Komplimente, die keine sind #3: DU kannst das tragen!

Daumen runter

Das ist die Blogserie mit dem größten zeitlichen Abstand der Beiträge: drei Jahre! #1 erschien 2014, #2 im Jahr 2017, #3 ist erst heute an der Reihe. War mir gar nicht bewusst, dass schon wieder drei Jahre vergangen sind, seit ich mich mit einem Nicht-Kompliment befasst habe. Mal sehen, was mir 2023 dazu einfällt. Bei den Suchbegriffen, die auf diesen Blog führen, sind die beiden ersten Beiträge regelmäßig dabei. Es scheint also ein Thema zu sein, über das sich Menschen durchaus Gedanken machen.

Ich weiß, dass man alles in den falschen Hals bekommen kann und dass, wer etwas garstig oder missverstehen kann, das auch wird. Dennoch gibt es Sätze, die bei mir mindestens einen unguten Beigeschmack haben. Dazu gehört für mich das Kompliment

“DU kannst das tragen!”

mit der Betonung auf dem DU. Wenn mir jemand ein Kompliment für ein Kleidungsstück macht und dabei diese Worte anschließt, heißt das für mich

  • positiv, dass es offenbar etwas Individuelles ist, was zu mir als Individuum passt.
  • negativ, dass der Sprecher dieser Worte das Teil offenbar so abstrus findet, dass er nie auf die Idee käme, das selbst zu tragen, ich aber so abstrus bin, das es mir passt.

Dass ich diesen Satz schön häufig im Leben gehört habe, spricht für meinen eigenen Kopf. Ich schaue mir allerdings ganz genau an, wer das sagt und worüber, bevor ich es als Kompliment oder Unverschämtheit einordne.

Ein Beispiel aus meinen Mund als Sprecher für ein Kompliment dieser Güte wäre, wenn ich bei einem Outfit mit Overkneestiefeln sagen würde, dass es schick ist mit dem Zusatz, dass DU das tragen kannst (vorausgesetzt, dass es mir in diesem speziellen Ausnahmefall wirklich zusagt). Dennoch schwingt der Gedanke mit, dass ich im Grunde Overkneestiefel nuttig finde. Und zu wem passen nuttige Stiefel? Eben … und das ist ja nun … nicht gerade ein Kompliment, oder?

Was empfindest Du bei den Worten “DU kannst das tragen”?


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Komplimente, die keine sind #2: Du hast schöne Augen

Daumen runterManchmal dauert es drei Jahre, bis nach #1 die #2 kommt. Auch bei mir geht nicht immer alles fix … #1 der Komplimente, die keine sind, war hier im Blog Hast Du abgenommen? und hat zu unterschiedlichen Reaktionen geführt. Leserin Uschi B. hat mich neulich an den Serienstart erinnert und kommentiert, dass sie der Satz “Du hast schöne Augen.” auf die Palme bringt.

Du hast schöne Augen

Den Satz “Du hast schöne Augen.” höre ich tatsächlich auch nicht besonders gerne, obwohl ich ihn sogar zu anderen Menschen sage und es aus guter Absicht mache. Wobei meine Formulierung dann “Ich finde Ihre Augen besonders schön.” ist, also meine Wahrnehmung reinbringt. Je nachdem, wie das Feedback hier ausfällt, werde ich mir das entweder abgewöhnen oder mich selbst neu justieren.

Augen spielen im Gesicht bei Menschen eine große Rolle, denn wir schauen Menschen meistens in die Augen, wenn wir sie ansehen oder mit ihnen sprechen. Das gilt im westlichen Kulturkreis als höflich. Augenkontakt mag der eine lieber als der andere, aber so richtig entziehen tun sich dem die wenigsten Menschen, die ich kenne. Das Wort Augenkontakt spricht alleine schon Bände, was die Bedeutung von Blicken angeht.

Nebenwirkungen

Das Kompliment, dass ich sooo schöne Augen hätte, verfolgt mich seit meiner Kindheit. Leider wurde sonst nie etwas an mir schön gefunden und genau das ist das Problem dabei. Genauso wie bei “Hast Du abgenommen?” kommt bei mir eine negative Botschaft an und nicht die positive. Ich höre “Der Rest ist also unscheinbar oder nicht schön”. Damit fühlt sich der Rest von mir abgewertet an. Das ist natürlich nur meine persönliche Sicht- und Gefühlslage dabei. Das mag anderen Menschen völlig anders damit gehen.

Meine Augen sind für mich das Schönste an mir, wenn ich in den Spiegel blicke. Aber den Rest finde ich hier und da auch nicht so schlecht … siehe auch 5 x schön. Es sind die Augen meines Vaters, der 1981 gestorben ist. Damit ist für mich ein tiefer Blick in den Spiegel auch immer mit Trauer verbunden. Dass meine Augen traurig aussehen, wurde mir übrigens schon oft von Menschen vorgeworfen, die mir ansonsten vorgebetet haben, wie schön sie doch sind. Noch ein Grund mehr, dieses Kompliment abzulehnen, wenn es zusätzlich diesen Beigeschmack bekommt.

Ansonsten ist das Problem bei Komplimenten jeglicher Art schlichtweg, dass sie immer eine Wertung enthalten. Auch eine positiv gemeinte Wertung muss der Empfänger aber nicht wollen. So wird dann aus gut gemeint schnell das Gegenteil von gut gemacht

Ein Leben ohne Komplimente?

Nein, das möchte ich nicht. Ich verteile bewusst Komplimente, denn ich bringe damit so oft Menschen zum Strahlen, wenn sie so gar nicht damit gerechnet habe. Und ich mag es auch, wenn ich hier im Blog Zustimmung erfahre. Bei einem nahestehenden Menschen finde ich “Du siehst toll aus in dem Kleid” wertiger als “tolles Kleid”. Bei einem fremden Menschen finde ich ein anerkennend lächelndes “schicke Schuhe” passender, weil ich den Menschen dahinter gar nicht kenne.

Am liebsten bekomme ich Komplimente für Leistung und nicht für Sachen, die ich nicht ändern kann. Fleiß oder Bildung finde ich lobenswerter als Intelligenz, die Zusammenstellung von Kleidung beinhaltet mehr Leistung als nur ein Kleid auszuwählen und freundliches Auftreten mit einem Kompliment zu bedenken kommt bei mir besser an als eins für meine Augen.

Wie ist Deine Ansicht zu diesem (Nicht)-Kompliment?

Komplimente, die keine sind #1: Hast Du abgenommen?

Daumen runterBevor alle gleich aufkreischen: Ich spreche hier nur für mich. Andere Menschen mögen sich darüber freuen. Ich nicht. Nicht nicht über das ggf. leichtere Gewicht, sondern nicht über das scheinbare Kompliment.

Vielleicht hilft eine beispielhafte Situation, meinen Unmut zu illustrieren:

Sie: „Hast Du abgenommen?” (Erstaunter Gesichtsausdruck, Mustern von oben bis unten) “Ja! Aber reichlich!” (Musternder, erstaunter Blick)

Ich: “Ja, kann irgendwie sein. Kann aber nicht viel sein. Da ich mich seit Jahren nicht wiege, weiß ich das nicht so genau.” (Weiter zu Wort komme ich nicht)

Sie: “Daumen hoch! Ganz toll!” (Man stelle sich dazu die anerkennende Daumenhochbewegung mit bestätigendem Kopfnicken mehrfach vor und eine begeistert klingende hohe Stimme)

Was ist jetzt mein Problem dabei? Ich höre nur heraus:

„Vorher warst zu dick.“

Am meisten ärgert mich, wenn dieses Kompliment schlanke, auf Verzicht gepolte Menschen machen, die mir vorher immer mal wieder ungefragt erzählt haben, wie schön sie mich mit meinem Rundungen finden und wie toll ich doch damit aussehen würde (im Gegensatz zu einigen anderen dicken Menschen …).

Denken tue ich: „Toll, und was ist, wenn ich die aus Versehen irgendwie abgenommen Kilos wieder drauf habe? Dann gibt es den Daumen runter mit geringschätzigem Blick? Vermutlich nicht sichtbar, aber im inneren der Betrachterin.

Vielleicht bin ich bei dem Thema etwas empfindlich, weil ich aus einer Familie komme, in der Gewicht und Figur leider immer ein sehr großes Thema waren. Von meiner mit ihrer Figur unzufriedenen Mutter durfte ich mir allen Ernstes mit 31 noch Sätze anhören wie „Es ist unverschämt, wie man so dick sein und in dieser Hose (Größe 42) so schlank aussehen kann wie Du.“. Selbst wenn man sich dagegen wehrt, tut das weh. Solche Sätze erklären vielleicht, dass ich froh bin, wenn ich mich einigermaßen wohlfühle und man mich ansonsten mit meinem Gewicht in Ruhe lässt. Es gibt nur wenige Menschen, von denen ich mich über ein „Hast Du abgenommen?“ freue. Das sind die, die sich auch trauen zu fragen, ob ich zugenommen habe und auch darüber mit mir reden, ohne mir ein schlechtes Gefühl zu geben.

Die gute Absicht …

Das Beispiel oben ist vielleicht ein schönes für gut gemeint ist nicht gleich gut gemacht. Nur weil wir etwas gut meinen, muss der Empfänger es nicht gut aufnehmen. Für die Zukunft nehme ich mir vor, das Gewicht anderer Menschen (noch) weniger ungefragt zu kommentieren.

Wie ist Eure Ansicht zu diesem (Nicht)-Kompliment?