weiter ist, glaube ich sofort. Das und das Schulsystem der DDR hätte der Westen mindestens übernehmen sollen … sicher auch noch anderes, was ich nicht kenne.

      Ich gehe dann jetzt mal Schleifchenweglächeln üben ;)

  2. Also ich stimme auch, mit dem Kopf, allem zu was du schreibst .. aber emotional mag ich Frauen einfach lieber. Ich habe nur gaaanz wenig Männer als Freunde. Mit Frauen verstehe ich mich besser. Kann daher kommen, weil ich mit Großmutter und Mutter aufgewachsen bin. Und meine Mutter sowieso keinen Mann brauchte um mich großzuziehen, und das allen die meinten sie unter die Haube bringen zu wollen, auch laut und deutlich sagte :)

    Tolles Thema <3

    • Das ist doch völlig in Ordnung, wenn Du Dich mit Frauen besser verstehst. Mir geht es nur darum, dass ich dieses “Aus-Prinzip-Zusammenhalten-weil-wir-Frauen-sind” ablehne. Wenn jemand einfach mit Frauen lieber zusammen ist, ist das ja eine freie Wahl.

      Meine Mutter war burschikos für zwei, vielleicht bin ich deshalb männlichen Umgangsstil gewohnt und komme besser damit klar. Denn auch wenn ich Frauen hübscher finde, fällt mir der Umgang mit Männern oft leichter.

  3. Hm. Interessantes und auch ein bisschen schwieriges Thema. Ich habe jahrelang fast nur mit Frauen zusammengearbeitet und dadurch für mich festgestellt, dass ein gutes Miteinander für mich keine Frage der Geschlechtszugehörigkeit ist. Es gibt Frauen und Männer, mit denen ich gut kann – und andere, mit denen es in diesem Leben nicht funktioniert und das liegt lediglich daran, dass wir nicht auf einer Wellenlänge liegen. Ob ein Netzwerk richtig gut funktioniert, hängt m. E. auch entscheidend davon ab, ob die daran teilnehmenden Personen mit sich (und dem, was sie erreicht haben/darstellen) zufrieden sind oder ob sie auch mal gönnen können – und das ist keine Geschlechterfrage.

    Nichtsdestotrotz finde ich ein gutes Frauennetzwerke per se interessant – aber dass es da “kuscheliger” und “unterstützender” zugeht als anderswo, mag ich nicht so recht glauben. Die Erfahrung hat mich anderes gelehrt. ;)

    • Zufriedene Menschen können besser gönnen, da sprichst Du wahre Worte. Ich war dreimal in Abteilungen tätig, in denen nur Frauen saßen. Das war schrecklich für mich. Zweimal kam dann ein “Quotenmann” dazu, was es durchaus schon verbessert hat. In dem Moment, wo nur Frauen zusammen arbeiten, ist die Stimmung anders und die privaten Themen sind es auch. Mir ist es dann eine Mischung aus zu viel und zu fremd.

  4. :-) Da sprichst Du ein sehr interessantes Thema an, liebe Ines.

    Frauennetzwerke sind so eine Sache – können toll sein, müssen aber nicht.
    Sehr gut finde ich daran, dass aus der Vielzahl der Mosaiksteine ein großes Bild wird. Jede kann sich davon nehmen, was sie will, zusammen sein mit wem sie möchte – alles ein KANN, kein MUSS. Warum sich also nicht einem Frauennetzwerk anschließen?

    Ich glaube auch (noch) nicht daran, dass sich Frauen generell unterstützen, weil da leider oft viel zu viel Neid und Missgunst mitschwingt. Da werden Grüppchen gebildet und Aussenstehende madig gemacht. Da wird bewusst nicht “geliked”, weil “mir die ja meinen Rang streitig machen könnte” oder so ähnlich.

    Zu diesem Thema habe ich bei der #BlogHer16 in Los Angeles Anfang des Monats einen Satz gehört, der sich bei mir fix in der Festplatte eingebrannt hat:

    COLLABORATE – THERE’S ENOUGH ROOM VOR EVERYONE!
    Mehr dazu am kommenden Montag auf meinem Blog.

    In diesem Sinne, hoffen wir auf ein gutes Miteinander – egal, ob mit Männern oder Frauen.

    Alles Liebe,
    Claudia :-)

    • Das Thema habe ich mir ja nicht ausgedacht, aber es war mir tatsächlich sofort ein Bedürfnis, mich dazu zu äußern, als ich es bei der Farbenfreundin Bärbel gesehen habe.

      “COLLABORATE – THERE’S ENOUGH ROOM VOR EVERYONE!” Klingt gut. Ich bin gespannt auf Deinen Beitrag dazu. Ich denke auch, dass genug Torte für alle da ist.

  5. Liebe Ines,
    hach, wie erfrischend! Danke für deinen Beitrag, den ich sehr wichtig und richtig finde. Ja, denn so sehe ich es auch, dass wir uns nur gemeinsam mit Männern entwickeln können. Auch geht es mir wie Dir, dass ich mir Freunde eher nach Sympathie als nach Geschlecht aussuche. Schön, dass Du an dieser Reihe teilgenommen hast.
    Grüße von Bärbel aka Farbenfreundin

  6. Ich stimme dir auch voll und ganz zu.

    Mal ganz abgesehen von diesem abgrenzen und extra Status, werden mir Frauengrüppchen zu oft zickig oder einfach zu viel.

    In meinem Leben gibt es natürlich ein paar “konstante” Frauen, die ich auch überhaupt nicht missen möchte!!! Ausnahmen bestätigen ja schließlich die Regel ;)

    Liebe Grüße,
    Kerstin

    • In meinem Leben gibt es auch konstante Frauen – 2 Freundinnen, 1 mütterliche Freundin und 1 Schwester. Die möchte ich auch nicht missen. Aber die mag ich nicht, WEIL sie Frauen sind, sondern weil ich sie MAG.

  7. Überhaupt, ich bin schon immer für Menschenrechte, nicht speziell Frauen- oder Männerrechte … die gelten für alle, auch Kinder, Alte … Letztere fallen außerdem oft auch unter den Tisch, ich erlebe es derzeit hautnah mit meiner 87j Mutter! Da kommt Böses auf uns zu, wenn es so bliebe … ;-)

    Liebe Grüße
    Sara

    • Alte werden genauso bevormundet wie Kinder – manchmal sicher aus Hilflosigkeit, aber manches Mal auch aus Rücksichtslosigkeit. Menschennetzwerk klingt auch gleich viel besser als Frauennetzwerk für mich.

  8. Interessantes Thema, liebe Ines. Freundschaft und Netzwerke haben und hatten für mich nie etwas mit dem Geschlecht sondern mit der Persönlichkeit eines Menschen zu tun. Und einige meiner besten Freunde waren und sind Männer. Nicht weil Männer besser zu mir passen, sondern weil diese Freunde gut zu mir passen. Und ebenso passe ich auch nicht in jede “Frauentruppe”.
    Emanzipation ist ein wichtiges Thema, nicht weil Frauen besser oder schlechter sind. Sondern weil wir alle Menschen sind.
    In diesem Sinne wünsche ich dir einen schönen Abend.
    LG Andrea

    • Auf meinen besten Freund möchte ich auch auf gar keinen Fall verzichten. Im Gegensatz zu Freundinnen verschwinden die meisten Männer nicht im” Kinderkram” – auch ein großer Vorteil! Auch wenn der so rein gar nichts mit Emanzipation zu tun hat. Aber die Vorteile mangelnder Gleichverteilung kann ich da wenigestens mal ausnutzen.

  9. Das hast du wohl aus der Sicht mancher ein heißes Eisen angefasst. Nach meiner Auffassung sitzen wir zunächst einmal alle in einem Boot und da ist es egal ob Frauen oder Männer. Was die Emanzipation anbelangt, glaube ich manchmal sogar, das viele Frauen in einer Welt der sich verändernden Rollenverteilung ihren Platz inzwischen besser befunden haben als die Männer. Und viele Frauen haben gerade im beruflichen Kontext leider noch immer nicht verstanden, das andere Frauen im Betrieb nicht unbedingt eine Konkurrenz darstellen, die mit allen verfügbaren Mitteln ausgeschaltet werden muss. So nach dem Motto, wenn schon noch eine Frau mit mir im Boot sitzt, dann will ich aber alleine die Überlebende sein. Solange die Chemie passt sowie Achtung und Respekt gegeben sind, spielt das Geschlecht keine Rolle.
    Liebe Grüße und einen angenehmen Abend

    • Weil es ein heißes Eisen ist, habe ich den Beitrag vorher intern zensieren lassen ;) … mir wurde durchaus der eine oder andere Satz gestrichen …

      Dass Frauen ihre Rollen aktuell besser gefunden haben als Männer, entspricht teilweise auch meinem Eindruck. Von Männern werden gerade Sachen erwartet, z.B. 2 Monate Elternzeit, die vor ein paar Jahren noch undenkbar waren. Wobei die meisten in meinem Umfeld sich auch darum gedrückt haben … sie verdienen ja so viel mehr, dass sie lieber auf die 2 Monate Elterngeld verzichtet haben oder gingen trotzdem zur Arbeit … k*tz … sorry … Und die Frauen durften dann 2 Monate ohne Geldeingang zu Hause sein, weil sie 1 Jahr Elternzeit eingereicht hatten … Aber auch das wird sich ändern und Männer werden sich daran gewöhnen und irgendwann werden hoffentliche beide Rollen haben, in denen sie sich zu Hause fühlen mögen.

    • Na dann habe ich ja das Glück einen emanzipierten und fortschrittlichen Sohn groß gezogen zu haben ?.Der hat nämlich die 2 Monate Elternzeit tatsächlich genommen und das zu einem Zeitpunkt wo die Kleine durchaus schon unbequem und anstrengend war. Das gehört eben auch dazu und es ist ganz gut, wenn Männer auch das mal hautnah miterleben.
      Manchmal kann Zensur auch durchaus hilfreich sein, wenn das Thema ziemlich heikel ist und die Meinungen dazu ziemlich weit auseinander gehen ?.

  10. Respekt und Vertrauen muss man sich verdienen, unabhängig vom Geschlecht. Dann klappt das auch, mit dem Netzwerk, den Seilschaften, den informellen Kanälen. Anders könnte ich gar nicht arbeiten.
    LG Sunny

    • Der berühmte Raucherraum, in dem die informellen Sachen ausgetauscht werden, ist ein gutes Beispiel dafür. Ich weiß, warum ich auch als Nichtraucher im Büro dort Gast war.

  11. Liebe Ines,

    das hast du gut gesagt. Erst vor kurzem habe ich mit meiner Mutter übrigens über ein dazu passendes Thema geredet. Sie ist immer besser mit Männern ausgekommen, vermutlich, weil sie da ihren Charme spielen lassen konnte und Frauen auf sie ein bisserl eifersüchtig reagiert haben – und irgendwie wollte sie diese Erfahrung und Erkenntnis in meinen jüngeren Jahren auch mir aufs Auge drücken. Mir ging’s aber auch nie ums Geschlecht, wenn ich mit Menschen entweder Freundschaften schloss oder mit ihnen zusammengearbeitet habe. Mit manchen Menschen kann ich, mit anderen nicht, egal ob sie Männer oder Frauen sind. Trotzdem sind mir gewisse Dinge im Lauf des Lebens aufgefallen: Im Rahmen zweier Video-Workshops merkte ich z.B., dass ich (und andere Frauen) im gemischten Workshop viel schwerer an die Technik herankommen konnte als beim Frauenworkshop – die Männer waren kaum fortzuscheuchen und meinten, sie könnten das alles besser. Im Frauenworkshop experimentierten wir alle friedlich und brachten dann unsere Ideen ein. In dem reinen Frauenbüro, in dem ich 17 Jahre lang arbeitete, herrschte hingegen Krieg und Terror. Ich denke, es kommt immer auf die ProtagonistInnen an (du siehst, ich verwende das Binnen-I – ich find‘s einfach so blöd, dass es schon wieder gut ist ;o)) Manche „Frauenthemen“ werden jedenfalls meiner Meinung nach einfach nur vorgeschoben, um von anderen Problemen abzulenken, z.B. „Mainstream-Genderin“ in meinem Arbeitsbereich oder der Text der Österreichischen Bundeshymne (die berühmten „Töchtersöhne“, falls ihr das in D mitgekriegt habt ;o)) – da gab es genug innen- und außenpolitische Schwierigkeiten, die viel wichtiger waren… Aber die Gemüter erhitzten sich an diesem Unfug. Ich bin (genau wie du) so frei und treffe meine Wahl selbst, wenn man mich lässt.

    Alles Liebe und herzhafte Paulekrauler,

    Traude

    http://rostrose.blogspot.co.at/2016/08/heute-mal-ein-bunt-gemixter-post.html

  12. Liebe ines, die Menschen die ich in meine Sisterhood aufnehme suche ich mit viel bedacht aus und es sind auch Jungs reingerutscht.
    Aber eigentlich ist das eben doch egal, für mein Herz und mein Gefühl.
    Was ich aber schade finde unter Frauen gibt es oft eine Grundzickigkeit und diese würde ich am liebsten ganz zickig in eine Rakete stecken und auf den Mond schießen
    Nein es muss nicht jeder zusammenhalten wie Pech und Schwefel. Aber Mühe geben für ein nettes miteinander ist manchmal auch schön
    Liebe Grüsse Ela

    • Mühe geben für ein nettes Miteinander finde ich auch wichtig. Mit Männern finde ich das auch leichter als mit Frauen. Ich finde Frauen weniger “grundzickig” sondern eher “grundempfindlich” und dieses ewige gleich wegen jedem Sch… beleidigt sein … das Problem gibt es mit Männern weniger.

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