Pelz nein Danke – und was ist mit Fell?

Ines Meyrose – Ü40 Fashionbloggerin – Outfit 20181031 mit Wollmantel von persona und gekrempelten Lammfellstiefeln im Harburger Binnenhafen

Ich bin weder Vegetarierin noch Veganerin. Ich trage Kleidung und Accessoires aus Leder und esse Fleisch. Natürlich könnte ich auf Beides verzichten, möchte das aber nicht. Dennoch merke ich, dass sich in den letzten beiden Jahren meine Einstellung zum Tragen von Pelz verändert hat, was ja auch etwas mit dem Thema zu tun hat.

Die Mode der Fellkragen an Winterparkas nimmt kein Ende. Auch wenn jetzt der Frühling da ist, ist das Thema an kalten Tagen immer noch sichtbar. Kunstfell finde ich furchtbar, weil es sich nicht gut anfühlt und in den meisten Fällen billig aussieht. Das ist für mich unnötiger Plastikmüll. Echtes Fell am Kragen hingegen fühlt sich schön weich an, geht dann aber meistens mit der Jacke in den Müll. Früher wurde so ein Pelzbesatz auf die nächste Jacke übertragen. Das wird heute bei industriell gefertigter Ware nicht gemacht. Also jedenfalls nicht von den Pelzkragenjackenträgerinnen, die ich kenne, und es gibt auch keine Konfektionsware, bei der man die Wahl hat, die Jacke mit oder ohne den Fellbesatz zu kaufen.

Um zu meinem Umgang mit Pelz zu kommen, hole ich ein bisschen aus, denn ich bin damit aufgewachsen, dass es normal ist, Fellartikel zu verwenden. Mein Opa hatte ein Jackenfutter aus Hamsterfell, das ich geerbt habe. Meine Mutter hat es mir in meine erste Wachsjacke Anfang der 1990er einknöpfbar umgearbeitet und es wurde von zwei Generationen insgesamt viele Jahrzehnte getragen. Da geht nicht nur die Modemathematik auf, sondern der Schaden an Tier und Umwelt ist aus meiner Sicht geringer, wenn das Fell viele Jahre, in diesem Fall Jahrzehnte, verwendet wird. Letztlich war es eine Frage des Budgets und nicht der Ethik, dass wir nicht mehr Pelz- und Fell in der Familie hatten.

Aus Kaninchenfell hatte ich auch schon einige Accessoires – Handschuhe, Schals, Shapka, die ich selbst gekauft habe. Ich besaß sogar eine Abendhandtasche aus Fuchsfell und eine Jeansjacke mit Nerzbesatz, den meine Mutter an die Kanten und auf den Kragen genäht hat.

Lange Rede – kurzer Sinn: Grundsätzlich habe ich bisher die optischen und haptischen Vorzüge von Pelz und Fell durchaus genossen. Dass mir die natürlichen Brauntöne und der nur sanfte Glanz durchaus gut zu Gesicht stehen, kommt noch dazu.

Was ist passiert?

Ines Meyrose mit Shapka im Winter 2018

Irgendwann merkte ich, dass ich keine neuen Sachen mit Pelzanteilen mehr kaufen möchte. Mir war aber zu dem Zeitpunkt noch egal, was andere Menschen tragen und ich fand echten Pelz manchmal bei anderen durchaus schön.

Dann mochte ich die Haptik nicht mehr gerne und inzwischen mag ich Pelz auch bei anderen Menschen nicht mehr sehen. Dafür gab es keinen konkreten Auslöser. Es hat sich einfach mein Gefühl verändert.

Ines Meyrose #ootd mit Ponté-Wickelkleid von Lands' End

In meinem Besitz befand sich zu dem Zeitpunkt noch eine Handtasche, ein Schal und eine Shapka. Die Tiere werden nicht wieder lebendig, wenn ich die Sachen wegwerfe. Weil ich sie aber nicht mehr verwenden möchte, habe ich sie ins Sozialkaufhaus gegeben. Es spricht für mich nichts dagegen, dass noch jemand anders Freude daran haben kann. Das Foto mit der Shapka ist aus dem Winter 2018, die Wärme am Kopf war in diesem Schneeschauer durchaus sehr angenehm.

Was ist der Unterschied zwischen Pelz und Fell?

Der Unterschied liegt in der Haardichte pro Quadratzentimeter, die bei Pelz höher liegt als bei Fell. Das abgezogene Fell wird aber auch bei einigen Felltieren im Allgemeinen als Pelz bezeichnet, in der Pelzbranche spricht man zusammenfassend auch von Rauchwaren, österreichisch Rauwaren.

Kein Pelz mehr für mich

Ich liebe weiterhin meine Lammfellstiefel, die Hirschlederweste und würde auch eine Lammfelljacke tragen. Auch andere Lederwaren ohne Haare dran werde ich weiter mit Freude tragen. Ich liebe die Haptik und bekomme Zustände, wenn ich nur an das Wort PU-Leder denke. Fake-Leder, O.K. – aber was bitte ist PU-Leder? Dann soll man bitte Kunstleder sagen, denn Leder ist nun mal nicht aus Plastik.

Für mich liegt der Unterschied zwischen Lederwaren von Schafen, Rindern und Hirschen im Vergleich zu Kaninchen und Füchsen darin, dass von den großen Tieren pro Leben deutlich mehr zur Verwertung übrig bleibt. Der Fleischanteil ist höher in Bezug auf den Fellanteil. Auch wenn es Menschen gibt, die Kaninchen essen, und Reste der Tier im Hunde- und Katzenfutter landen, sehe ich ihn ihnen mehr Pelztiere als Nahrung.

Das gilt nur für mich

Auch wenn ich oben geschrieben habe, dass mich der Anblick von Pelz inzwischen bei anderen Menschen stört, liegt es mir fern, mich in deren Entscheidungen einzumischen. Jeder soll das so handhaben, wie er es für richtig hält. Ich habe nur alleine für mich die Entscheidung getroffen, diese Produkte nicht mehr zu tragen.

Wie ist Deine Einstellung zu Pelz- und Lederwaren?


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24 Gedanken zu „Pelz nein Danke – und was ist mit Fell?

  1. Liebe Ines, mir geht es genauso. Ich mag keinen Pelz tragen und kann PU nicht leiden. Bei Schuhen und Taschen ist mir Leder am liebsten.
    Wünsche Dir einen schönen Tag, liebe Grüße Tina

    • Ich bin ja froh, dass ich nicht die Einzige bin, die PU nicht leiden kann. Es wird so viel in den Läden angeboten und ist auf so vielen Blogs zu sehen, dass ich mich schon manchmal frage, ob ich alleine damit bin. Aber selbst, wenn das so wäre – ich bleibe dabei. Ich kann mir nicht vorstellen, mich damit noch anzufreunden. Aber vielleicht gibt es irgendwann neue Fertigungstechniken, die künstliches Leder atmungsaktiv und haptisch angenehm machen. Dann wäre ich vielleicht auch dabei.

  2. Guten Morgen Ines,

    in meiner Familie war ein Pelzmantel üblich und fast ein Statussymbol. In meiner Jugend habe ich auch von einem Pelzmantel geträumt, aber das ist lange vorbei. Ich habe noch einen Mantel mit einem Fuchspelzkragen und eine Weste mit Fell von Kaninchen. Ich ziehe sie auch nicht mehr viel an und bei dem Mantel ist der Kragen abknöpfbar. Ich kaufe keine Pelz- und Fellkleidung mehr. Auf Lederschuhe und Accessoires möchte ich nicht verzichten. Mit dem Begriff „veganes Leder“ kann ich nichts anfangen. Ich esse seit meiner Kindheit zu 90 vegetarisch. Dafür gibt es mittlerweile auch einen Namen und zwar Flexitarier. Es ist wirklich erstaunlich wie sich Einstellungen im Laufe der Zeit verändern.

    Viele liebe Grüße

    Beate

    • Pelzmäntel waren früher definitiv ein Statussymbol und die Krägen an WInterjackenjacken sind es auch heute noch, denn sie sind schließlich nur ab einer gewissen Preisklasse dabei. Das sind Marken, die man sich erstmal leisten können muss (wenn man denn möchte, aber das ist ein anderes Thema).

      Ich finde es gut, wenn es ein Kragen abknöpfbar ist, weil man ihn dann auf andere Jacken übertragen kann. Und bei Marken, die Jacken mit Fellkragen verkaufen, wäre es doch schon mal ein Anfang, sie mit und ohne Kragen anzubieten (für die, die keinen Fellkragen wollen oder ihn von der alten Jacke noch haben).

      Eine Weste mit Kaninchenfell hatte ich 2006 auch. Die fand ich wunderschön, sie war mit dunkelbraunem Strick kombiniert gefertigt, aber ich habe sie nicht mehr, weil die zu klein wurde. Heute würde ich sie auch nicht mehr tragen wollen. In dem Fall also gut, dass sie schon weg ist.

      Schön schräg, dass es in der heutigen Zeit scheinbar für alles einen Namen geben muss, oder? Ich war einige Jahre Vegetarier und dann (aus heutiger Sicht) Flexitarier, Fleisch schmeckte mir in der Zeit einfach nicht. Vegetarisch könnte ich gut leben, vegan nicht wegen der Milchprodukte und Eier. Seit einigen Jahren esse ich bewusst sogar mehr Fleisch, weil es mich lange sättigt und kalorienärmer ist als reine Kohlenhydratmahlzeiten. Von Gemüse bin ich nicht lange genug satt. Reis, Nudeln oder Kartoffeln sind bei 2 x pro Tag reichlich dabei.

  3. Hallo Ines,
    als Zweijährige hatte ich im Jahr 1977 Winterstiefel aus Robbenbabyfell! Das wäre heute undenkbar.
    Liebe Grüße
    Kristin

    • Oh, ich platze im Nachhinein vor Neid! Die wollte ich als Kind auch haben! Ich habe sie mit dem Argument nicht bekommen, dass das Fell nur außen sei und nicht wärmen würde (bei den mir damals geläufigen Modellen).

  4. Liebe Ines,
    ich lese gerade in dem Kommentar von Kristin, dass sie Winterstiefel aus Robbenbabyfell hatte… ich auch!!! Nur 15 Jahre früher. Es gab in Dänemark in den 1960er-Jahren so viele Accessoires aus Robbenfell. Es schüttelt mich im Nachhinein. Aber die Einstellung dazu war eine ganz andere. Die Frauen in meiner Familie hatten auch Felljacken/Mäntel. Die Kinder Fäustlinge und Shapkas (Luchs!). Niemand hat sich weitere Gedanken darüber gemacht. Bei der Auflösung meines Elternhauses haben wir noch einen Pelzmantel (Wildkatze!!!!) meiner Mutter dem “Entrümpler” überlassen. Schrecklich.
    Heute kaufe ich kein Teil mehr aus Pelz oder mit Pelzbesatz. Kunstfell schon gar nicht, dass sieht billig aus. Lederwaren wie Taschen etc. und Schuhe kaufe ich aber natürlich und selbstverständlich. Jedoch mit bedacht und Respekt ausgewählt.
    Danke für den schönen Beitrag wieder.
    Sonnige Ostertage Zuhause wünscht Dir Susa

    • Ey, das waren noch Zeiten – gut dass sie vorbei sind. Ich hätte diese Schuhe in den 70ern auch sooo gerne gehabt und sie wurden mir verwehrt (dafür hatte ich immer warme Lammfellstiefel als Kind, also Not habe ich nicht gelitten …).

      An der Nordsee gab es aus Robbenfell diese kleinen Mini-Robben als Souvenirs. Die mussten in jedem Urlaub mit! Zu Hause hat die Katze es geliebt, damit zu spielen.

      Luchsshapkas? Klingt zauberhaft weich. Mein Vater hatte eine aus Rotfuchs. Die war auch schön. Aber schwer. Es gab aber auch noch eine Fellmütze aus Fuchs für Damen bei uns im Haus. Die durfte ich zum Skifahren tragen. Den von meiner Mutter geerbten Persianer wollte niemand haben. Den mochten wir nicht einmal anfassen! Der war extrem glatt in der Haptik.

      Ein Mantel aus Wildkatze? Hier tun sich Abgründe auf … An der Stelle kann ich gestehen, dass meine Mutter Katzenfellhandschuhe hatte. Nichts half gegen Rheumaschmerzen besser. Das stand in der ersten Version des Beitrags, aber das hat mein Mann mir rausgestrichen, weil er das zu krass fand. Ich hatte ihn ausnahmsweise den Beitrag vorher lesen lassen, weil das Thema ja ein recht kontrovers zu sehendes ist.

      Ebenso schöne Ostern wünsche ich Dir!

    • Auf jeden Fall hilft Katzenfell gegen Rheuma. Als ich noch Drogistin war vor ca. 50 Jahren, haben wir das verkauft. Und viele Kund*innen waren total davon überzeugt. Also, hättest Du es ruhig im Post lassen können. Hier ist Fell wirklich nützlich und dient nicht nur der Eitelkeit. ;-)

    • Ich wusste nicht, dass das offiziell in Deutschland jemals zu kaufen war. Die Handschuhe meiner Mutter stammten von einem Markt aus Italien, kein Vergleich mit Kaninchenfell in der Wirkung, obwohl sich beides wunderbar weich anfühlt. Ja, da war das Fell wirklich Medizin.

  5. Meine Pelzbestände gehen noch auf Mutter und Großmutter zurück. Fellkrägen und elegante Kappe mit Feder. Ich hebe sie zwar auf, trage sie aber nicht. Sie wären eigentlich was für einen Theater-Fundus…
    Pelz war eben auch ein Status-Symbol. Ihren ersten Pelzmantel hat meine Mutter voller Stolz und sehr lange getragen. Den wollte ich nicht erben und habe ihn nach ihrem Tod weggeben, weil ich wusste, ich würde ihn nicht tragen. Fellkrägen nehmen im Schrank weniger Platz weg. Aber Platz dennoch. Sollte Dich doch mal buchen für die Kleiderschrank-Entrümpelung! :-)
    Herzliche Grüße, Sieglinde

    • Schreib es doch gleich auf eine Liste für Dinge, die nach Aufhebung der Corona-Einschränkungen erledigt werden wollen: Pelzsachen zum Theater tragen. Vielleicht nimmt sie auch ein Kindergarten für die Verkleidungskiste? Auf meiner Liste stehen eine neue Abdeckung für den Duschabfluss (vergammelt von der Unterseite) und zwei neue Metallunkrauteimer für den Garten, denn die alten sind durchgerostet (nach 16 Jahren! Frechheit!). Du gehst entsorgen, ich im Baumarkt einkaufen.

      Früher hatte Pelz nur, wer das Tier erlegt hatte oder jemanden dafür bezahlen konnte. Das konnte halt nicht jeder und das erklärt, dass Pelz ein Statussymbol war. Und wegen der Preisklasse heute immer noch ist …

  6. Meine vor zig Jahren gekaufte Fellweste aus Kaninchen trage ich immer noch gern, obwohl ich mir heute keine mehr kaufen würde.

    Da ich auch Fleisch esse trage ich ebenfalls Schuhe aus Leder. Und ich habe auch einen Mantel aus Kunstfell, der schon älter ist. Den trage ich ebenfalls gern.

    Rein umwelttechnisch ist die Vollverwertung von Tieren, die dann auch “auf dem Teller landen” wohl sinnvoller als künstlich erzeugtes Fell, Leder oder Pelz.

    Wir müssen trotzdem von der Massentierhaltung weg. Tiere züchten und misshandeln, nur um Fell oder Pelz zu erzeugen geht schon mal gar nicht.

    Liebe Grüße Sabine

    • So eine Kaninchenfellweste wärmt auch einfach schön am Rücken. Ist ja nicht so, dass echtes Fell nicht seine Vorzüge hätte …

      Bessere Tierhaltung, weniger Fleischkonsum und langes Verwenden der Lederprodukte gehört zu den Sachen die definitiv umgesetzt gehören. Wobei die lange Verwendung ja gerade bei Pelzmänteln der Fall ist, denn die wurden von vielen Menschen wirklich lebenslang (siehe Sieglindes Mutter) getragen. Kürschner machen da auch heute noch Änderungen, so dass Schnitte modernisiert werden. Das relativiert dann zumindest den tierischen Einsatz, wenn es auch die Qualen der damaligen Tierhaltung nicht rechtfertigt.

  7. Meine Mutter hatte einen Nerz- und mehrere Fuchsmäntel. Meine Oma sogar einen FuchsSchal mit Kopf und Krallen dran… Auch einen KaninchenMantel gab es. Ich habe alles zum RotenKreuz gegeben. Ich mochte Fell noch nie anziehen, mir taten schon als kleines Kind diese Tiere leid. Heute bin ich flexitarierer und esse zu 90% vegetarisch. Hier hat sich mein Geschmack verändert in den letzten Jahren. Früher habe ich viel Fleisch gegessen.
    Aber Lederschuhe trage ich und ich habe auch eine Handtasche aus Leder. Ich verstehe die Menschen die ihren Besitz „auftragen“, klar. Heutzutage noch Fellsachen kaufen finde ich grenzwertig….

    • So einen Fuchsschal mit Kopf und Krallen wollte ich als Kind immer haben! Ich fand sowas totschick und konnte gar nicht verstehen, warum meine Eltern sowas nicht (auch nicht für sich …) kaufen wollten, zumal sie ja selbst Pelz trugen (wenn auch primär auf dem Kopf). Aber da hörte der Spaß auf, weil man das Tier dabei sah. Anderseits: Wer dem nicht in die Augen gucken kann, sollte es sich auch nicht um den Hals hängen, oder? Was dann in die Richtung geht, dass nur der Fleisch essen sollte, der auch zum Schlachten bereit wäre. Demnach müsste ich dann wohl auch Vegetarier werden, denn ich bin froh, das Schlachten nicht selbst machen zu müssen.

      Ich frage mich, ob die Fellsachen bei den Kleidersammelstellen beliebt sind oder dort auch hängenbleiben? Vielleicht frage ich mal nach, wenn ich das nächste Mal Sachen abgebe.

  8. Das ist ein Thema! Heutzutage hoch emotionell aufgeladen und extrem polarisierend.
    Als Kind ging es mir wie dir, ich liebte diese Pelz Accessoires, die meine Oma und meine Mutter trugen. Da mein Vater öfter im östlichen Ausland zu tun hatte, bekamen meine Eltern bis in die 80er hinein zb Pelz Kappen geschenkt. Die sind immer noch da und immer noch sehr elegant. Vor ein paar Jahren trug ich eine schwarze zu einem schönen taillierten Mantel. Ich würde sie sogar heute noch tragen.
    Meine Mutter hat immer noch ein Persianercape aus den 60 ern. Und wenn wir mal weniger als – 10 Grad haben, hole ich den Lammfellmantel von 1986 raus.
    Meine beiden Ursprungsfamilien sind Bauern gewesen, ich bin noch teilweise mit den Gegebenheiten der Tierhaltung und Schlachtung aufgewachsen. Ich konsumiere Fleisch nicht oft, aber gern….
    Für mich ist entscheidend: dient Pelz dem Status oder dem Warmhalten. Ersteres lehne ich ab, für das 2. habe ich Verständnis. Hier geht es auch um Tradition im hohen Norden und im tiefen Osten. Bei – 50° ist Pelz nun mal die bessere Option. Thermokleidung ist eine fantastische Entwicklung, aber im Produktionsablauf weder nachhaltig noch umweltfreundlich.
    Einen neuen Pelz würde ich mir nie kaufen! Aber den alten auftragen kann ich mir vorstellen. Das sind meine Gedanken dazu.
    Ich kann Extreme nicht ausstehen und könnte ausrasten, wenn ich so manche Diskussionen zum Thema vegan etc. höre. Da ist nichts ausgewogen…
    LG aus der warmen Sonne, der Pelz bleibt heute im Schrank 😁
    Susanne

    • Danke für Deine Gedanken aus der Sonne dazu!

      Aufgrund des Wetter hatte ich überlegt, ob ich das Thema überhaupt bringe. Es ist mir im Februar eingefallen, brauchte aber etwas Zeit, um in Worte gegossen zu werden. Weil der Beitrag jetzt fertig war und das Thema letztlich mit der Jahreszeit an sich nichts zu tun hat, habe ich mich getraut, das vor Ostern „mal so locker“ in die Runde zu werfen … voller Neugierde auf die Reaktionen.

      Eine schwarze Lammfellkappe hatte ich auch mal, Anfang der 2000er. Die war schön! Die war mir leider irgendwann zu groß. Einen kurzen Lammfellmantel hatte ich auch Anfang der 1900er. Den habe ich tatsächlich aufgetragen. Der war schön, ganz leicht und mit A-Linien-Schnitt.

      Ich bin auf dem Dorf aufgewachsen und kenne Schlachtungen daher eher als Stadtkinder, aber wir durften nie direkt dabei sein. Erst das zerlegte Tier durften wir dann mit weiterverarbeiten. Das war schon auch etwas anderes, das noch fast lebendwarme, blutige Fleisch in den Händen zu halten als das abgehangene aus der Kühltheke beim Fleischer. Als Kind fand ich das spannend. Heute bin ich froh, dass ich nicht selbst schlachten muss.

      Das Thema der Nachhaltigkeit finde ich bei Pelz im Vergleich zu Thermowäsche auch deutlich zu berücksichtigen. Thermowäsche ist nach einigen Jahren im Eimer, ein Pelz kann ein Erwachsenenleben lang halten.

  9. Ich selbst kaufe keine Echtpelzsachen, habe ich aber einen Pelz von meiner verstorbenen Schwiegermutter geerbt. Ich habe es nie getragen, weil es dafür nicht kalt genug ist, aber ich würde es definitiv tragen, wenn es -20 wäre!
    Die Tiere sind seit richtig lange tot, ob ich den Mantel nun trage oder nicht, macht sie nicht mehr lebendig.
    Sicherlich muss das jeder selbst wissen, und ja, irgendwie finde ich es unangebracht sich über Vintage-Pelz aufzuregen, wenn man selber haufenweise Ledertaschen und Lederschuhe im Schrank hat!
    Du siehst toll aus in dem roten Kleid! :)
    Liebe Grüße,
    Claudia

    • Das sehe ich auch so, übe alten Pelz braucht sich keiner aufzuregen. Was ich dennoch wahrnehme, ist eben meine Veränderte Wahrnehmung beim Gefühl des Betrachtens von Pelz. Das Gute ist, dass Vintage-Pelz meistens irgendwie erkennbar ist. Er ist etwas anders, als der Pelzkragen an der Nobeldaunenjacke für 800 Euro.

      Danke für das Rote-Kleid-Kompliment. Von dem Kleid habe ich mich im Winter getrennt. Es rutschte beim Tragen hoch und saß am Po und Rücken leider überhaupt nicht mehr. Wäre es lang genug gewesen, hätte ich einfach etwas darüber getragen, aber so ging es ins Sozialkaufhaus. Die haben sich gefreut.

  10. Fell. Pelz.
    Ich habe prinzipiell kein Problem damit. Ich habe auch kein Problem mit Verbrennungsmotoren, Rauchwaren. Sind alles Relikte aus einer früheren Zeit. Die echten Pelze, die ich bisher gestreichelt habe, fühlten sich alle wunderbar an. So wie das Fell einer Katze. Nur in kühl.
    Meine Mutter arbeitete in den 50/60er Jahren am Marienplatz, mit Blick aufs Rathaus bei einem Schneideratelier und angschlossener Kürschnerei. Das war damals wirklich was für gaaaanz reiche Leute.
    Es ist wie bei allem. Sobald jeder “Depp” alles haben muss, wird am Preis gefeilt, und das geht immer zu Lasten von Arbeitsbedingungen, Material und Qualität.
    Wenn man seine Sachen laaange hat und eben auch umarbeiten lässt, ist finde ich dagegen gar nichts zu sagen. Die Haltung eines Hermelins ist genauso grausam, wie die von billigem Schweinefleisch.
    Dass man Stil, Charm und Anstand nicht überstreifen kann, auch nicht mit einem Nerz, haben viele noch immer nicht verstanden.
    Pelzmäntel im ECHTEN Rockstar Schick der späten 60er, frühen 70er finde ich in der Tat ziemlich cool. Weil es zum Gesamtpaket gehört.
    Aber auch diese Coolness, kann man sich nicht überziehen.
    Plastikpälzkrägen. Nein Danke. Echte aus Fell. Wenn man die Jacke seeeehr lange trägt. Verhält sich das bei mir wie mit Daunen.
    So echte Tiere am Hals, mit Kopf und Kragen fand ich als Kind auch super. Das haben immer nur so reiche, verwegene Damen getragen. Edgar Wallace Stil quasi. Soweit ich mich erinnern kann, haben weder ich, noch meine Mutter oder meine Oma jemals Pelz getragen.
    So kalt ist es bei uns nicht.
    BG Sunny
    P.S.: Da fälltl mir ein, meine Oma hat immer einen Nachbarn bezichtigt, der hätte ihre und noch weitere Katzen weggefangen, um sich davon eine Decke für sein Kreuz zu nähen.
    P.P.S: Schlachten. Ja. War ich schon dabei. Es sorgt für Respekt vor den Tieren und würde mMn Kindern so ab 12,13 nicht schaden.

    • Pelzmäntel können dem Träger schon etwas sehr ondänes verleihen, das finde ich auch – wenn sie mit der entsprechenden Haltung getragen werden.

      Den Luchskragen mit Kopf fanden wohl die meisten Kinder faszinierend. Kinder gehen aber auch einfach unbedarfter und neugieriger an solche Dinge heran. Die wollen sich einfach alles mal genau ansehen – warum also nicht auch in totes Tier?

      Unseren Katzen haben wir immer angedroht, wenn sie frech waren, das wir Handschuhe und Krägen aus ihnen machen. Haben wir aber nicht … liegen im Garten des Elternhauses vergraben und die letzte wurde über den Tierarzt weitergeleitet, um verbrannt zu werden.

      Zum Thema, was früher normale war und heute abstrus erscheint, kann ich noch eine Geschichte beisteuern: Mein Opa fuhr zur See auf großer Fahrt – Walfang, Südamerika, Indien …. Da hat er viele Geschenke mitgebracht von diesen Reisen. Zwei davon habe ich als Kind noch zum Spielen gehabt, von meiner Mutter geerbt, die es als Kind von ihm bekommen hat: Ein ausgestopfter Hund und ein Koalabär. Das waren schlichtweg Kuscheltiere. Der Hund hatte etwa Bolonkagröße (Katzenformat) und kam aus Südamerika. Als ihn geerbt habe, war ein Bein durch dunkelgrünen Cordstoff ersetzt, weil es kaputt gegangen war. Ausgestopft war er mit Stroh. Das kann hier und da durch. Was Nachhaltigkeit angeht, dürfte dieser Hund jedes Plüschtier der Welt geschlagen haben, oder?

  11. :-) Liebe Ines,

    ich weiß nicht, ob ich mir einen neuen Pelz kaufen würde. Sicher ist aber, dass ich einen alten Pelz auftragen würde. Von meiner Großmutter hatte ich einen alten Nerzmantel geerbt, der mir zu groß war. Mir gefiel er und ich hätte ihn bei eisigen Temperaturen sehr gern getragen. Also brachte ich ihn zum Kürschner. Er betrachtete das gute Stück eingehend und erklärte mir, dass die Umarbeitung und Reparatur ein Vermögen kosten würde, weil der Mantel schon so alt und gern getragen war. Außerdem war er extrem schwer. Zum Vergleich zeigte er mir einen neuen Mantel. Der war zwar schön und leicht, aber eben nicht der Mantel meiner Großmutter, mit dem ich auch Erinnerungen verband.
    Getragen habe ich den Mantel danach nicht mehr, sondern verschenkt.

    Grundsätzlich finde ich, dass alte Pelzmäntel und -jacken von denen “aufgetragen” werden sollten, die gern Pelz tragen. So war der Tod der Tierchen wenigstens nicht umsonst.

    Mein Großvater hatte übrigens auch ein Katzenfell gegen seine Schmerzen!

    Liebe Grüße
    Claudia :-)

    • Wie beruhigend, dass nicht nur in unserem Haushalt Katzenfell zur Therapie gab. Fremde Kinder haben bei den Handschuhen immer sehr schräg geschaut.

      Klingt so, als wäre es genau richtig gewesen, den Mantel Deiner Großmutter zu verschenken. Was man sonst auch noch hätte selbst damit machen können, wäre einzelne Teile für Besatz an Jacken von Dir zu nehmen, aber das ist auch echt Arbeit und man weiß hinterher nicht, ob es einem gefällt. So war es bestimmt besser, das Stück im Ganzen jemandem zu überlassen.

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