Ideen für den Ehering Verstorbener #4 Trauerring

Trauerring aus Eheringen gearbeitet

Copyright Foto: Gabriele

Gastbeitrag von Gabriele

Die Anfrage von Ines zur Artikelreihe „Eheringe von Verstorbenen“ hat mich sehr berührt, haben unsere Männer doch zusammen Tennis gespielt und wir uns so kennengelernt. Mir schossen gleich viele Gedanken durch den Kopf und so habe ich spontan zugesagt.

Wir hatten unsere Eheringe in einer kleinen Goldschmiede in Hamburg-Harburg anfertigen lassen. Die geschwungene Form ist ungewöhnlich und gefiel uns besonders. Der Ring passt sich so wunderbar an den Finger an. Die Oberfläche war strukturiert, ist aber inzwischen völlig abgetragen.

Ich hatte bereits über einige Jahre Goldschmiedekurse in der Volkshochschule in Harburg belegt und dort auch Schmuck umgearbeitet. So wurden aus Armbändern zum Beispiel Broschen, Anhänger, Ohrstecker und Ringe. Als mein Mann nach 16 Jahre Ehe starb, war es für mich keine Option den Ehering meines Mannes an einer Kette um den Hals zu tragen. Aber schnell reifte der Gedanke, beide Ringe zu vereinen – für mich ein Teil der Trauerarbeit.

So sägte ich aus dem größeren Ring an beiden Seiten ein Stück heraus – zum Glück blieb die Gravur erhalten – und lötete die beiden Teile wieder zusammen. Dadurch ist die geschwungene Form an den Seiten nicht mehr ganz harmonisch, aber das stört mich nicht. Aus den beiden Reststückchen habe ich die Perle geschmolzen und diese zwischen beide Ringe gelötet. Irgendwie hat es sich gefügt. Ich muss aber gestehen, dass mir die Kursleiterin beim Löten zur Seite stand. Es war eine tränenreiche Arbeit und die letzte Goldschmiedearbeit, die ich seither gemacht habe.

Zunächst habe ich den Ring auf dem Ringfinger der linken Hand getragen, wie meinen Ehering zuvor. Irgendwann habe ich ihn vergrößern lassen und trage ihn nun auf dem Mittelfinger, aber nicht mehr jeden Tag. Wenn ich nur einen Ring haben dürfte, dann wäre es aber auf jeden Fall dieser. Er erinnert mich an eine wunderbare Zeit, an den lieben Menschen, den ich verloren habe, und er gibt aber auch Hoffnung, dass Neues entstehen kann.

Hier geht es zu den anderen Artikeln der Reihe: Ideen für den Ehering Verstorbener.

6 Gedanken zu „Ideen für den Ehering Verstorbener #4 Trauerring

  1. Liebe Gabriele,
    es ist ein schönes Schmuckstück geworden, den Gedanken und die Idee dahinter finde ich traurig und hoffnungsvoll zugleich,
    alles Liebe Gabriele

  2. Wunderschön ist dieser Ring mit der organischen Form, in der der eine Ring dem anderen folgt. Ich kann verstehen, dass das Anfertigen ein wichtiges Stück Trauerarbeit war. Alles Liebe für Dich, Gabriele.
    Silke

  3. Der Ring ist wunderschön und toll, dass du das selbst machen konntest. Alles Liebe dir Gabriele!
    Liebe Grüße Andrea

  4. Ein wirklich eigenes Schmuckstück ist dieser Ring von der Idee und der Ausführung her.
    Ein echtes Erinnerungsstück.
    Lieben Gruß von Sieglinde

  5. Ich habe mir gerade die Fotos der anderen Eheringe angesehen und finde deine Lösung am allerallerallerschönsten. Sie birgt sehr viel Symbolik für mich. Loslassen, gemeinsam “schwingen”, Zusammengehörigkeit und doch das getrennt sein.
    Ich wünsche dir, dass dieser Ring noch sehr lange ein lieber Begleiter sein darf!
    LG
    Sabienes

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