Pullunder: Trend oder Klassiker?

Ines Meyrose – Pullunder dusk blue MAERZ – Bluse Different Fashion gelb-weißes Karo - Portrait

Beides! Seit Jahren lese ich immer wieder in Zeitschriften und Onlinemagazinen, dass Pullunder modern sein sollen. Leider finde ich in den Geschäften keine. Wenn ich mal einen gesehen habe, war er in schlechter Qualität oder hatte einen engen Rundhalsausschnitt, den ich an mir nicht mag. Wenn ich schon einen fast dreistelligen Betrag für einen hochwertigen Klassiker aus reiner Merinowolle bezahle, möchte ich bitte einen für mich passenden V-Ausschnitt dabei haben.

Gerne hätte ich anstelle des schmalen Klassikers mit Bündchen einen etwas weiteren oder kürzeren Pullunder ohne Bündchen gekauft, den gab es in einer passenden Farbe allerdings auch nirgends in den letzten Jahren. Also habe ich das gleiche wie schon zehn Jahre vorher getan: meinen Pullunder in der Herrenabteilung erworben. Da gibt es sie wirklich immer.

Ines Meyrose – Pullunder dusk blue MAERZ – Bluse Different Fashion gelb-weißes Karo – Jeans Lands‘ End True Straight – Stiefeletten – Officine Creative – Shopper Manufaktur Lederwerkstatt Sylt

Stilberatung: 5 Vorzüge von Pullundern

  1. Sie wärmen den Rücken, während die Hände zum Agieren frei bleiben.
  2. Sie schützen vor Einblicken in die Bluse zwischen den Knöpfen. Das gibt mir Sicherheit bei geschäftlichen Terminen.
  3. In dunkler Farbe machen Pullunder einen flachen Körper, weil der Körper zweidimensional wirkt. Gut, um einen Bauch oder Hüftspeck zu kaschieren und den Busen kleiner wirken zu lassen.
  4. Wenn die Hose eine ähnliche Farbe wie der Pullunder hat – bei mir ist beides dunkelblau – streckt ein Pullunder die Silhouette. Es entsteht eine schmale, lange Säule, die Dich länger wirken lässt. Du bist lang und möchtest kleiner wirken? Nimm den Pullunder in Kontrastfarbe zur Hose, zieh vielleicht sogar einen Rock dazu an.
  5. So einen Klassiker kannst Du so lange tragen, wie er Dir passt. Danach kann er woanders noch ein zweites Leben führen. Kaputt getragen bekommt man den nur schwer.

Die gelb-weiß karierte Bluse aus 2016 kennst Du unter anderen aus dem Beitrag RADIKAL MINIMAL #11. Man kann diesen Look mit Fug und Recht sterbenslangweilig nennen und sich fragen, was das mit Fashion zu tun hat. Wenn wir aber bei tragbaren Looks für den Alltag einer selbständigen Imageberaterin sind, finde ich den Look nicht langweilig, sondern passend.

Ines Meyrose – Pullunder dusk blue MAERZ – Bluse Different Fashion gelb-weißes Karo – Jeans Lands‘ End True Straight – Stiefeletten – Officine Creative – Shopper Manufaktur Lederwerkstatt Sylt

Ich ziehe dieses Outfit exakt so zum Beispiel für Seminare an, die ich monatlich bei einem langjährigen Kunden von mir gebe. Dort arbeite ich mit Menschen mit psychischen Erkrankungen, die wieder ins Berufsleben einsteigen wollen und bei meinem Kunden drauf vorbereitet werden. Dazu gebe ich das eintägige Seminar “Stilsicher auftreten”, in dem die Teilnehmer_innen eine kurze Farb- und Stilberatung in Bezug auf anstehende Bewerbungsgespräche bekommen und deren vorhandene Outfits dafür in der Gruppe gemeinsam auf Tauglichkeit analysiert werden.

Dabei ist es wichtig, dass ich keinesfalls teure Labels trage, weil das in dem Umfeld einfach nicht angemessen wäre. Die Teilnehmer sind oftmals jahrelang nicht erwerbsfähig gewesen. Da fände ich es unpassend, mit einem Krokodil oder Reiter auf meinem Pullunder vor ihnen zu stehen. Dennoch ist es natürlich wichtig, dass ich seriös aussehe und in gewissen Punkten ein gutes Vorzeigebeispiel bin. So könnte sich zum Beispiel eine Sachbearbeiterin für einen Job im Backoffice bewerben.

Bei diesem Seminar trage ich keine leuchtenden Farben, weil der Anblick sieben Stunden lang für die Teilnehmer_innen einfach too much sein kann. Über die Jahre hat sich herausgestellt, dass dunkle Jeans + Bluse/Pullunder oder Ringelshirt/Blazer + Halbschuhe/Stiefeletten mein bewährter Standardlook dort ist.

Ines Meyrose – Pullunder dusk blue MAERZ – Bluse Different Fashion gelb-weißes Karo – Jeans Lands‘ End True Straight – Stiefeletten – Officine Creative

Es kommt dabei als Trainerin nicht darauf an möglichst modisch, sondern korrekt angezogen zu sein mit Kleidung in gutem Zustand. Deshalb wurde meine zu kurz gewordene dunkelblaue Jeans durch eine neue ersetzt, die geliebten Halbschuhe haben mich verlassen und diese Stiefeletten (2013) werden stattdessen wieder öfter getragen. Der Pullunder passt für mich gut dazu.

Wie ist Dein Verhältnis zu Pullundern?

26 Gedanken zu „Pullunder: Trend oder Klassiker?

  1. Mit dem Outfit stimme ich Dir voll und ganz zu. Fashion ist doch ein weiter Begriff und Mode ist, was gefällt. Ich finde es gut, dass Du Dich dem Anlass entsprechend kleidest. Mir gefällt das Outfit an Dir auch, obwohl ich selbst keine Pullunder mag. Die mochte ich als Kind schon nicht. Vielleicht liegt es an den 70ern, als alle sie trugen.

    Liebe Grüße Sabine

  2. Liebe Ines,
    Du wirkst kompetent und seriös, ein entspannter Look, passend zum Anlass; ich finde es auch sehr wichtig sich dem Anlass/der Funktion entsprechend zu kleiden; weniger ist mehr, das ist auch meine Devise in Anbetracht meiner Beratungstätigkeit im Sozial- und Pflegebereich. Pullunder mag ich persönlich nicht an mir, sie erinnern mich an meine Kindheit und Jugend (die 70ger).
    Liebe Grüße aus dem sonnigen frühlingshaften Salzburg
    Gabriele

    • Da stehst du sicher oft vor ähnlichen Bekleidungsentscheidungen wie ich. In Deinem Beruf möchtest Du auch einen guten Eindruck machen, aber Dich sicher nicht zu offensiv in den Vordergrund spielen.

  3. Liebe Ines, deine schlüssigen Begründungen für dieses klassische Outfit bis ins letzte Detail überraschen mich wieder mal so, dass ich dir die Langeweile und den konservativen Stil in jeder Hinsicht nachsehe (wenn mir das überhaupt zusteht :)).
    So soll man Mode interpretieren, da stimme ich dir absolut zu!
    Ich mag Pullunder oder Westover, trage einen selbst gestrickten oft und schon viele Jahre. Sollte mir mal einer ohne Bündchen über den Weg laufen, lass ich dich das wissen – den suche ich nämlich auch! Zb. gern auch hinten länger als vorne und mit Schlitzen an den Seiten…
    Liebe Grüße
    Susanne

  4. Liebe Ines,
    also ich bin nicht so überrascht von Deinen gut überlegten Argumenten für den Pullunder. Denn bei Deiner “äußeren Hülle” überlässt Du nichts dem Zufall. Gut so! Das Gespür dafür, sich dem Anlass und dem Umfeld entsprechend zu kleiden, fehlt ja vielen Menschen. Früher hieß es: lieber “overdressed” als “underdressed”, aber so simpel ist es eben auch nicht. Danke für den interessanten Beitrag.
    Mein Verhältnis zu Pullundern ist nicht gut. Ich wirke damit sehr streng (alles rein äußerlich, aber trotzdem mag ich nicht so gesehen werden).
    Liebe Grüße
    Susa

    • Stimmt, mit Overdressed fällt man in der immer legerer werdende Welt inzwischen bald mehr auf als in Jeans und Sneakern …

  5. Lieber als Pullunder, die doch eher flächig sind, trage ich Westen – gern auch gestrickt. Ich habe eine Lieblingsweste aus fein gestricktem Kaschmir in schokobraun. Der V-Ausschnitt streckt, die Knopfreihe ebenfalls und es passen auch gut T-Shirts drunter genauso wie Blusen.
    Deine Überlegungen finde ich sehr angemessen und professionell. Man sollte sich immer überlegen, mit welcher Situation – und welchen Menschen – man es zu tun hat – privat und beruflich.
    Daher finde ich Deinen Look sehr stimmig.
    Übrigens: In der Herren-Abteilung sehe ich manchmal auch Pullunder, eher noch als bei den Damen.
    Herzliche Grüße von Sieglinde

  6. Hallo Ines,
    zu dir passt der Pullunder total gut. Ich hab zwar schon mal welche gesehen, aber irgendwie bin ich mit Pullundern noch nie warm geworden. Ich besitze auch gar keinen. Was aber auch daran liegen mag, dass ich keine Bluse für drunter hätte ;)
    Liebe Grüße Andrea

    • Die sind zu brav für Dich. Eine oversized Variante aus Sweatstoff könnte Ich mir vorstellen über einem Shirt.

  7. Hach nein, die wollte ich als Kind schon nicht. Wohl eher nicht für mich. Ich würde den Pullunder als Klassiker sehen. Bei Dir gefällt er mir eigentlich gut.
    Liebe Grüße Tina

    • Ich kann mich Dir darin durchaus auch vorstellen. Aber noch lieber sehe ich Dich in Kleidern. Die passen zu Deiner Statur so schön.

  8. Eine zeitlang trug ich schmale, kurze mit V Ausschnitt über gestreifte Blusen, deren gerundeter Saum unten 10 cm hervorguckten. Dazu Bootcut und Stiefeletten. Aber das ist 10-15 Jahre her. Aktuell ist mir nicht danach. LG Sunny

  9. Für mich sind Pullunder eher die Klassiker. Meinen letzten Pullunder hatte ich vor 10 – 15 Jahren gekauft, da waren diese schon mal modern. Damals wollte ich unbedingt einen mit Rundhalsausschnitt und fand immer nur welche mit V-Ausschnitt. Als ich endlich das richtige Modell mit Rundhals und in dunkelbraun gefunden hatte, habe ich diese gar nicht so häufig getragen, leider. Aber ich entsinne mich, dass du mir einen Pullunder bei unserer Einkaufstour bei hessnatur gezeigt hattest, den fand ich klasse, war aber auf andere Kleidungsstücke aus. Aber wie du siehst, geht mir der Pullunder nicht aus dem Kopf… Deiner steht Dir hervorragend und du wirkst darin sehr seriös. Ganz prima! LG Caro

    • Ja, an den Pullunder habe ich auch noch oft gedacht. Ich habe ihn für mich nicht zum Kauf in Erwägung gezogen, weil mir die Wolle nicht weich genug war und er mit dem großen Schalkragen mir im Frühling un Herbst vermutlich zu warm ist – oder ich dann doch zum Pullover greife. Ich hatte also Bedenken, dass er zu wenig getragen werden würde.

  10. Mein Verhältnis ist, wie ich schon auf Insta schrieb, ein gutes. Ich mag Pullunder, habe aber schon lange keinen mehr getragen. Dein Look gefällt mir so gut, Ines, dass ich mir sicher im nächsten Herbst einen schönen Wollpullunder zulegen werde. Aus der Herrenabteilung und er darf etwas größer ausfallen. Danke für die Inspiration.
    Liebe Grüße
    Sabine

    • Jetzt kommen zwar erstmal Frühling und Sommer, aber ich bin schon jetzt gespannt, wie Du im Herbst für Dich umsetzt. Ich kann mir gut vorstellen, dass ein locker fallendender Pullunder Dich gut kleidet.

  11. Wie, Deine Jeans ist plötzlich zu kurz geworden!???? Huch!??

    Der Begriff “seriös” trifft Dein Outfit hier perfekt und ich kann gut verstehen, dass das für Dich in besagtem Umfeld der passende Look ist. “Maskulin” fiel mir beim Anblick der Bilder allerdings auch noch ein – naja, der Pullunder ist ja auch aus der Herrenabteilung, wie Du schreibst.

    Mein Verhältnis zu Pullundern ist 70er Jahre. Ich könnte auch “schlecht” sagen. Kann mir nicht vorstellen, dass die zu mir passen. Müsste ja auch ‘ne Bluse drunter. :D ;)

    Liebe Grüße
    Gunda

    • Die Jeans würde mit jeder Wäsche ein minibisschen kürzer. Irgendwann war sie dann definitiv zu kurz.

  12. :-) Liebe Sabine,
    ich habe mal mit 10 oder 11 einen Pullunder gehabt.
    Später habe ich eine Zeitlang gern Westen getragen.
    In diesem Winter habe ich einen breiten, kurzärmeligen Pulli bei COS gefunden, der eine Art moderner Pullunder ist. Den liebe ich heiss und innig, weil er wärmt, Hüftgold versteckt und saubequem ist ;-)
    Schönes Wochenende und l iebe Grüße
    Claudia :-)

    • Du bringst es auf den Punkt :) .

      Bei COS habe ich heuer zwar einen Pullunder aus Wolle gesehen, der hatte aber leider schon x Ziehfäden und einen Rundhalsausschnitt.

  13. Liebe Ines,
    an mir mag ich Pullunder eher nicht, vermutlich weil sie genau den Effekt erzielen, den du dir wünscht: Seriosität. Dazu sehe ich bei mir keine Veranlassung ;-) Aber ich finde, es war eine gute Idee, in der Herrenabteilung zu suchen!
    Alles Liebe nochmal, Traude

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