Werbung: Dresscode – Stilikonen zwischen Kult und Chaos

Werbung – Rezensionsexemplar

Dresscode – Stilikonen zwischen Kult und Chaos von Wolfgang Joop

“Bin ich das?” Welche Frau hat sich diese Frage vor dem Spiegel noch nicht gestellt? Und wie soll jemand anders, außer Dir selbst, diese Frage beantworten können? Wolfgang Joop präsentiert eine interessante Sicht auf diese Sinnfrage, die in “Wer könnte ich eigentlich sein?” mündet (Seite 11).

Die Dresscodes von zwölf Stilikonen – Carine Rothfeld über Iris Apfel, Rhianna bis Kate Middleton werden entschlüsselt. Elemente, die den Kult-Charakter der Looks ausmachen, kommen konkret auf den Prüfstand. Die anregenden Illustrationen bringen Details auf den Punkt. Ob man die Sprache, im Klappentext denglisches Mode-Esperanto genannt, witzig oder schwer erträglich findet, bleibt dem Leser überlassen.

Anerkennen, was ist

Wolfgang Joop schreibt, dass die intelligentesten Frauen verstanden haben, dass es ausweglos ist, gegen den eigenen Typus anzutreten, und dass es besser sei, Freundschaft mit der Natur zu schließen (Seite 55). Diese kluge Sichtweise wünsche ich allen Frauen dieser Welt!

Als Fan der Serie Girls freue ich mich, dass Lena Dunham unter den Portraitierten ist. Joops Analyse ihres Fashion-Statements “Wir können alles diskutieren, nur meinen Look nicht.” (Seite 79) unterschreibe ich sofort.

Zu erkennen, was Schönheit und Eleganz ausmacht ist das eine – die Übertragung auf den eigenen Stil das andere. In dem Buch geht es nicht um Figurtypen oder typische Stilrichtungen, sondern um die Mode-DNA der konkreten Personen. Am Spektrum der ausgewählten Damen sind die Faktoren Auftreten und Persönlichkeit bestens zu erkennen.

Fazit

Das ist kein Buch, was man als modeinteressierte Frau gelesen haben muss. Aber es ist ein Buch, das präzise auf den Punkt bringt, warum bei Frau X genau dieser Look X funktioniert. Wer auf der Suche nach seinem Look ist, bekommt den Blick in die richtige Richtung gelenkt. Das Highlight sind die Illustrationen von Wolfgang Joop.

Im Zweifelsfall gilt: Einfach mal machen!

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt. Es ist über die üblichen Quellen und im Webshop bei Gräfe und Unzer (Werbung) zu bestellen. Vielen Dank!

Warum ich kein Sneakergirl bin

Nike Elite Leather SI

Vermutlich geht es schon mit dem Wort Girl los. Sneakerwoman klingt aber auch nicht besser. Girl würde zu Sneakern durchaus passen. Wie man das Wort Sneaker beugt, findet Ihr übrigens hier: Wiktionary. Sneaker haben für mich eine jugendliche Ausstrahlung und weder mein Lebensgefühl noch mein Look ist jugendlich. Ich bin eher zu früh erwachsen geworden als zu jugendlich geblieben.

Seit einiger Zeit überlege ich, warum so viele erwachsene Frauen zwischen 30 und 60 inzwischen mit Sneakern zu sehen sind und sich damit gut fühlen. Bei einigen finde ich es optisch richtig klasse, bei vielen ü40 und ü50 gefällt es mir nicht. Das liegt zum Teil daran, dass wenn man Moden zum zweiten Mal mitmacht, man oft altersmäßig verkleidet damit wirkt. Es passt dann nicht in das Gesamtbild. Zum anderen sprechen mich elegante Kombinationen und Stilbrüche damit nicht an. Ihr dürft da gerne anderer Meinung sein. Ich weiß, dass viele meiner Leser_innen das Thema anders sehen. Mein Rat: Guckt zumindest wirklich genau hin, ob es zu Euch passt. Wenn ja – alles gut.

Warum Ihr und nicht ich?

Zurück zu der Frage, warum Sneaker aus meiner Sichtweise konkret zu mir nicht passen. Die Antwort neben der Jugendlichkeit ist ganz einfach: Ich bin unsportlich.

Kein Freizeitschuh steht mehr für Sport als Sneaker. Sneaker stehen für Leichtathletik, Springen, Werfen, Sprinten … Das bin nicht ich. Ich mache Sport, bin aber eine absolute Null in diesen Dingen. Damit steht dieser Schuh u.a. für die Schmach des Schulsports, peinlichste Bundesjugendspiele, den genervt auf mich wartenden Lehrer am Ende des Waldlaufs und die Lacher über meine Wurfversuche.

Ich kann Schwimmen, Wandern, Tanzen, bin früher gerne und gut Fahrrad, Inliner, Schlittschuh und Ski gefahren, bin vermutlich gelenkiger als die meisten von Euch und habe eine gute Körperhaltung. Aber das zählt alles nicht, wenn es um den Begriff der Sportlichkeit im Volksmund geht.

Zusammen damit, dass voluminöse Schuhe den Menschen kleiner wirken lassen und nicht gerade figurschmeichler sind lautet das Fazit: Wir werden optisch keine Freunde.

Ines Meyrose mit Sneaker Nike Elite Leather SI

PaulWie komme ich überhaupt auf das Thema? Paul ist schon wieder schuld! Nicht nur, dass ich mir für den Zausel Schneestiefel gekauft habe, jetzt brauchte ich auch noch leichte Spaziergehschuhe. Da wir viel in der Fischbeker Heide mit unebenen Sand- und Waldböden sowie Steigungen unterwegs sind, tun meinen Gelenken Schuhe mit etwas Dämpfung der Sohle dabei gut. Diese Funktion brauchten meine Sommerstiefeletten bisher nicht zu erfüllen.

Damit Kopf & Knie Spaß an den Touren haben, habe ich mich zum Sneakerkauf hinreißen lassen. Die Größe zuzugeben, dass sie bequem sind, habe ich. Mehr erwarte ich von ihnen nicht. War gar nicht einfach, im Laden ein möglichst unauffälliges und passendes Modell zu finden. Auf die Idee der dunkelblauen Version hat mich eine Diskussion im ü30Blogger-Forum gebracht. Mit der leuchtendgelben Daunenweste zusammen ist das Outfit mein Beitrag zum knallfarbigen April im Modejahr 2015 mit dem Thema big-bang.

Modejahr 2015 - Banner von www.meyrose.deBei Amazon hätte ich sie ein paar Euro günstiger bekommen, aber bestimmt nicht die passende Größe bestellt. Dass es sich bei dem Modell Eilte Leather SI um eine Neuauflage eines Modells von 1976 handelt hat den Vorteil, dass ich ihn zum ersten Mal im Leben trage. In den 1970ern kannte ich nur Adidas und Puma.

Gespannt bin ich darauf, ob ich mich von der Bequemlichkeit hinreißen lasse und man mich auch anderweitig in der Freizeit in diesen Schuhen mal sehen wird oder nicht. Ich gebe zu, dass ein blau-weißes Ringelshirt dazu gar nicht schlecht aussieht ;) .

Was verbindet Ihr mit Sneakern?

Werbung: Fashion – Was verrät mein Stil über mich?

Werbung durch Namensnennungen ohne Auftrag

Fashion – Was verrät mein Stil über mich? von Dr. Jennifer Baumgartner
aus dem Amerikanischen von Susanne Lötscher

Die Geschichte hinter der Fassade

Warum kleiden wir uns, wie wir es tun? Was wollen wir damit schützen? Zum Ausdruck bringen? Bewahren? Das Buch ist kein Stilratgeber, der zu Stilrichtungen, Schnitten oder Proportionen berät. Es geht um die psychologische Verbindung von innen und außen.

Die Autorin, klinische Psychologin und Gründerin der Stil- und Typberatung InsideOut, zeigt konkrete Kundenbeispiele mit Kleiderschrankanalysen auf, anhand deren sie mögliche innere Geschichten und Lösungen illustriert. Ob der Kleiderschrank überquillt, man zu viel kauft, immer das gleiche trägt, dem Spiegel aus dem Weg geht, in Jobkleidung auf dem Sofa sitzt, sich nur mit Labeln gut fühlt, zu nackt oder versteckt durchs Leben wandelt – nicht davon geschieht ohne guten Grund.

Kleidung als Zeichen der Seele

Kleidung ist eine Schicht um unser Selbst und deshalb niemals zu unterschätzen. Eine reine Stilberatung geht manchmal nicht tief genug, denn die Grenze zur Therapie darf nicht überschritten werden. Eine Psychologin kann das allerdings leisten, wenn sie sich mit Kleidung auskennt wie beispielsweise Dr. Jennifer Baumgartner. Das ist übrigens einer der Grunde, warum ich mich als Stilberaterin sehr intensiv mit Menschen beschäftige.

Die Grenze zwischen Therapie und Beratung

Meine zweite Kundin fing 2005 auf die Frage, was sie zu mir führe, umgehend an zu weinen. Der Umgang mit der ehrlichen Antwort der Kundin hat mich an meine Grenzen gebracht. Seit der Ausbildung und Tätigkeit als Mediatorin, was umfassenden Umgang mit Gefühlen und Verletzungen beinhaltet, kann ich damit umgehen und vieles leisten. Dennoch habe schon mehr als eine Beratung abgelehnt, wenn die Grenze zur Therapie mit einer Stilberatung überschritten wäre. Das mag ein Kunde zwar erst nicht gerne hören, ist am Ende trotzdem dankbar dafür.

Fazit

Der Schreibstil ist amerikanisch-leicht, die inhaltliche Tiefe durchaus vorhanden und damit leicht zugänglich. Ein mehrseitiger Fragenkatalog zum Kleiderschrankinhalt mit Blick auf Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erleichtert die eigene Analyse. Mich hat das Buch zu einem Frühlingseinheitsoutfit inspiriert, das ich Freitag zeige werde.

Von mir ein klarer Lesetipp für alle, die nicht wissen, wo ihr Bekleidungsproblem liegt. Es wird mit Sicherheit Stellen im Buch geben, an denen Ihr Euch wiedererkennt und Lösungsideen findet. Die EUR 9,99 habe ich gerne investiert.

Findet heraus, wer Ihr seid und zeigt Euch!

Modemüde

Stiefeletten von ONLY A SHOESDie einen sind frühjahrsmüde, ich bin modemüde. Schon 2014 ging es mir im Frühling und Herbst so, dass ich das Gefühl hatte, dass nichts Neues in der Mode dabei ist. Ich werde vom dpa-Themendienst regelmäßig für Zeitungsartikel interviewt zu Mode und Stil, die on- bzw. offline in den Medien veröffentlicht werden, z.B. bei Focus, Bild, manager magazin, Süddeutsche Zeitung. Dabei geht es um aktuelle Themen in der Mode, was neu daran ist und wer das wie gut tragen kann oder auch besser nicht. Wenn ich mich auf die Fragen vorbereite und mich mit aktuellen Trends beschäftige, was ich gerne mache, spüre ich immer mehr, wie wenig sich die Mode verändert. Und dann auf einmal ist doch alles anders und nichts passt mehr zusammen.

Vom kleinen Finger zur ganzen Hand

Es geht in so kleinen Schritten. Auf einmal sind Hosen nicht mehr oberschenkelweit gerade geschnitten und fußbodenlang, sondern schmal und köchelkurz. Man kann bei Lust auf die neue Form denken: “Ist ja nur eine andere Hose, die kombiniere ich einfach mit meinen bestehenden Sachen.” Das Problem dabei ist jedoch, dass jener Komplettlook, der mit der weiteren, längeren Hose funktioniert, dann ganz anders wirkt. Anders ist in dem Fall selten gut.

Um bei dem Beispiel zu bleiben: Zur schmalen 7/8 Zigarettenhose passen andere Schuhe. Stiefeletten im Laden, die jahrelang bis 2011 wie ausgestorben waren, sehen auf einmal klasse dazu aus. Flache Schuhe wirken dazu auch schöner als zu den weiteren, längeren Hosenbeinen. Diese Hosen zeigen aber ziemlich viel Oberschenkel und Pokontur. Also werden die Oberteile dazu weiter und länger (wie vorher die Hosen, nur das zu den alten Hosen kürzere, schmaler Oberteile proportioniert wirkten). Und so geht es weiter … so zieht der Kauf einer Hose manchmal Unsummen und Kleiderberge nach sich … Es will also gut überlegt sein, welche neuen Teile man in den Schrank lässt!

Fazit

Mode – oder anders formuliert das Bekleidungsangebot – ändert sich ständig. Ich bin Feind davon, ständig das Neueste haben zu müssen und nur weil etwas Trend ist, es zu tragen. Ich liebe Bekleidung und alles was dazu gehört, die genau zum Menschen passt. Und trotzdem verändert sich der persönliche Geschmack mit dem, was man sieht. Einiges guckt sich im Lauf der Zeit durch Gewöhnung schön, anderes nicht. Manche Teile sind im neuen Kontext wirklich perfekt. Es ist wie beim Kochen. Chili pur mag niemand, die passende Prise macht ein Curry köstlich.

Was habt Ihr zuletzt gekauft, was Ihr vorher noch komplett ausgeschlossen habt?

Ausstellungstipp: Fast Fashion

Nachtrag 11. August 2015: Hier mein Bericht zum Ausstellungsbesuch

Modeflüsterin trifft Meyrose: Fashion-Dialog über "Mode als Wegwerfware" und Alternativen zum "Schnell&Billig-Schick", Coypright Grafik Stephanie GrupeSpätestens seit dem Bekanntwerden der Arbeitsbedingungen in der Textilproduktion durch den Einsturz einer Textilfabrik in Bangladesch 2013 kann keiner mehr seine Augen vor den Nebenwirkungen der schnelllebigen Kleidung verschließen. Davon angeregt entstand bereits der Fashion-Dialog Nachhaltige Stilberatung? Stilvolle Nachhaltigkeit! zwischen der Modeflüsterin und mir.

Im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (MKG) eröffnet am 20. März 2015 aktuell dazu die Ausstellung Fast Fashion. Bis zum 20. September 2015 könnt Ihr dort einen kritischen Blick hinter die Kulissen der glamourösen Mode im Spannungsfeld von Konsum, Umwelt, Kommerz werfen.

Teil der Ausstellung ist das sogenannte Labor. Unter dem Stichwort Slow Fashion werden dort laut MKG neue Fasern, Technologien und Designansätze gezeigt und Fragen gestellt. Wie kann ein ethisch vertretbarer Kleiderschrank der Zukunft aussehen? Welche Macht hat der Konsument?

Die Ausstellung will die aktuelle Diskussionen zum umfassenden Thema bündeln und in eine nachvollziehbare visuelle Ordnung bringen. Das MKG möchte dazu anregen, sich engagierter mit den Themen Mode und Konsum sowie den sozioökonomischen und ökologischen Folgen auseinanderzusetzen. Die Besucher werden durch den Parcours vom Konsumprozess über Laufsteg und Fotostudio zu Litfaßsäule und Schaufenster bis zur Umkleidekabine geführt.

Wer von Euch hat Lust, mit mir die Ausstellung zu besuchen?

Werbung: Handtaschen

Werbung – Rezensionsexemplar – Handtaschen: Die Geschichte eines Kultobjekts
von Anna Johnson mit Fotografien von Eri Morita

Handtaschen kann eine Frau nicht genug haben? Oder doch? Nein! Eine Handtasche ist mehr oder weniger praktisch, schön, stilgebend, Statussymbol, optisches Upgrade, Distanz von der Masse, Accessoire, Farbtupfer, Hingucker, Transportmedium, Lebensstil oder einfach ein Teil zu Hause einer Frau. Kabarettist Horst Schroth sagte mal so schön:

“Die Handtasche einer Frau ist ein mobiles Badezimmer. Die gehört eigentlich von innen gekachelt.”

Anna Johnson stellt in dem Buch Handtaschen in allen Formen vor. Von der Entstehungsgeschichte bis zu berühmten Designerobjekten und Bezeichnungen der verschiedenen Modelle über kreative Abendtaschen und wahre Kunstwerke ist alles dabei. Über 500 Abbildungen machen alleine das Blättern schon zur Freude.

Im kleinen Softcoverformat mit nur 15 x 10,2 cm macht es mit seinen 486 Seiten einen handfesten Eindruck. Ein schönes Geschenkbuch für Modefans und Handtaschenfreaks. Mit nur EUR 6,99 ist es ein Feines statt Blumen für eine Freundin beim nächsten Besuch.

Realitätscheck

Unter Bloggern geistert immer wieder der TAG What’s in my bag durch die virtuelle Welt. Hier gibt es den Blick in meine Handtasche: This is in my bag. Seit 2013 hat sich am Inhalt nur das Smartphone geändert und der Ersatzakku fällt weg. Ansonsten verwende ich immer noch sehr gerne genau die Tasche mit diesem Inhalt. Aber es gibt noch mehr Taschen in meinem Repertoire :) .

Was tragt Ihr mit Euch herum? Was bedeuten Handtaschen für Euch?

Das Buch wurde mir vom Verlag als Rezensionsexemplar kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt. Es ist über die üblichen Quellen und im Webshop bei h.f. ullmann (Werbung) zu bestellen. Vielen Dank! Der Beitrag gibt meine ehrliche, freie und subjektive Meinung wieder.

Leser_innen-Interview #3: Heinrich Rehling

Leser_inneninterview by meyrose IconLiebe Leser_innen,

heute darf ich Euch einen Mann vorstellen, der Modeprofi ist:
Heinrich Rehling.

Herr Rehling führt zwei Geschäfte auf Sylt, in denen ich gerne Kunde bin. Aus den Gesprächen während der Anproben und dem Betrachten der Ware hat sich die Idee für dieses Interview ergeben, denn Heinrich Rehling ist nicht nur Mode-Einkäufer und -Verkäufer, sondern auch Leser dieses Blogs.

Lieber Herr Rehling,

seit einigen Jahren schaue ich im Urlaub auf Sylt in Ihren Geschäften in Rantum und Westerland gerne vorbei. Sie haben besonders schöne und hochwertige Ware, z.B. von Armor Lux und Bogner Fire + Ice für Damen und Herren, und beraten ehrlich. Beides schätze ich sehr. Über Ihre Sicht auf Mode und Kunden von der Händlerseite aus werden wir heute mehr erfahren.

Amor Lux bei Rehling Sylt in Westerland

Wie sind Sie dazu gekommen, Modegeschäfte zu führen? Was macht Ihnen an Ihrem Beruf besonders Spaß?

Heinrich Rehling, Privatfoto aufgenommen von Steffen Helms

Heinrich Rehling, fotografiert von Steffen Helms

Mit Mode habe ich seit über 30 Jahren zu tun, aber nicht mit dem Verkauf von Mode. 1975 machte ich meine Ausbildung zum Schaufenstergestalter. Eigentlich wollte ich nach der Ausbildung weiter zur Schule gehen oder eine zweite Ausbildung zum Koch machen. Ich teile mit Ihnen die Leidenschaft für gutes Essen und ich koche selbst gern. Meinen Eltern wäre es nur recht gewesen, denn sie hatten ein Restaurant, aber niemanden, der es übernehmen wollte. Ich hatte dann aber so gute Angebote in meinem erlernten Beruf, die ich nicht abschlagen konnte. So bin ich bei dem geblieben, was ich kann: schön machen.

1985 ging ich zu ESPRIT nach Düsseldorf. Es war eine schöne und spannende Zeit, in der ich viel lernte. Ich lernte das schöne Dinge nicht aufwendig und teuer sein müssen. Gerade das Einfache, Schlichte hat etwas Elegantes und Besonderes. Ein gutes Gefühl für Form, Farbe und Proportionen ist das A und O auch in der Mode. 1997 machte ich mich selbständig und arbeitete als Stylist für Fotografen und später für Willy Bogner als Visual Merchandiser. Ich hatte nie die Absicht, eigene Läden zu machen. Aber wie es oft im Leben so ist, kommt der Knochen zum Hund. Mein Wissen über Mode, gute Qualitäten und ein Gespür für Trends half mir sehr dabei und meine Arbeit macht mir Spaß.

Was bedeutet Mode und Kleidung für Sie? Was ist Ihnen persönlich dabei besonders wichtig?

Mode ist mir nicht so wichtig. Wichtig ist mir allerdings gute Kleidung. Ob in der Freizeit oder zu besonderen Anlässen – die Kleidung sollte passen. Kleidung sollte zeitlos sein. Ich kaufe keine Mode, sondern schöne Kleidungsstücke wie eine Sammlung, die nicht von Trends abhängig ist. Kleidung, die ich auch noch in einigen Jahren gerne trage und die nie altmodisch wirkt. Aus diesem Grund liebe ich die zeitlose Kleidung von Armor Lux, wie z.B. den Caban, den es schon ewig gibt und der zur Jeans genauso wie zum Anzug passt. So ein Kleidungsstück muss man verschleißen, denn unmodern wird so eine Jacke nie.

Zu Ihnen kommen ganz verschiedene potenzielle Kund_innen in die Geschäfte. Woran erkennen Sie, was aus Ihrem Sortiment zu wem passt?

Erst einmal lasse ich die Kundin in Ruhe schauen, das gibt mir Zeit sie zu beobachten. Was schaut sie sich an? Wie ist sie selbst gekleidet und welche Figur hat die Dame oder der Herr. Alles andere ergibt sich später, wenn ich mit der Person ins Gespräch komme. Ich würde niemals versuchen jemanden etwas zu verkaufen, in dem sich der Kunde nicht wohl oder verkleidet fühlt. Die Kunden sollen sich wohlfühlen in dem, was sie kaufen.

Wenn ich wirklich mal nicht das Passende für meine Kunden habe, vertröste ich sie aufs nächste Mal. Lieber lasse ich mal einen Kunden ohne etwas gekauft zu haben gehen, als dass ich ihm/ihr etwas verkaufe was er/sie eigentlich nicht will. Die Kunden merken sich so ein Geschäft und kommen gerne wieder weil sie so etwas zu schätzen wissen. Ich selbst würde so ein Geschäft, in dem man den Kunden unbedingt etwas verkaufen will, egal ob der Kunde damit Glücklich ist, nie wieder betreten.

Rinhelshirt in beige und weiß mit 3/4-Arm von Amor LuxBei den Sachen von Armor Lux haben Sie in den letzten Jahren das Größensortiment nach oben hin erweitert, denn die Streifen & Co. verkaufen sich auch an Frauen mit größeren weiblichen Rundungen. Mein neuestes Ringelshirt ist z.B. aus dem Bereich. Was ist für Sie schwer und was leicht dabei, einer runderen Frau die Querstreifen schmackhaft zu machen?

Ja, wir haben das Größensortiment erweitert. Nicht jede Frau trägt Größe 36. Bei den Franzosen sind die Konfektionsgrößen etwas anders, sie gehen von Größe 0 bis Größe 8, diese Größen haben einen Doppelsprung, so ist z.B. Größe 0 = 34 bis 36 und Größe 6 = 46 bis 48. Bei den Streifenshirts führen wir, wenn auch nur in geringen Stückzahlen, auch die Größe 7 und 8. Frauen mit Rundungen müssen keine Angst vor Streifen haben. Ich habe keine Ahnung wer sich den Spruch ausgedacht hat, dass Querstreifen dick machen?

Wichtig ist, wie das Kleidungsstück geschnitten ist. Beispielsweise braucht eine Frau, die Größe 48 trägt und viel Oberweite hat, ein etwas ausgeschnittenes Dekolleté. Ein zu hoch geschnittener Halsausschnitt wirkt in dem Fall zu üppig und nicht feminin. Und sollte eine Dame bei den Streifen noch immer unsicher sein, kann sie es mit Dunkelblau und kleinen Streifen versuchen. Mit der dunklen Farben kann man kleine Problemzonen sehr gut kaschieren.

Wenn Sie an Kunden Optimierungspotential sehen, wie formulieren Sie das?

In so einem Fall ist Diplomatie wichtig. Ich gebe der Kundin dann schon mal ein Kleidungsstück zur Anprobe mit der Option, es mir direkt zurück zu geben, wenn es ihr nicht gefällt. Hat sie das Teil erst einmal an, gehe ich mit ihr ihren Kleiderschrank in Gedanken durch, um zu erfahren was sie an passenden Accessoires wie Schuhen, Schmuck, Taschen usw. hat. Es klappt nicht immer, aber wenn doch, bekomme ich schon mal den einen oder anderen Telefonanruf mit einem kleinen Dankeschön. Diese Momente sind schön und bestätigen mich in meiner Arbeit.

Was sind für Sie die größten Unterschiede im Modeangebot für Damen und Herren? Worin unterscheiden sie männlichen und weiblichen Kundinnen am meisten?

Für Männer muss Mode in erster Linie eine Funktion haben. Männer wissen viel schneller, was sie wollen und vor allen Dingen, was sie nicht wollen. Haben sie gefunden, was sie wollen, sind sie viel spontaner als Frauen und fragen nicht nach dem Preis.

Frauen wissen nur selten, was sie wollen. Frauen kaufen nach Laune und mehr nach Modetrends. Mitunter können sie schon mal den ganzen Laden auf den Kopf stellen, bis sie etwas Passendes gefunden haben. Aber wenn sie das richtige Geschäft für sich entdeckt haben, sind sie sehr treue und gute Kunden.

Was wünschen Sie sich von Ihren Kunden?

Oh je, eine schwere Frage. In erster Linie, dass sie mir vertrauen und das sie mir treu bleiben. Ein besseres Kompliment gibt es nicht für ein Geschäft.

Was ist Ihr eigenes ganz konkretes Lieblingskleidungsstück?

Das gibt es nicht. Ich gehe kaum gezielt einkaufen. Alle meine Kleidungstücke habe ich eher spontan gekauft. Ich liebe sie fast alle. Die Dinge finden mich und werden so zu Lieblingsstücken. Ich habe eine Jacke, die schon fast verschlissen ist und die ich seit ewigen Zeiten mit mir rumschleppe. Das ist dann wohl ein Lieblingsstück :) .

Sie verweisen Ihre Kunden ab und an auf meinen Blog für Stylingtipps, z.B. zu den Ringelshirts und Schalknoten. Was gefällt Ihnen an meinen Stylingtipps besonders gut? Was könnte ich daran noch besser machen?

Sie sind ein wenig wie ich. Sie verschönern nicht, was nicht vorhanden ist. Sie gaukeln Ihren Lesern keine heile Welt vor. Sie geben zu, gerne zu kochen und zu essen, auch wenn es kleine Spuren an den Hüften hinterlässt. Ihre Leser können sich damit identifizieren und das macht Ihren Blog reizvoll. Machen Sie weiter so und Sie werden noch viele Leser dazu gewinnen.

Habt Ihr weitere Fragen an Heinrich Rehling? Dann stellt Sie im Kommentarfeld. Ich habe mich gefreut, einen Einblick in die männliche Sicht auf Mode aus Profisicht bekommen zu haben. Vielen Dank dafür!

Du möchtest auch gerne hier vorgestellt werden? Dann melde Dich bei mir, gerne auch als Nicht-Blogger_in!

Hier findet Ihr die bisherigen Interviews: Leser_inneninterview by meyrose.

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