Bewerbungsanschreiben an Firmen mit Duz-Kultur: Du oder Sie?

Stellenanzeige per Du – mit welcher Anrede ist das Anschreiben zu formulieren?

In dem Seminar Stilsicher auftreten zur Vorbereitung auf Bewerbungsgespräche kam die Frage auf, wie ein Anschreiben zu formulieren sei, wenn die annoncierende Firma in der Stellenanzeige die Bewerber duzt. Zum Beispiel in der Mode-, Medien- oder IT-Branche kommt es inzwischen häufig vor, dass Firmen, in denen eine Duz-Kultur über alle Hierarchien hinweg herrscht, die Stellenausschreibungen in Du-Form geschrieben sind.

Zwischen Anerkennung der Firmenkultur und respektvollem Umgang

Die Seminarteilnehmer waren unterschiedlicher Meinung und teilten nicht unbedingt meine. Ich bin der Ansicht, dass wenn mich jemand duzt, ich ihn auch duzen darf. In diesem Fall nicht nur darf, sondern das tun sollte. Wenn ich den Mitarbeiter schriftlich sieze, zeige ich damit – extrem ausgelegt – dass ich damit nicht in deren Duz-Kultur passe. Anderseits empfinden viele Menschen in Deutschland ein Sie als respektvolle und höfliche Anrede. Zum Du kann man dann immer noch übergehen, wenn man sich persönlich kennengelernt hat.

Mich interessiert Deine Ansicht dazu. Am liebsten ausführlich als Kommentar. Weil aber nicht jeder kommentieren mag, der eine Meinung dazu hat, gerne auch als Klick in der Abstimmung.

Wenn eine Stellenanzeige mit Du-Anrede formuliert ist, schreibe ich die Bewerbung

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Falls Du für das Du bist, interessiert mich zusätzlich, welche Anrede Du empfiehlst. Hallo Max? Lieber Max? … Max?

Danke für Deine Meinung dazu!

27 Gedanken zu „Bewerbungsanschreiben an Firmen mit Duz-Kultur: Du oder Sie?

  1. Ich arbeite in einem US-Konzert, in der sich weltweit alle Ebenen duzen.
    Aus Gesprächen mit Managern und HR-Kollegen weiss ich, dass es in Ordnung wäre, die Bewerbung und das Interview per “du” zu führen, auch in Deutschland, wo es ein paar tausend Mitarbeiter gibt.
    Ich hab es nicht gemacht, ganz im Gegenteil, auch als ich mich im Unternehmen auf eine andere Stelle beworben habe, habe ich schriftlich aufs förmliche Sie zurückgegriffen. In den Interviews dann natürlich nicht mehr.

    Ich arbeite im Social Media Bereich, das heißt, wir duzen auch alle unsere Kunden online. Manchmal ist es nötig, telefonischen Kontakt zu schaffen – dieses Telefonat wird aber wieder “per Sie” geführt. Ausnahmen gibts: bei besonders netten Kontakten sage ich den Menschen, wie wir das handhaben und überlasse es den Kunden, wie sie das Gespräch führen wollen.

    Liebe Grüße

    Birgit

    • Danke für Deinen ausführlichen Kommentar. Habe gerade erstmals Deinen Blog gesehen. Deine Beschreibung “… viel zu vielseitig interessiert um einen Nischenblog zu führen. Deswegen geht’s hier bunt zu!” finde ich klasse!

      Im Social Media Bereich finde ich das auch immer spannend. Anfragende per E-Mail duzen mich fast immer, aber wenn man dann telefoniert, werde ich gesiezt. Ich finde das befremdlich. Wenn ich denjenigen zuerst anrufe, sage ich immer ganz deutlich: Hallo BIRGIT, ich bin INES vom Blog … (da der Blog der Nachname ist, ist die Zuordnung dann auch klar. Wäre es Dir lieber, wenn ich Dich (als Beispiel) anrufen würde und Dich erstmal siezen würde nachdem wir uns schriftlich geduzt habe?

  2. Also, unabhängig davon, dass ich mich nicht bewerbe, würde ich die Sie-Form nutzen. Im persönlichen Gespräch kann man ja dann gern zum Du übergehen, aber zunächst bevorzuge ich das “Sie”. Ich finde auch, dass das “Du” nicht immer hilfreich ist. “Sie Arschloch” sagt man einfach seltener als “Du Arschloch”. ;-)

    • Aus genau dem Grund sieze ich einige Personen an der Hundewiese, an der sich viel geduzt wird, konsequent :) .

  3. Also, ich gehöre ja zur älteren Generation. Ein Du kommt für mich in einer Bewerbung nicht in Frage. Vielleicht weil ich es so gelernt habe? Ich würde immer in der old school Variante meine Bewerbung schreiben.

    Da merkt man wirklich den Generationensprung. Das Du kommt den jüngeren so selbstverständlich über die Lippen, mir nicht.
    Wenn ich in Geschäften unterwegs bin, die ihre Kunden mit Du ansprechen sollen, machen die meist jüngeren Angestellten das auch beim ersten Kontakt. Wenn aber das Gespräch länger dauert, gehen sie automatisch in’s Sie über. Ich würde die Angestellten aber auch nicht mit Sie ansprechen. Das ist halt so bei mir. Aber untereinander sind die jüngeren immer beim Du,, was ich auch okay finde.
    Online- und blogmäßig dagegen ist es normal. Ich würde dich jetzt nicht mit “Frau Meyrose” anreden.
    Die amerikanische Variante finde ich in Ordnung. Aber wenn man merkt, dass es verkrampft rüber kommt, ist es auch peinlich.
    Einen schönen Tag, Frau Ines und Herr Zausel :-)

    • PS: finde den Fehler
      Ich würde die Angestellten aber auch nicht mit “Du” ansprechen.

    • Kennst Du das Hamburger Sie?

      https://de.m.wikipedia.org/wiki/Hamburger_Sie

      Das verwende ich manchmal im Kontakt mit angehenden Auzubis, wenn Du unbedingt beim Vornamen genannt werden möchten. In einigen Situationen finde ich das gar nicht so schlecht.

      Dass man das Gegenteil “Herr Müller, kannst Du mal …” Münchner Du nennt, habe ich eben beim Verlinken des Hamburger Sies gelernt :).

    • Dass es “Hamburger Sie” heißt, wusste ich nicht. Ich dachte immer, es hieße amerikanische Variante (aber vielleicht heißt es auch gar nicht offiziell so, sondern nur in meiner Vorstellung – Vorname und “Sie”). Diese Variante finde ich gut, z.B. bei den Azubis. In meiner Schulzeit haben das auch die Lehrer gemacht, die nicht duzen wollten. Obwohl ich nichts dagegen gehabt hätte, war ich bei manchen dann Claudia und Sie.

  4. Also, das mit dem Du in Geschäften (besonders von den jungen Angestellten) finde ich immer befremdlich für mich als ältere Frau. Ich sieze immer freundlich zurück.
    Meine erwachsenen Kinder, die beruflich viel oder ganz in englisch unterwegs sind, nehmen das natürlich viel lockerer.
    Im Internet habe ich mich dran gewöhnt, dass das Du vorherrscht, aber in meinem da sempre-Blog sieze ich meine LeserInnen und duze bei Kommentaren nur die, die ich auch sonst schon irgendwoher kenne.
    Eine Bewerbung werde ich im Leben nicht mehr schreiben. Mit Du schon gar nicht, obwohl ich beim Voting dafür gestimmt habe, weil ich denke, dass es in dem Fall besser wäre.
    Statt Hallo Max würde ich Guten Tag Max schreiben.
    Ein bisschen höfliche Förmlichkeit brauche ich – und Max vielleicht auch….
    Herzlich, Sieglinde

    • Für mich ist das Du in Geschäften auch meistens befremdlich. Meistens sieze ich automatisch zurück, es sei denn ich bin Stammkunde.

  5. Ganz spontan würde ich beim ersten Bewerbungsschreiben niemals jemanden mit Du anreden, welbst wenn die Stelle so ausgeschrieben wurde. Im Gespräch kann man immer noch dazu übergehen.

    Wenn mich persönlich jemand direkt duzt (z. B. in einem Geschäft), mache ich das auch.

    Im Blog duze ich meine Leser zwar. Es gibt aber welche, die siezen mich in den Kommentaren. Da sieze ich ebenfalls.

    Ich denke, es ist immer eine Sache, wie man sich gerade in der Situation fühlt.

    Liebe Grüße Sabine

  6. Hmmm. Vielleicht würde ich den Brief mit Grüß Gott zusammen, Guten Tag oder Guten Morgen beginnen. Dann aber im Folgenden sowas wie… “Ihrem Unternehmen” schreiben.
    LG Sunny

  7. Als Personaler schreibe ich die Stellenausschreibungen. Und zwar in Sie-Form, auch wenn in unserem Unternehmen fast ausschließlich geduzt wird. Aber erst nach der Einstellung und ich bleibe am Anfang oft erst mal beim Sie, auch wenn das einige irritiert. Ein bisschen Distanz kann gerade am Anfang mal ganz gut sein.
    Ausnahme: Wir suchen zwei Azubis für die Produktion. Da passte die Anrede mit du besser, weil der Text und die Ansprache eine ganz andere ist. Die Bewerber antworten in Sie-Form bzw. umgehen die Anrede, was ich auch gelungen finde. Letztes
    Res würde ich machen, wenn ich mich auf eine solche Anzeige bewerben würde.
    Liebe Grüße
    Andrea

    • Genauso würde es auch handhaben als Personaler: Stellenanzeige per Sie schreiben und duzen kann man sich immer noch, wenn man wirklich zusammen arbeitet.

  8. Ich würde immer mit “Sie” anschreiben. Ich bin einfach so groß geworden und für mich gehört es erst einmal zum Anstand dazu. Was sich später daraus entwickelt, wird sich zeigen.
    Oft liest man diese Anzeigen in “DU” Form, was in meinen Augen aber mehr mit der persönlichen Ansprache zu tun hat. Ehrlich gesagt, spricht es mich mehr an, als ein “SIE”…antworten würde ich jedoch immer in “SIE” Form…

    Liebe Grüße
    Doreen

    • Gerade wenn man sich als mittelalte Person in einem jungen Unternehmen bewirbt, finde ich es schwierig, sich auf sich auf die eigene Prägung zu berufen, weil man eben auch in lockere Unternehmen passen muss, um den Job zu bekommen. Gratwanderung …

  9. Früher war mir das auch eher befremdlich Jemanden einfach so zu duzen, aber nach dem ich in einem Englischen Kosmetik Unternehmen gearbeitet habe, in dem das Du Teil des Vertrages war, habe ich es mir auch angeeignet. Wem es schwer fällt, der kann dann immer noch auf die Indirekte Anrede ausweichen ;) Bei uns in der jetzigen Firma wird auch auf Du umgestellt, was ich weit aus schwieriger finde, so hat meine direkte Vorgesetzte z.B. gleich bei dem Rundschreiben gesagt das sie gegen ein Du ist und beim Sie bleibt, was ich auch respektiere, sie braucht anscheinend diese unsichtbare Distanz zwischen Chefin und Angestellte. Für viele Menschen ist dieses Sie eben eine Art Schutz, ich habe im laufe der Jahre jetzt eine Position erarbeitet bei dem ich diese Form der Distanz nicht mehr brauche. Es ist genau so wie mit diesem vermalledeiten “in” hinter der Berufsbezeichnung, da stehe ich drüber, ich möchte mich nicht auf zwei kleine Buchstaben reduzieren lassen.
    Ich wünsche dir schöne Feiertage

    liebe Grüße Yvonne
    P.S. Bei Anschreiben nutze ich je nach Unternehmen bei dem ich mich bewerbe verschiedene Begrüßungen, da ich ja eher im kreativen Bereich unterwegs bin, ist es häufig ein “Hej” + Name

    • Danke Dir für Deinen ausführlichen Kommentar. Das Verhalten Deiner Chefin finde ich zum Beispiel unpassend, wenn sie das Sie als Instrument missbraucht, obwohl es von oben anders angeordnet wird. Anderseits soll sich jeder auf der Arbeit wohlfühlen und wenn sie das Sie dafür braucht, ist es sicher auch gut, wenn man ihr das zugesteht.

      Ich wünsche Dir ebenso schöne Feiertage!

  10. Zu einen Bewerbunganschreiben, der absolut erst Schritt, würde ich immer Sie benutzen. Würde “Du” nur benutzen falls ich im Team dabei sein könnte und auch dann würde ich noch acht geben in welchen Moment und Kontakt ich das Sie oder Du verwenden könnte.
    Liebe Grüße,
    Claudia

    • Ich finde es sehr interessant, dass dir Kommentieren derzeit eher fürs Sie sind, die klickbare Abstimmung dennoch gleichauf liegt. In jedem Fall zeigt mir dass, dass bei der Antwort keinesfalls Einigkeit herrscht. Danke für Deine Sicht dazu.

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