Buchtipp: Der Susan-Effekt

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Der Susan-Effekt: Roman (Affiliate Link) von Peter Høeg

Pageturner erster Güte

Das ist das spannendeste und beste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Kaum in die Hand genommen, waren die ersten 100 Seiten schon gelesen.

Will man das wissen?

Wissenschaftlerin Susan gerät mit Ihrer Familie in ein Netz aus politischen Intrigen, die kaum vorstellbar sind und vermutlich leider so dicht an der Realität, dass einem bei dem Gedanken daran ganz anders wird. Es geht um die Zukunft, Vorhersagen, Sicherheit und Sicherung von Pfründen.

Peter Høeg und der Übersetzer Peter Urban-Halle kreiieren eine Dichtheit in der Sprache, die rhetorisch so gewandt ist, dass ich einige Absätze mehrfach gelesen habe, um sicher zu sein, die Gesamtheit des Inhalts und die Finesse der Formulierungen wirklich erfasst zu haben.

Der Susan-Effekt

Susan hat die Gabe, Menschen von in ihren Bann zu ziehen, dass sie aufrichtig sind, sich ihr hingeben und sich gut dabei fühlen. Interessant und absolut relevant ist dabei die Frage ihrer Tochter, “wo die Grenze zwischen dem Gebrauch und dem Missbrauch eines besonderen Talents liegt” (Seite 272). Dieser Effekt hilft, die Wahrheit ans Licht zu bringen, aber diese Familie kann noch viel mehr.

Mein Leseexemplar war von einer Freundin ausgeborgt. Ich weiß schon, welchen Freunden ich dieses Buch 2016 schenken werde.

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Buchreview: Minimalismus trifft Kleiderschrank

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Minimalismus trifft Kleidung: In 4 Wochen zum Kleiderschrank voller Lieblingsstücke (Affiliate Link)
von Pia Mester

Der Titel verspricht Großes. In vier Wochen damit den erfolgreichen Start zu einem Kleiderschrank voller Lieblingsstücke zu machen, halte ich für realistisch. In vier Wochen zum Kleiderschrank voller Lieblingsstücke zu kommen ist ein Ziel, das ich nur durch Lesen der Buchabschnitte und Umsetzung der Tipps für unwahrscheinlich halte.

Autorin Pia Mester schreibt den Blog Mal Mini (Werbung) und versucht, die passende Form von Minimalismus, Konsumverhalten und Lebenskunst für Ihr Leben zu finden und umzusetzen. Da ich selbst in Teilen minimalistisch lebe, verfolge ich ihren Blog gerne. Vor einem Jahr habe ich Euch bereits ihr Buch Minimalismus im Kleiderschrank (Rezensionsexemplar) vorgestellt. Die Buchidee ist aus einem von der Autorin durchgeführten Onlinekurs zum Thema entstanden.

Kurz und knapp

Das Taschenbuch hat in der Printausgaben – verfügbar auch für Kindle – 120 Seiten. Dabei sind hilfreiche Checklisten, Fragebögen und Arbeitsblätter, die teilweise für Leser als Download auf http://malmini.de/ressourcen-lieblingsstuecke/ (Werbung) gegen im Buch stehendes Passwort zur Verfügung stehen. Einige Kapitel gibt es dort auch als Audiodateien.

Stärke des Buchs ist, dass es kurz und knapp auf den Punkt bringt, worauf es bei Lieblingskleidern ankommt. Die Schwäche liegt darin, dass es für meinen Geschmack zu wenig hinterfragt. Die Fragen im Buch sind gut, dürften jedoch gerne noch ein bis zwei Ebenen tiefer gehen. Pia Mester schreibt

“Du brauchst niemanden, der dir sagt, was du anziehen sollst. Keine Stilberater, keine Verkäuferinnen, keine Freundinnen, keine Modeexperten. Du weißt ganz tief in Dir drinnen genau, was dir steht und was du brauchst.” (Seite 112)

Selbst ist die Frau?

Dem stimme ich – auch wenn ich mein Geld als Stilberaterin verdiene – zu, wenn man in der Lage ist, das die Kenntnis im eigenen Inneren zu finden und in Kleidung umzusetzen. Wer eine gute innere Stimme hat und auf sie hören kann, braucht wirklich niemanden Externen und wird mit Umsetzung der Buchinhalte vielleicht sogar nicht nur einen Start machen, sondern am Feinschliff arbeiten können.

Meine Erfahrung in über zehn Jahren selbstständiger Imageberatung ist, dass sehr viele Menschen genau diese Stimme leider nicht hören. Meine Aufgabe sehe ich daher da drin, Kunden zu ihren inneren Wünschen und Vorstellungen zu führen und zu erkunden, wie das in der Praxis umgesetzt werden kann.

Grundsteinlegung

Besonders wertvoll finde ich das erste Kapitel mit Zielsetzung und Aufgaben zur Bestandsaufnahme und der Klärung der Warum-Frage. Wenn wir nicht wissen, warum wir etwas tun, werden wir nicht am Ball bleiben. Die 17 Fragen, die Pia Mester dazu stellt, klären Aspekte, die Lieblingsstücke ausmachen und Anwendungsgebiete für das Sortiment. Besonders interessant finde ich dabei immer wieder Frage, ob man alles im Schrank wieder kaufen würde. Ich denke, die kann niemand mit Ja beantworten. Was mir dabei fehlt, sind weitere Analysefragen wie z.B.

  • Was genau?
  • Warum?
  • Was stattdessen?

Die eigenen Farben kennen

Zum Thema Farben rät sie, sich an den eigenen Farbtyp zu halten, weil es einfacher ist, damit als dagegen zu arbeiten (Seite 70). Das sehe ich auch so. Den Tipp, bei Unsicherheit die Basisfarben zu nehmen, die bisher vorherrschen, sehe ich differenzierter. Oft passen die Farben, manchmal aber auch gerade nicht. Und genau bei den Menschen, bei denen die Basisfarben bisher nicht gut passen, treten meiner Erfahrung nach oft große Unzufriedenheiten mit dem Kleiderschrankinhalt auf und sie wissen nicht, warum. Gerade bei denen, die es sozusagen am Schwierigsten haben, greift der Tipp also nicht.

Fazit

Wer Lust auf mehr Lieblingsstücke und weniger Ballast im Schrank hat, findet gute Anregungen in dem Buch. Es ist die Umsetzung in vier Schritten innerhalb von vier Wochen geplant, so dass es gerade für strukturierte Menschen hilfreich ist. Ich kann mir auch vorstellen, dass gerade die nicht tiefe Form genau passend ist für Leser, denen die Tipps der Modeflüsterin und meine Beiträge wie 10 Tipps zum Kauf einer Lederjacke zu detailliert sind.

Das Buch ist über die üblichen Quellen zu bestellen. Es wurde mir von der Autorin als Rezensionsexemplar kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt.

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P.S.

Ich bin schon gespannt, wie meine Rückschau auf die Kleiderkäufe des Jahres aussehen wird und was die nächste Kleiderschrankinventur ergibt. Trotz vieler Anschaffungen auf Grund von figürlicher Veränderung bin ich bisher ganz zufrieden damit. Mein schwarzer Fleck sind übrigens Schmuckstücke, die ich nicht mehr trage, z.B. Uhren.

Buchtipp: Frauen und Kleider

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Frauen und Kleider: Was wir tragen, was wir sind (Affiliate-Link)
von Leanne Shapton, Sheila Heti, Heidi Julavits und 561 weiteren

Das Buch geht gerade durch die Presse und weil die Frage, warum Menschen was tragen für mich als Imageberaterin elementar ist, wollte ich es unbedingt lesen und habe es gekauft. Die Autoren haben einen Fragebogen entwickelt und hangeln sich mit über 500 Frauen aus aller Welt gemeinsam dadurch. Es geht um Möglichkeiten, sich mit Kleidung auszudrücken.

International in jeder Sichtweise

Es ist eine “Liebeserklärung an die emotionale Sprache, die Kleider sprechen” (Umschlagseite). Einige Interviewpartner beantworten viele Fragen, oft steht nur eine Frage im Zentrum mit Antworten ganz verschiedener Frauen. Mal ist es ein Satzfetzen, mal eine tiefgründige Betrachtung. Es sind zwar ein paar bekannte Namen dabei, aber die meisten Gesprächspartner sind ganz normale Frauen. Die Auswahl der Frauen ist international – auch in Bezug auf Religionen und deren Kleidungsaspekte sowie Ausdrucksformen von Homo-/Bisexualität und Transgenderfrauen.

Lockere Frauenrunde

Das Buch liest sich wie ein Gespräch mit guten Freundinnen über das, was wichtig ist, was schutzbedürftig ist und schräge Weg, wie wir zu denen wurden, wie wir jetzt gerade sind. Es sind lustige und nachdenkliche Geschichten um Kleider und Menschen. Es ist tiefgründig und leicht zugleich.

Für Leseratten und abends-nur-kurze-ein-paar-Zeilen-Leserinnen

Die Kapitel sind kurz und die Statements lesen sich wie Kurznachrichten. Deshalb kann man das Buch gut sowohl am Stück als auch als eine Kurzgeschichtensammlung immer mal wieder weiter lesen. Mich fesselt es schnell so, dass ich beim Lesen die Zeit vergesse. Beim Lesen bin ich total in die Leben der Frauen eingetaucht, auch bei nur wenigen Sätzen. Die Worte haben mich völlig in ihren Bann gezogen und ihre Emotionen erleben lassen.

Bilder im Kopf

Fotos von ganzen Menschen oder Outfits sind übrigens kaum in dem Buch, es sind eher ein paar Accessoires oder Kleidungsstücke als eine Art Sammlung abgebildet. Die haben für mich allerdings eher den Charakter einer Illustration des Buchs. Der eigentliche Inhalt steht in den Köpfen der Frauen.

Zitate, die mir aus der Seele sprechen

  • “Die, die sich gut anziehen, tun es, weil sie sich Gedanken machen.” (Sheila Heiti, Seite 9) Das passt zu meiner These, dass es keine Zufälle gibt.
  • “Etwas, das mich an Modezeitschriften stört, ist, dass sie Frauen dazu ermutigen, andere Frauen zu kopieren. … Die unwiderstehlichsten Frauen sind die, die herausfallen, die am meisten sie selbst sind und am wenigsten wie andere Frauen.” (Leanne Shapton, Seite 11) Alle spannend gekleideten Frauen, die ich persönlich kenne, haben kein Look-alike.
  • “Frauen in Kleidern erzählen Geschichten.” (Heidi Julavits, Seite 11) Manchmal viel mehr, als man vielleicht preisgeben möchte?
  • “Vielleicht sollten wir das Projekt Kleidergarten nennen.” (Heidi Julavits, Seite 14) Leannes Shaptons Gedanken dazu, dass Kleidergarten einleuchte, weil er mit den Jahreszeiten gehe, man ihn hege und pflege, Unkraut jäte und dünge, finde ich schön. Der Begriff Kleidergarten gefällt mir viel besser als Kleiderschrank.
  • “Menschen mit Stil behalten immer ein Gefühl für diesen potentiellen Neuanfang, das Gefühl, zu wissen, wie es geht, aber auch ständig neu zu lernen, wie es geht.” (Alexander Nagel, Seite 175) Stil heißt nicht, immer das Gleiche zu tun oder machen. Stil unterliegt ebenso wie Mode ständiger Veränderung. Man kann seinen Stil behalten, aber nicht immer die gleichen Sachen tragen oder machen. Alexander Nagel nennt “Stil das Stadium, in dem man die Trennung von Körper und Geist am wenigsten spürt.” (Seite 174). Deshalb sind Menschen, die als stilvoll wahrgenommen werden, oft schwer im Detail zu beschreiben. Es ist nicht ein Detail, es ist das Ganze, das wirkt.

Fazit

Wer sich mit seiner Kleidung, seiner Wirkung auf sich selbst und auf andere, beschäftigen möchte, wird in dem Buch Gedankenanstöße finde. Es hilft, sich selbst zu verstehen.

Warum kleidet Ihr Euch so, wie Ihr es tut?

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P.S.

Es ist schön, sich in einigen Macken wieder zu erkennen. Ich bin also nicht die Einzige, die nach Möglichkeit alle Etiketten und Labels von Kleidung entfernt (Molly Murray, Seite 225). Neu gelernt habe ich das Wort Schrankstuhl von Nina Moog (Seite 380). Das ist bei mir der, auf dem sich die getragenen Sachen der Woche sammeln, die nicht direkt in den Wäschekorb wandern.

Buchreview: Das Adventsbuch

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Adventsbuch: Weihnachtsdekoration für Tisch, Baum und Geschenke (Affiliate Link)

Vor dem Ende des Totensonntags, das ist in diesem Jahr der 22. November, braucht mir keiner mit aufgestellter Weihnachtsdekoration zu kommen. Aber mir Gedanken dazu zu machen, was ich dekorieren möchte, was wer geschenkt bekommt und wie ich die Adventszeit verbringen werde, gehört schon im Oktober für mich dazu. Deshalb stelle ich Euch dieses DIY-Buch auch heute bereits vor, falls es jemand für seine weihnachtliche Vorbereitung oder zum Verschenken kaufen möchte.

Von der Idee zum Buch

Hintergrund der Buchidee ist, dass ein italienischer Großvater seinen Enkelkindern so ein Büchlein mit Bastelideen, Christbaumschmuck und Weihnachtsgeschichten gefertigt haben soll. So ist das Buch mit kreativen Deko-Ideen auf 30 Seiten entstanden. Es ist wunderschön handgebunden mit festen Kartondeckeln.

DIY für die ganze Familie

Ein kleiner Weihnachtself hüpft durch das Buch und gibt Anleitungen, wie die Bausätze aus dem Karton zu Dekoration werden. Die meisten Sachen sind so vorgestanzt, dass man sie einfach zusammensetzen oder kleben kann. Die Motive der Deko-Ideen haben ein bisschen Retro-Charme und passen damit in die vorweihnachtliche Zeit, die ja auch von Erinnerungen geprägt ist.

Bastelt Ihr zu Weihnachten? Was?

Das Buch ist über die üblichen Quellen und im Onlineshop des Verlags (Werbung) zu bestellen. Es wurde mir von Edel Books als Rezensionsexemplar kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt.

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Gelesen: Noch ein Tag und noch eine Nacht

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Noch ein Tag und eine Nacht (detebe) (Affiliate Link) von Fabio Volo

Diese zauberhafte italienische Liebesgeschichte vereint die Sehnsüchte des Kennenlernens mit umeinander herumschleichen, Missverständnissen, Widrigkeiten des Alltags und Lebens hin zu zauberhaften gemeinsamen Momenten. Außerdem stellt der Autor die Reihenfolge einer üblichen Beziehung auf den Kopf: Sie steuert auf das Ende hin und lebt ganz im Jetzt.

Den Roman habe ich im Juni zum Geburtstag geschenkt bekommen und eine Weile für das Lesen gebraucht. Das ist für mich ungewöhnlich. Das Buch startet langsam, die Geschichte gewinnt dann aber zunehmend an Tempo und ab der Hälfte konnte ich es dann auch kaum noch weglegen. Das kleine Format mit dem schönen Textileinband macht das Lesen auch haptisch angenehm.

Wer mehr zum Inhalt möchten wisse, findet das in der Rezension vom Stern:
Fabio Volo testet die Liebe auf Zeit. Aber Ihr könnt Euch auf einfach überraschen lassen!

Ein Lesetipp für Romantiker und eine schöne Geschenkidee für Weihnachten. Vielleicht das Passende für eine Freundin?

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Buchreview: Dreimal anziehen, weg damit

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Dreimal anziehen, weg damit: Was ist der wirkliche Preis für T-Shirts, Jeans und Co? (Affiliate Link)
von Heike Holdinghausen

Wie wird Kleidung hergestellt? Welche Fasern sind wofür geeignet? Wie werden sie gewonnen? Warum gibt es in Deutschland kaum noch Unternehmen, die Textilien produzieren? Was hat die Rolle der Frau mit der Abwanderung der Produktion ins Ausland zu tun? Was lässt sich mit Altkleidern machen und welche Verwertung ist ökonomisch und sozial sinnvoll? Lieber nach Afrika damit als hier in die Müllverbrennungsanlage? Oder besser nicht? Was passiert mit unverkaufter Kleidung von C&A, Zara & Co?

Fragen über Fragen …

Welche neue Technologie kann die Ausbeutung der Menschen bei der Produktion verringern oder gar ganz abschaffen? Was ist durchsetzbar, was wird nur eine Idee bleiben? Was sollen diese ganzen Siegel für Bio, Öko & Co.? Was sagen sie aus und wofür können sie sinnvoll sein? Ist ein Anfang besser als nichts?

… die von der Autorin beantwortet werden

Heike Holdinghausen, Redakteurin der taz im Ressort Wirtschaft & Umwelt beschäftigt sich mit dem Thema Rohstoffpolitik und Bioökonomie. In diesem Buch erklärt sie Zusammenhänge. Technische Details werden leicht verständlich aufgezeigt. Einblicke in die High Tech Forschung für die Industrie fand ich sehr spannend.

Markierungen im Buch

Leider ist der Schreibstil dabei zuweilen etwas im Stil einer wissenschaftlichen Arbeit mit langen Erzählbögen, wenn auch hier und da mit polemischer Note. Dass ich wie hier für gute 200 Seiten mehr als zwei Wochen zum Lesen brauche, kommt selten vor. Trotzdem lohnt sich die Lektüre auf jeden Fall und das Buch lässt sich auch abschnittsweise gut lesen, man kommt immer schnell wieder rein ins Thema. An den markierten Stellen seht Ihr, dass mir Einiges wichtig genug dabei ist, um später nochmal dort nachzusehen. Viele umgeknickte Ecken in einem Sachbuch sind bei mir ein gutes Zeichen!

Interessante Hintergrundinformationen

Die Autorin bestätigt meinen Eindruck, dass der Preis eines Kleidungsstücks nichts darüber aussagt, zu welchen Bedingungen es hergestellt wurde (Seite 27). Das schwächste Glied in der Kette ist Näherin, dann kommt die fertigende Fabrik. Kosten an anderer Stelle hier in Deutschland bei Ladenmieten, Gehältern, Steuern und Abgaben zu reduzieren, ist für die Anbieter irgendwo zwischen schwer und unmöglich (Seite 26). Das Problem sind also nicht die Billigkleider an sich.

Interessant finde ich die Hintergründe zur Produktion bestimmter Fasern. Im Kapitel Der lange Weg vom Stängel zum Garn (Seite 107) wird z.B. ausführlich beschrieben, wie Flachsfasern für Leinenstoffe gewonnen werden. Dabei gibt es einige Schritte, die mir nicht bekannt waren, und dass die Fasern im Stängel der Pflanze an einer Holzschicht fest kleben, wusste ich auch nicht. Wusstet Ihr, dass Raufen, Rösten, Darren, Brechen, Schwingen, Hecheln, Spinnen, Haspeln und Spulen die Arbeitsschritte dabei sind?

Auch zur Viskose finde ich die Hintergrundinformationen besonders interessant, weil sie so viel eingesetzt wird. Ich wusste nicht, dass die Zustandsbeschreibung der Viskosität, also wie zäh die Flüssigkeit ist, aus der sie gefertigt wird, den Namen gegeben hat (Seite 119). Außerdem habe ich vorher nicht darüber nachgedacht, was der Querschnitt der Kunstfasern mit den Eigenschaften des Stoffs macht. Ob die Fasern glatt und rund sind wie Spaghetti, dreieckig oder sternförmig, hat Einfluss auf die Haptik des fertigen Textils, den Schimmer und die Speicherung von Feuchtigkeit (Seite 123). Es gibt also viele Stellschrauben, an denen man drehen kann.

Von der Modemathematik zur Ökomathematik

Die Autorin bezieht sich auf die Aussage zu der Ökobilanz der Firma Gore-Tex für eine ihrer Jacken, dass ihr ökologischer Fußabdruck kleiner werde, je länger sie getragen würde. Wenn die Jacke nach einer Saison entsorgt würde, wäre der der Abdruck riesengroß, nach fünf bis sechs Jahren vertretbar klein. Auch der Umgang des Menschen mit der Textilie beim Waschen und Pflegen spiele eine Rolle bei der Bewertung des ökologischen Fußabdrucks (Seite 122). Also ist es in jedem Fall für das Portemonnaie und die Umwelt gut, wenn Sachen möglichst lange verwendet werden – egal ob billig oder fair produziert.

Linktipps

Im Buch gibt es einigen Stellen Linkhinweise und eine ausführliche Liste im Anhang mit interessanten Webseiten zum Thema, z.B. zu Onlineshops, Ökolabels, Kleidung für Männer und Frauen, Jeans und Streetwear, grüne Onlineshops mit verschiedenen Sachen, Stoffe, faire Mode, Einkaufsführer für Städte und Regionen. Das BMZ* hat das Portal www.siegelklarheit.de geschaffen, wo man sich über Siegel und Nachhaltigkeit informieren kann.

Fazit

Für alle, die sich mit Kleidung, Mode, Textilien, Nachhaltigkeit und der Verbindung von Ökologie und Ökonomie dabei beschäftigen möchten, absolut empfehlenswert.

Das Buch ist über die üblichen Quellen und im Onlineshop des Verlags (Werbung) zu bestellen. Es wurde mir vom Westend Verlag als Rezensionsexemplar kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt.

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  1. * Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung []

Buchreview: 1000 Sneaker

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1000 Sneaker (Affiliate Link) mit Einleitung von Mathieu Le Maux

Ines Meyrose mit Sneaker Nike Elite Leather SIIhr wisst: Ich bin kein Sneaker-Girl. Aber Ihr wisst auch: Bekleidung ist mein Beruf. Und dazu gehört es, informiert zu sein. Deshalb habe ich gerne dieses Buch gelesen und mehr erfahren über Sneaker, Modelle und ihre Geschichte und besondere Exemplare der Oberliga.

Kurzportraits der bekanntesten Marken und 1000 Farbfotos der Sneakermodelle sind nett zu lesen und anzusehen. Für Sneaker-Fans bestimmt wahre Freude. Lustige Geschichten unterhalten zusätzlich am Rande. So weiß ich jetzt, dass das Modell Classic Nylon von Reebok, das ich viele Jahre in weiß getragen habe, bei Einbrechern in England sehr beliebt ist. Zitierter Kommentar eines Polizisten dazu: “Er ist leicht und anschmiegsam. Einbrecher sind nicht dumm. Sie tragen Schuhe, die möglichst kein Geräusch verursachen, um nicht entdeckt zu werden.” (Seite 71). Ich überlege noch, was mir das sagen möchte ;) .

Interessant finde ich auch die Zusammenhänge innerhalb der Konzerne und Zahlen zu Umsätzen. Rund 55 Milliarden US-Dollar setzen Sneaker aktuell weltweit um. Davon sind allerdings nur 20% der Schuhe für den Sport. 80% sind ist purer Lifestyle (Seite 85).

Fazit

Schönes Buch für Sneaker-Fans!

Das Buch ist über die üblichen Quellen und im Onlineshop des Verlags (Werbung) zu bestellen. Es wurde mir von Edel Books als Rezensionsexemplar kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt. Der Beitrag enthält Affiliate-Links.

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