Mythos Größe 36

Daumen runter

Es ist vollbracht, ich passe in eine Slim Fit Jeans in Größe 36. Yeah? Nein! Denn wenn ich mit meinen Körpermaßen in eins nicht gehöre, dann ist das eine Jeans in Größe 36. Ich habe einen Hüftumfang von 105 cm, Taille 81 cm, Normalgewicht, der BMI beträgt 24. Ab einem BMI von 25 würde bereits Übergewicht beginnen.

Es war eine normale deutsche Damengröße 36, nicht Inch. Gekauft habe ich die Hose nicht. Ich hatte sie nur im Geschäft zur Anprobe eines Blazers anstelle meines Kleids an, um zu sehen, wie der Blazer mit Jeans wirkt. Die Verkäuferin gab sie mir nach einem Blick auf meine Figur in der Größe. Laut Maßtabelle des Herstellers sollen Hosen so passen

  • Größe 36 – Taille 69 – Hüfte 95
  • Größe 38 – Taille 73 – Hüfte 99
  • Größe 40 – Taille 77 – Hüfte 103
  • Größe 42 – Taille 82 – Hüfte 108.

Ich trage von der Firma zwei Jeans mit geradem Bein in Größe 38, die locker sitzen. Keine Ahnung, ob ich sie in 36 inzwischen auch über die Hüften bekäme. Bei der Slim Fit Jeans in 36 im Laden dachte ich erst, dass ich sie nicht hoch bekäme. Sie ging aber hoch und die Knöpfe ließen sich alle schließen.

Worüber rege ich mich auf?

Mit meinen Maßen gehöre ich in Hosengröße 40/42. So sehe ich aus, wenn ich in den Spiegel schaue. So fühlt es sich an und das ist völlig in Ordnung. Ich brauche weder diese Schmeichelgrößen, noch möchte ich bei Onlinebestellungen raten müssen, ob oder um wie viel die Maßangaben daneben liegen.

Zum einen tragen dieses Schmeichelgrößen dazu bei, das zweifelhafte Ideal aufrecht zu erhalten, dass Größe 36 DIE erstrebenswerte Größe ist, zum anderen verschiebt es die eigene Wahrnehmung. Die deutsche Durchschnittsfrau trägt Größe 42/44. Warum wollen die Frauen das nicht wahr haben, dass sie mit ihren Maßen eine Größe brauchen, die mit 4 anfängt?

40 tut nicht weh

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Ich erinnere mich an den Kauf meiner Caprihose in Größe 40. Die Verkäuferin schaute mich vorsichtig an und sagte: “Die brauchen Sie in 40.”

Vermutlicher Subtext: Tut mir Leid, dass ich Ihnen die nicht in 38 geben kann. Ich vermute, dass sie noch daran knabbern, dass sie aus den Größen mit 3 am Anfang herausgewachsen sind.

Meine Antwort: “Ja, 40 ist die richtige Größe. Sie brauchen mir das nicht schonen beizubringen. Ich komme von Größe 46/48, da finde ich 40 sogar klein. Kein Grund für schonende Worte oder Mitleid. Ich möchte einfach eine passende Hose. Aber ich kann mir gut vorstellen, wie andere Kundinnen darauf reagieren.” Ihr Blick sprach Bände und sie war erleichtert, mir die Größe 40 nicht schonen beibringen zu müssen.

Kann mir das nicht egal sein, was drin steht?

Solange ich weiß, welche Größe ich bei welchem Hersteller brauche, könnte es mir egal sein. Ist es aber nicht. Wenn ich nämlich in Hosen in Größe 38 passen – besagte Capri ist in 40, die Lederhose in M, die restlichen Hosen im Kleiderschrank alle in 38 bzw. 29 Inch, was sollen dann Frauen kaufen, die wirkliche 38er Maße haben? Und wenn ich jetzt bei bei der einen Marke in eine 36 passe, wie soll dann dort eine Frau eine passende knackig sitzende Jeans finden, wenn die Person reale 36er Maße hat?

Die Antwort der Verkäuferin auf diese Frage war, dass das Sortiment deshalb schon bei 32 beginnt und es noch eine jüngere Linie gibt, die schmaler geschnitten ist. Jungen Frauen wird Mode in engeren Größen verkauft zum Aufbau von Komplexen und später gibt es zum Ausgleich dann die Schmeichelgrößen? Zierliche Frauen werden in die Kinderabteilung geschickt, weil normalgewichtige Frauen keine normalen Größen verkraften? Das kann nicht die Lösung sein, oder?

Wie geht es Dir mit Konfektionsgrößen?

Fernsehtipp: Kleidung – der Stoff auf unserer Haut (Quarks & Co.)

Machen Kleider Leute?

Das ist eins der Themen der Sendung Quarks & Co. im WDR, die am kommenden Dienstag, 9. August 2011, um 21:00 Uhr gesendet wird. Das Wissenschaftsmagazin beleuchtet das Thema Kleidung.

Kleidung ist uns so nah wie vielleicht sonst nur ganz besondere Menschen. Sie bestimmt mit, wie wir uns fühlen. Sie trägt zum Halten der Körpertemperatur bei und kann uns „in“ oder „out“ in der Gesellschaft stellen.

Quarks & Co. macht Praxistests und sucht nach perfekter Kleidung. Laut Webseiten-Vorschau auf WDR gibt es in der Sendung Kleidung – der Stoff auf unserer Haut diese Beiträge zu sehen:

  • Kleider machen Leute – stimmt das?
  • Warum der Mensch sein Fell verlor – Sind Parasiten der Grund für unsere nackte Haut?
  • Nylon: Ein Damenstrumpf revolutioniert die Modewelt – Der Start ins Zeitalter der Kunstfaser
  • Polyester im Test – Kann eine Kunstfaser so gut sein wie Wolle?
  • Kampf dem Schweißgeruch – „Sniffer“ testen silberbeschichtete Textilien
  • Das Chaos der Konfektionsgrößen – Warum die Zahlen auf den Etiketten wenig aussagen
  • Mörderische Mode – Das Korsett: nicht nur unkomfortabel, sondern manchmal sogar tödlich

Besonders gespannt bin ich auf den Beitrag zu den Konfektionsgrößen. Außerdem finde ich den Beitrag zur Wirkung von Kleidung interessant. Schließlich ist das ein großer Bestandteil meiner Arbeit als Imageberaterin.

Ich hoffe, dass es sich lohnt, die Sendung 45 min. zu sehen und ich Ihnen etwas Lohnenswertes empfohlen habe! Feedback nach der Sendung gerne auch als Kommentar. Aufmerksam auf die Beiträge bin ich übrigens durch die vorherige Sendung von Quarks & Co. geworden.