Qualitätsmerkmale guter Kleidung

Ines Meyrose #ootd 20170401 mit Jerseykleid Armor Lux in natur-marine, Sneaker natur Leder New Balance, Leggings Falke - Foto Bärbel Ribbeck

Copyright Foto: Bärbel Ribbeck

Aus der Beratungspraxis einer Imageberaterin

Bei der Wunschliste für 2018 hat sich Rotlilie Themen aus meinem Berufsalltag gewünscht. Die Frage bezog sich zwar eher auf die Nachwirkungen der Beratungen bei meinen Kunden, aber ich denke, dass Inhalte auch interessant sein können, oder? Neulich hat sich für ein Seminar über Business-Kleidung eine Frage ergeben, die ich für betrachtenswert halte. Sie lautet

Woran erkenne ich gute Kleidung?

Es ist leicht gesagt, dass hochwertige Kleidung länger hält oder dass es wichtig ist für einen wertigen Gesamteindruck, dass die Kleidung Qualitätsmerkmale aufweist. Aber was heißt das eigentlich? Bei der Vorbereitung auf das Seminar habe ich mir folgende Punkte notiert

  • Der Schnitt der Kleidung passt zu meinem Körper und Kleidungsstil.
  • Das Material ist angenehm zu tragen und atmungsaktiv. Das leisten meistens Naturfasern oder Funktionstextilien.
  • Ich kann das Material selbst pflegen => das spart Reinigungskosten und ich schiebe Reinigungen dann nicht auf.
  • Der Stoff leiert nicht aus, er behält beim Tragen die Form oder zieht sich beim Lüften von selbst wieder hin. Mein Tipp: Mach den Knautschtest. Knautsch den Stoff in der Hand zusammen, lass wieder los, schüttle ihn und schau, ob er kraus bleibt oder sich die Falten wieder herausziehen.
  • Der Stoff bekommt kein Pilling oder es lässt sich leicht entfernen, z.B. mit einem Fusselrasierer. Material mit langen Fasern neigt weniger zu Pilling als welches mit kurzen.
  • Nähte bleiben auch nach der Wäsche glatt.
  • Innen mit Schrägband eingefasste Kanten sorgen für ein schöneres Inneres und stabilisieren die Nähte. Wie das aussehen kann, siehst Du zum Beispiel bei diesem Bild https://www.uefuffzich.de/wp-content/uploads/2018/01/uefuffzich-blog-jean-paul-gaultier-hose-pantalon.jpg bei Bärbel vom Blog uefuffzich.de im Blogbeitrag Ein Hosenanzug im Waschsalon auf Sylt.
  • Die Nähte sind mit vielen kleinen Stichen gemacht.
    Knopfloch an einer Bluse, die mit vielen kleinen Stichen genäht ist
    Bei dieser Bluse fällt das besonders auf, weil sie hellblau war und von mir dunkelbraun gefärbt wurde, wobei das Garn seine Farbe behalten hat. Bei den Nähten in Kontrastfarbe würde jeder Pfusch sofort ins Auge springen. Du kannst sehen, dass auch das Knopfloch schon fest eingefasst ist.
  • Es gibt keine losen Fäden an den Nähten oder überlange Fadenenden.
  • Die Knöpfe sehen schön aus, fassen sich gut an und sind fest angenäht. Wenn an einem Kleidungsstück optisch oder haptisch billige Knöpfe sind, kannst Du die durch schönere austauschen (lassen). Du wirst Dich vermutlich wundern, was schöne Knöpfe kosten.
    Knopf mit Steg angenäht
    Dieser Blusenknopf ist mit Steg angenäht, also etwas Abstand zwischen Knopf und Stoff. Der Steg ist fest mit Garn umwickelt. Wie das geht, findest Du auf der Webseite Knopf annähen.
    Vierlochknopf über Kreuz angenäht
    Der Vierlochknopf ist über Kreuz angenäht mit vielen Stichen. Der hält bombenfest!
  • Bei Blusen und Blazern liegen der Kragen im Nacken und das Revers an der Brust an.
    ines-meyrose-outfit_blazer-s-oliver-jeans-sally-straight-cunda-bluse-different-fashion-ballerinapumps-krupka-20160908
  • Die Farbe der Kleidung passt zu mir.
  • Die Farben bleiben in der Wäsche erhalten.
  • Durchlaufendes Muster bei gemusterten Stoffen an Nahtstellen und Applikationen sieht wertig und ruhig aus. Das verbraucht viel mehr Stoff, Zuschnitts- und Verarbeitungszeit als wenn die einzelnen Teile ohne Beachtung des Musterverlaufs zu geschnitten werden. Ein gutes Beispiel siehst Du oben auf dem Foto bei meinem Kleid an der Seitennaht. Ein schlechtes Beispiel ist dieses Kleid:Stilberatung: 10 Gründe für dieses nachhaltige Sommerkleid von thought clothing - Ines Meyrose Juni 2017

Welche Ergänzungen hast Du?

34 Gedanken zu „Qualitätsmerkmale guter Kleidung

  1. Liebe Ines,
    sehr gut zusammengefasst; ich habe früher sehr viel genäht, leider komme ich jetzt nicht mehr dazu (vielleicht in der Pension wieder) daher achte ich auf verschiedene Dinge ganz besonders, zB auf Knöpfe, lose Fäden, Fadenverlauf, genähte und versäuberte Knopflöcher, bei Röcken auf die Naht (nicht zipfelig), innen ordentlich versäubert, auf die Haptik und das Material des Stoffes, uva, es wird damit nicht einfacher etwas zu kaufen, obwohl es trotzdem manchmal nach der ersten Wäsche doch zu bösen Überraschungen kommen kann…
    alles Liebe Gabriele

    • Wenn es in den Punkten nach der Wäsche zu bösen Überraschungen kommt, reklamiere ich die Teile meistens. Ist dann nervig wegen der Rennerei damit, aber ich bin sie dann wenigstens wieder los und habe mein Geld wieder.

  2. Den Knautschtest mache ich immer, schon, weil ich bügelfaul bin. 😉

    Allen Punkten stimme ich Dir aber nicht zu, was hochwertige Kleidung betrifft.
    Ein perfekt sitzendes Kleid habe ich z.B. von C&A.
    Mein teurer Kaschmirpullover hat auch schon Pilling.
    Alle hochwertigen Kleidungsstücke haben nicht zwingend ein Schrägband.
    Die Farbe der Kleidung passt zu mir? Das tut auch ein Billigteil von KIK. 🙁
    Farbe bleibt beim Waschen erhalten? Auch eine hochwertige Jeans färbt aus.

    Ich würde lieber immer spezifischere Tipps sehen, so allgemein mag es den einen oder anderen eher verunsichern.

    Einen wichtigen Punkt finde ich noch beim Vergleich mehrerer Größen, dass nicht nur die Länge angepasst wird, sondern auch der Schnitt in Bezug auf Taille, Hüfte und auch, wenn vorhanden, Brustabnäher.

    Was heute so gut wie gar nicht mehr richtig zugeschnitten wird, zumindest in meiner Preisklasse, in der ich kaufe, ist die richtige Form der Taille bei Röcken. An sich darf die Linie nämlich nicht grade sein, sondern muss einen ganz leichten fast unmerklichen Bogen nach unten haben.

    Außerdem liebe ich Kleidung, die nach der Schneiderkunst genäht sind und nicht, weil es einfacher, effektiver, schneller und billiher geht, mit einer Naht gleichzeitig nähen, versäubern und Stoffrand verstecken.

    Besonders beeindruckt hat mich Üffi ihr letztens vorgesteller Blazer. Da ist mir echt das Herz aufgegangen, wie fein alles genäht und gebügelt wurde. In Berlin gibt es sehr viele kleine Läden, wo Mode-Designer-Schneider/innen ihre selbstgenähten Sachen verkaufen. Da findet man auch wunderschöne Teile, aber nie sind die Nähte ausgebügelt. Was hab ich damals gebügelt beim Nähen, jede Naht, nicht erst, wenn das Kleidungsstück fertig war.

    Ein interessantes Thema, danke dafür.

    Liebe Grüße,
    Moppi

    • Hochpreisig ist für mich auch keinesfalls gleichzusetzen mit hochwertig. Es gibt gibt sooo viele teure Sachen, die nichts taugen – über ein Teil habe ich hier mal geschrieben https://www.meyrose.de/2013/12/21/selbst-schuld-oder-pfusch/ – und Teile für wenig Geld, die gut geschnitten sind und etwas taugen. Meiner Erfahrung nach finde ich im hochpreisigen Segment eher Dinge, die meine persönlichen Ansprüche erfüllen, aber ich habe auch Glückstreffer für wenig Geld im Schrank, zum Beispiel eine Jeans von C&A.

      Meiner Erfahrung nach bekommt Kaschmir immer Pilling. Für mich ist der Unterschied bei guter Qualität, dass es nach spätestens zweimal entfernen aufhört. Bei schlechter Qualität (unabhängig vom Preis) hört es nie auf. Ich habe eine Kaschmirkuschelhose aus einem Outlet, die einen extrem hohen Originalpreis hat, die ein wahres Pillingmonster ist, die hat für mich schlechte Qualität, weil es nicht aufhört. Dass meine ich in der Liste damit, dass sich das Pilling ggf. entfernen lässt.

      Jeans färben sicher immer etwas aus, aber mit Essigessenz im Waschvorgang lässt es sich deutlich reduzieren. Bei anderen Kleidungsstücken erwarte ich, dass sie die Farbe lange Zeit halten, zum Beispiel bei T-Shirts und Blusen.

      Ausgebügelte Nähte finde ich auch wunderschön. Das ist einfach schön anzusehen und anzufassen. Da sind wir uns ganz einig.

  3. Für mich ist fast das wichtigste, dass das Teil richtig passt. Und das eben nicht nur in der Breite. Dass die Ärmel richtig eingesetzt sind. Nichts steigt oder Falten wirft. Bei geschlossenen Knöpfen absteht oder aufklafft. Nichts “zipfelt” oder sich beim Tragen dreht.
    Dazu kommt das Material und die Haptik. Plus Farbe. Und ja, Qualität ist teuer. Und Maßschneiderei eine Kunst. Ebenso wie Haareschneiden. Alles, was ein Dreidimensionales Ergebnis in Bewegung liefern muss verlangt Kreativität, äußerste Präzession, Technik und Leidenschaft. Wer das drauf hat, ist für mich ein Künstler, kein Handwerker.
    LG Sunny

    • Derjenige, der das umsetzt, ist für mich schon ein Handwerker. Aber der Designer ist definitiv ein Künstler.

  4. Liebe Ines, danke, das trifft natürlich auch das Thema was ich meinte. Ich nehme an, dass du das alles auch deinen Kunden so weiter empfiehlt.
    Ich hätte noch hundert Ergänzungen, werde mich aber hüten, hier den Rahmen zu sprengen. Aber eins liegt mir persönlich sehr am Herzen: Ich achte immer darauf, dass fertige Strickwaren auf Form gestrickt sind und nicht einfach nur zugeschnitten! Das sieht man v. a. an den Ärmelschrågen durch die regelmäßigen Abnahmemuster. Ist das nicht da, geht das Stück zurück auf die Stange.
    Alles andere findet meine vollstes Zustimmung!
    LG Susanne

    • Das freut mich, dass auch ein Beitrag in der Richtung Deinen Wunsch erfüllt. Dann schaue ich mal übers Jahr, worüber ich da noch so plaudern mag.

      Du darfst den Rahmen immer gerne sprengen 🙂 .

  5. Es gibt sicher auch ZaraMangoHaundeM-fähnchen, die super sitzen, (zu) mir passen und die richtige Farbe haben. Trotzdem ist das für mich keine hochwertige Kleidung und schon gar kein Qualitätsmerkmal. Materialherkunft und Verarbeitung finde ich sehr wichtig. Ich kaufe lieber Wolle aus Schottland, Kaschmir aus der Mongolei und Baumwolle aus Korea, als aus Bangladesch oder China. Ich gucke vor dem Einkauf immer auf die Zettel im Inneren.
    Liebe Grüße
    Bärbel

    • Die Zettel schaue ich auch an. Bei meinem letzten Zara-Besuch habe ich jedes Teil sofort wieder losgelassen, weil das Material für meine Hände furchtbar war. Da brauchte ich nicht mal mehr auf den Zettel gucken. Dafür hatte bei C&A Kaschmir in der Hand, das sich gut anfühlte. Da passte leider keine Farbe zu mir … #irgendwasistimmer …

  6. Gut, dass Du Dich diesem Thema widmest. Im “Rausch des Aussuchens und endlich ein tolles Teil gefunden habens”, vergesse ich schon mal auf so essentielle Sachen… 😉
    Das mit dem Knopf-Austauschen habe ich auch schon gemacht. Eine Jacke bekam so ein viel hochwertiges Aussehen. Es war schon eine gute Qualität, aber mir zuviel Blingbling bei den Knöpfen…
    Dass heutzutage noch teure BW T-Shirts eingehen, finde ich auch unmöglich. Und zwar bei jedem Waschen ein Stückchen mehr. Habe ich jetzt erst bei einem Stück von Betty Barcley so erlebt. Eigentlich ein gestreiftes Lieblingsteil, wird es immer kürzer. So schade und natürlich für Reklamation viel zu spät.
    Jetzt interessieren mich natürlich Susannes Ergänzungen. Wie wäre es mit einem Gastbeitrag?
    Herzlich grüßt Sieglinde

    • Ich habe aus 2017 ein Sweatshirt, dass bei jeder Wäsche kürzer wird … Da nützt auch Fairtrade am Ende nichts …

    • Sieglinde, wenn man selbst was vom Handwerk versteht, sieht man alles viel kritischer. Vielleicht nehme ich das Thema demnächst bei mir auf. Ich brauche Lückenfüller zwischen der Strickmanufaktur und dem neuen Start. Es würde passen!
      LG Susanne

  7. Liebe Ines,
    es ist schon toll, wenn ein Muster so verläuft wie bei deinem Kleid. Das zahlt man natürlich mit. Ich habe intensiv genickt bei deinem Satz über die Knöpfe, denn in jüngeren Jahren wollte ich mal an eine Jacke andere Knöpfe annähen, um sie aufzupeppen, und ging dazu in einen Laden namens Knopfkönig, der vermutlich für Knopflieber eine Art Paradies war. Denn es gab hier Knöpfe in allen Farben, Größen, Formen… Aber teuer waren sie alle, und da sie damals insgesamt teurer gekommen wären als die Jacke, beließ ich es schließlich bei den alten Knöpfen.
    Herzliche Rostrosengrüße und Paulekrauler,
    Traude
    http://rostrose.blogspot.co.at/2018/01/wei-warm-und-ummantelt.html

    • Was schließen wir daraus? Schöne Knöpfe werden am besten aufbewahrt. In der Hoffnung, dass sie in Menge und Größe mal passen …

  8. Der Schnitt und das Material sind für mich erstmal am wichtigsten. Klar die Farbe, aber das hat mehr mit meinem Typ zu tun, als mit der Wertigkeit eines Kleidungsstücks. Den Grifftest mache ich immer bei Mänteln und Anzügen. Ein guter Schurwollmantel/Anzug knittert nicht. Mein Kaschmir fusselt nicht, ein wenig Pilling und dann war gut. Aber mein neuer “Pinkpulli” fusselt furchtbar, überall Wollfasern, doof bei schwarzen Hosen 😉
    Auf Knopflöcher schaue ich auch gern, manchmal sind die schlecht versäumt. Für mich immer ein riesen Highligt, wenn das Innenfutter kein Polyester ist. Weisst Du da hab ich einen tollen Wollmantel ohne Poly entdeckt und dann ist er komplett damit gefüttert.
    Nicht so leicht Kleidung zu finden, die richtig gut ist, wenn man wählerisch geworden ist 🙂
    Danke für den tollen Post. Liebe Grüße Tina

    • Den Knopflochhinweis finde ich auch wichtig. Danke dafür! Nicht nur, dass da keine Fadenenden herausgucken sollen, sondern sie sind bitte fest umnäht.

      Ja, die Ansprüche machen es nicht leichter, Kleidung zu finden. Aber wenn man welche findet, hat man viel mehr Freude daran, oder?

  9. Deine Liste unterschreibe ich sofort, liebe Ines. Ich würde deine Liste noch um den Riechtest ergänzen wollen. Sollte das Kleidungsstück nur ein klein wenig irgendwie nach Chemie riechen, probiere ich es gar nicht erst an.
    LG Caro

    • Danke für die Ergänzung. Die unterschreibe ich sofort. In einigen Läden kaufe ich schon deshalb nicht ein, weil der Geruch mich schon beim Reinkommen erschlägt.

  10. Dass es wirklich gut sitzt ist für mich das Allerwichtigste. Und da hab ich ja gerade überraschenderweise bei Zara jene dunkelblaue Strickkombination gefunden, die sich gut anfühlt und super sitzt.

    Beachtenswert finde ich, dass so ein Thema offenbar automatisch zu einer – wie soll ich sagen – leicht elitären Diskussion zu werden droht.

    Oder gleich die ethisch-moralischen Töne reinspielen. Das ist dann aber für mich eine andere Debatte.

    Das bedeutet nicht, dass Qualität nicht wichtig ist. Ganz im Gegenteil. Ich finde sie sehr wichtig. LG Sabina

    • Was ist an der Diskussion für Dich denn elitär? Im Beitrag habe ich Preise deshalb ganz bewusst herausgelassen.

  11. Nein, nicht das Thema an sich. Da bin ich bei dir.

    Aber wer kann sich Kaschmir aus Schottland leisten? Nicht jede. Wenn wir so reden, dann kommt da für mich so eine Nuance dazu…

    Meine Kaschmirpullis musste ich auch rasieren. Dass das Fuseln aufhört wusste ich nicht. Gut zu wissen!

    • Qualität muss nicht elitär sein, auch wenn wirklich gute Sachen schon mal ihren Preis haben. Ich gehe seit 2 Jahren einfach konsequent nicht mehr zu Zara, Mango und Co., sondern kaufe lieber weniger und hochwertiger.

    • @Bärbel
      Bei Zara und Mango habe ich noch nicht ein einziges Teil für mich gekauft. Mir hat es noch nie etwas so gefallen oder gepasst, dass ich es haben wollte. Zum Thema günstige Kleidung hat LoveT. vor einiger Zeit den Beitrag “Günstig, billig, preiswert, bezahlbar – Outfits um die 50 Euro” unter http://looksoflovet.blogspot.de/2017/10/gunstig-billig-preiswert-bezahlbar.html geschrieben, den ich sehr interessant fand. Auf Fotos bei Bloggern sehe ich oft Looks mit günstigen Marken, die toll aussehen.

      Ich habe den sicheren Griff zum teuersten Stück im Laden. Das ist in Läden mit hochwertigen Sachen keine große Kunst. Haben diese Blogger den sicheren Griff für Perlen in dem Billigsortiment und finden die Schätze, die mir entgegen? Oder würde mir das live auch nicht gefallen? Ich weiß es nicht. Und weil meine Besuche in solchen Läden bisher immer erfolglos waren – und der Chemiegeruch beim Reinkommen es nicht besser macht – betrete ich die kaum.

    • @Sabina
      Ja, nicht jeder kann sich feine Wolle oder Kaschmir zum Originalpreis leisten. Der Knackpunkt ist für mich dabei das Wort Originalpreis. Wir leben nun mal in einer Gesellschaft, in der nicht jeder über den gleichen Geldrahmen verfügt. Zum Glück – und ich weiß dieses Glück sehr zu schätzen – steht mir im bisherigen Leben genug Geld für neue Dinge zur Verfügung. Wie schnell sich das ändern kann, ist mir bewusst. Allerdings arbeite ich auch fast jeden Tag daran und dafür, dass das bitte so bleiben mag mit dem Glück und dem Geld.

      Worauf ich hinaus will ist: Wer nicht das Geld für die Originalware hat, ist vielleicht mit einem Kauf eines solchen Produkts im Second Hand besser bedient als mit einem Neukauf in schlechter Qualität. An den Sprüchen “Wer billig kauft, kauft 2 x” und “Ich bin zu arm, um billig zu kaufen” ist absolut etwas dran. Deshalb kaufe ich lieber weniger in hoher Qualität und am Ende geht die Modemathematik – die Kosten pro Tragen – auf.

      Ich gebe jeden Monat bei einem Kunden ein Seminar zum Thema Outfits für Bewerbungsgespräche für Menschen, die wieder in den Berufsalltag einsteigen wollen nach gesundheitlicher Auszeit. Diese Teilnehmer haben, wenn sie nicht einen gut verdienenden Partner oder Familie haben, meistens sehr wenig Geld und wir sprechen dort immer wieder darüber, wie man auch für wenig Geld an wertige Kleidung kommen kann. Dass der Gebrauchtwert für Kleidung zu gering ist (und ich meine deshalb verschenke und nicht verkaufe), kommt diesen Menschen zu Gute.

      Gerade habe ich einen Blick in meinen Schrank geworfen. Ich besitze 7 T-Shirts. Davon sind sechs von Armor Lux zu einem Preis um 70 Euro und eins von s.Oliver für10 Euro. Das von s.Oliver hält zwar die dunkelblaue Farbe, hat aber verdrehte Seitennähte = miese Qualität. Die von Armor Lux sind trotz vielen Tragens in guten Zustand. Der einzige Grund, warum ich das von s.Oliver nicht reklamiert habe, ist, dass ich keine dunkelblaue dünne Alternative gefunden habe.

      Die meisten Menschen in Deutschland haben deutlich mehr als 7 T-Shirts im Schrank, von denen viele ausgeleiert und verwaschen sind. Auch wer weniger Geld hat, ist meiner Ansicht nach besser damit bedient, ein Teil weniger zu höherer Qualität zu kaufen. Auf meine T-Shirts und die Gründe für diese Auswahl gehe ich demnächst in einem Beitrag zur neuen Serie Grundausstattung noch näher ein.

    • Zu Ines Bemerkung: “Seminare für Bewerbungen”.
      Als ich noch als Coach für Frauen gearbeitet habe, kam eine Klientin wegen eines Bewerbungsgespräches und u.a. der Kleidung dafür. Sie wollte den Job unbedingt und war auch sehr dafür geeignet. Aber sie hatte wenig Selbstbewusstsein und wenig aktuell verfügbares Geld und kaum gute Klamotten, doch sie hatte etwas gespart. So hat sie sich vom Ersparten das beste und teuerste Kleid gekauft, dass sie sich leisten konnte – passend zum Firmenumfeld – und ging zum Bewerbungsgespräch mit gutem Selbstwertgefühl.
      Klar, dass sie den Job bekam! Und sie kaufte sich vom Ersparten noch sofort eine hochwertige Grundgarderobe für genau diese Arbeitsstelle und danach konnte sie sich eh jede Garderobe leisten….
      Da kann man wirklich sagen: richtig investiert!

  12. 🙂 Liebe Ines,
    schöner Bericht!
    Ich finde bei Mustern sieht man den Unterschied in der Qualität! Wenn Teile so genäht sind, dass das Muster fortlaufend ist, oder durch die Naht unterbrochen wird. Auch das hat aber nicht immer etwas mit dem Preis zu tun.
    Pilling finde ich äußerst nervig, aber das lässt sich leider nur selten abstellen. Da muss man dann öfter mit dem Pilling-Rasierer ran.
    Schönes Wochenende und liebe Grüße
    Claudia 🙂

    • Wenn bei günstigen Sachen die Muster fortlaufend sind, freue ich mich umso mehr. Das ist allerdings ein Punkt, bei dem mir als Verbraucher sofort klar ist, warum ein fortlaufendes Muster mehr Geld kostet. Da fällt einfach mehr Stoffabfall an und es muss viel akurater gearbeitet werden, was Zeit kostet.

      Hier im Blog habe ich 2017 ein Sommerkleid gezeigt, bei dem das Muster nicht sauber zugeschnitten ist:

      https://www.meyrose.de/2017/07/03/10-gruende-fuer-dieses-sommerkleid/

      Bei dem Beitrag haben sich einige Leserinnen über diesen Mangel aufgeregt. Mich stört er bei dem Kleid nicht, weil ich es für ein nachhaltig produziertes Kleid günstig fand. Wenn es doppelt so teuer gewesen wäre, wäre für mich das auch ein Grund gewesen, es nicht zu kaufen. Am Ende muss das Preis-Leistungs-Verhältnis passen.

  13. Hui, das sind aber viele Punkte … – mir schwirrt der Kopf und ich muss natürlich zugeben, im Laufe der Jahre leider scheinbar eine ganze Reihe qualitativ minderwertiger Teile angeschafft zu haben …

    Gerade letztens habe ich eine Bluse gekauft, bei der ich nach der ersten Wäsche quasi überall diese losen Fäden/überlangen Fadenenden fand. Nervig!! Und gerade trage ich einen Pullover eines recht namhaften Herstellers auf, der vor allem am Kragen völlig verschnitten ist und zudem knautscht wie doof. Habe den lange überhaupt nicht angezogen, aber werfe mir jetzt ein riesiges Tuch drüber, so ist es an Hals und Nacken dann doch warm genug. 🙂

    Sobald Ihr über diese Schneiderkünste sprecht, bin ich übrigens komplett raus. Vielleicht könnte man ergänzend zu diesem Beitrag irgendwann mal Fotos zeigen? Schlechte Beispiele versus gute Beispiele? Also quasi nochmal bebilderte Tipps? Das wäre fein.

    Liebe Grüße
    Gunda

    • Doofer Pulli. Schlechte Beispiele habe ich zum Glück nur wenige, weil ich die selten kaufe. Ich schau mal, was ich an guten Beispielen finde, um den Beitrag noch etwas mehr zu illustrieren. Ich gehe beim Schreiben meistens so naiv davon aus, dass klar ist, was darunter zu verstehen ist … Danke fürs sagen, dass dem nicht so ist. Ein typischer Denkfehler von mir ist: Weil ich es weiß, denke ich, dass jeder es weiß. Aber dann wäre der Artikel eh nutzlos, wenn dem so wäre … also Danke Dir!

    • Ich habe den Beitrag jetzt mit ein paar Bildern ergänzt und diese noch etwas mehr beschrieben. Ist das jetzt besser verständlich? Fehlt Dir zu einem Aspekt noch eins?

  14. Ein sehr guter Artikel!
    Ich plädiere sehr dafür, auf hochwertigere Bekleidung zu achten. Schon allein deswegen, weil dies einfach nachhaltiger ist, als Teile zu kaufen, die nach der 2. Wäsche nur noch zum Putzlappen taugen.
    Leider bemerkt man richtig gute Qualität als Nichtfachmann oft erst dann, wenn es zu spät ist.
    LG
    Sabienes

    • Mein Reden … dann geht auch die Modemathematik mit den geringen Kosten pro Tragen auf. Je geübter der Blick, je besser wird die Quote.

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