Vom Mitnehmen und Loslassen

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Was bleibt: Über die Dinge, die wir zurücklassen (Affiliate Link)
von Susannah Walker
erschienen 2018 im Verlag Kein & Aber

Hast Du schon mal einen kompletten Haushalt von einem anderen Menschen aufgelöst? Ich zusammen mit der Familie das Haus meiner Mutter. Ihr Haus sah auf den ersten Blick eher spärlich möbliert aus als vollgerümpelt und meine Mutter hatte Jahre zuvor Keller und Dachboden selbst bereits einmal aufgeräumt und aussortiert.

Dennoch ist es krass, wie viel Sperrmüll, 2004 wurde der in Schleswig-Holstein zum Glück noch kostenfrei regelmäßig von der Straße ohne Voranmeldung abgeholt, sich in einem großen Haus befinden kann. Der Fußweg stand mehrfach inklusive dem der Nachbarhäuser voll. Ein großer Container wurde zusätzlich mit Kleinkram gefüllt und ein kompletter Haushalt zog aus.

Wenn man all das weg hat, bleiben die Dinge, die man aus Sentimentalität aufbewahrt oder weil man sie zu schade zum Wegwerfen findet. Ich weiß nicht mehr, wie viele Kombiladungen von dort in unser Haus geschafft und dann stückweise von uns wieder weggeschafft wurden. Ein paar Fragezeichenteile befinden sich immer noch in meinem Besitz.

Genau von diesen Fragen handelt das Buch von Susannah Walker, das ich selbst gekauft habe. Ihre Mutter verstirbt und hinterlässt im englischen Worcester ein bis unter das Dach vollgepacktes Haus. Die Mutter war eine Horterin, in Deutschland Messie genannt. Die Tochter kannte das Problem, aber nicht seine Tiefe. Zwischen Bergen an Müll trifft sie Entscheidungen, was sie aufbewahren, verkaufen oder wegwerfen möchte. Dabei erzählt sie dem Leser viel über die Krankheit des Hortens, mögliche Entstehung und ihren Umgang damit.

Einen Teil der Stücke, die sie mit in ihr eigenes Leben nimmt, stellt sie im Stil eines Museumskatalogs vor. Als Kuratorin ist das ihre Art, damit umzugehen. Familiengeheimnisse werden gelüftet und die Vergangenheit kann sie in Teilen so besser verstehen und den Lebensstil ihrer Mutter anerkennen.

Wenn bei Dir kürzlich jemand gestorben ist, mit dessen Haushaltsauflösung Du zu tun hast, heulst Du Dir beim Lesen vielleicht die Augen aus dem Kopf. Wenn Du etwas mehr Abstand hast oder so etwas noch nie erlebt hast, ist es eine berührende Geschichte, die mich auf gute Ideen gebracht hat, wie ich mit einigen Erbstücken besser umgehen kann.

Bist Du Typ Horter oder Wegwerfer? Wie gehst Du mit Erbstücken um?

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17 Gedanken zu „Vom Mitnehmen und Loslassen

  1. Hallo Ines,
    das Buch hört sich interessant an. Das werde ich mir auf jeden Fall genauer angucken.
    Ich bin weder noch. Ich bewahre zwar gern Dinge auf, die mir etwas bedeuten und kann sie schlecht wegwerfen, andererseits bei unemotionalen Sachen, die werf ich ratzfatz weg.

    Wenn die Zeit bei meiner Mutter gekommen ist, dann weiß ich auch noch nicht, was sein wird. Sie trennt sich kaum von Sachen und hat generell die Denkweise, “ein anderer wird’s schon für mich richten”. Ich lasse sie gewähren, das kostet mich nur meine Energie und einsichtig ist sie eh nicht.

    Messie-Syndrom ist was ganz schreckliches. Ich stelle es mir sehr schlimm vor, solch ein Haus oder Wohnung ausräumen zu müssen. Wissen die Eltern, was sie ihren Kindern damit überlassen?

    Viele Grüße
    Claudia

    • Bewundernswert, wie Du damit umgehst, dass Du Deine Mutter nicht ändern kannst. Ich würde mich vermutlich immer aufregen. In sowas bin ich nicht gut.

      Ich weiß nicht, ob Messies wissen, was sie der Nachwelt mit ihrem tun aufbürden. Keine Ahnung. Der Autorin nach ist Horten eine anerkannte Krankheit, eine Form von Depression. Kranke Menschen machen Dinge, die gesunde Menschen unpassend finden, in der Regel nicht absichtlich. Deshalb glaube ich, dass sie es entweder nicht wissen oder einfach nicht ändern können. Vielleicht haben einige zwar ein schlechtes Gewissen dabei, können ihr Handeln aber dennoch nicht ändern. Es gibt wohl auch nur schwer Therapieerfolge dabei, weil die Ursachen extrem tief sitzen. Ich bin einfach nur froh, dass in meiner Familie keiner in die Richtung geht. Ich kenne aber den einen oder anderen Haushalt, der durchaus leichte Anzeichen davon trägt.

    • Oh Ines, dafür mich zu bewundern, das ist zuviel der Ehre.
      Es war ein langer Weg, das einzusehen, und der war auch nicht einfach. Aber irgendwann stand ich vor der Entscheidung, weiterhin meine Nerven und Energie zu ruinieren oder die Klappe zu halten. Und das mache ich jetzt.

      Wenn ich z.B. daran denke, wie viele Stunden ich mit ihr über ein bestimmtes Thema gesprochen habe. Sie hat mich tausend Mal um Rat gefragt, dann war klar, dass sie es macht. 2 Tage später kam der Anruf von ihr, dass sie es sich doch anders überlegt hat. Solche Dinge tu ich mir nicht mehr an. Ich werde auch nicht jünger. :-)

  2. Vor Jahren sollten wir uns im Haus des Großvaters meines Mannes mitnehmen, was immer uns gefallen hat. Das war schon komisch. Alle Schränke öffnen und in den Dingen eines anderen gucken. Da hatte ich irgendwie das Gefühl, die Privatsphäre zu verletzen und habe vorwiegend in der Küche geguckt. Mir graut davor, aber irgendwann wird so etwas wieder auf mich zukommen. Vor allem, wenn Mann persönlichen Dingen gucken muss….
    Ich habe schon viel entsorgt bei Umzügen. Trotzdem verwahre ich viel zu viel.
    Liebe Grüße
    Andrea

    • Ich weiß genau, was Du meinst mit dem Aussuchen. Diese Situation habe ich auch schon zweimal erlebt. Es fühlte sich einfach nicht richtig an. Bei den ganz persönlichen Sachen hatte ich bisher das Glück, dass das immer jemand anders erledigt hat.

    • So soll das doch sein, dass man sie gerne hat. Ich wünsche Dir weiter viel Freude daran!

  3. Wir haben auch schon Elternhäuser geräumt. Das Meiste konnte weg, auch wenn es ihr Leben ausgemacht hat. Einige wenige Stücke hatte ich mir schon zu Lebzeiten erbeten und halte sie in Ehren. Andere wenige haben wir nach ihrem Tod aus den Haushaltungen geborgen und freuen uns daran, denn wir verwenden sie teilweise täglich, wie z.B. einen Lüster im Wohnzimmer, der von der Schwiegermutter stammt.
    Ich selbst habe einige wertvolle Stücke (Kunst, wertvolle Bücher etc.) in meinem Testament meinen Kindern vermacht und persönlich zugedacht und andere bereits verschenkt. Alles andere kann dann mal weg.
    Ich bin eher Typ Horterin, mein Mann zum Glück eher Entsorger.
    Herzliche Grüße von Sieglinde

    • Unser Erbvertrag ist nur nach Anteilen, es ist nichts Konkretes aufgeteilt. Mein Mann weiß nur, wer bestimmten Schmuck bekommen soll, falls ich früher sterbe und er alles erbt.

      An dem “lieber mit warmer Hand geben” ist schon was dran. Ich finde auch, dass man sagen kann, was man gerne hätte. Wenn derjenige es schon zu Lebzeiten geben mag, kann man wenigstens noch persönlich Danke sagen. So bin ich zum Beispiel zu meinem wichtigsten Kochbuch, dem “großen Koch- und Backbuch” aus den 1960ern von meiner Mutter gekommen. Da steht einfach alles drin, was man an Klassikern kochen könnte und funktioniert bis heute.

  4. Liebe Ines, ich war glücklicherweise noch nie in der Situation, einen Haushalt auflösen zu müssen und werde das voraussichtlich auch in Zukunft nicht müssen, denn meine Eltern wohnen in einem großen Haus gemeinsam mit meinem Bruder und dessen Familie. Aber ich stelle mir das wirklich sehr schwierig und anstrengend vor, einerseits weil so viel auszuräumen ist, auch wenn es sich um keine große Wohnung handelt, und andererseits weil doch das Auflösen mit sehr viel Sentimentalität und Erinnerung verbunden ist. Ich bin auch eher vom Typ der Aufheber, da aber mein Gatte ein Entsorger ist, hält sich das wunderbar im Gleichgewicht.
    Hab einen wunderbaren Abend und alles Liebe

    • Dann wird wohl wirklich Deinen Bruder das meiste der Arbeit treffen. Am anstrengensten fand ich dabei fast den zeitlichen und körperlichen Aspekt, das alles neben einem Vollzeitjob mit Überstunden zu bewältigen. Das war der größte Kraftakt dabei.

  5. :-) Liebe Ines,
    vor dem Tag fürchte ich mich jetzt schon! Die Vorstellung eines Tages bei meiner Mutter “ausmisten” zu müssen, bereitet mir jetzt schon Bauchweh.
    Vor vielen Jahren habe ich das Leben meines Vaters aussortieren müssen. Da sind so viele Emotionen mit verbunden, das ist der Wahnsinn. Du hast es selber erlebt. Ich stelle mit zunehmendem Alter fest, dass ich immer weniger benötige. Nur: Ich schaffe es – noch – nicht bei mir so brutal auszumisten, wie ich es gern würde. Ich über noch. Um Deine Frage zu beantworten: Horter!
    Liebe Grüße
    Claudia :-)

    • Möge es noch lange dauern, bis der Haushalt Deiner Mutter aufzulösen ist!

      Mir hat neulich ein Gedanke geholfen, mich von reichlich Kellermüll zu trennen: Behalte nur, was Du bei einem Umzug mitnehmen würdest.

  6. Guten Morgen,

    leider musste ich mich auch schon viel zu früh von meiner Mama verabschieden. Zum Glück hat sie nichts gehortet, im Gegenteil. Dennoch hatte, bzw. habe ich die Aufgabe, Dinge von meiner Mutter durchzusehen und auszusortieren, weil mein Vater zwar noch lebt, das aber lieber mir überlässt. Sie starb vor drei Jahren, am Anfang fiel es mir noch viel schwerer, inzwischen geht es. Da meine Mutter eine sehr moderne Frau war und unser Kleidungsstil zwar nicht gänzlich gleich, aber in Vielem ähnlich war, kann ich einige Dinge noch tragen. So vergeht kaum ein Tag, an dem ich nichts von ihr bei mir habe. Mal ist es ein Schmuckstück, mal ein Shirt oder ein Tuch. Irgendwie ist das schön und meine Art, mich immer mehr von ihr zu verabschieden.

    Das Buch werde ich auf jeden Fall mal auf meine Merkliste setzen.

    LG

    • Wie schön, dass Du den Abschied so langsam gestalten kannst. Accessoires und ein paar Kleider hatte ich auch noch einige Zeit.

  7. Meine Mutter sortiert regelmäßig gründlich aus. Zum Glück hat sie mir dieses Leiden nicht vererbt. Was ich meiner Nachwelt mit meinem Messietum aufbürde, ist mir wirklich egal. Ich bin Egoist, wenn ich das jetzt alles brauche, hebe ich es eben auf. Fertig!

    Was mich noch heute völlig kirre macht: als meine Großeltern recht kurz hintereinander starben und der Haushalt aufgelöst wurde, hatte ich kaum Platz für die vielen Dinge, die ich gerne behalten hätte. Ich hockte in Berlin in einem WG Zimmer. Damals flogen so viele Schätze weg. Ich konnte etwas Rosenthal Porzellan und etwas WMF Silberbesteck retten. Das wird hier benutzt, auch wenn ich es immer abwaschen muss, weil die Spülmaschine es ruinieren würde. Meine Großeltern haben es über 2 Weltkriege gerettet und ich benutze es lieber, als “moderne” Sachen.

    • Wenn Dir völlig egal ist, was mit Deinem Zeug passiert, finde ich das völlig O.K. – Container bestellen und rein damit. Hauptsache die Nachfahren wissen, dass sie Deine Erlaubnis dafür haben. Das nimmt Ihnen mit Sicherheit vieles an Entscheidungslast ab.

      Warum kommt das Silberbesteck nicht in den Geschirrspüler? Mein Silbersachen können das ab.

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