Lesetipp: Aus dem Leben einer Hebamme

Werbung – Rezensionsexemplar und Affiliate Links von Amazon

(Affiliate Link auf dem Cover)

Die Wehenschreiberin: Geschichten aus dem Kreißsaal
von Maja Böhler mit Annabel Dillig

Hätte sie nach dem Jurastudium doch lieber in die große Bürokarriere starten sollen? Nein, Hebamme Maja Böhler (Pseudonym) liebt ihren Job, fühlt sich dazu berufen und möchte keinen anderen ausüben, auch wenn der nicht immer leicht ist.

Es begann mit einer Kolumne im SZ-Magazin und wurde am Ende ein Buch. Journalistin Annabel Dillig verfasst die Texte der Wehenschreiberin auf Basis von Interviews mit der Hebamme Maja Böhler. Schade finde ich dabei, dass Annabel Dillig im Buch nur am Rande und nicht mal auf dem Cover erwähnt wird, denn dass die Geschichten so berührend-unterhaltsam sind, liegt mit Sicherheit an ihrem Schreibstil. Natürlich könnte sie ohne den Input der Hebamme die Geschichten nicht schreiben, aber Fakten alleine geben keine gute Story ab.

Auf 272 Seiten kannst Du die Hebamme in Kurzgeschichten begleiten, die alle aus ihrem realen Leben stammen. Welcher Kindername kommt dabei heraus, wenn Eltern nach der Geburt 29 Tage brauchen, um sich zu entscheiden? Wie erträgt man körperlichen und seelischen Schmerz leichter und wann hilft gar nichts mehr außer einer Decke über dem Kopf und Schlaf? Von Verständigungsproblemen, Frühgeburten, Tabus, Intimfrisuren und Tattoos, Aberglauben bis zur Elterntypologie nimmt die Wehenschreiberin die Leser mit den Kreißsaal.

Der Kreißsaal ist ein Raum, den ich noch nie betreten habe und vermutlich auch nicht mehr betreten werde. Dennoch finde ich die Geschichten spannend, weil mir viele Frauen von ihren Erlebnissen an diesem Ort erzählt haben und es menschlich interessante Geschichten sind. Ich habe beim Lesen gegrinst, laut gelacht und ein paar Tränen vergossen – vor Rührung und Traurigkeit.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Goldmann Verlag (Werbung) aus der Random House Verlagsgruppe zur Verfügung gestellt. Wenn Du gerne Kolumnen liest und Lust auf menschliche Geschichten hast, empfehle ich es Dir gerne. Bei unerfülltem Kinderwunsch oder nicht aufgearbeiteten traumatischen Erlebnissen im Kreißsaal lass lieber die Finger davon. Ich habe das Buch in einem Rutsch verschlungen, man könnte es aber auch kolumnenweise langsam lesen – wenn man nicht so neugierig wäre, was die Wehenschreiberin als nächstes erlebt!

Was für Geschichten hast Du im Kreißsaal erlebt?

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13 Gedanken zu „Lesetipp: Aus dem Leben einer Hebamme

  1. Dass eine Hebamme viel zu erzählen hat, glaube ich gern. So unterschiedlich wie die Menschen, sind auch ihre Geburten.
    Zweimal habe ich selbst den Kreißsaal mit meinen gesunden Kindern glücklich verlassen, nie hätte ich gedacht, dass ich noch ein drittes Mal dort sein werde. 36 Jahre später zur Geburt meines dritten Enkels nämlich… der einfach früher kommen wollte und dessen Vater noch im Ausland festsaß, es ging einfach kein Flieger mehr. So habe ich sogar noch einen Kaiserschnitt miterlebt auf meine alten Tage. Ein tolles und fröhliches OP-Team, meine tapfere und anschließend überglückliche Schwiegertochter und der Opa draußen wartend auf dem Flur und das alles mitten in der Nacht um 1 Uhr. Wir schaukelten unseren süßen neugeborenen Enkel anschließend abwechselnd im Arm und haben mit ihm gesprochen bis seine Mama aus dem OP Saal verlegt wurde. Der junge Papa kam erst am nächsten Mittag an nach einer nächtlichen Odyssee mit Bus und Bahn.
    Aber, alles gut! Inzwischen ist er schon über ein Jahr alt und macht uns viel Freude.
    Hebammen jedenfalls sind sehr wichtig rund um die Geburt und es ist sehr bedauerlich, dass unsere Politiker*innen dies anscheinend nicht so sehen und diesem Berufsstand allerlei Knüppel in den Weg legen.
    Wenn solch ein Buch dazu beiträgt die Wertschätzung zu heben, würde es mich sehr freuen.
    GLG Sieglinde

    • Dass ist eines der Anliegen der Autorin, dass sich die Deutschen mehr für Hebammen einsetzen. Ihrer Erfahrung nach versickert das geplante Engagement leider aber kurz nach der Geburt wieder, wenn die Menschen im Elternchaos versinken.

      Dass Deine Schwiegertochter Dich als Begleitung für die spontane Geburt ausgewählt hat, finde ich eine ganz besondere Ehre für Dich. Auf ähnlichem Weg hätte ich es auch fast einmal in den Kreißsaal geschafft, weil der Partner meiner Freundin auf dem Weg zum Segeln war, als die Fruchtblase platzte. Sie hat ihn gerade noch erwischt. Ich habe dann hinterher erfahren, dass sie mich angefordert hätte als Beistand, wenn er nicht da gewesen wäre. Dass sie mir das zugetraut hätte, hat mich damals gefreut.

      Ich wünsche Dir weiterhin viel Freude an Deiner Enkelschar!

    • Ja, ein kleines Abenteuer war das schon und eine große Freude. Und die Hebamme hat sich auch so gefreut, dass die Oma ganz spontan dabei war, wenn schon der Vater nicht dabei sein konnte. Meine Schwie-To natürlich auch. Denn ganz allein ist das nicht schön. Auch hinterher für s Baby nicht, denn da hat niemand Zeit in der Nacht sich groß zu kümmern, da muss dann die Wärmelampe reichen. Erst muss die Mutter versorgt werden. Ist ja doch eine richtige OP.
      Übrigens habe ich mich doch glatt verzählt:
      war Enkel Nr. vier! :-)

  2. Hallo Ines,
    zum heutigen Thema kann ich dir überhaupt nichts sagen.
    Dafür kann ich dir aber einen Buchtip geben:
    “Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster” von Susann Pásztor.
    Liebe Grüße

    • Danke für den Tipp. Ich habe es mir online direkt angesehen. Es klingt sehr berührend. Hast Du es gelesen? Ich bin im Moment nicht in der Stimmung dafür, aber später einmal vielleicht.

    • Ich habe es noch nicht gelesen, bin zufällig darüber gestolpert.
      Ich glaube, es ist nicht deprimierend zu lesen (vom Thema her natürlich schon), aber von der Sprache her nicht. Und das ist schon mal was, was ich gern mag.

  3. Das Buch werde ich mir merken. Meine Tochter will ihren Studienplatz wechseln und gerne Hebammenwissenschaften studieren. Wenn sie die Zusage bekommt, ist das sich ein tolles Geschenk :)
    Ich glaube gerne, dass eine Hebamme viel zu erzählen hat. Ich kenne den Kreissaal sozusagen von beiden Seiten. Auch wenn ich als Azubi nur irgendwie dabei war und das schon lange herist, sind die Erinnerungen noch präsent.
    Liebe Grüße
    Andrea

    • Die Daumen sind gedrückt für den Wechsel! Mit Deinem Hintergrund wird sie wissen, worauf sie sich einlässt.

    • Ich glaube nicht, dass ihr das wirklich bewusst ist, aber es ist ihr Leben, ihre Entscheidung. Wenn es für sie ein Traum ist, dann muss sie ihn leben. Und dann ist alles Drumherum auch nicht ganz so entscheidend.
      Andrea

  4. Hebammen kann man nicht genug loben. Denn eine gute Hebamme ist mit Gold nicht aufzuwiegen. Dafür können sie sich ihre Dienste kaum mehr leisten, weil sie von Haftpflichtversicherungen wirklich geknebelt werden. In Folge dazu wird es immer schwieriger, einen Kurs in Geburtsvorbereitung zu finden oder eine Hebamme, die zuhause dann die Nachsorge übernimmt. Meine Kinder haben gerade das Problem und wir leben am Rand eines Ballungsraums.
    Ich werde mir das Buch einmal merken, es klingt sehr interessant.
    LG
    Sabienes

    • Dieses Haftpflichtdesaster wird in dem Buch auch aufgegriffen. Ich finde es unglaublich, dass Krankenversicherungen und Staat da nicht eingreifen.

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