Breitling Sprint 2010/CR Fliegeruhr

Breitling Sprint 2010/CR Baujahr 1972 als Fliegeruhr im analogen Einsatz

Gastbeitrag von Thomas zur Blogparade Klassische Armbanduhren

Ich bin ein Schmuckmuffel. Jetzt ist es raus. Ich konnte mit Schmuck jedweder Art nie besonders viel anfangen und es fällt mir bis heute schwer zu erkennen, ob es sich bei dem Ring an der Hand einer schönen Frau um einen Ehering handelt … Uhren fallen für die meisten ja auch irgendwie unter das Thema Schmuck. Für mich nicht. Sie sollen einfach nur zuverlässig die Zeit anzeigen und beim Tragen möglichst wenig stören. Deswegen habe ich jahrzehntelang nur einfachste und sehr preiswerte Uhren gekauft und getragen.

Auf einmal war sie da

Das wäre bestimmt auch so geblieben, wenn sie mir nicht irgendwann über den Weg gelaufen wäre. Sie war klein, schlicht und solide. Aber irgendwie wirkte sie auf mich auch ein klein wenig edel. Nicht, dass dies eine Eigenschaft gewesen ist, der ich bis dahin in Zusammenhang mit einer Uhr irgendeine Bedeutung zugeschrieben hätte, aber jetzt war irgendwie alles anders. Das lag sicherlich daran, dass ich sie beim Sortieren des Nachlasses meines Opas plötzlich in der Hand hielt.

Breitling Sprint 2010/CR

Breitling stand auf dem Ziffernblatt. Kein Modell, das ich schon einmal bewusst gesehen hatte, aber das bedeutete bei mir ja auch nichts. Irgendwie zog mich die Kleine in ihren Bann und lies mich nicht mehr los. Es war eine Sprint Modell 2010/CR Baujahr 1972. Die Originalverpackung war noch dabei. Auf dem Preisschild mit dem Breitling-Logo stand 365 DM.

Kaufbeleg für eine Breitling Sprint 2010/CR Baujahr 1972

Für Sport-Fans und Erfolgstypen

Der Werbeprospekt, den ich sorgsam gefaltet in der Verpackung fand, versprach, dass dies die Uhr für „Sport-Fans und die modernen Erfolgstypen unserer Zeit“ sei. Keine Fliegeruhr also, für die die Marke Breitling eigentlich, soviel hatte sogar ich mitbekommen, bekannt ist. Dafür war sie aber im Gegensatz zu den meisten Fliegeruhren bis dato von einem Flieger getragen worden: Mein Opa hatte schon in den 1930er-Jahren seine Privatpilotenlizenz erworben.

Blieb die Frage, von wessen Zeit im Prospekt die Rede war? Egal – ich fand, dass diese Uhr irgendwie darauf gewartet hat, von mir gefunden zu werden. Erfolgstypen werden schließlich immer gebraucht und Sport wollte ich sowieso wieder mehr machen. Sie hatte nur einen entscheidenden Haken: Sie funktionierte nicht!!! … Aber wie das so ist am Anfang einer Liebe: Mann neigt dazu, das Wesentliche zu ignorieren. Also brachte ich sie zum Uhrmacher.

Eine Investition in die Zukunft

Nach vielen Ahs und Ohs erfuhr ich, dass es das Beste wäre, die Uhr zur Überholung ins Werk zu schicken. Was das kosten würde, fragte ich vorsichtig. Das gute Stück wäre es auf jeden Fall Wert, erhielt ich zur Antwort, und es wäre ja auch eine Investition in die Zukunft. Als ich sie wenige Wochen später wiederbekam, zahlte ich mehr als ich bis dahin für den Kauf aller Uhren in meinem Leben zusammen ausgegeben hatte. Inklusive aller Radiowecker und Küchenuhren. Aber was macht Mann, wenn er verliebt ist: Er zahlt gerne.

So ganz lies mich die investierte Summe aber nicht in Ruhe. Ich recherchierte ein wenig und fand heraus, dass sie unter Sammlern tatsächlich erheblich mehr Wert war, als ich bezahlt hatte. Gut, so war mein Gewissen beruhigt. Ich hatte also keinen Schmuck gekauft, sondern tatsächlich in die Zukunft investiert. Jetzt ergab sich jedoch ein neues Problem: Trotz aller Liebe zu ihr meldete sich die Vernunft. Ist es klug, eine solche Uhr im Alltag zu tragen?

Von Liebe und Vernunft

Trotz Überholung ist sie, so wurde ich gewarnt, aufgrund ihres Alters nicht mehr wasserdicht. Was ist, wenn ich sie versehentlich irgendwie kaputt mache oder sie womöglich verliere? Auf ersteres ist die Antwort einfach: reparieren lassen. Über letzteres denke ich lieber nicht zu viel nach, aber wenn ich im Garten arbeite oder zum Segeln gehe, lasse ich sie lieber zu Hause. Auch wenn die Liebe groß ist, verträgt sie sich halt nicht immer mit allen Hobbys, die Mann so hat.

Breitling Sprint 2010/CR Baujahr 1972 als Fliegeruhr im Einsatz

Was ist jetzt das wirklich Besondere an dieser Uhr? Nun, dass es eine echte Fliegeruhr ist, ich diese Tradition mit ihr fortsetzen und auch schon viele Stunden mit ihr als Pilot in der Luft verbringen durfte. Fast genauso wichtig ist, dass man ihr nicht auf den ersten Blick ansieht, dass es sich um ein kleines Schätzchen handelt.

Danke an Thomas für den Gastbeitrag und die Fotos!

13 thoughts on “Breitling Sprint 2010/CR Fliegeruhr

  1. Eine absolut tolle Armbanduhr, die noch dazu von einer schönen Geschichte begleitet wird! Breitling Uhren sind wirklich etwas Besonderes und da ich schon einige Zeit mit dem Gedanken spiele, mir eine zuzulegen, hat mich dieser Beitrag besonders interessiert. :-)

  2. Sehr schöner Post. Obwohl ich mich noch nie in eine Uhr verliebt habe, kann ich mir gut vorstellen, was Du für Gefühle hast, wenn die Uhr begleitet.
    LG Sunny

  3. @Thomas
    Die Uhr ist ein echtes Schmuckstück und zum Liegen in der Schachtel viel zu schade. Außer der Geschichte dazu gefällt mir besonders gut, dass sie in dem schlichten Design die roten Akzente hat. Zufall oder Absicht, dass das Hemd genau dazu passt?

    Weißt Du, bis wann Dein Opa sie getragen hat und ob sie da noch ging?

    • Hallo Ines,
      leider kann ich mich nicht wirklich erinnern, wann ich sie zum letzten Mal am Arm meines Opas gesehen habe. Ich glaube aber, dass sie schon einige Zeit kaputt war…

      …und natürlich ist es völlig ausgeschlossen, dass das Hemd zufällig zur Uhr passt!

  4. Oh was für ein schönes Stück! Ganz große klasse und auf jeden Fall die Überholung/Reparatur wert gewesen. Breitling ist ja so mein Favorit und dann noch so eine schöne Vintageuhr. :)
    Danke für die schöne Geschichte.
    Liebe Grüße Tina

  5. Wunderschöne Uhr ! Sie will getragen werden :-))
    Ich wünsche euch noch viele schöne gemeinsame Momente !

  6. Noch so eine schöne Uhrengeschichte. Noch dazu mit Vorgeschichte.
    Da hat sich ja nicht nur die Liebe zur Fliegerei vererbt.
    Diese Uhr ist wirklich jede Liebe und Reparatur wert. Einfach ein besonders schönes Stück und so cool retro.
    Ich finde es wunderbar, wenn man so ein feines Erinnerungsstück wirklich in Gebrauch hat. Und die Werbung der 70er Jahre stimmt heute ja auch noch…
    Danke fürs Erzählen und weiterhin guten Flug zusammen!
    LG Sieglinde

  7. Hallo Thomas,
    was für eine schöne Geschichte von Euch beiden fliegenden Herren mit einer ganz besonderen Uhr! Ich finde es ja großartig, dass Dein Opa alles Zubehör aufgehoben hat, das macht die Sache noch interessanter und wie weitsichtig von Dir, in dieses tolle Stück zu investieren! Möge sie Dich noch lange begleiten.
    Liebe Grüße
    Bärbel ☼

  8. :-) Das ist eine sehr schöne Geschichte!
    Und sie zeigt wieder einmal, dass eine Uhr mehr ist, als einfach nur ein “Wecker”, der einen an Termine erinnert.
    Die Erinnerung an den Großvater, die Fliegerei – hier spielen so viele Emotionen mit hinein und das macht diese Uhr zu etwas ganz Besonderem. Sie ist rundum ein Klassiker. Wie schön!
    Herzliche Grüße :-)

  9. Eine tolle Uhr und ein echtes Schmuckstück mit Geschichte, ich finde so etwas super. Und ich finde die Uhr ist wie für einen Anzug maßgeschneidert, oder für eine Uniform. Selbst wenn sie nicht so viel Wert ist wie deine Armbanduhr habe ich selbst eine Taschenuhren meines verstorbenen Urgroßvaters die von ihm an meinen Großvater und von da an mich weitergegeben wurde. Das wichtige ist für mich nicht der monetäre Wert sondern die Erinnerung an meinen Großvater und dessen Vater und Uhren sind meiner Ansicht nach zeitlos und immer in Mode, besonders eher klassische Modelle.

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