Aufsparen oder aufbrauchen – welcher Typ bist Du?

BSF Friederike 800er Silber Kaffeelöffel

Die Hose nur für gut, das Geschirr für Besuch, Weingläser für besondere Momente, Pralinen im Schrank bis über das MHD hinaus – gibt es solche Sachen bei Dir? Frau_e._ schrieb Sonntag auf Instagram* als Denkanstoß:

“Jeder Augenblick, den wir haben, ist ein besonderer. Auch die, die wir mit uns selbst verbringen.”

Wahre Worte! Deshalb koche ich für mich, auch wenn ich alleine bin, und verwende gute Gläser und Geschirr jeden Tag. In meinem Elternhaus habe ich die ersten 15 Jahre nur von versilbertem Silberbesteck gegessen, weil wir gar kein anderes besaßen. Das hatte meine Mutter für die Aussteuer gesammelt und das wurde benutzt. Als sie gestorben ist, war das so abgenutzt, dass es ich es nicht haben wollte. Und genau dafür war es da: Um benutzt zu werden und aufgebraucht zu werden.

Aufsparen für die Erben

Die Teile des Aussteuerbestecks aus 800er Silber von meiner Oma, die nicht im Krieg verkauft wurden, habe ich 1991 quasi unbenutzt geerbt. Völlig bescheuert aus meiner Sicht, dass meine Oma immer mit billigem Besteck gegessen hat, obwohl sie das schöne Silberbesteck besaß.

Alleine aus der Geschichte habe ich gelernt, dass ich nichts aufspare. Ich bin der Typ für einen Keks sofort als zwei später. Wer weiß, ob die Kekse später noch gut sind! Mein Vater ist mit 37 gestorben, meine Mutter mit 58. Ich bin 47 und habe keine Erben, die nicht ausreichend versorgt sind.

Worauf will ich warten?

BSF Friederike 800er Silber Kaffeelöffel

Mir macht Verwenden mehr Freude als Ansehen. Die silbernen Teelöffel von meiner Oma liegen in der Küchenschublade beim Edelstahlbesteck, das wir ansonsten verwenden. Zum Glück hat meine Oma in den 1920ern mit Friederike ein zeitloses Design von BSF ausgewählt, das ich auch heute noch wunderschön finde. Bis in die 1990er war es sogar noch nachgekaufbar.

Kuchengabeln brauche ich selten, die Messer, Gabeln und Löffel von dem Besteck sind mir im Alltag zu groß. Von diesen Teelöffeln aber esse ich am liebsten. Sie vertragen sogar den Geschirrspüler und die beste Nachricht für alle Silber-Schoner ist: Wenn Du Gegenstände aus Silber im Alltag verwendest, laufen sie kaum an. Verwenden erspart Dir das Putzen!

Es geht nicht darum, Dinge über Gebühr zu strapazieren. Bei der Gartenarbeit trage ich keinen Brillantring und auch kein neues T-Shirt. Aber bei sachgerechter Benutzung gehen im Alltag meiner Erfahrung nach weniger Dinge kaputt, als bei gemeinen Einbrüchen geklaut werden oder bei übervorsichtiger Verwendung zerbrechen. Totgeschonte Kleidung wird oft nicht mehr getragen, weil sie schlichtweg nicht mehr passt oder einem nicht mehr gefällt. Deshalb besitze ich primär Dinge, die ich im Alltag verwenden kann und möchte, und für die Dinge, die wirklich für besondere Momente sind, schaffe ich mir besondere Momente.

Wie hältst Du es damit? Zu Tode schonen oder lieber verwenden?

  1. * Das Profil von Frau_e._ ist privat. Du kannst den Beitrag nur sehen, wenn Du ihr folgst. []

24 Gedanken zu „Aufsparen oder aufbrauchen – welcher Typ bist Du?

  1. Guten Morgen Ines!
    Ich bin auch für lieber verwenden, ganz egal ob bei Geschirr;Schmuck oder Kleidung und ich nehme auch lieber einen Keks gleich als zwei später (ist eh besser für die Figur ;-) )
    Es tut mir immer in der Seele weh, wenn Kundinnen ein schönes Kleid anprobieren und sich dann mit den Worten “aber wann soll ich das denn anziehen?!” für die günstigere (und oft auch weniger chice und wertige Alternative entscheiden).
    Schließlich lebt man nur einmal und über meine Verhältnisse hab ich sowieso noch nie gelebt.
    Einen schönen Tag für dich
    Uschi

    • Oh ja, ich weiß genau, welche Kundinnen Du meinst. Ich empfehel dann immer, einen Anlass zu schaffen. Du möchtest das tolle Abendkleid haben? Dann kaufe gleich Opernkarten dazu!

  2. Das hast du ganz wunderbarer geschrieben! Und ich danke dir für die Erwähnung.

    Mein Mann und ich haben mal eine Flasche Champagner geschenkt bekommen. Die haben wir aufgespart für einen besonderen Moment. Und kein Moment war besonders genug…

    Heute, nach eineinhalb Jahren des Getrenntlebens, weiß ich, was das für ein großer Quatsch war. Jeder Augenblick wäre besonders genug gewesen.

    Daher halte ich es heute anders. Ich verwöhne mich, soweit ich es mir leisten kann und möchte. Und aufgespart wird nichts.

    Liebe Grüße
    Frau E.

    • Immerhin hat es zu dieser positiven Erkenntnis geführt, der Preis dafür ist aber ganz schön hoch.

      Freunde haben neulich einen teueren Karton Prosecco geöffnet, den sie aufgespart haben. Nach acht Jahren Lagerung waren leider die Korken brüchig und der Prosecco gekippt. Was Besonderes und teuer bezahltes für den Ausguss … die haben sich auch geschworen, dass das nicht so schnell wieder passiert.

      Ich wünsche Dir, dass Du alleine und in den kommenden menschlichen Beziehungen die besonderen Momente genießen kannst.

  3. Ich habe, bei genauem Nachdenken, eigentlich nur ein Teil, dass ich aufbewahre. Das ist eine feine goldene Kette, die meine Urgroßoma mir vermacht hat. Sie ist sehr filigran gearbeitet, so dass ich wirklich Angst habe, sie im Alltag (mit den Hunden) zu verlieren oder kaputt zu machen. Gold ist aber auch nicht mein bevorzugtes Material. Ansonsten halte ich wenig vom Aufsparen. Ich mag auch nicht tonnenweise Dinge mit mir rumschleppen, die keine Verwendung in meinem Alltag finden. Ich sortiere oft aus (mindestens einmal im Jahr) und mag das leichte und aufgeräumte Gefühl, das ich auch in meinem Kopf dadurch bekomme.

    Mit unserem Bauernhof, den wir letztes Jahr gekauft haben, hab ich jetzt allerdings noch ein paar Herausforderungen vor mir. Will ich dieses Brett aus uraltem Eichenholz noch behalten oder nicht? Kann man den alten Bauernschrank, der von Holzwürmern zerfressen ist, noch retten? Und was mache ich mit all den DDR-Relikten? Ein paar Dinge werde ich sicher aufarbeiten und weiter verwenden, aber ich muss ganz dringend Sperrmüll bestellen… ;-)

    Tolles Thema übrigens!

    • Deine Kette würde ich auch nicht jeden Tag tragen, weil das mir das Verlustrisiko auch zu hoch wäre. So eine dünne Kette habe ich auch geerbt, die ich deshalb nur selten trage. Aber das finde ich OK, denn es wäre einfach nicht angebracht, wie ständig dem Verlustrisiko auszusetzen, weil sie eben leichter kaputt geht als ein stabiler Ring zum Beispiel.

      Ausmisten finde ich auch befreiend für den Kopf. Der Bauernhof ist da gewiss ein Lebensprojekt … Mein Tipp: Heile Eichebretter aufbewahren, alles mit Holzwurmlöchern weit weg entsorgen. Die Dinger kommen noch noch Jahrem immer wieder … ich komme aus einem Haushalt mit vielen Antiqutitäten und kenne das Problem leider zu gut … und deshalb ist davon auch nichts in mein Haus eingezogen.

      Also dann: Auf die Plätze, fertig, Sperrmüll los!

  4. Das “für besondere Anlässe” benutzen, kenne ich aus meiner Kindheit und Jugend. Da gab es Kleidung, Besteck, Gläser, Geschirr für besondere Anlässe. Das Silberbesteck musste vor der nächsten Benutzung immer poliert werden. Hier gibt es nichts was darauf wartet, irgendwann mal benutzt zu werden. Wer weiß ob ich “irgendwann” noch erlebe? Das heißt ebenso wie bei dir nicht, dass ich in meiner besten Bluse Rasen mähen würde. Trotzdem ist alles Geschirr, Besteck, Gläser usw. zur täglichen Nutzung im Gebrauch und eben nicht nur für Sonntags, Weihnachten, was weiß ich nicht wann. Spannendes Thema, schön das du es aufgegriffen hast liebe Ines. Liebe Grüße Ursula

    • In meiner Kindheit hatte ich auch noch Kleidung “für gut”. Als Kleinkind mmer eine weiße Rüschenbluse und ein dunkelblaues Trägerkleid oder dunkelblauen Faltenrock und weißen Strumpfhosen dazu. In der Grundschule eine dunkelblaue Cordhose mit rotem Nickipullover. Ich mochte die Sachen gerne, hätte sie deshalb gerne öfter getragen.

  5. Kleidung hebe ich nicht mehr “für gut” auf, allerdings grabe ich auch nicht in meinen allerschönsten Sachen den Garten um. Aber mir ist es schon so oft passiert, dass “die gute Bluse” jahrelang wie neu im Schrank hing und dann unmodern wurde.
    Mit den Erbstücken ist es so eine Sache. Eine Freundin von mir hegt und pflegt das alte Geschirr und Tafelsilber ihrer Eltern, Großeltern, Tante, Großtante, Schwiegereltern usw. und es passt auch alles wunderbar zu dem Stil ihrer Einrichtung. Außerdem wohnt sie in einem sehr großen Haus und wird von dort wohl nie ausziehen.
    Ich bin schon sehr viel umgezogen und ich weiß, dass das letzte Hemd keine Taschen hat. Ich möchte auch nicht meine Kinder mit Unmengen von alten Erbstücken belasten. Wenn ich etwas von meiner Oma aufheben würde, dann nur die allerschönsten Sachen. Und da wäre es mir egal, ob sie wertvoll sind oder nicht.
    So viel zur Theorie.
    In der Praxis sieht es so aus, dass auf dem Dachboden zwei komplette Einheiten von Silberbesteck lagern. Schön sorgfältig in Besteckkoffern einsortiert. Und obwohl ich Silberbesteck nicht mag, konnte ich mich bislang noch nicht dazu aufraffen, sie für einen Verkauf herzurichten.
    LG
    Sabienes

    • Mit Kleidung ist mir das früher auch passiert. Ein wunderschöner weißer Longblazer wurde so zu Tode geschont.

      Silber steigt im Preis seit Jahren. Ein gutes Argument, das Thema weiter auszusitzen :) .

  6. Ein schönes Thema liebe Ines, danke dafür, naja ich bin ein bisschen zweigeteilt, aber immer öfter entscheide ich mich, meine schönen Sachen zu tragen und auch das schöne Geschirr und die Gläser zu verwenden, es ist jedoch noch Luft nach oben und ich liebe antike Sachen (Schmuck, Geschirr, Gläser, Möbel, Silber……, Holzwürmer kommen mir jedoch nicht ins Haus,
    alles Liebe Gabriele

    • Dann nimm Dir vielleicht vor, jeden Montag etwas Besonderes zu verwenden?

      Dann nutzt es nicht zu sehr ab, aber es wird vielleicht mehr verwendet als bisher.

  7. Bei uns in der Familie wurde immer mit Silberbesteck gegessen. Meine Oma hatte nämlich einen Satz Silberbesteck für den Alltag und das große, schwere Silberbesteck (von ihrer Oma und daher sehr alt) für die Festtage. Ich habe gutes Geschirr (Maria von Rosenthal) in der Komplettausstattung (inkl. Kaffee- Kakao- und Teeservice) geerbt, habe mir aber schon vor Jahren gutes Geschirr (vario pure von Thomas, ich liebe die dreieckige Form) für den Alltag gekauft. Ich habe das alte, große Silberbesteck in der Schublade liegen, leider darf es nicht in die Spülmaschine und es ist einfach zu schwer und zu groß. Aber wunderschön. Ich benutze die Monogramm-Servietten meiner Oma, ihre Tischdecken, all das hat sie immer geschont, meine Mutter wollte es nicht haben und ich liebe es. Da sich mein Kleidungsstil radikal geändert hat, habe ich auch meine vormals “guten Stücke” weggegeben. Das hat schon weh getan, aber warum soll ich die Sachen nur horten, weil sie teuer waren? Jetzt trage ich alle meine Sachen (Kleidung, Schuhe, Schmuck) gleichmäßig und schone nichts mehr für irgendwann später. Eine Krebsdiagnose vor einigen Wochen hat mir eindringlich vor Augen geführt, dass man im hier und jetzt leben sollte, natürlich nicht über die Verhältnisse, aber so gut, wie es eben geht.

    Vielen Dank für Deinen Blogpost!

    LG, Claudia

    • Ich finde es total schön, dass diese Dinge bei Dir im Alltag auch Verwendung finden.

      Alles Gute wünsche ich Dir dafür, dass das Genießen im hier und jetzt gut gelingt!

  8. HIer im Haus gibt es auch Silberbesteck und “gute” Gläser. Die Gläser find ich schön schräg. Bunte 60er Jahre Kristallgläser. Aber die stehen ein Stockwerk tiefer. Da stehen sie gut, bei meinem Dad im Wohnzimmerschrank.

    Wenn mein Dad mal Kaffeebesuch bekommt nimmt er das gute Geschirr. Recht so. Ich kenne das von meinen Eltern schon so, dass sie die schönen Sachen auch benutzt haben. Immer wenn Besuch kam. Was aber mindestens 1-2 Mal die Woche vor kam.

    Ich selber nutze das was mir gefällt. Für gut habe ich eigentlich nur das Geschirr. Aber das nehme ich auch her. Die Tassen nicht so gern. Weil sie so klein sind. Da kann man aber nichts mehr nachkaufen. Keine Ahnung ob es da tatsächlich auch größere Tassen gegeben hätte. Vermutlich nicht.

    Klamotten. Habe ich tatsächlich ein paar Pflichtteile. Also “Friedhofsmäntel” für verschiedene Jahreszeiten. In “passender” Länge und sehr dezenter Farbe. Die müssen nur selten raus. Aber ich würde es hassen da unpassend aufzulaufen.

    Also nutzen, nicht schonen von meiner Seite.
    LG Sunny

    • Wenn Besuch so oft kam, wurden die guten Sachen auch für meinen Geschmack oft genug verwendet. Die Tassen von meinem Geschirr verwende ich aus dem gleichen Grund auch nur superselten. Ich habe inzwischen aus der Serie Becher dazugekauft, die werden deutlich öfter benutzt.

      Bei Klamotten empfinde ich das bei solchen “Pflichtteilen” auch nicht als schonen. Meinen schwarzen Mantel ziehe ich auch nur für Beerdigungen an. Einfach, weil ich ihn sonst nicht mehr gerne trage wegen der Farbe und Schnitt. Das Material ist aber so tadellos, dass der bestimmt noch weitere 15 Jahre hält.

  9. :-) Liebe Ines,
    ich verwende alles was ich habe. Zur Hochzeit anno Schnee bekam ich Silberbesteck. Das benutzen wir jeden Tag. Was habe ich davon, wenn es in der Schublade herum liegt?
    Das Leben kann ich einem Bruchteil einer Sekunde vorbei sein. Also wozu etwas aufsparen?
    Liebe Grüße
    Claudia

    • Aus genau dem dem Grund, dass das Leben so fix zu Ende sein kann, habe ich von Dir mit solchen Worten gerechnet. Bei dem Thema sind wir uns völlig einig.

  10. Von Dingen, die im Schrank stehen hätte ich ja nichts. Daher werden sie auch benutzt. In ganz jungen Jahreb hatte ich allerdings auch einige schöne Dinge im Schrank aufbewahrt. 😉 Davon bin ich aber nun schon sehr lange weg. Die Löffel sind wirklich sehr hübsch! 💞

    Liebe Grüße
    Sara

    • Man muss ja auch erst mal lernen, dass man einige Dinge nicht ewig mag und deshalb zum Beispiel lieber sofort oft trägt.

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