Buchreview: Dreimal anziehen, weg damit

(Affiliate Link auf dem Cover)
Dreimal anziehen, weg damit: Was ist der wirkliche Preis für T-Shirts, Jeans und Co? (Affiliate Link)
von Heike Holdinghausen

Wie wird Kleidung hergestellt? Welche Fasern sind wofür geeignet? Wie werden sie gewonnen? Warum gibt es in Deutschland kaum noch Unternehmen, die Textilien produzieren? Was hat die Rolle der Frau mit der Abwanderung der Produktion ins Ausland zu tun? Was lässt sich mit Altkleidern machen und welche Verwertung ist ökonomisch und sozial sinnvoll? Lieber nach Afrika damit als hier in die Müllverbrennungsanlage? Oder besser nicht? Was passiert mit unverkaufter Kleidung von C&A, Zara & Co?

Fragen über Fragen …

Welche neue Technologie kann die Ausbeutung der Menschen bei der Produktion verringern oder gar ganz abschaffen? Was ist durchsetzbar, was wird nur eine Idee bleiben? Was sollen diese ganzen Siegel für Bio, Öko & Co.? Was sagen sie aus und wofür können sie sinnvoll sein? Ist ein Anfang besser als nichts?

… die von der Autorin beantwortet werden

Heike Holdinghausen, Redakteurin der taz im Ressort Wirtschaft & Umwelt beschäftigt sich mit dem Thema Rohstoffpolitik und Bioökonomie. In diesem Buch erklärt sie Zusammenhänge. Technische Details werden leicht verständlich aufgezeigt. Einblicke in die High Tech Forschung für die Industrie fand ich sehr spannend.

Markierungen im Buch

Leider ist der Schreibstil dabei zuweilen etwas im Stil einer wissenschaftlichen Arbeit mit langen Erzählbögen, wenn auch hier und da mit polemischer Note. Dass ich wie hier für gute 200 Seiten mehr als zwei Wochen zum Lesen brauche, kommt selten vor. Trotzdem lohnt sich die Lektüre auf jeden Fall und das Buch lässt sich auch abschnittsweise gut lesen, man kommt immer schnell wieder rein ins Thema. An den markierten Stellen seht Ihr, dass mir Einiges wichtig genug dabei ist, um später nochmal dort nachzusehen. Viele umgeknickte Ecken in einem Sachbuch sind bei mir ein gutes Zeichen!

Interessante Hintergrundinformationen

Die Autorin bestätigt meinen Eindruck, dass der Preis eines Kleidungsstücks nichts darüber aussagt, zu welchen Bedingungen es hergestellt wurde (Seite 27). Das schwächste Glied in der Kette ist Näherin, dann kommt die fertigende Fabrik. Kosten an anderer Stelle hier in Deutschland bei Ladenmieten, Gehältern, Steuern und Abgaben zu reduzieren, ist für die Anbieter irgendwo zwischen schwer und unmöglich (Seite 26). Das Problem sind also nicht die Billigkleider an sich.

Interessant finde ich die Hintergründe zur Produktion bestimmter Fasern. Im Kapitel Der lange Weg vom Stängel zum Garn (Seite 107) wird z.B. ausführlich beschrieben, wie Flachsfasern für Leinenstoffe gewonnen werden. Dabei gibt es einige Schritte, die mir nicht bekannt waren, und dass die Fasern im Stängel der Pflanze an einer Holzschicht fest kleben, wusste ich auch nicht. Wusstet Ihr, dass Raufen, Rösten, Darren, Brechen, Schwingen, Hecheln, Spinnen, Haspeln und Spulen die Arbeitsschritte dabei sind?

Auch zur Viskose finde ich die Hintergrundinformationen besonders interessant, weil sie so viel eingesetzt wird. Ich wusste nicht, dass die Zustandsbeschreibung der Viskosität, also wie zäh die Flüssigkeit ist, aus der sie gefertigt wird, den Namen gegeben hat (Seite 119). Außerdem habe ich vorher nicht darüber nachgedacht, was der Querschnitt der Kunstfasern mit den Eigenschaften des Stoffs macht. Ob die Fasern glatt und rund sind wie Spaghetti, dreieckig oder sternförmig, hat Einfluss auf die Haptik des fertigen Textils, den Schimmer und die Speicherung von Feuchtigkeit (Seite 123). Es gibt also viele Stellschrauben, an denen man drehen kann.

Von der Modemathematik zur Ökomathematik

Die Autorin bezieht sich auf die Aussage zu der Ökobilanz der Firma Gore-Tex für eine ihrer Jacken, dass ihr ökologischer Fußabdruck kleiner werde, je länger sie getragen würde. Wenn die Jacke nach einer Saison entsorgt würde, wäre der der Abdruck riesengroß, nach fünf bis sechs Jahren vertretbar klein. Auch der Umgang des Menschen mit der Textilie beim Waschen und Pflegen spiele eine Rolle bei der Bewertung des ökologischen Fußabdrucks (Seite 122). Also ist es in jedem Fall für das Portemonnaie und die Umwelt gut, wenn Sachen möglichst lange verwendet werden – egal ob billig oder fair produziert.

Linktipps

Im Buch gibt es einigen Stellen Linkhinweise und eine ausführliche Liste im Anhang mit interessanten Webseiten zum Thema, z.B. zu Onlineshops, Ökolabels, Kleidung für Männer und Frauen, Jeans und Streetwear, grüne Onlineshops mit verschiedenen Sachen, Stoffe, faire Mode, Einkaufsführer für Städte und Regionen. Das BMZ1 hat das Portal www.siegelklarheit.de geschaffen, wo man sich über Siegel und Nachhaltigkeit informieren kann.

Fazit

Für alle, die sich mit Kleidung, Mode, Textilien, Nachhaltigkeit und der Verbindung von Ökologie und Ökonomie dabei beschäftigen möchten, absolut empfehlenswert.

Das Buch ist über die üblichen Quellen und im Onlineshop des Verlags (Werbung) zu bestellen. Es wurde mir vom Westend Verlag als Rezensionsexemplar kosten- und bedingungslos zur Verfügung gestellt.

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  1. Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung []

Bekleidungshygienefrage

Trend & Style Leggings von nur die in 80 den ultra-blickdicht mit SoftbundStrumpfhosen mehr als einen Tag bis zur nächsten Wäsche zu tragen würde mir im Leben nicht einfallen. Umso erstaunter war ich vor einiger Zeit zu hören, dass es Frauen gibt, die das völlig normal finden. Ich bin immer noch überrascht davon und frage mich: Übertreibe ich da? Oder untertreiben andere es?

Beim konkreten Nylonstrumpfhosenbeispiel käme ich schon nicht auf die Idee, die ungewaschen zu tragen, weil sie beim Tragen ausleiern und dann beim erneuten Tragen Ringelsöckchen oder -knie machen. Da muss ich als kleine, runde Person eh immer schon aufpassen, dass das nicht passiert. Außerdem kann ich meine ganz normale Körperhaut noch so gut eincremen – da sind abends winzige Hautschüppchen an der Strumpfhose. Das halte ich so weit auch für normal. Zur Einordnung meiner Ansichten:

Ich trage bis zum nächsten Waschen

  • Unterwäsche (Bodys, BHs, Unterhosen, Socken, Strumpfhosen, Leggings) 1 x, wobei ich bei BHs 2 x OK fände, wenn sie noch nicht ausgeleiert wären
  • Hosen bis die schmutzig oder ausgeleiert sind, also etwa 2-4 x
  • T-Shirts und Blusen 1 x
  • Pullover, Strickkleider 2-3 x (je nach Riechtest auch nur 1 x)
  • Nachtrag 12. Februar 2014: Strickjacken, die ich nur nur über Rollis oder T-Shirts trage, wasche ich nur ganz selten (Riechtest)
  • Sommerkleider 1 x
  • Blazer bis zur geruchlichen oder optischen Verschmutzung
  • Jacken, Mäntel bis zur Verschmutzung oder Saisonende

Nun die Frage an Euch: Übertreibe ich mit Waschwahn oder unterreiben andere?

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