Von Kokon zu Kokon – wie die Corona-Krise mein Distanzbedürfnis verändert

Ines Meyrose – Sommeroutfit 2019 – weiße Tunikabluse, 7/8 Jeans, Batiktuch orange – Ü40 Bloggerin mit Hund Paul

Disclaimer

Jeder Mensch hat die letzten Monate der Corona-Krise individuell erlebt. Der eine weiß nicht wohin vor lauter Arbeit und Homeschooling, ist vielleicht von mehr Menschen als sonst umgeben, der nächste ist seinen Job los und für den übernächsten ist vielleicht (fast) alles wie immer. Die meisten Menschen sind gesund, andere sind an Corona gestorben oder werden die Folgen der Erkrankung nicht los. Der eine gräbt sich zu Hause ein, der andere ist jeden Tag mit dem ÖPNV unterwegs und hat unfreiwilligen Kontakt zu fremden Menschen. Dieser Artikel ist eine persönliche Momentaufnahme, wie es mir mit der aktuellen Situation im Hinblick auf den Kontakt mit Menschen geht.

Werde ich je wieder ins Kino gehen?

Letzte Woche habe ich in einem Fernsehfilm einen Kinosaal gesehen, der fast leer war. In den roten Samtsesseln saß nur ein Pärchen, alle anderen Stühle waren unbesetzt. So kann ich mir einen Kinobesuch vorstellen, anders nicht. Die Vorstellung mit potenziellen Viren- und Bakterienschleudern auf so engem Raum dicht nebeneinanderzusitzen, mag ich seit der Schweinegrippe 2009 nicht mehr. Damals war ich das letzte Mal mit meinem Mann im Kino. Das fällt mir insofern nicht schwer, weil wir zu Hause die technische Ausstattung haben, um Filme schön sehen und hören zu können. Aber auch mit Freundinnen bin ich seit etwa 2010 nicht mehr im Kino gewesen.

Die Schweinegrippe haben die meisten Menschen vergessen, oder? In Hamburg hatte die fatale Ausbreitung unter Schülern und deren Eltern. Die meisten Kinder bei uns im Umfeld hat es damals erwischt. Ich habe mich erfolgreich dagegen impfen lassen. Auch damals wurde in der Firma, in der mein Mann gearbeitet hat, das Personal umgehend ins Homeoffice geschickt, so weit das möglich war, um gegenseitige Ansteckung und Ausbreitung zu minimieren. Zum Glück dauerte die Schweinegrippe nicht so lange an wie die Corona-Verbreitung. Das Verhalten der Menschen hat sich danach schnell wieder normalisiert. Ins Kino gehe ich nicht mehr, in kleine Konzerte und ins Kabarett durchaus – bis zum Frühling 2020.

Was macht die dauerhaft gelebte körperliche Distanz mit Menschen?

In der Corona-Krise dauert die Zeit der körperlichen Distanz seit Mitte März 2020 an. Am 20. März habe ich das letzte Mal einen Menschen außer meinem Mann geherzt. Das sind vier Monate mit Distanz, da setzt eine gewisse Gewöhnung ein. Daran, dass ich mich erschrecke, wenn sich im Film Menschen umarmen oder in der Kassenschlange dicht hintereinander stehen, habe ich mich gewöhnt. Darüber, dass sich Menschen mir im Alltag wieder mehr nähern wollen, erschrecke ich jedes Mal von Neuem.

Meine Filterblase

Bis Mitte Mai durfte ich augfrund der Corona-Verordnungen persönlich mit Kunden gar nicht arbeiten, seit dem hängt das vom Bundesland ab, was ich wie mit Menschen im Kontakt machen darf. Weil ich Kunden in Hamburg, Niedersachsen und Schleswig-Holstein habe, kann das jeden Tag anders aussehen. Ich arbeite deshalb primär online und habe nur einzelne Präsenztermine, wobei die zum Glück wieder mehr werden.

Im August soll das erste Gruppenseminar wieder persönlich stattfinden bei einem meiner monatlichen Firmenkunden. Durch diese Isolation im Homeoffice mit Mann und Hund haben sich meine individuellen Distanzbedürfnisse allerdings extrem verändert. Ich bin gespannt, wie es sich anfühlt, das erste Mal wieder als Trainerin vor einer Gruppe zu stehen.

Privat habe ich in den letzten Monaten nur zwei Freundinnen aus der Nachbarschaft regelmäßig zu Hundespaziergängen mit Abstand im erlaubten Rahmen getroffen. Das tut mir gut, alleine schon, um mal jemand anderen als meinem Mann zu sehen und zu sprechen. Seit Lockerung der Kontaktbeschränkungen habe ich einzelne Freundinnen zu Hause getroffen, neulich war ich erstmal in einem Café, allerdings auch draußen. Das war einerseits total schön, anderseits war ich froh, danach wieder zu Hause in meiner Höhle zu sein.

Ich bewege mich wie von Kokon zu Kokon. Ich beame mich in meinem Auto zum Kunden oder einer Freundin, wo eine ruhige private Atmosphäre herrscht, bin zu Hause in meinem Nest, gehe nur außerhalb von Stoßzeiten Lebensmittel einkaufen und springe danach umgehend in den nächsten Kokon. Das funktioniert gut. Das fühlt sich richtig an.

Wie sich Distanzzonen verschieben

Distanzzonen

Nicht richtig fühlt sich allerdings an, dass sich meine persönliche Distanzzone immens verschoben hat. In der nonverbalen Kommunikation gibt es das Modell der Distanzzonen nach Edward Hall => siehe Wikipedia, das vereinfacht aus vier Distanzzonen besteht

  • Intimzone bis 46 cm
  • Persönliche Zone 46 bis 120 cm
  • Gesellschaftliche/soziale Zone 120 bis 370 cm
  • Öffentliche Zone ab 370 cm.

Die Abstände sind kulturabhängig. In Nordeuropa sind sie beispielsweise größer als in Südeuropa und in Nordamerika anders als in Asien.

Eine Übung, um Deine Wahrnehmung zu prüfen

In Seminaren zum Thema Auftreten habe ich schon häufig eine Übung von den Teilnehmern machen lassen, die das unterschiedliche Empfinden der Menschen bei körperlich als angenehm empfundener Distanz aufzeigt. In den letzten Wochen merke ich deutlich, dass ich noch mehr Abstand zu Menschen brauche, um mich wohl zu fühlen, als in den 49 Jahren vorher.

Such Dir für die Übung einen Partner. Geht langsam (!) frontal aufeinander zu. Wenn es Dir oder dem anderen zu eng wird, sagt derjenige deutlich Stopp. Beide bleiben sofort stehen. Meistens sagt einer zuerst Stopp. Der andere hätte mehr Nähe zugelassen. Wenn es derjenige, der Stopp gesagt, aushalten möchte, kann der andere nach einer kleinen Pause so weit auf ihn zugehen, bis er selbst Stopp sagen möchte.

Die Übung schärft das Bewusstsein dafür, wie unterschiedlich menschliche Bedürfnisse sind und wie Du erkennen kannst, wenn Du jemanden zu sehr auf die Pelle rückst. Was das angeht, habe ich mir übrigens einen exakt zu mir passenden Hund ausgesucht. Der Zausel braucht einen ebenso großen Tanzbereich wie ich und kann es nicht leiden, wenn fremde Menschen oder Tiere ihn bedrängen. Genau wie ich weicht er aus, so lange es geht, und flippt aus, wenn er nicht mehr ausweichen kann. Viele Menschen merken leider weder beim Hund noch bei mir, wenn sie zu Nahe kommen. Dabei sind die Signale des Zurückweichens klar zu erkennen, wenn man sich die Mühe macht, hinzusehen.

Was macht das dauerhaft mit mir und anderen Menschen?

Von Geburt an bin ich ein Mensch, der sich nur von wenigen auserwählten Personen anfassen lässt, wenn man den Erzählungen meiner Mutter Glauben schenken darf. Ich komme aus keinem Kuschelhaushalt und konnte Bussi-Bussi-Begrüßungen noch nie leiden. Zum Glück sind die in Hamburg eher unüblich.

Eine freundschaftliche Umarmung mag ich, aber ich kuschel weder mit meinen Freundinnen noch meiner Familie auf dem Sofa. Wenn ich in Filmen sehe, dass alle eng aneinander geschmiegt zusammen fernsehen, frage ich mich immer, ob es das wirklich gibt oder es eine Erfindung des Regisseurs ist. Derartiger Körperkontakt findet bei mir nur in Beziehungen statt.

Um auf das Kokon-Bild zurückzukommen: Ich fürchte, dass ein Leben in Kokons auf Dauer nicht gesund ist, weil sich die Momente außerhalb des Kokons zunehmend belastender anfühlen. Wieder in ein normales Leben zurückzukehren ist im Moment aber alleine schon Infektionsschutzgründen nicht möglich. Sicher ist, dass mich die letzten Monaten verändert haben. Mein Ruhebedürfnis ist auf ein neues Level angestiegen und meine Intimzone ist auf deutlich mehr als eine Armlänge Abstand um mich herum gewachsen.

Wie geht es Dir aktuell mit der Wohlfühldistanz und welche Nähe fehlt Dir?


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33 Gedanken zu „Von Kokon zu Kokon – wie die Corona-Krise mein Distanzbedürfnis verändert

  1. Geht mir ähnlich. Momentan ist näherer Kontakt nur mit der Familie vorhanden und mit engen ausgewählten Freunden. Vornehmlich im Freien. Kein Stammtisch, kein Kino (bin eh nicht der Kinogänger). An das Einkaufen mit der Maske habe ich mich gewöhnt. Ich verweise aber schon mal auf die nötige Distanz, wenn mir an der Kasse jemand auf den Pelz rückt. Das mochte ich vor Corona bereits gar nicht haben. Ansonsten werden Menschenmengen gemieden.

    Mir fehlen die sozialen Kontakte zu Freunden und Kollegen. Seit Mitte März bin ich im Homeoffice. Seitdem war ich einmal (allein) im Büro, weil zu Hause das Internet ausfiel. Gruppenrunden finden nur online statt.

    Arztbesuche in mittlerweile volleren Wartezimmern finde ich nicht prickelnd. Die lassen sich aber nicht immer vermeiden.

    Auf Urlaubsreisen werde ich in diesem Jahr komplett verzichten. Ich habe absolut keine Lust, mich einzuschränken. Das ist für mich kein Urlaub, sondern purer Stress.

    Angesichts der momentanen Entwicklung werden wir so wohl noch eine ganze Weile leben müssen. Im Sommer geht das ja noch. Mir grausts schon vor dem Winter und der Weihnachtszeit.

    Liebe Grüße Sabine

    • Die Maske stört mich unterwegs gar nicht großartig. Wir haben auch so viele, dass wir ständig frische aufsetzen können und die sich bis zur nächsten Wäsche mit 60 Grad in einem Eimer vor der Haustür sammeln können. Ich weise auch fremde Menschen darauf hin, wenn sie mir zu nahe kommen oder die Maske unter der Nase hängt – besonders auf Männerhaut ist die hier im Stadtteil wohl sehr rutschig auf der Nase. Dabei komme ich mir einseits wieder ein blöder Kontroletti vor, anderseits macht mich das Verhalten der Menschen zornig.

      Kassendrängler mochte ich auch vor Corona nicht und habe da manchmal auch schon um Abstand gebeten. Da wurde ich dann allerdings wie geistesgestört betrachtet und erntet Null Verständnis. Heute gelte ich dann nur noch wie coronahysterisch … das ist gerade gesellschaftsfähiger.

      Ich wünsche mir sehr, dass die Form des Abstand beim Einkaufen und in Warteschlangen so lange bleibt, bis wir ihn alle verinnerlicht haben und als normal erachten.
      Mal sehen, was passiert, wenn die Menschen wieder drinnnen dichter zusammen hocken … ich ahne Böses.

  2. Liebe Ines,
    mir fehlt, dass ich meine Mama nicht umarmen darf, meinen Enkel, wenn er nach sechs Monaten aus Bayern zu Besuch kommt, meine große Familie. Mit Freunden wird telefoniert oder digital Kontakt gehalten, da fehlt mir “das Persönliche” eigentlich nicht.
    Ich versuche, im Büro, bei Einkäufen oder bei “Alltagswegen” die Distanz einzuhalten. Klappt aber nicht immer. In Köln sind jetzt wieder mehr Touristen und Einheimische unterwegs. Es wird voller und enger. Das versuche ich zu umgehen. Ich habe noch Urlaub geplant, ländlich in Bayern in einer FeWo. Es wäre schön, wenn es klappt, denn die zurückliegenden Monate habe ich als sehr anstrengend empfunden. Kein Homeoffice und viel Zeit “für alles”. Dazu die Sorgen, dass es meinen Lieben alle gut geht (viele Ü60, Ü70, die Mama Mitte 90). Ich denke, wir können dort auch sicher, für uns und andere, sein.

    Meine persönliche Wohlfühldistanz liegt auch etwa bei 90 bis 100 cm. Was ich nicht ausstehen kann – immer mehr – ist, wenn sich jemand in die Tür stellt (unbeabsichtlich) und ich nicht den Raum verlassen kann, wie und wann ich will. Dann schwillt mir schon mal der Kamm.
    Herzliche Grüße aus der räumlichen Distanz,
    Susa

    • Geht mir mit Freunden auch so, die sehe und höre ich eh eher digital als persönlich. Ich drücke Dir die Daumen, dass Ihr in der FeWo eine entspannte Zeit habt, den Urlaub dort sicher verbringen könnt und dass Du Kraft für die kommende Zeit tanken kannst.

      Oh ja, „Türsteher“ mag ich auch nicht. Der Fluchtweg muss offen sein und ich bevorzuge Plätze mit dem Rücken zur Wand und Blick zur Tür. In meinem Büro sitze ich aus Lichtgründen anders, aber da bin ich ja Herrscherin der vorgelagerten Haustür. Außerdem liegt der Zausel grundsätzlich irgendwo zwischen der Haustür und mir und passt auf.

      Habe gerade mit dem Ehemann im Nachbarbüro nachgemessen: Wenn ich den Arm samt Hand nach vorne ausstrecke, sind das von der Fingerspitze bis zum Körper 63 cm. Im Moment sind mir 120 Meter Abstand, also doppelte Armlänge zu fremden Menschen am angenehmsten.

  3. Sehr interessanter Artikel.
    Ich muss gestehen, wir sind extrem gut durch die Corona Zeit gekommen. Ja ok, Micha hatte zwei Monate Kurzarbeit, da fehlte auch Geld. Aber es war noch im Rahmen, auch wenn man es natürlich trotzdem gemerkt hat. Wir sind aber keine Menschen, die großartig weg gehen, die großartig auf Partys gehen oder Freunde besuchen. Unser Kreis ist sehr ausgewählt und sehr sehr klein. Meine Freundin habe ich gar nicht mehr umarmt (von mir aus hätte ich es getan, aber ich weiß, sie möchte es nicht und dann ist es halt gut). Eine ganze Zeitlang auch nicht meine Mutter und Schwester, man hat sich auch nur sporadisch mal gesehen. Aber irgendwann merkte ich, dass meine Mama es braucht und da sie aufpasst und ich eh keine großartigen Kontakte haben, wird sich jetzt wieder umarmt. Der Kuscheltyp bin auch ich nicht, aber dann und wann eine freundschaftliche Umarmung fehlte mir dann doch. Da war es schon schön, als man mal jemand anders kurz umarmen konnte, außer den eigenen Mann. Aber es beschränkt sich auf ein Minimum und ist nicht jeden Tag. Kino? Letzte Mal als Honig im Kopf lief…. so viel dazu ;) Wir waren in Urlaub, weil wir auch durften und haben auch nicht storniert, denn das hätte uns ebenso Geld gekostet. Da wir mit zwei Hunden unterwegs sind, legen wir eh Wert auf Abstand und im Urlaubsort waren wir nicht einmal essen. Zwar bummeln, aber das reichte auch schon. Seit dem Urlaub war ich nicht mehr bummeln, bin aber auch nicht der “ich gehe in die Stadt und bummel jetzt Typ” ;)
    Wir waren am Geburtstag meiner Schwester essen, dass war ok. Nächstes Mal werden Micha und ich im August essen gehen: Hochzeitstag. Aber ansonsten ist der Kontakt stark eingeschränkt, ich vermisse aber auch nix. Ich gehe jeden Tag arbeiten, auch zur Corona Zeit gab es kein Homeoffice für mich und auch bei Micha ist alles normal.
    Was ich übrigens gar nicht mag, wenn Kollegen/innen im Büro so dicht an den Bürostuhl kommen.. aber das mochte ich noch nie und zum Glück ist die Kollegin seit Monaten dauerkrank, so dass sie es nicht machen kann. Alle anderen hier halten Abstand und man passt auf.
    Ich winke dir fröhlich zu und sende dir eine freundschaftliche Umarmung
    Andrea

    • Schön zu hören, dass Ihr bis auf die kleinen Einbußen gut durch die letzten Monate gekommen seid.

      Honig Im Kopf ist auch schon ein paar Jahre her … bei mir war es SATC 2. Wenn jemand so dicht an den Bürostühl kommt, mag ich das auch nicht. Auch nicht, wenn das mein Mann macht. Da fühle ich mich total bedrängt, zumal man dann ja sitzt und der andere steht und mein Mann … nun ja … eine gewisse Masse hat, die dann vor mir als Mauer steht. Dafür habe ich ihn letzte Woche ziemlich angeschnauzt. Jetzt hat er kapiert.

      Dass Ihr den Urlaub an der Nordsee gemacht habt, kann ich gut verstehen. Wenn der gebucht und bezahlt und erlaubt – und damit nicht kostenfrei stornierbar – war, hätte ich den auch gemacht. Ich hatte Glück, dass mein Flug für Ende Juni in die Schweiz zur Besten von der Fluggesellschaft gecancelt wurde. Das Geld habe ich diese Woche endlich auch zurückbekommen. Ansonsten finde ich es bei neu zu buchenden Urlaub aktuell schon besser, wenn man eher in seiner Region bleibt –Nord/West/Ost/Süd, um die Durchmischung einfach möglichst gering zu halten. Wenn man aber ein FeWo hat und Menschen sowie meidet, wird wahrscheinlich auch nichts passieren. Das Problem sind nicht die denkenden Menschen, sondern die Ballermannidioten und Feierbiester auf der Hamburger Schanze.

      Ich winke Dir fröhlich zurück! Bis wir uns irgendwann wiedersehen, kann man sich ja hoffentlich wieder umarmen ohne Angst. Und wenn nicht, wird weiter gewunken!

    • Das mit dem Bürostuhl geht mir auch so. Ich kann es nicht haben, wenn ich vor dem Bildschirm sitze und jemand hinter mir steht und immer näher rückt, weil er sonst am Bildschirm nichts erkennen kann. Das finde ich fast noch schlimmer als face to face.

      Standardimpfungen habe ich auch( fast ) alle. Seit ein paar Jahren sind noch die Grippeschutzimpfung dazu gekommen und die gegen FSME. Ich hatte mal eine echte Virusgrippe, nicht nur ein grippaler Infekt und da habe ich gemerkt, was so ein Virus anrichten kann und wie lange man noch was davon hat, auch wenn das gröbste vorbei ist.

      Gegen Schweinegrippe habe ich mich damals allerdings nicht impfen lassen.

    • Gegen FSME bin ich auch geimpft, seit meine in Zürich lebende Freundin das hatte. Das war richtig schlimm mit Langzeitfolgen. Impfen lassen habe ich mich wegen Reisen in die Schweiz, aber es rückt in Deutschland ja auch immer in den Norden vor und ich will hier nicht die erste in der Statistik sein – denn Zecken mögen mich leider.

  4. Dein persönlicher Kokon – er rundet das Bild von dir! Ich sehe aus der Distanz, ohne dich persönlich zu kennen und natürlich aus küchenpsychologischer Sicht (also nicht bierernst zu nehmen!) eine bedenkliche Tendenz -:)
    Im Ernst, es gibt ja zweierlei – das normale Nähe- und Distanzthema und das jetzige, was ja schon sehr besonders ist. Ich habe gern Nähe, muss aber nicht kuscheln, gebe ungern die Hand zur Begrüßung und nur ausgewählte Menschen bekommen eine Umarmung. Intim wirds bei der Familie, den Enkeln, den Eltern etc., ich herze auch jetzt meine Enkel und umarme meine Mutter. Da wird aber auch nicht auf dem Sofa übereinandergesessen. Ich denke, bei uns läuft es ganz durchschnitlich, Körperlichkeiten sind Normalität (zB auch Nackheit, was ja durchaus dazu gehört), werden aber nicht zelebriert.
    Ich war 2 Monate im HO, seit Juni wieder im Büro, mit Öffentlichen, Kollegen und allem drum und dran. Aber ich achte bewußt auf Abstand, soweit das möglich ist. Maske ist Pflicht, wo ich sie tragen muss, aber ich mache kein Dogma da draus, wie manche meiner Mitarbeiter – bin ich allein auf dem Flur, trage ich keine.
    Ich brauche keine Massen, aber Geselligkeit, ich treffe mich mit Freunden, gehe aber nie zu größeren Veranstaltungen. Kino muss ich derzeit auch nicht haben, bin da aber bei weitem nicht so rigoros wie du. Großstadt härtet auch ab, mein Credo! Ich kann und will nicht immer mit dem Rad unterwegs sein, also arrangiere ich mich damit, oft vielen Menschen zu begegenen und es macht mir nichts aus, solange ich es in der Hand habe, auf meine Distanz zu gehen. Ich weiß, wo ich mich bewege, wer in meinem Umfeld ist und dass ich nicht wissentlich mit Menschen zusammentreffe, die sich dem Risiko bewußt oder nachlässig ausetzen. Ich möchte nicht deuerhaft in einem Kokon leben, ich bin ein sehr soziales Wesen, suche mir aber gern aus, mit wem.
    Es steht noch ein Flug nach Kopenhagen an, lange geplant – ich denke, wir werden das canceln, darauf kann ich derzeit gut verzichten! Geplant ist ein Ausstellungsbesuch in Hamburg, der shcon im März sein sollte und das Ferienhaus an der Ostsee. Ich brauche im Urlaub Tapetenwechsel.
    Grüße aus der Distanz :)
    Susanne

    • Da brauchst Du kein Küchenpsychologe für zu sein – ich habe ja selbst am Ende geschrieben, dass ich denke, dass das auf Dauer nicht gesund ist. Mit Nacktheit habe ich Lustigerweise gar kein Problem. Ich bin als Kind mit Nacktbaden aufgewachsen – ja, das gab es auch außerhalb der DDR und ohne ansonsten FKK-Anhänger zu sein. Es stört mich auch beim Schwimmen nicht, wenn mich fremde Menschen in der Dusche oder der Umkleidekabine – es gibt in Hamburg mehrheitlich Sammelräume dafür – sehen. Es ist mehr das Gefühl als die Optik, was mich bedrängt.

      Großstadt härtet ab und Bahnfahren auch, aber gemocht habe ich ÖPNV noch nie. Im Moment darf man nach DK nur, wenn man sechs Nächste bleibt. Wolltet Ihr so lange bleiben? Die Strafe für kürzere Aufenthalte beträgt übrigens 800 Euro – hat schon jemand bezahlt … ein Bekannter eines Freundes.

      Dass Du im Urlaub einen Tapetenwechsel schätzt, kann ich gut verstehen. Gegen das Ferienhaus an der Ostsee spricht sicher nichts. Kam neulich am Museum, das Du besuchen möchtest, vorbei und habe mich schon gefragt, ob Du einen neuen Termin im Auge hast. Würde mich freuen, wenn uns dann ein kurzes Treffen gelingt. Dafür käme ich heraus aus meinem Kokon!

    • Kopenhagen: 3 Nächte, wir wssen das und canceln wohl – Damenreise!
      HH: am 15.8. geplant, ich schreib dir, falls es umgesetzt wird.
      LG Susanne

  5. Liebe Ines, ich weiß was Du meinst. Ich bin auch nicht in einer Kuschelfamilie groß geworden. Ich brauche auf der Couch, sitze allein auf einem Sessel und vor allem zum Schlafen meinen Freiraum. Allerdings habe ich mit meinen Kindern viel gekuschelt als die klein waren und Sarah kann gekuschelt schlafen und auf der Couch sitzen. Das gibts also tatsächlich.
    Corona ist nochmal eine ganz andere Nummer und die ist tatsächlich gefährlich. Wir werden vielleicht alle verhaltensgestört, wer weiß. Gut ist das nicht.
    Diesen persönlichen Bereich hat normalerweise jeder Mensch. Und das Zurückweichen ist leicht zu erkennen… eigentlich.
    Eigentlich leben wir jetzt wieder ganz normal. Ans Einkaufen mit Mundschutz habe ich mich mäßig gewöhnt. Ich geh seit Monaten nur zu unserem Edeka Express. Nix bummeln, nur was sein muss. Eigentlich eine Katastrophe für die Geschäfte.
    Beruflich freuen wir uns immer noch über 16 Wochen ohne Covid positiven Fall. Es scheint unsere Patienten machen das echt gut. Das lässt mich hoffen.
    Schweinegrippe hatten wir damals auch zwei Fälle im Team, aber das war glimpflich zum Glück. Impfen habe ich mich damals nicht lassen dagegen, aber ich bekomme seither jährlich die Grippeimpfung. Da ist dann die Schweinegrippe mit drin.
    Das Bild von Dir und Zausel Paul ist echt so süß.Ihr genießt das wohl beide. ;)

    Liebe Grüße Tina

    • „Und das Zurückweichen ist leicht zu erkennen… eigentlich.“ Du sagst es. Eigentlich. Das gehört zu den Verhaltensweisen, die ich bei ignoranten Menschen nie verstehen werde. Beim Zausel ist das noch viel besser zu erkennen als bei mir. Da kommen für ihn fremde Menschen, beugen sich über ihn, patschen ihn von oben am Hinterteil an und wundern sich dann, wenn er den Schwanz einzieht, sich wegdreht oder – böser Hund! – sogar knurrt, wenn er nach hinten keinen Ausweichraum hat.

      Gestern bin ich in einem kleinen Bio-Supermarkt bei uns im Stadtteil rückwärts vor der Eigentümerin weggewichen durch den halben Laden, während sie mit mir sprach. Die hatte das neue Plastikteil auf, was man Kinn befestigt und das nur halb übers Gesicht geht. Das gefiel mir gar nicht.

      Beim Einkaufen einen MNS zu tragen, stört mich überhaupt nicht. Brille trage ich dabei nicht, der MNS kitzelt höchstens mal an den unteren Wimpern. Da gibt es echt Schlimmeres. Sogar meine Foundation bleibt darunter fast vollständig :). Damit kann ich noch eine ganze Weile gut leben.

      Wie schön, dass Euer Patienkreis so „Corona-sauber“ ist. Ich war 2009 gegen die normale Grippe schon geimpft und habe die Schweinegrippe dann zusätzlich impfen lassen. Ich hatte wochenlang viel mit Jugendlichen Azubis zu tun, da ging das auch sehr um. Wenn es geht, lasse ich mich wie Du jährlich impfen. Mal kommt was dazwischen – Impfstoff noch nicht da, wieder weg, ich keine freie Zeit ohne Termin am nächsten oder wenn, dann gerade Halsweh …, aber an sich ist eine jährliche Impfung mein Ziel. Meine neue Hausärztin war im letzten Herbst beeindruckt von meinem Impfpass: „Wow. So eine vollständig geimpfte Person habe ich lange nicht gesehen. Mit Ihnen würde ich sogar nach Afrika reisen! Wer kontrolliert den Impfpass?“ Ich … Ansonsten meide ich Arztbesuche wie die Pest und bin auch kein Freund von jeder Vorsorge, aber Impfen lasse ich mich gegen alles, was empfohlen wird.

      Das Beitragsbild ist vom letzten Jahr, aber ich fand es ganz passend zur Illustration. Eigentlich wollte ich eins nehmen, bei dem er sich ostentativ wegdreht, aber das war mir dann doch lieber.

  6. Also, ich denke, du kennst mich schon ein wenig, um zu wissen, dass ich in diesem Sinne das Gegenteil von dir bin! Ich komme aus einem Kuschelhaushalt und Bussi-Bussi-Begrüßungen, Freundlichkeit und Warmherzigkeit ist es einfach normal zwischen uns in Brasilien. Ich vermisse die Umarmungen meiner Freunde und ich könnte nie nur zu Hause leben, oder wie du sagst, in einem Kokon leben – ich würde verrückt werden!
    Gott sei Dank treffen wir uns wieder und in einigen Gruppen finden die Treffen bereits statt, wie mein Stammtisch! Da ich in der Hochrisikogruppe bin, vermeide ich aber Urlaub, Menschenmassen, Shoppings, Kinos usw. Das muss nicht sein!
    Liebe Grüße,
    Claudia

  7. Hallo Ines,
    ich habe meinen Kokon schon länger verlassen.

    Ich meide unnötige Menschenansammlungen, aber ich gehe in die Stadt, fahre Bus, gehe ins Schwimmbad.

    Im Kino war ich noch nicht, was schade ist, denn ich gehe gern ins Kino. Die Bestimmungen sind so, dass nur sehr wenig Leute ins Kino dürfen. Bei mir liegt es aber daran, dass mir das Wetter zu schön ist, um im Kino zu sitzen und auch kein Film läuft, der mich interessiert. Mir tun die kleinen Kinobetreiber sehr leid, fraglich, ob sie alle weitermachen können.

    Beim ersten Treffen mit meiner Freundin wäre natürlich eine Umarmung fällig gewesen, ging ja nicht, war aber nicht weiter schlimm. Ich muss auch nicht jeden abknutschen.

    Ich brauche keinen, der mir zu nah auf die Pelle rückt, da habe ich schon einen persönlichen eingebauten Abstandshalter.

    Viel schlimmer finde ich, was es mit den alten und teilweise dementen Menschen in den Alten- und Pflegeheimen gemacht hat. Das muss ein enormer sozialer Rückgang für sie gewesen sein.
    Liebe Grüße
    CLaudia

    • Von den Bewohner in Pflegeheimen habe ich von einigen Angehörigen gehört, dass sie stark abgebaut haben durch die Isolation. Bei meiner Schwiegermutter, die noch alleine lebt, ist das bisher zum Glück kein Problem, die telefoniert ständig – da ist immer besetzt. Und sie hat sich ein paar DVDs von uns schicken lassen, weil das Fernsehprogramm ihr nicht gefiel. Das war ein lösbares Problem und der Onlineshop liefert zum Glück ja auch an andere Liefer- als Rechnungsadressen. Persönlichen Besuch wollte sie von uns bis vor zwei Wochen nicht haben. Der Arzt ist sogar mit ihren Vitalwerten zufrieden, sie läuft also erfolgreich in der Wohnung und auf dem Balkon umher. Ernsthaft problematisch ist das glaube ich bei denen, die nicht mehr telefonieren können und so den Kontakt zur familiären Außenwelt völlig verloren haben. Das muss schlimm sein.

  8. Hey,
    ich versuche auch Abstand zu halten und halte mich noch von bestimmten Dingen fern.
    Auch meine Familie habe ich seit März nur auf Abstand gesehen. Jetzt gibt es aber FFP2 Masken und damit werde ich dieses WE das erst mal mein Familie wieder drücken. Bin eben lieber vorsichtig.
    Und Kino: wegen der Aerosole bleibe ich dem fern.
    Liebe Grüße!

    • Meine Familie habe ich letzte Woche zum ersten Mal im Freien auf Abstand wieder gesehen. Beruhigend, dass ich nicht die Einzige bin, die weiter Abstand hält.

  9. :-) Liebe Ines,
    ich komme aus einer kuschelnden, herzenden, küssenden Familie. Mir würde etwas fehlen, wenn sich das ändern würde!
    Dadurch, dass ich im letzten Jahr relativ lang krank und allein war, habe ich mich gut an den Zustand gewöhnt. Mir ist nie langweilig, ich kann mich gut beschäftigen. Deswegen hat mir der Corona-Lockdown auch relativ wenig ausgemacht. Nicht mehr so viel reisen zu dürfen, das fehlt. Und meine Familie sowie Freunde.
    Wenn ich sie aber sehe, dann ist die Freude doppelt und dreifach groß, so wie letztens in meinem Urlaub in der nördlichen Heimat.
    Liebe Grüße
    Claudia :-)

    • Langweilig ist mir auch nicht so lange ich etwas zum Lesen habe. Bei Dir verstehe ich total, dass Du ins Ausland reist, weil es um Deine Familie geht und nicht nur um ein paar Tage in der Sonne.

      Ansonsten habe ich im Moment relativ wenig Verständnis dafür, wenn jemand aus Lust und Laune durch die Weltgeschichte reist und die Gesellschaft dafür die Corona-Tests bezahlen darf und die Einschränkungen an den Hacken hat.

  10. Hochinteressant!

    Bei Deiner Seminarübung würde es für mich persönlich – unter Nicht-Corona-Umständen – ja schon mal EXTREM darauf ankommen, mit wem ich diese Übung machen soll: Manche Leute kann ich körperlich ziemlich nah heranlassen, bei anderen würde ich am liebsten schon weggehen, sobald sie mir im Abstand von mehreren Metern nur gegenüberstehen und mich angucken. ;)

    Ja, und auch beim Corona-Kokon-Thema bin ich durchaus zwiegespalten:
    Rückt mir ein Fremder irgendwo zu nah auf die Pelle, weiche ich aus oder sage auch schon mal was. Bekam dann aber meistens zu hören “Wieso, wir tragen doch Maske?!” … äh … – ja, und?!?? – Wobei ich dazusagen muss, dass ich fremde Menschen per se lieber auf Abstand halte.

    ABER: Ich möchte doch gerne JETZT mit dem, was möglich ist, leben und nicht komplett damit aussetzen, bis diese Corona-Geschichte uns vielleicht irgendwann wieder verlässt (wird sie wohl eh nicht, das Virus ist sehr mutierfreudig :( ). Ich vergleiche das ein bisschen mit diesen Leuten, die sich so vieles “für später” aufheben – und dann ereilt sie ein Schlaganfall oder Herzinfarkt und das war’s dann mit den aufgeschobenen Plänen. :/
    – Nein, das möchte ich wirklich nicht.

    Allerdings bin ich auch keine von diesen ignoranten, egoistischen Personen, die womöglich an Verschwörungsthorien glauben oder meinen, dass “wir alle verarscht” werden. Diese neigen ja dazu, andere, die auf Abstandsregeln, überhaupt auf Regeln, Masken und so hinweisen, nach Hause in besagten Kokon zu schicken, erklären, dass unter ‘ner Maske ihr Make-Up verrutschen würde und feiern fröhlich eine Party nach der anderen.

    Oder wie die Frau, die mein Mann heute bei Lidl ohne Maske antraf und ansprach – sie habe im Internet gelesen, das bringe sowieso nichts und außerdem hätte sie kein Corona. (…)

    Gruselig, wie unfassbar dumm die Menschheit in sehr großen Teilen leider ist!!! :( :( :(

    Aber tatsächlich hänge ich – wie viele andere auch – irgendwo zwischen beiden Extremen: Ich halte mich an die Hygiene- und Verhaltensregeln, aber nehme auch Möglichkeiten wahr, die erlaubt sind und igele mich nicht zu Hause ein. – Weil mir das nämlich psychisch nicht gut tut! Ruhebedürfnis? Nicht wirklich.

    Aber wie Du schreibst: Die Menschen sind verschieden. Ich akzeptiere (und verstehe auch irgendwo) selbstverständlich den Rückzug und die Gefühle aller Menschen, die sich zu Hause im Kokon mit extremer Vorsicht der Umwelt gegenüber wohler fühlen (kenne allein mindestens drei davon in meinem näheren Umfeld) – selbst wenn sie keiner Risikogruppe angehören.

    Dennoch macht es gelegentlich traurig, wenn selbst ein gemeinsamer Spaziergang oder eine Unterhaltung irgendwo im Außenbereich mit Corona-Begründung abgelehnt wird.

    Ja, und wenn man doch auf Leute trifft …: Das Herzen und Berühren hat natürlich überall deutlich nachgelassen, ganz vereinzelt kommt es in meinem Umfeld aber doch inzwischen wieder vor, und nach anfänglichem Erschrecken habe ich festgestellt, dass es MEIN Herz durchaus erwärmt. Was sich wiederum gut anfühlt. :)

    Ich drücke aber nicht von selbst, sondern “lasse” ggf. drücken. ;)

    Bei mir gab es übrigens niemals Homeoffice in der Corona-Zeit, “nur” Kurzarbeit, so dass sich gar nicht so viel in meinem Lebens-Umfeld verändert hat. Während der Zeit, in der das ganze Drumherum geschlossen war und der, als die Lockerungen langsam losgingen, bin ich aber auf jeden Fall zu der Erkenntnis gelangt, dass ich definitiv NICHT (mehr) der Kokon-Typ bin!

    Mit der Schweinegrippe damals hatte ich übrigens interessanterweise so gar keine Berührung … erinnere mich nicht mal dran. Seltsam.

    Liebe Grüße
    Gunda

    • Bei der Übung könntest Du auch genau das thematisieren und Dir zum Beispiel zwei Leute aussuchen, mit denen Du das machen möchtest. Wenn Du möchtest, dass derjenige, den Du nicht an Dich heranlassen möchtest, das erfährt. Es gibt zu der Übung auch noch eine Variante: Du stehst in der Raummitte und die Gruppe machte einen großen Kreis um Dich. Dann gehen die Gruppenteilnehmer gaaanz langsam auf Dich zu, der Kreis wird also immer enger. Du sagst Stopp, wenn es Dir zu eng wird. Einige ist zwei Meter Abstand nicht genug, anders lassen sich quasi anfassen, ohne dass es sie stört.

      Alles auf später aufschieben möchte ich auch nicht, aber es muss nicht alles in 2020 passieren, was noch auf der Liste steht. Das liegt vielleicht aber auch daran, dass meine Löffelliste quasi leer ist.

      Zum Thema, Möglichkeiten wahrzunehmen, die erlaubt sind, bin ich zwiegespalten. In Hamburg sind meines Wissens nach aktuell private Feier mit bis zu 25 Personen erlaubt. Nie im Leben käme ich gerade auf die Idee, so ein Feier auszurichten oder zu besuchen. Wir saßen diese Woche im Garten meiner Schwägerin mit sechs Personen (die Familie mit zwei erwachsenen Kindern und wir) an zwei großen Gartentischen in einer Reihe, also nicht gedrängt. Selbst das war mir im Grunde zu eng und mein Gesicht, als sich mir jemand zur Begrüßung nähern wollte, war vermutlich unbezahlbar.

      Wenn Dir der Rückzug psychisch nicht gut tut, habe ich aber volles Verständnis dafür, wenn Du den erlaubten Rahmen ausschöpfst, denn dafür ist er ja auch da. Man muss nicht alles machen, was erlaubt ist (250 km/h auf der Autobahn zwischen Hamburg und Lüneburg sind strecknweise auch erlaubt – aber muss man das machen?), aber wenn es einem gut tut und man verantwortungsvoll damit umgeht (leere, trockene Straße, Tageslicht und volle Konzentration) bringt man damit keinen um.

      Ich verstehe, dass Du traurig bist, wenn jemand (ich …) eine Verabredung absagt, weil ihm wegen Corona nicht der Sinn danach steht. Umso mehr freut es mich für Dich, dass Du Möglichkeiten findest, unter Menschen zu kommen und nicht zu vereinsamen. Sei sicher: Auf Dauer wird mir mein Schneckenhaus zu klein und dann freue ich mich wieder auf ein Treffen mit Dir!

  11. Ich bin ja auch eher der Kuscheltyp, wobei ich nur wenige Menschen ganz nah an mich heranlasse. Durch die Corona-Zeit bin ich bis jetzt ganz gut gekommen. Es war eher mehr Arbeit als weniger. Mir fehlen die klassischen Konzerte sehr. Wir sind erst einmal wieder zu einem Konzert in einer Kirche gewesen. Ansonsten sind die Karten für ein Konzert ziemlich schnell weg. Das Abstand-Halten finde ich gut und auch der Verzicht auf das Händeschütteln. Da werde ich wenigstens nicht auf meine kalten Hände angesprochen. Wir versuchen so normal wie möglich mit den Hygieneregeln zu leben. Ich war auch schon mehrmals shoppen. In den Einkaufscentern sind Pfeile der Laufrichtung auf dem Boden aufgeklebt. Kaum jemand hält sich daran. Das ärgert mich genauso wie die chronischen “Auf-den-Pelz-Rücker”. LG Caro

  12. Wenn mir Wildfremde oder Menschen, die ich nicht mag, auf den Pelz rücken, bekommen sie einen entsprechenden Spruch. Das war aber schon immer so. Ich mag Nähe, aber ich möchte bitteschön selbst bestimmen, zu wem.

    Mit meinen Kindern kuschle ich weiterhin – ich könnte mir auch nicht vorstellen, das nicht zu tun. Und ja, ich nehme auch meinen Vater wieder in den Arm, wenn ich ihn besuche. Ich habe ihn 10 Wochen lang nicht gesehen. Das bekam weder ihm noch mir sonderlich gut. Jetzt fahre ich alle paar Wochen hin und natürlich wird er gedrückt. Meine Freundin hat Leukämie. Sie isoliert sich nach wie vor komplett. Das kann ich nachvollziehen. Eine Infektion wäre tödlich. Aber sie fehlt mir. Sehr. Telefonieren ist gut und schön, ersetzt aber unsere Abende nicht.

    Ansonsten läuft mein Alltag wie immer. Ich arbeite meist im Büro, an manchen Tagen im Homeoffice. Ich muss berufsbedingt jede Menge Leute treffen. Geht nicht anders. Das passiert mit Distanz. Ich gehe schwimmen, auch mal bummeln (wenn auch seltener als zuvor), ich besuche Restaurants oder gehe etwas trinken.

    Was fehlt mir? Ins Kino würde ich gern mal wieder gehen. Oder noch lieber ins Theater oder ins Ballett. Ich drücke mir die Daumen, dass irgendwann im Herbst die Basketballsaison wieder anfängt. Aber ehrlich gesagt sehe ich da schwarz. Ich würde gern reisen. Drei Reisen sind bisher in diesem Jahr ausgefallen, die vierte wird wohl das gleiche Schicksal ereilen. Das ist nichts, was mich jetzt aus der Fassung bringt oder wirklich unglücklich macht. Aber ich hatte mich halt auf jede einzelne Reise sehr gefreut.

    Fazit: Für einen Kokon bin ich nicht gemacht. Das ist nicht meine Welt. Aber jetzt bedenkenlos in den Urlaub dorthin zu fahren, wo vor drei Monaten noch die Krankenhäuser und Friedhöfe überlastet waren, eben auch nicht.

    Liebe Grüße
    Fran

    • “Aber jetzt bedenkenlos in den Urlaub dorthin zu fahren, wo vor drei Monaten noch die Krankenhäuser und Friedhöfe überlastet waren, eben auch nicht.”

      Das sehe ich auch so. Ich habe kein Verständnis, wenn jemand jetzt so eine Reise bucht. Wenn es schon lange gebucht, bezahlt und nicht ohne Kosten stornierbar ist, verstehe ich Reisen in dieses Ausland – aber alles andere nicht.

      Dass Dir als Reisemensch die Reisen fehlen, kann ich mir gut vorstellen. Aber immerhin haben wir die Ostsee quasi vor der Tür und als Frühaufsteher kann man da wirklich schöne Momente genießen. Ich wünsche Dir weitere schöne Ausflüge dahin in diesem Sommer und Herbst.

  13. Ich bin es eh gewohnt von zu Hause aus zu arbeiten und bin auch eher ein Mensch mit wenigen, wirklich engen Freunden.
    Allerdings wurde es dann so erst recht schnell einsam bzw. eintönig… gefühlt kam man lange Zeit so gar nicht mehr vor die Tür und mir bzw auch meiner Kreativität tat es schon sehr gut, als alles wieder lockerer wurde und ich mehr Abwechslung hatte bzw. wieder Neues entdecken konnte.

    • Lebst Du alleine oder mit jemandem zusammen? Wenn ich alleine leben würde, wäre ich sehr einsam geworden. Ich bin heilfroh, dass man Mann die ganze Zeit im Homeoffice ist und wir uns verstehen. Wie schrieb jemand im Netz irgendwo: “Jetzt weiß ich, dass ich meinen Mann wirklich mag.” Klingt schräg – aber so viel Zeit haben wir noch nie am Stück miteinander verbracht. Da ist schön, wenn man dann merkt, dass man das nicht nur aushält, sondern schätzt.

      Ich wünsche Dir viele kreative Momente!

  14. Ich nehme das ganz ähnlich wahr, wie du.
    Und dabei ist es hier bei uns eher üblich, sich auch unter guten Freunden mit einer Umarmung zu begrüßen, ganz zu schweigen im familiären Umfeld. Das einzige Familienmitglied, dass ich außer meinem Mann in den Arm genommen habe, war mein kleiner Enkel. Und eigentlich … genau genommen … lassen wir das.
    Ich habe mich ertappt, dass ich immer wieder aufschrecke, wenn ich in einem Roman lese, wie sich zwei Personen bei der Begrüßung umarmen. Wie werden die kommenden Romane wohl geschrieben werden?
    LG
    Sabiene

    • Interessante Idee, wie sich das geänderte Verhalten in der Literatur und Filmen niederschlagen wird.

    • “… und dann riss er ihr voller Leidenschaft die Mund-Nasen-Behelfsmaske aus dem Gesicht und küsste sie …”
      Gut, dass ich solche Romane nicht lese ;-)
      LG
      Sabiene

  15. …und ich dachte, ich bin ein Exot, der nur schwer bis gar nicht fremde Berührungen und Nähe zulassen kann.
    Schön zu wissen, dass ich nicht ganz allein dastehe mit meiner “Macke”

    LG
    Petra

    • Du bist nicht alleine. Ich finde nicht mal, dass das eine Macke ist. Andere Menschen vielleicht einfach nur anders.

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