Lesetipp: 1945 – 1989 – 2 Kinder – 2 Leben

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Wie der Wind und das Meer
von Lilli Beck

Paul und Sarah finden sich 1945 als Kinder in München in den letzten Kriegstagen, nachdem sie beide ihre komplette Familie verloren haben. Sarah sieht Pauls verstorbener Halbschwester Rosalie erstaunlich ähnlich und ist im gleichen Alter. Er konnte ein Foto von ihm und Rosalie samt seiner Familienpapiere retten. Die beiden verbindet vom ersten Moment an so viel, dass sie beschließen, sich als Geschwister auszugeben, um von den Behörden nicht getrennt zu werden.

Achtung Spoiler

Es gelingt ihnen, sich alleine durch die erste Nachkriegszeit zu schlagen, und sie kommen dann bei einer liebevollen Marktfrau unter. Leider kommt im Rahmen der Wiederaufnahme der Beschulung heraus, dass die Marktfrau nicht ihre Mutter ist und die beiden werden zwangsweise in ein Waisenhaus verfrachtet – zwar zusammen, aber Mädchen und Jungen werden dort streng getrennt. Das ist eine harte Zeit für die beiden. Schließlich findet sich eine fantastische Adoptivfamilie für die scheinbaren Geschwister, die ihnen nicht nur Liebe, sondern auch Wohlstand bringt.

Letztlich wird Paul und Sarah allerdings ihre Notlüge zum Verhängnis, denn sie verlieben sich ineinander. Daraufhin verlässt Sarah München und baut sich mit Anfang 20 ein Leben in Berlin als Synchronsprecherin auf. Paul übernimmt den Gemüsegroßhandel der Adoptiveltern und stürzt sich in die Arbeit. Als Leserin verfolgst Du das Leben der beiden Getrennten und die Frage ist natürlich, ob sie ohne einander glücklich werden und ob sie sich am Ende wiederfinden.

Neben der innigen Liebesgeschichte hat es mir beim Lesen gefallen, einen Einblick in die prüden, spießigen 1950er Jahre in Deutschland zu bekommen. Ganz ehrlich? Es ist mir unvorstellbar, so leben zu müssen. Ich bin so heilfroh um die Freiheit, in der ich aufwachsen durfte und leben darf. Wenn man sich das Gegenteil anschaut, wird einem das mal wieder richtig bewusst.

Den Roman, ein Freundinnen-Geschenk, habe ich gerne gelesen. Wenn Du Lust auf einen Sprung in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und Liebesgeschichten magst, kann er Dir ebenso gefallen.

Kannst Du Dir ein Leben in den 1950er Jahren vorstellen?

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27 Gedanken zu „Lesetipp: 1945 – 1989 – 2 Kinder – 2 Leben

  1. Hallo Ines,
    eher nicht. Ich konnte noch nie den Satz leiden “Was sollen die Leute / Nachbarn/ anderen denken?” und diesen Satz habe ich noch oft genug zu hören bekommen. Wie mag es da erst in den 50ern ausgesehen haben?
    Nach außen hin Vorzeigefamilie und Show und nach drinnen? Nee, glücklich wäre ich nicht gewesen in den 50ern.
    Zu deinem anderen Buch, das du vorgestellt hast. Ich habe es mitllerweile durch und es beschäftigt mich, jetzt wo ich alle Zusammenhänge kenne. Ich muss die Verwicklungen und Verbindungen jetzt mal richtig verstehen. Ich kann mir gut vorstellen, den nächsten Band zu lesen.
    Ich musste natürlich gucken, ob Löwenzahnkind ein gängiger Begriff ist oder ob er nur für das Buch gilt. Dabei habe ich gelernt, dass es Löwenzahn- und Orchideenkinder gibt.
    Liebe Grüße
    Claudia

    • Wie singen die Ärtze so schön: Lass die Leute reden … aber das war in den 1950ern wohl nicht so leicht. Ist es heute auf dem Dorf auch nicht immer. Großstädte machen es einem da schon leichter.

      Den Begriff Löwenzahnkind habe ich auch gegoogelt und wie Du die Löwenzahn- und Orchideenkinder gefunden. Kannte ich vorher auch nicht. Ich bin da im Artikel nicht weiter drauf eingegangen, weil ich keinen Beitrag gefunden habe, der mir fachlich seriös zum Verlinken erschien, und ich nicht weiß, aus welcher psychologischen Ecke das kommt. Noch ein Stempel mehr auf Kindern … aber es stimmt schon: einige Kämpfen sich durch und wachsen damit, andere müssen gehegt und gepflegt werden, um zu gedeihen. Wobei meine realen Orchideen eher misshandelt als gepflegt werden und trotzdem alles geben und wie blöd blühen. Ich kenne Kinder, die man klar zuordnen kann, aber die meisten leben weniger extrem in meinem Umfeld. Die werden eher alle wie zarte Orchideen behandelt und gefördert, egal ob sie es brauchen oder nicht.

  2. Oh nein, ich könnte mir auch nicht vorstellen in dieser Zeit zu leben. Ich erlebe aktuell schon zur Genüge, wie eingefahren und engstirnig die Leute noch immer sind. Seit meine Schwester seit einigen Jahren mit einem Iraner zusammen ist, stelle ich fest, dass die Menschen doch noch bei weitem nicht so weltoffen sind, wie sie sich gerne geben.
    Also die 50er wären da wohl erst recht nichts für mich gewesen. ;)

    • Ja, die Menschen stoßen in der Praxis schnell an ihre Grenzen. Das habe ich auch schon erlebt – bei anderen und zugegebenermaßen auch bei mir selbst (auch wenn mir gerade kein Beispiel einfällt). Freuen wir uns einfach beide, dass wir immerhin heute leben dürfen!

  3. Also, ich bin ja in den 50er Jahren auf dem Dorf aufgewachsen und habe sozusagen den Aufbau der Republik miterlebt. Das waren interessante und rasante Jahre, weil mein Vater liberal-politisch engagiert war und selbstständig gearbeitet hat und ich viel mitbekommen habe. Es war eine große Lust den Krieg zu vergessen und einfach wieder zu leben. Selbst auf dem Land. Dass diese Zeit gesellschaftspolitisch nicht für die Reflexion und Aufarbeitung mit der NS-Zeit genutzt wurde, hat sich dann ja 1968 gerächt. Diese Zeit habe ich als junge Frau erlebt und als sehr befreiend, denn besonders für Frauen haben sich dadurch völlig neue Möglichkeiten aufgetan. Seit 1962 durften Frauen ein eigenes Bankkonto haben, aber sie mussten noch bis 1977 warten bis sie auch berufstätig sein durften ohne ihren Ehemann fragen zu müssen…. (Ich wurde erst mit 21 Jahren volljährig und musste meinen ersten Mietvertrag mit 19 Jahren, als ich ausgezogen bin, von meinen Eltern unterschreiben lassen, obwohl ich mein Geld selbst verdient habe.)
    So ist meine Generation eigentlich die erste Generation von Frauen, die Berufstätigkeit, Kinder und Ehe gelebt hat. Vorbilder dazu hatten wir praktisch keine.
    GLG Sieglinde

    • Umso besser ist es, dass Deine Generation Frauen den Grundstein für unsere heutige Freiheit gelegt hat. Was die Einschränkungen und Unterwerfungen als Frau angeht, hatte ich 1984 ein Schlüsselerlebnis:

      Ich besuchte im Alter von knapp 13 eine Brieffreundin in Köln für vier Tage. Ich kannte sie nur per Brief und bin mit dem Zug alleine dorthin gefahren (heute undenkbar sowas vermutlich) von Sonntag bis Donnerstag . Es gab sicher vorher ein Abstimmungstelefonat mit den Eltern, aber man kannte sich eben nicht wirklich.

      Das Mädchen war sehr nett und ihre Mutter auch. Der Vater war aber ein Tyrann und die Mutter hat heimlich an dem Montag angefangen, halbtags als Büglerin in einer Reinigung zu arbeiten, um Geld beiseiteschaffen zu können, um sich von ihm trennen zu können. Ich wurde also gleich mit zum Geheimnisträger. Hätte der Mann die Arbeit herausgefunden, hätte er sie für seine Frau gekündigt, meinte diese. Auch wenn das 1984 rechtlich nicht mehr möglich war, war die Angst der Frau zu groß davor (und vor dem körperlichen Folgen …). Ich sage mal so: Nach der Erfahrung betrachtete ich eine Zeitlang mein Zuhause etwas weniger nörgelig …

  4. Hallo Ines,
    das Buch werde ich mir auf jeden Fall merken. Es klingt sehr interessant und ich glaube, dass ich es mögen würde.
    Ich bin schon immer froh, dass ich so aufwachsen durfte, wie ich aufgewachsen bin: frei.
    Liebe Grüße
    Andrea

    • Ich denke auch, dass Du es mögen wirst – ein 4 von 5 Sternen Buch. Könnte etwas fesselnder sein, aber lohnt sich zu lesen.

  5. :-) Liebe Ines,
    danke für den Tipp. Das Buch klingt interessant und ich kann mir vorstellen es zu lesen. Was ich mir nicht vorstellen kann, ist in den 1950er Jahren zu leben – so unfrei. Was bin ich froh, dass ich HEUTE leben darf!
    Liebe Grüße
    Claudia :-)

    • Kann mir auch vorstellen, dass es Dir gefällt. Von Deinem Leben zwischen den USA und Hamburg als Kind hätten die beiden Kinder aus dem Buch nur träumen können …

  6. Liebe Ines,
    ganz ehrlich, mir geht es wie Dir: ich bin sehr froh, in der heutigen Zeit zu leben und in den 1950er Jahren war das Leben sicher in mancherlei Hinsicht wesentlich schwieriger – und auch langweiliger. Ein spannendes Thema hat der Roman, den Du hier vorstellst und besonders spricht mich an, dass Einblicke in den damaligen Alltag gegeben werden. Daher vielen Dank für Deine Rezension!
    Liebe Grüße, Rena
    http://www.dressedwithsoul.com

    • Schwieriger und langweiliger – das trifft es vermutlich ganz gut. Freuen wir uns einfach, dass wir in der heutigen Zeit leben dürfen!

  7. Ich könnte mir ein Leben in den 1950er Jahren nicht vorstellen, weder in Ost- noch in Westdeutschland. Da halte ich es eher mit dem Spruch: “Lebe lieber ungewöhnlich”. Ich werde in der Bibliothek nachsehen, ob ich das Buch dort ausleihen kann. Das andere von Dir vorgestellte Buch “Löwenzahnkind” fasziniert mich aber mehr. LG und einen schönen Sonntag, Caro

    • Ich gehe beim Vergleich immer automatisch von Westdeutschland aus, weil es das ist, was in meiner Erinnerung liegt. In den 1950ern war es in Ostdeutschland gewiss auch anders als in Westdeutschland, gerade für Frauen mit mehr Berufstätigkeit und Kinderbetreuung.

      Wenn Du Krimis magst, wird Dich Löwenzahnkind mehr fesseln als dieses Buch. Das Rezensionsexemplar vom Löwenzahnkind habe ich verschlungen, dieses Buch habe ich nicht ganz so schnell gelesen. Aber dennoch habe ich es gerne gelesen und es war schön, sich auf die etwas langsamere Geschichte einzulassen.

      Ich wünsche Dir einen ebenso schönen Sonntag!

  8. Liebe Ines, danke für diese Buchvorstellung. Da ich immer wieder auf der Suche nach spannendem Lesefutter bin, freue ich mich immer besonders über Empfehlungen. Ich mag dabei Bücher, die neben der eigentlichen Handlung auch immer Einblicke in andere Länder, andere Kulturen oder auch in andere Zeiten ermöglichen und wir somit quasi nebenbei noch viel Interessantes erfahren. Die Einschränkungen und Engstirnigkeit dieser Zeit ist sicher für viele schwer zu ertragen gewesen, auf der anderen Seite muss es eigentlich auch wieder Menschen gegeben haben, die dies befürwortet haben, damit es überhaupt so zustande gekommen ist. Ein bisschen Mehr Toleranz gegenüber anderer Denkweise ist immer wieder ein wichtiger Grundgedanke, den wir daraus mitnehmen sollten.
    Hab einen wunderbaren Tag und alles Liebe

    • Dann kann das Buch für Dich schön zu lesen sein. Dein Einwand, dass es Menschen gibt, die die Einschränkungen und Engstirnigkeit befürwortet haben, finde ich sehr interessant. Mit Sicherheit war das so. Ich habe da auch eine klare These zu, wer das war: Männer, die nach der Rückkehr aus dem Krieg die Frauen, die in Kriegsjahren und ohne Männer alles am Laufen gehalten haben, wieder unmündig an den Herd zurück zu bekommen … Bestimmt gab es auch Frauen, die froh waren, die Verantwortung wieder abgeben zu können, aber sicher nicht alle. Die moralische Engstirnigkeit war ja vorher auch schon da. Vielleicht gab die einigen Menschen (scheinbare) Sicherheit?

      Ich wünsche Dir einen ebenso schönen Sonntag!

  9. Ich habe keine Ahnung, ob es mir gefallen würde, aber meine Eltern haben sich nie beschwert, im Gegenteil, es war eine gute und ruhige Zeit in Brasilien. Hier in Deutschland kann ich mir nicht vorstellen, daß es besser war, es war Nachkriegszeit und viele hatten Familienmitglieder und Heimat verloren. Für meine Schwiegereltern war es nicht einfach!
    Liebe Grüße und danke für den Buchtipp!
    Claudia

    • Ruhige Zeit in Brasilien klingt gut. Wie ist die Rolle der Frau heute im Brasilien? Emazipierter als in Deutschland oder weniger?

  10. Ich weiß nicht recht, ob ich mir vorstellen könnte, in den 50ern zu leben. Doch, warum eigentlich nicht? Allerdings eher “auf Probe” für zwei Wochen ;-)
    Meine Mutter war berufstätig, auch als sie Ende der Fünfziger verheiratet war und Kinder hatte. Kam wohl auf die Wahl des Mannes an… Das wiederum ist irgendwie – bescheuert? Vielleicht sollte man dann auf die Sache mit der Heirat einfach verzichten.
    Liebe Grüße
    Fran

    • Letztes habe ich gestern auch gerade gedacht. Ich bin gerne verheiratet und auch mit meinem konkreten Mann gerne. Aber weltweit und allgemein schadet die Ehe der Freiheit der Frau meiner Ansicht nach deutlich. Frauen müssten ohne die Ehe sicher oft mehr Verantwortung übernehmen, aber daran würden sie wachsen.

    • Liebe Ines, nun kann ich Dir mal einen Buchtipp geben:
      Insel Verlag. Anka Muhlstein:
      Die Gefahren der Ehe. Elisabeth von England und Maria Stuart
      Anhand dieser beiden historisch bedeutenden Frauen wird diese Thematik auch deutlich.
      Ich habe es vor einigen Jahren schon gelesen und fand es sehr beeindruckend.

    • Danke für den Lesetipp! Ich bestelle mir direkt eine Leseprobe. Ja, die Ehe kann gefährlich sein …

  11. Magst du Italien?
    Gestern in der Buchhandlung einen Titel gesehen, nur kurz reingeguckt, könnte aber was sein.
    Marina, Marina von Grit Landau. Italien Anfang der 60er Jahre, nicht nur eine Liebesgeschichte. Vielleicht auch was für dich?
    Liebe Grüße

    • Hmmm … geht so. Eher nicht. Also die Pasta, die ja. Und Pizza. Aber mit dem Rest werde ich nicht warm. Habe mir eben den Klappentext angeschaut und der spricht mich nicht an. Trotzdem freue ich mich, dass Du an mich denkst! Ich werde wohl als nächstes Deinen schwedischen Krimiserientipp angehen. Tatsächlich habe ich gerade alle Bücher ausgelesen, die hier lagen.

    • Ich musste jetzt einen Moment überlegen, welches du meintest.
      Ich hatte ja mit dem letzten angefangen, “Das Totenhaus”, was mir sehr gefiel. Dann habe ich “Die Gefangene von Göteborg” gelesen, was mir nicht gefiel, aber eher wegen der Handlung, die vor 200 Jahren oder so spielte. Den ersten habe ich noch gar nicht gelesen, da warte ich auf deine Rezension. :-)
      Ich komme mittlerweile mit den ganzen Schwedenkrimis durcheinander.
      Dann wartet der neue Bannalec auf mich, aber wegen der Bretagne.
      Meine allerallerallerliebsten Schwedenkrimis sind und bleiben die von Henning Mankell.

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