Nachhaltigkeit bei Kleidung: Was bedeutet das?

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Ines Meyrose – Outfit Juni 2020 –mit einem Jeanskleid aus Bio-Denim von hessnatur – Ü40 Bloggerin - Portrait

Zuerst einmal möchte ich voranstellen, dass ich im Punkt Nachhaltigkeit kein Vorbild bin und es mir in diesem Beitrag nicht darum geht, irgendjemanden zu bekehren. Ich versuche zwar, nur Dinge zu haben, die ich verwende, aber ich könnte sie länger verwenden, wenn ich weniger Wert auf den optischen Zustand legen würde, und könnte mit noch weniger Dingen auskommen.

Muenzen

Dennoch versuche ich, meinen Konsum im Rahmen zu halten, schon aus finanziellen Gründen, weil mein Budget – wie das von jedem – begrenzt ist und strebe beim Kauf grundsätzlich eine lange Verwendungszeit an – schon aus egoistischen Gründen, weil die Kosten pro Verwendung dann möglichst gering sind. Mit diesem Beitrag strebe ich ein Gespräch an, wie Du als Leserin das Thema angehst, und versuche, positive Impulse dazu zu sammeln.

Was heißt Nachhaltigkeit?

Mit dem Wort wird seit Jahren vielfach um sich geworfen. Aber was bedeutet Nachhaltigkeit eigentlich? Auf Wikipedia steht dazu

“Nachhaltigkeit ist ein Handlungsprinzip zur Ressourcen-Nutzung, bei dem eine dauerhafte Bedürfnisbefriedigung durch die Bewahrung der natürlichen Regenerationsfähigkeit der beteiligten Systeme (vor allem von Lebewesen und Ökosystemen) gewährleistet werden soll.”

Wann ist Kleidung nachhaltig?

Kleidung ist für mich nachhaltig, wenn sie aus schnell nachwachsenden Materialien besteht, die mit wenig Wasser und Chemie in der Produktion auskommen, und geringe Transportwege anfallen – und sei es nur für die daraus gefertigte Kleidung. Dazu gehört, dass die Menschen in der Produktion der Kleidung würdige Produktionsbedingungen haben, wobei der Begriff würdig je nach Region sehr unterschiedlich empfunden wird. Ich sage:

“Das nachhaltigste Kleidungsstück ist das, für das kein neues produziert wird.”

Denn das beste Material und Fertigung nützt aber rein gar nichts, wenn die Kleidung nach fünfmal Tragen wieder ablegt wird – wo auch immer. Und jetzt kommen wir zu einem Problem, vor das mich ökologisch nachhaltig gefertigte Kleidung leider bereits zu oft gestellt hat: Sie bleibt leider immer noch in zu vielen Fällen nicht lange schön.

Nicht lange schön bedeutet für mich, dass mit jeder Wäsche die Farben verblassen und die Kleidungsstücke kürzer oder enger werden. Spätestens in der zweiten Saison nervt mich das so, dass ich die Sachen dann entweder ins Sozialkaufhaus oder die Altkleiderverwertung gebe, was einen Neukauf zur Folge hat und das Spiel beginnt von vorne. Mit Wollsachen hatte ich bisher keine Probleme, aber mit Leinen, Baumwolle, Viskose, Lyocell – also mit Rohstoffen, aus denen primär sommerliche Kleidungsstücke, Sweater und Shirts gefertigt werden.

Nun könnte man sagen: Wasche Deine Sachen doch einfach weniger. Nein, das ist keine Lösung für mich. Wenn ich an einem Tag mit über 20 Grad ein Kleid oder Shirt einen ganzen Tag getragen habe, gehört das bei mir in die Wäsche. Es ist einmal durchgeschwitzt, das möchte ich nicht noch einmal anziehen. Wobei ich mich bei der Wäsche an die Herstellervorgaben halte, was in den meisten Fällen eine Wäsche in der Maschine bei 30 Grad im Feinwaschprogramm mit Colorwaschmittel bedeutet.

Wo kauft man nachhaltige Mode am besten?

In den letzten 15 Jahren habe ich einige Bekleidungsstücke erworben, die als Organic verkauft wurden. Zwei billige Batisttuniken (15 Euro das Stück) aus der ersten Conscious-Kollection von H&M 2007 haben jahrelang tadellos gehalten und weder Form noch Farbe eingebüßt. Bei den beiden gingen die Mode- und Nachhaltigkeitsmathematik perfekt auf. Nun bin ich aber ansonsten kein Fan von H&M und habe dort und in den dazu gehörenden anderen Läden seit drei Jahren nichts gekauft, weil ich bei dem Konzern andere Sachen für nicht unterstützenswert halte, und möchte das im Grunde beibehalten.

Stilberatung: 10 Gründe für dieses nachhaltige Sommerkleid von thought clothing - kombiniert mit Tuch von Fraas - Ines Meyrose Juni 2017

Alternativ habe ich zwei Kleider einer Ökomarke in einem inhabergeführten Geschäft in Hamburg gekauft – also alles ganz PC, eins 2017 und eins 2018. Das gestreifte Kleid wurde mit jeder Wäsche enger und ist 2019 im Sozialkaufhaus gelandet, das grüne Blumenkleid verliert mit jeder Wäsche mehr die Farbe und wird mich in Kürze verlassen, weil ich es einfach nicht mag, so verblichen durch die Gegend zu laufen.

Ines Meyrose im nachhaltigen Sommerkleid von thought im flower check mit Bauchtasche Charlotte in Scotch orange von Volker Lang

Bei gleichem Gewicht meinerseits konnte ich in dem einem Kleid nicht mehr tief durchatmen, in dem anderen fühle ich mich wie in Lumpen. Einfärben ist bei dem grünen Kleid keine Option, weil es von dem Muster lebt. Ein Sweatshirt derselben Marke wurde mit jeder Wäsche kürzer – im Körper und an den Ärmeln. Das war auch nicht lange bei mir.

Ines Meyrose – Sommeroutfit 2019 – Kaftankleid in dunkelbraun bedruckt – Ü40 Bloggerin mit Hund Paul

Das braune Kaftankleid aus 100 % Viskose, nicht bio, aber von einem Hersteller, der insgesamt besonderen Wert auf Langlebigkeit bei Kleidung legt, aus dem Sommer 2019 wird mit jeder Wäsche heller und leider auch kürzer. Gestern hatte ich es an und war überrascht, wie kurz es geworden ist. Meine Knie schauen jetzt im Stehen mehr als deutlich heraus. Ein Blick auf die Fotos vom ersten Mal Tragen an der Elbe bestätigt, dass das Kleid deutlich an Länge eingebüßt hat, egal welchen BH ich trage oder wie ich mich hinstelle. Mein Gewicht ist unverändert, ich fülle es also auch nicht mehr aus als 2019.

Ich habe meinen Mann nach seinem Eindruck zu der Länge gefragt und der sagte nur: “Ist mir auch schon aufgefallen, dass das kürzer geworden ist.” Wir sind uns einig, dass es jetzt wie eine zu lange Tunika anstatt wie ein Kleid aussieht und die Proportionen nicht mehr stimmen. Kürzen ist als Alternative ist keine Lösung, weil es für eine Tunika viel zu weit für mich ist. Dafür bleibt es beim Tragen glatt, nur die Abschlusskanten wollen gebügelt werden und man sieht keinerlei Schweißflecke. Ist ja auch schon mal was … das Kleid wird mir dank seiner Nachteile aber nicht mehr lange Freude machen. Es könnte mein Sommer-Frühstückskleid für zu Hause werden, quasi ein Nachthemd. Oder bin ich zu anspruchsvoll, wenn ich erwarte, das ein Kleid bei häufigem Tragen länger als einen Sommer hält?

Kann konventionelle Mode nachhaltiger sein als nachhaltig produzierte?

Meine Ringelshirts von Armor Lux aus konventioneller Baumwolle – inzwischen gibt es auch dort welche aus Bio-Baumwolle, die habe ich aber noch nicht – halten mehrere Jahre und werden in derselben Ladung gewaschen wie die Kleider. Es kann also nicht nur an der Häufigkeit des Waschens, der Maschine und dem Waschmittel liegen, wenn einige Dinge einigermaßen im Ursprungszustand bleiben und andere nicht.

Ines Meyrose #ootd 20150909 mit Marinelook - rock und Shirt Armor Lux

Das langärmlige Ringelshirt auf dem Foto hat nach fünf Jahren gerade kleine Löcher unter den Armen bekommen, ein sechs Jahre altes verliert langsam die Spannkraft. Mit dieser Haltbarkeit kann ich echt gut leben! Mein Ringelkleid von Armor Lux habe ich drei Sommer lang meistens zweimal pro Woche getragen, das darf jetzt Gebrauchsspuren haben.

Ines-Meyrose - Outfit-Ü40 Bloggerin im Frühjahr 2019 mit Hemdblusenkleid Anastasia-in der Trendfarbe Gelb mit Sternenmuster von Boden - mit-Hund-Paul

Mein gelbes Kleid von Boden hatte ich im letzten Jahr genauso oft an wie das braune Kaftankleid. Das gelbe sieht in der Stoffoberfläche, Farbe und Größe aus wie neu und braucht auch kaum gebügelt zu werden. Nur ist es aus konventioneller Baumwolle und gilt damit als weniger nachhaltig. Weil es aber deutlich öfter bis zu seinem Tod getragen werden wird, ist es meiner Ansicht nach am Ende nachhaltiger als alle Organic Clothings dieser Welt, die nur kurzlebig sind.

Ines Meyrose Outfit 20180913 mit Pullover von GOSCHE – Ribbed Sleeve – aus 70% Wolle und 30 % Cashmere in dunkelgrün – Jeansbermuda Raya Herrlicher – auf Sylt am Strand von Wenningstedt an einer Buhne

Noch ein positives Beispiel aus der Welt nachhaltig produzierter Jeans: Mein Bermuda aus der Manufaktur Herrlicher. Der war hochpreisig – also 99 Euro für einen Jeansbermuda finde ich echt viel Geld  – aber es war 2015 der einzige, der in x Läden passte. Ich trage ihn im sechsten Sommer – fast immer, wenn ich privat kein Kleid trage. Der trägt sich selbst bei 30 Grad gut und sitzt wie eine eins. Pro Tragen ist der vermutlich mein günstigstes Kleidungsstück. Es geht also, Nachhaltigkeit und Langlebigkeit zu vereinen.

Ines Meyrose – Outfit Juni 2020 –mit einem Jeanskleid aus Bio-Denim von hessnatur – Ü40 Bloggerin

Gespannt bin ich, wie sich das Jeanskleid aus Bio-Denim von hessnatur aus diesem Jahr macht. Ich hoffe, dass ich damit auch im nächsten Jahr noch so zufrieden bin, wie mit dem leichten Merinowollpullover, den ich im Herbst gekauft habe. Mein Ziel ist, möglichst saubere Sachen zu kaufen, aber nur mit der Prämisse, dass sie lange halten.

Bisher kaufe ich lieber mehrheitlich konventionelle Ware mit erfahrungsgemäß langer Haltbarkeit, als Ökoware mit leider oft kurzer Lebenszeit. Noch lieber wäre es mir aber, die Ökosachen würden ebenso länger schön bleiben, damit ich auf diese vermehrt umschwenken mag. Also liebe Hersteller von nachhaltiger Mode: Bitte bietet haltbare Ware zum Kauf an!

In den Kommentaren freue ich mich auf Deine grundsätzliche Sicht auf das Thema, aber auch über positive Tipps zu nachhaltig produzierenden Marken, die schicke Sachen herstellen, die lange halten – gerade für den Sommer. Danke!


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