Von Fast Fashion und Slow Ways

Sabine Gimm und Gunda Fahrenwaldt

Wenn Ines eine Bahnfahrt tut, sieht sie 3 von 4 Zügen wegfahren, wird mit Schienen-Ersatzverkehr geplagt, kommt sie schweißgebadet und der Auflösung nahe endlich am überfüllten Hauptbahnhof an und dann … dann wird alles gut :) . Denn dann bin ich gleich in Gundas Arme gelaufen und Sabine haben wir direkt vor dem Museum für Kunst und Gewerbe – kurz MKG – getroffen.

Ines Meyrose #fotd 20150808 - fotografiert von Sabine Gimm

Einwegmode

Die mode- und kosumkritische Ausstellung Fast Fashion stand fest auf meinem Plan für den Sommer 2015 und es freut mich, dass meine Blogger-Freundinnen Sabine und Gunda auch Lust dazu hatten. Dass die sehenswerte Tattoo Ausstellung noch zeitgleich lief und mit dem gleichen Ticket besucht werden kann, ist eine nette Zugabe, die den Eintrittspreis von EUR 10,00 versüßt. Ein Schwenk durch den Rest des Museums darf man dafür auch noch machen. Jetzt habe ich endlich die Original Kantine aus dem Springer Verlagshaus gesehen. Mehr 1970er geht nicht – absolut cool!

Nichts Neues von der Modefront

Wer sich wie ich bereits intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt hat, wird in der Ausstellung Fast Fashion nicht viel Neues erfahren. Daher hat sie mich wenig beeindruckt. Für Neulinge im Thema wird Interessantes dabei sein. Eine Grafik hat mir jedoch erneut deutlich vor Augen geführt, wo aus meiner Sicht das eigentliche Problem liegt: in der Wertschöpfungskette.

Das Problem ist aus meiner Einschätzung nach keinesfalls, dass die Fabrik nur 15 Cent für eine Bluse bekommt. Das Problem liegt darin, dass zu viele Firmen von der Stoffherstellung bis zum Verkauf an den Endkunden daran verdienen. Wenn die Schritte verkürzt würden und weniger Zwischenhändler involviert wären, könnte die Fabrik sicherlich 150 Cent für die Bluse bekommen. Das würde viele Probleme bei den Produktionsbedingungen lösen können. Aus diesem Grund kaufe ich gerne direkt bei der Designerin und/oder Herstellerin, z.B. estomo, Mona Design oder hier.

Modemathematik und Nachhaltigkeit

Für mich ist der beste Konsum bei Kleidung jener, der zu langer Tragezeit führt. Ich belaste Umwelt und Menschen, die die Sachen herstellen, am wenigsten, wenn ich wenig kaufe und das lange verwende. Dann geht die Modemathematik auf, denn das Teil wird für mich mit jedem Tragen im Verhältnis günstiger und nachhaltiger.

Natürlich finde ich ökologisch einwandfrei hergestellte Produkte aus Naturfasern klasse. Aber wirklich ökologisch sauber und auch für die betroffenen Tiere schmerzfrei und angenehm sind sicher die wenigsten Produkte im Handel hergestellt. Wenn mir dann in der Ausstellung gezeigt wird, wie ein Schaf qualvoll geschoren oder Fell von einem Tier ausgerupft wird, sehe ich die Bilder selbstverständlich nicht gerne.

Alternativ Sachen aus Kunststoff tragen? Verzicht auf Leder und tierische Wolle ist keine dauerhafte Option für mich. Ich werde mich in meinem Leben aller Voraussicht nach weder vegan ernähren noch kleiden. Für mich ist das Ausgewogenheit das Ziel: einigermaßen bewusst kaufen und die Dinge ihrer Lebensdauer gemäß zu nutzen. Das ist für mich vertretbare Wertschöpfung.

Slow Fashion

In einem zusätzlichen Raum wird im Rahmen der Ausstellung Slow Fashion präsentiert. Neue Fasern werden vorgestellt und können angefasst werden. Dabei fand ich die Milchfasern spannend. Von QMILK hatte ich bereits im Kosmetikbereich gehört, aber noch nichts davon berührt. Die Fasern sind seidenweich! Daraus möchte ich gerne etwas haben.

Dass man aus Brennnesseln Fasern herstellen kann, die sich verstricken lassen, war mir auch neu. Der gezeigte Schal war mir zwar eindeutig zu kratzig, aber das Problem lässt sich vielleicht beheben und man kann die Fasern für Produkte einsetzen, die nicht direkt auf die Haut kommen. Irgendwann kommt sicher ein Erfinder auch noch auf eine Idee, wie man leuchtende Farben nachhaltig herstellen kann.

Nachhaltigkeit durch Kombinationsvariationen

Ines Meyrose #ootd 20150808 - fotografiert von Sabine Gimm

Passend zum Thema gibt es heute bei ein Outfit, von dem Ihr alle Teile schon kennt. Die Hose kennt Ihr bisher mit anderen Schuhen und da könnt Ihr im Vergleich sehen, wie viel kürzere Beine 7/8-Krempelhosen machen im Vergleich zu langen bzw. in farblich gleiche Stiefeletten hineingesteckte Hosenbeine.

Die Fotos hat Sabine Gimm netterweise von mir gemacht. Da sie die gleiche Kamera und das 50mm-Objektiv verwendet wie ich, war ihr der Umgang mit meiner Kamera ein Leichtes. Danke für die schönen Fotos, liebe Sabine!

Einen Tipp habe ich noch für Euch: Schaut mal in den MKG-Modeblog Stilbrise. Dort gibt es Besucherlooks und aktuelle Beiträge zum Umgang mit Mode.

Ines Meyrose #fotd 20150808 - fotografiert von Sabine Gimm

Was denkt Ihr über Nachhaltigkeit und Slow Fashion?

Ausstellungstipp: Fast Fashion

Nachtrag 11. August 2015: Hier mein Bericht zum Ausstellungsbesuch

Modeflüsterin trifft Meyrose: Fashion-Dialog über "Mode als Wegwerfware" und Alternativen zum "Schnell&Billig-Schick", Coypright Grafik Stephanie GrupeSpätestens seit dem Bekanntwerden der Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion durch den Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch 2013 kann keiner mehr seine Augen vor den Nebenwirkungen der schnelllebigen Kleidung verschließen. Davon angeregt entstand bereits der Fashion-Dialog Nachhaltige Stilberatung? Stilvolle Nachhaltigkeit! zwischen der Modeflüsterin und mir.

Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) eröffnet am 20. März 2015 aktuell dazu die Ausstellung Fast Fashion. Bis zum 20. September 2015 könnt Ihr dort einen kritischen Blick hinter die Kulissen der glamourösen Mode im Spannungsfeld von Konsum, Umwelt, Kommerz werfen.

Teil der Ausstellung ist das sogenannte Labor. Unter dem Stichwort Slow Fashion werden dort laut MKG neue Fasern, Technologien und Designansätze gezeigt und Fragen gestellt. Wie kann ein ethisch vertretbarer Kleiderschrank der Zukunft aussehen? Welche Macht hat der Konsument?

Die Ausstellung will die aktuelle Diskussionen zum umfassenden Thema bündeln und in eine nachvollziehbare visuelle Ordnung bringen. Das MKG möchte dazu anregen, sich engagierter mit den Themen Mode und Konsum sowie den sozioökonomischen und ökologischen Folgen auseinanderzusetzen. Die Besucher werden durch den Parcours vom Konsumprozess über Laufsteg und Fotostudio zu Litfaßsäule und Schaufenster bis zur Umkleidekabine geführt.

Wer von Euch hat Lust, mit mir die Ausstellung zu besuchen?

Bilder der Woche mit gelben Punkten, blauer Brille, 2 Kleidern und 1 Tipp

Brille von Oliver Peoples gekauft bei Optik Renken in Hamburg

Einige Sachen wollen sich einfach nicht schön fotografieren lassen – Farben verfälschen oder es wird unscharf. Aber einige Sachen wollen trotzdem hier gezeigt werden. Schließlich gehören sie zu meinem Leben dazu. Heute zeige ich Euch ein paar Bilder aus den letzten sieben Tagen, die einfach zu mir passen.

Meyrose mit Brille Oliver Peoples und Tuch Fraas SonnenblumenpünktchenSomething Blue

Ich hatte mal wieder Lust auf eine neue Brille und habe die bei meinem Lieblingsoptiker Renken in Hamburg gefunden. Die beiden vorherigen haben die gleichen Gläserstärken, so dass ich gut variieren kann. Aber die Erfahrung sagt mir, dass die neue der Liebling wird und die älteren nur noch wenig getragen werden.

Meyrose mit Brille Oliver Peoples und Tuch Fraas SonnenblumenpünktchenDas Blau ist ungewohnt für mich. Die Farbe ist auf Fotos überhaupt nicht einzufangen. Der vordere Teil ist dunkelblau und hellblau unterlegt. Wenn man es auf einen helle Holzplatte oder gelbe Tischdecke legt, wirkt die ganze Brille petrolblau. Auf Weiß wirkt sie ganz kühl und der dunkle Teil erinnert an die dunkle Nordsee. Damit ist sie so anpassungsfähig, dass sie auf meiner warmtonigen Haut mit den trotzdem vorhandenen Rötungen recht harmonisch wirkt.

Something Yellow

Meyrose mit Tuch Fraas Sonnenblumenpünktchen

leichter Schal von Fraas mit gelben PunktenEin Freundinnengeschenk, über das ich mich sehr gefreut habe. Da die meisten meiner Tücher Namen bekommen, um sie auseinanderhalten und hier gut benennen zu können, wurde der leichte Crashschall aus Viskose von Fraas hausintern Sonnenblumenpünktchen getauft. Auch er ist etwas fotoscheu.

1 Abend – 2 Kleider

Meyrose #ootd 20140510 mit Wickelkleid von estomo

Samstag war ich in der Staatsoper Hamburg und habe Lear gesehen. Shakespeare modern vertont von Aribert Reimann – ein Erlebnis der besonderen Art. Nichts für Operneinsteiger, aber definitiv sehenswert. Das schräge ist, dass ich mich kaum an die Musik erinnern kann. Es war eine so rundherum gefangennehmende Darbietung mit traumhaftem Bühnenbild, dass Details im Nachhinein nicht mehr erfassbar sind. Eine tolle Inszenierung.

Mir war danach, mich mal wieder richtig schick zu machen. Leider hat es dann in Strömen gegossen und war eiskalt, so dass ich weder meine Gesundheit noch die geplanten Sandaletten ruinieren wollte. Schade. Da es in der Oper immer kalt im Zuschauerraum ist, wollte ich sie auch nicht dafür zum Wechseln mitnehmen. Also spart Euch bitte Kommentare zu den nicht ausreichend eleganten Sommerstiefeletten, OK?

Meyrose #ootd 20140510 mit Spitzenkleid von Zay

Umso besser passen die Schuhe zu dem Kleid von Zay, dass ich spontan zwischen Kartenabholung und Essengehen im Kurvenhaus Crispy entdeckt habe. Darin habe ich mich sofort verliebt und dann auch noch als Geschenk des Liebsten abgestaubt. Am liebsten hätte ich es gleich anbehalten, weil es sich so gut anfühlt. Aber dann wäre das petrolfarbene Wickelkleid von estomo bestimmt gekränkt gewesen. Es hat sich schon so damit gerächt, dass nie Kopf und Kleid auf einem Bild einigermaßen aussahen. Da kann man ja zum Glück mit einer kleinen Collage nachhelfen.

Ein Blick ins Familienalbum

Ines Meyrose in den 1970ern als BlumenkindZum Muttertag habe ich auf Instagram einige süße Mutter-Tochter-Bilder aus den 60ern und 70ern gesehen. Die gibt es von mir nicht, aber ein Portrait von mir als Blumenmädchen im Vorschulalter. Es ist mein Lieblingskinderbild.

Die zart gelockten Haarspitzen hielten bei mir immer höchstens ein paar Stunden. Die Zeit der echten Locken war damals leider schon vorbei. Habe ich schon mal erwähnt, dass ich als Kind blonde Locken hatte?

Was ist Euer liebstes Kinderbild?

Something Orange

Zum Abschluss noch ein Tipp für alle, die Handwerkskunst lieben. Es gibt in Hamburg bis Sonntag 18. Mai 2014 im Hamburg Museum, auch bekannt als Museum für Hamburgische Geschichte, die kostenlose Ausstellung: “Das Festival der Handwerkskunst” – präsentiert von Hermès.

Ich bin beileibe kein Fan teurer Markenlabels, die nur hochpreisig des Namensprestige wegen sind und Ende oft mäßige Qualiät abliefern oder an zweifelhaften Orten produzieren. Hermès ist jedoch eine Marke bzw. Unternehmen, dass ich sehr schätze, auch wenn ich kein Kleidungsstück davon besitze, weil da absolut einzigartige Handwerkskunst drin steckt.

In verschiedenen Zeitschriftenartikeln habe ich in den letzten Jahren immer mal wieder gesehen, wie einzelne Teile hergestellt werden, z.B. Entwurf und Herstellung der berühmten Seidentücher. Von dieser Liebe zum Detail und Einzigartigkeit bin ich immer wieder schwer beeindruckt und kann mir durchaus vorstellen, von Hermès irgendwann einmal etwas zu erwerben.

Im Hamburg Museum im Holstenwall 24 können Besucher diese Woche den Handwerkern über die Schulter schauen. Was für eine besondere Chance! Infos dazu findet Ihr hier im hamburg-magazin.de und vor allem empfehle ich Euch den Besucherbericht der Bloggerin Bärbel auf Ü50, die uns allen fantastische Fotos und detaillierte Erklärungen zeigt.
Nachtrag 15. Mai 2014: Ich war heute da und bin tief beeindruckt von der Schönheit und Präsizion, die dort gezeigt wird. Es ist einfach nur w u n d e r s c h ö n .

Ich wünsche Euch ein wunderbares Wochenende!