Pelz nein Danke – und was ist mit Fell?

Ines Meyrose – Ü40 Fashionbloggerin – Outfit 20181031 mit Wollmantel von persona und gekrempelten Lammfellstiefeln im Harburger Binnenhafen

Ich bin weder Vegetarierin noch Veganerin. Ich trage Kleidung und Accessoires aus Leder und esse Fleisch. Natürlich könnte ich auf Beides verzichten, möchte das aber nicht. Dennoch merke ich, dass sich in den letzten beiden Jahren meine Einstellung zum Tragen von Pelz verändert hat, was ja auch etwas mit dem Thema zu tun hat.

Die Mode der Fellkragen an Winterparkas nimmt kein Ende. Auch wenn jetzt der Frühling da ist, ist das Thema an kalten Tagen immer noch sichtbar. Kunstfell finde ich furchtbar, weil es sich nicht gut anfühlt und in den meisten Fällen billig aussieht. Das ist für mich unnötiger Plastikmüll. Echtes Fell am Kragen hingegen fühlt sich schön weich an, geht dann aber meistens mit der Jacke in den Müll. Früher wurde so ein Pelzbesatz auf die nächste Jacke übertragen. Das wird heute bei industriell gefertigter Ware nicht gemacht. Also jedenfalls nicht von den Pelzkragenjackenträgerinnen, die ich kenne, und es gibt auch keine Konfektionsware, bei der man die Wahl hat, die Jacke mit oder ohne den Fellbesatz zu kaufen.

Um zu meinem Umgang mit Pelz zu kommen, hole ich ein bisschen aus, denn ich bin damit aufgewachsen, dass es normal ist, Fellartikel zu verwenden. Mein Opa hatte ein Jackenfutter aus Hamsterfell, das ich geerbt habe. Meine Mutter hat es mir in meine erste Wachsjacke Anfang der 1990er einknöpfbar umgearbeitet und es wurde von zwei Generationen insgesamt viele Jahrzehnte getragen. Da geht nicht nur die Modemathematik auf, sondern der Schaden an Tier und Umwelt ist aus meiner Sicht geringer, wenn das Fell viele Jahre, in diesem Fall Jahrzehnte, verwendet wird. Letztlich war es eine Frage des Budgets und nicht der Ethik, dass wir nicht mehr Pelz- und Fell in der Familie hatten.

Aus Kaninchenfell hatte ich auch schon einige Accessoires – Handschuhe, Schals, Shapka, die ich selbst gekauft habe. Ich besaß sogar eine Abendhandtasche aus Fuchsfell und eine Jeansjacke mit Nerzbesatz, den meine Mutter an die Kanten und auf den Kragen genäht hat.

Lange Rede – kurzer Sinn: Grundsätzlich habe ich bisher die optischen und haptischen Vorzüge von Pelz und Fell durchaus genossen. Dass mir die natürlichen Brauntöne und der nur sanfte Glanz durchaus gut zu Gesicht stehen, kommt noch dazu.

Was ist passiert?

Ines Meyrose mit Shapka im Winter 2018

Irgendwann merkte ich, dass ich keine neuen Sachen mit Pelzanteilen mehr kaufen möchte. Mir war aber zu dem Zeitpunkt noch egal, was andere Menschen tragen und ich fand echten Pelz manchmal bei anderen durchaus schön.

Dann mochte ich die Haptik nicht mehr gerne und inzwischen mag ich Pelz auch bei anderen Menschen nicht mehr sehen. Dafür gab es keinen konkreten Auslöser. Es hat sich einfach mein Gefühl verändert.

Ines Meyrose #ootd mit Ponté-Wickelkleid von Lands' End

In meinem Besitz befand sich zu dem Zeitpunkt noch eine Handtasche, ein Schal und eine Shapka. Die Tiere werden nicht wieder lebendig, wenn ich die Sachen wegwerfe. Weil ich sie aber nicht mehr verwenden möchte, habe ich sie ins Sozialkaufhaus gegeben. Es spricht für mich nichts dagegen, dass noch jemand anders Freude daran haben kann. Das Foto mit der Shapka ist aus dem Winter 2018, die Wärme am Kopf war in diesem Schneeschauer durchaus sehr angenehm.

Was ist der Unterschied zwischen Pelz und Fell?

Der Unterschied liegt in der Haardichte pro Quadratzentimeter, die bei Pelz höher liegt als bei Fell. Das abgezogene Fell wird aber auch bei einigen Felltieren im Allgemeinen als Pelz bezeichnet, in der Pelzbranche spricht man zusammenfassend auch von Rauchwaren, österreichisch Rauwaren.

Kein Pelz mehr für mich

Ich liebe weiterhin meine Lammfellstiefel, die Hirschlederweste und würde auch eine Lammfelljacke tragen. Auch andere Lederwaren ohne Haare dran werde ich weiter mit Freude tragen. Ich liebe die Haptik und bekomme Zustände, wenn ich nur an das Wort PU-Leder denke. Fake-Leder, O.K. – aber was bitte ist PU-Leder? Dann soll man bitte Kunstleder sagen, denn Leder ist nun mal nicht aus Plastik.

Für mich liegt der Unterschied zwischen Lederwaren von Schafen, Rindern und Hirschen im Vergleich zu Kaninchen und Füchsen darin, dass von den großen Tieren pro Leben deutlich mehr zur Verwertung übrig bleibt. Der Fleischanteil ist höher in Bezug auf den Fellanteil. Auch wenn es Menschen gibt, die Kaninchen essen, und Reste der Tier im Hunde- und Katzenfutter landen, sehe ich ihn ihnen mehr Pelztiere als Nahrung.

Das gilt nur für mich

Auch wenn ich oben geschrieben habe, dass mich der Anblick von Pelz inzwischen bei anderen Menschen stört, liegt es mir fern, mich in deren Entscheidungen einzumischen. Jeder soll das so handhaben, wie er es für richtig hält. Ich habe nur alleine für mich die Entscheidung getroffen, diese Produkte nicht mehr zu tragen.

Wie ist Deine Einstellung zu Pelz- und Lederwaren?


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