(Kein) Respekt vor dem Alter

Ines Meyrose, 47, mit Gerlinde Vigenschow, 93.

In ihren 1000 Fragen an sich selbst hat Uschi vom Blog ich tu, was ich kann auf die Frage, an welches ungeschriebene Gesetz sie sich konsequent hält, “Respekt vor dem Alter” geantwortet, was mich auf die Idee zu diesem Beitrag brachte.

Was heißt überhaupt Alter?

Immer wieder lese die Aussage, dass jemand Respekt vor dem Alter hat oder höre, dass jungen Menschen gesagt wird, dass sie Respekt vor Alter haben sollen. Ich betrachte das Wort Alter in dem Zusammenhang als Bezeichnung für eine alte Person. Damit geht es schon los. Was ist alt?

Mein Patenkind bezeichnete mich zu ihren Abiturzeiten, als ich Mitte 40 war, das erste Mal als alt, eine fitte Frau Ü80 in meinem Umfeld findet sich keinesfalls alt. Für Vorschüler finden Viertklässler die Großen. Schwiegermutter darf ich mit inzwischen 93 Jahren alt nennen – siehe Interview bei der Blogparade zum Älterwerden.

Ich definiere für diesen Artikel Alter als relativ von einer Person zu den Personen, die vor ihr geboren wurden. Menschen, die vor mir geboren wurden, verdienen Anerkennung. Sie haben geschaffen, worauf ich aufbaue.

Was ist Respekt?

Im Duden steht, dass Respekt auf Anerkennung, Bewunderung beruhende Achtung sei bzw. vor jemandem aufgrund seiner höheren, übergeordneten Stellung empfundene Scheu, die sich in dem Bemühen äußere, kein Missfallen zu erregen.

Warum sollte man ausgerechnet Respekt vor dem Alter haben?

Anerkennung und Achtung hängen beileibe nicht nur von der Zahl gelebter Jahre ab. Viele Menschen vollbringen in jungen Jahren bereits so großartige Dinge, dass ich vor Respekt ehrfürchtig bin unabhängig von ihrem Alter.

In den Systemgesetzen steht die zeitliche Reihenfolge – also früheres vor späterem Gesellschaftsmitglied – ganz weit oben. Daneben gibt es weitere Aspekte wie Leistung, die beim Thema Respekt zu berücksichtigen sind.

Ich glaube, dass ein Teil meiner Einstellung zum Umgang mit dem Alter in meiner Vereinserfahrung als Segelfliegerin in der prägenden Teenie-/Twenzeit liegt. Beim Segelfliegen spielt das Alter untereinander keine Rolle, sondern nur, was Du in die Gemeinschaft einbringst und fliegerisch bringst. Da bekommen 17jährige Lorbeeren von 80jährigen verliehen.

Wertschätzung vs. Respekt

Ich habe Wertschätzung für geleistete Arbeit, für interessante Ideen, über-den-eigenen-Schatten-gesprungen-sein, soziales Engagement und noch viel mehr. Was mir an Wertschätzung deutlich besser gefällt als an der Duden-Definition von Respekt, ist dass der Hierarchiegedanke dabei fehlt und weniger Bewunderung dabei mitschwingt.

Hast Du Respekt vor dem Alter?

11 Gedanken zu „(Kein) Respekt vor dem Alter

  1. Liebe Ines,
    danke für das Thema. In meinem Familienverbund mit einer Altersspanne von 10 Monaten bis zu 92 Lebensjahren (und alle Altersstufen von jung bis alt gleich mehrfach vertreten) fühle ich mich reich beschenkt mit “meinen wunderbaren Menschen”. Ich habe das Gefühl, das Wertschätzung des jeweiligen Gegenübers, ob jung oder alt, für mich der passende Ausdruck ist. Lebensalter per se ist für mich – über die normale Höflichkeit hinaus – kein Grund für Überhöhung.
    Liebe Grüße, Susa

  2. Da gehe ich mir Dir konform. Das Wort Wertschätzung gefällt mir in diesem Zusammenhang wesentlich besser – und zwar gegenseitig und unabhängig vom Alter.

    Liebe Grüße Sabine

  3. Zuerst mal: Am liebsten mag ich die alten Leute, die mir sagen, dass ich noch so jung sei ;-)

    Ich habe Respekt vor dem Alter, aber nicht durchgängig, denn um sie zu respektieren muss ich die Menschen schon kennen und wissen, was sie geleistet haben.

    Wenn mich allerdings ein Unbekannter Ü80 angrummelt, weil ihm irgendwas nicht passt, dann kann ich auch zurückblubbern.

    • Ich bin heute zu faul zum Schreiben, deshalb schließ ich mich hier an.
      Seh ich auch so und ich immer wieder schön die Erfahrung im Schwimmmbad mit älteren Badegästen. Wenn die ihre “angestammte” Bahn besetzt vorfinden, dann wird trotzdem darum gekämpft als ob es kein Morgen gibt. Um meines lieben Friedens willen weich ich dann aus und denk mir nur meinen Teil. ^^

  4. Liebe Ines, das Wort Wertschätzung passt für mich besser und ich denke man sollte generell Wertschätzung/Respekt vor anderen Menschen haben. Das gehst aus meiner Sicht in unserer Gesellschaft leider zum Teil verloren. Ich erlebe aber auch positive Beispiele. Viele liebe Grüße Beate

  5. Liebe Ines, wieder eine sehr gute Frage! Für mich ist “Respekt vor dem Alter” ein wenig zu pauschal, ich finde, generell hat jeder Mensch Respekt verdient, was aber nicht heißen soll, dass man jede Verhaltensweise die irgendetwas mit Füßen tritt auch tolerieren soll. Hier ist es meiner Meinung nach angesagt, mit Respekt seinen Mund aufzumachen. Ansonsten hat natürlich jemand der bereits längere Zeit lebt in der Regel auch ein gewisses Maß an Lebenserfahrung. Allerdings fällt mir mitunter auf, dass man das nicht zwangsläufig voraussetzen kann und dass Menschen – unabhängig vom Alter – durchaus in gewissen Denkschleifen und Verhaltensmustern festhängen können. Nichtsdestotrotz versuche ich soweit es mir möglich ist, jedem mit Respekt zu behandeln – unabhängig vom Alter.
    Liebe Grüße, Rena
    http://www.dressedwithsoul.com

  6. Heutzutage, wo die Enkel den Großeltern z.B. die IT-Welt erklären können, ist es nicht so leicht mit dem sog. natürlichen Respekt vor dem Alter. Es haben sich einige Dinge anders zurecht gerückt und als alter Mensch muss man durchaus selbst sehen, wie man mit Würde alt werden kann. Denn, dass man überhaupt so alt wird wie es heute möglich ist, ist ja eine recht junge Entwicklung.
    Wertschätzung ist etwas, was alt und jung gegeben werden kann, wenn man irgendwie auf Augenhöhe ist. Respekt dagegen ist durchaus auch mal etwas angstbesetzt.
    Auf jeden Fall bist Du mit Deiner Schwiegermutter auf Augenhöhe und man sieht Euch die gegenseitige Wertschätzung und Sympathie sehr an. Ein wunderbares Bild von Euch beiden.
    Respekt vor dem Alter per se habe ich nicht, wohl aber Respekt vor dem Altern!
    Herzlich grüßt Dich Sieglinde

  7. Ein schönes Thema, liebe Ines.
    Für mich hat Respekt, entgegen der Duden-Definition, nichts mit Hirarchie zu tun. Eher damit jemand zu akzeptieren, wie er ist. Einander respektvoll zu behandeln halte ich für ganz wichtig und nehme kein Alter davon aus. Auch Kinder, die noch nichts geleistet haben, verdienen meinen Respekt. Nur wer mir ohne denselben begegnet nicht.
    Liebe Grüße
    Sabine

  8. Was für ein schönes Bild! :) Ich bin ganz deine Meinung… Wertschätzen ist das richtige Wort. Sich in der Lage des anderen zu setzen und versuchen ihn zu verstehen und ihn zu lieben, ist auch leider heutzutage immer seltener zu finden.
    Liebe Grüße,
    Claudia

  9. Ich habe grundsätzlich mal vor allem Respekt. Andere Menschen, Tiere, Pflanzen und Dingen. Egal. Ich stelle mich nicht über sie. Es geht für mich um Augenhöhe, Entgegenkommen und um Grenzen. BG Sunny

  10. In der Jugend hatte ich nicht so sehr viel Respekt vor dem Alter. Die meisten alten Leute waren sehr, sehr konservativ und geprägt von Krieg und tausendjährigen Reichen. Das habe ich total abgelehnt. Es gab aber auch etliche Ausnahmen und solche Menschen, die immer wieder bewiesen haben, dass sie das Herz auf dem rechten Fleck haben, kann ich nicht genug achten.
    Jetzt bin ich ja selber schon ganz schön alt. Was ich nicht mag ist die ewige Jammerei, die bereits in meiner Generation um sich greift. Denn eigentlich sind ja wir, die jetzt gerade beginnen, alt zu werden, in sehr gloriosen Zeiten aufgewachsen.
    Was ich auch nicht mag ist, wenn ältere Menschen (Männer wie Frauen), versuchen sich krampfhaft jünger zu machen. Oder sich total gehen lassen (“Bin ja schon alt, was soll ich mich dann noch lange hübsch anziehen!”)
    Danke für das schöne Thema!
    LG
    Sabienes

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