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Lesetipp – Ein Leben in Briefen

Werbung – Rezensionsexemplar

Die Briefeschreiberin von Virginia Evans

Die Briefeschreiberin
Virginia Evans

Taschenbuch, Klappenbroschur, 384 Seiten
978-3-442-49739-3
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Regina Rawlinson
Originaltitel The Correspondent, Originalverlag Crown
Lizenzausgabe, erschienen am 10. Juni 2026 im Goldmann Verlag (Werbung).

„Jeden Morgen greift Sybil van Antwerp zu Füller und Papier und schreibt: an ihren Bruder, an ihre beste Freundin, an Autorinnen und Autoren. Sie hält fest, was sie begeistert, bewegt oder verärgert. Und dann gibt es da den einen Brief, an dem sie seit Jahren arbeitet, ohne ihn jemals abzusenden …

Mit ihren dreiundsiebzig Jahren nutzt Sybil ihre Klugheit und ihren geistreichen Humor, um die Welt in Wort zu fassen. Doch jenseits ihrer umfassenden Korrespondenz hält sie die Menschen, die sie liebt, seit drei Jahrzehnten auf Abstand. Bis eine Nachricht aus ihrer Vergangenheit sie zwingt, sich dem schmerzhaftesten Kapitel ihres Lebens zu stellen.
Nun muss Sybil jenen Brief abschicken, an dem sie all die Jahre geschrieben hat. Und sie muss den Mut finden, sich selbst zu vergeben.“

Verlagstext Virginia Evans, Die Briefeschreiberin, Goldmann Verlag 2026

Die Geschichte spielt in Annapolis, Maryland, in der Nähe von Baltimore. Sybil lebt dort alleine in einem Haus mit Blick auf den Fluss. Sie hat wenig persönliche Sozialkontakte, ihr primärer Austausch mit Menschen findet in Briefen statt. Selbst mit ihrem Nachbar Theodore Lübeck kommuniziert sie mehr über Zettel im Briefkasten als im persönlichen Gespräch.

Die Briefe, Postkarten und E-Mails von und an Sybil flechten ein zartes Netz, über das wir schrittweise die Menschen um Sybil herum kennenlernen.

„Das ist der Stoff, aus dem das Leben ist: Die Summe zwischenmenschlichen Austauschs.“

Virginia Evans, Die Briefeschreiberin, Goldmann 2026, Seite 69


Sybil schreibt Briefe seit ihrem neunten Lebensjahr. Schon damals fiel ihr das Schreiben leichter als das Sprechen. Das ist so geblieben. Damit steht ein Brief ihrer leiblichen Mutter an ihre Adoptiveltern in Zusammenhang , den diese ihr in dem Alter ausgehändigt haben.

2015 begibt sie sich auf Wunsch ihrer Kinder über einen DNA-Test auf die Suche nach ihrer genetischen Herkunft. Das stößt viel in ihr an bis hin zu der Frage, ob sie Verwandtschaft überhaupt kennenlernen wollen würde, wenn sich Treffer fänden. Ihr Verhältnis zur eigenen Familie ist unterschiedlich.

Mit ihrem Bruder Felix ist sie eng verbunden, mit ihrem Sohn Bruce ebenso. Mit ihrer Tochter Fiona ist es schwierig, weil sie die enge Beziehung zu ihr verloren hat, nachdem ihr mittlerer Sohn Gilbert als Kind verstorben ist.

Auf dieses Unglück folgte die Scheidung von ihrem Ehemann Daan, der die Kinder dann in seinem Heimatland Belgien aufgezogen hat. Seitdem standen für Sybil nur ihre Arbeit und ihre Briefe im Vordergrund, wobei ihr die Briefe noch wichtiger waren. Bruce lebt als Erwachsener wieder in den USA, Fiona in London.

In Sybils letzten Lebensjahren, die wir als Leser_innen über die Korrespondenz erleben, spielen die gedankliche Rückschau und Aufarbeitung ihres Lebens eine große Rolle. Außerdem gibt es auf einmal zwei Männer, die um sie werben: ihr Nachbar Theodore und Mick aus Texas. Aber hat sie noch Lust auf eine Beziehung, vielleicht sogar eine Ehe? Das wird sich zeigen.

Kernthema des Romans ist, dass Sybill sich selbst eine Schuld nicht vergeben kann. Der im Verlagstext genannte eine Brief ist eine Art Tagebuch ihres Lebens, aus dem wir Auszüge aus der Gegenwart bekommen. Nach und nach erschließt sich dabei, warum dieser Brief für Sybil so wichtig ist und was sie seit Jahrzehnten mit sich trägt.

Der Roman Die Briefeschreiberin hat mich berührt. Sybil ist keinesfalls in allen ihrer Gedanken und Handlungen immer nur sympathisch. Aber sie ist immer authentisch. Das macht sie für mich als Romanfigur interessant. Es gefällt mir, wie sie in ihrem Alter neue Perspektiven entdeckt und Türen öffnet, die lange verschlossen waren.

Schreibst du Briefe oder Karten?

PS: Ich mag es übrigens überhaupt nicht, wenn meine Briefe oder Chats aufbewahrt und mir Jahre bis Jahrzehnte später unter die Nase gerieben werden.

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13 Antworten auf „Lesetipp – Ein Leben in Briefen“

Einen echten Brief habe ich schon länger nicht mehr geschrieben. Leider.
Mails und Chats verleiten dazu, dies zu vernachlässigen. Karten zu Anlässen schreibe ich immer.
Die Briefschreiberin im Roman nutzt die Briefe als lebensnotwendige Kontaktbrücke. Da sie etwa in meinem Alter ist, kann ich es gut nachvollziehen, dass sie gern schreibt und sich nicht immer nur mit Leuten trifft. Geht mir oft ähnlich, wobei ich dieses Extrem, wie sie lebt schon schwierig finde.
Dir hat das Buch gut gefallen, das finde ich schön.
In ihrem – und damit meinem Alter – neue Perspektiven zu entdecken und Türen zu öffnen, das ist sehr erstrebenswert.
Möge es uns allen immer gelingen!
Herzlich,
Sieglinde

Bis Ende der 2010er gehörte ich zu den wenigen, die noch Urlaubspostkarten versendet haben. Das habe ich spätestens nach 2020 eingestellt – wann genau, weiß ich nicht mehr. Warum? Es kamen keine Reaktionen der Empfänger_innen mehr und dann kann ich mir die Mühe und das Geld auch sparen.

Für einen Perspektivwechsel lese ich aktuell ein Jugendbuch. Das ist richtig gut!

Ich schreibe mindestens dreimal im Jahr einen Brief, auch wenn er in einer Klappkarte geschrieben ist. Und ich mag diese Tradition sehr. Ein Tagebuch war nie meins, weil ich meine schönen Erlebnisse im Herzen habe und dort nur das Nicht-Schöne niedergeschrieben habe. Ich wollte nicht, dass das irgendwann einen völlig falschen Eindruck vermittelt, weil ich das Schöne ‚mitgenommen‘ habe.
Das Buch klingt schön und interessant. Im Prinzip mag ich solche Geschichten. Man reift auch an ihnen.
Himmelblaue Grüße
Nicole

Mit einem Tagebuch habe ich es mehrfach versucht und es ging mir wie dir: Nur bei schlechten Erlebnissen hatte ich das Bedürfnis, sie dort festzuhalten, und das gefiel mir ist. Außerdem war die Sorge zu groß, dass es jemand lesen würde nach meinem Tod. Das wäre mir nicht recht. Das Buch würde dir gefallen.

Karten schreibe ich noch sehr gerne, Briefe habe ich wohl schon ewig keine mehr verfasst…
Klingt auf jeden Fall nach einem sehr vielschichtigen Roman! Sicherlich aber auch keine ganz einfache Kost.

Stimmt – ganz einfach ist die Kost nicht. Dennoch war ich gerne in Sybils Gedanken unterwegs und denen der Menschen, die ihr geschrieben haben.

Über den Titel „Die Briefeschreiberin“ bin ich schon mal „gestolpert“, hatte aber nicht gleich den dringenden Wunsch dieses Buch zu lesen. Keine Ahnung warum.

Karten schreibe ich aus dem Urlaub an Kinder und Enkelinnen und an Weihnachten immer an eine Person und von allen bekomme auch ich Karten.
Ich mag das.

Wie schön, dass es bei dir ein gegenseitiges Kartenschreiben ist. Von einigen wenigen Menschen kommen hier auch noch Karten zum Geburtstag oder Weihnachten an. Weihnachts-/Sonnenwendkarten an alle Freunde/Familie zu schreiben habe ich 2025 abgeschafft. Es kam so gar keine Resonanz, dann kann ich mir Mühe, Zeit und Geld dafür schenken. Seitdem bekommen nur noch sehr wenige Menschen Post von mir.

Ich komme gerade von der Post, wo ich einen Brief aufgegeben habe. Ich hab nämlich einen Snail Mail (Schneckenpost) Club gestartet. Ich bin gespannt, wie es sich entwickelt. Das ist ein Trend zur Zeit… praktisch als Gegenbewegung zu Digitalisierung, künstliche Intelligenz und Entfremdung durch die Art wie Kommunikation sich entwickelt hat.

Viel Spaß beim Lesen euch beiden! Vielleicht schreibst du in deinem Newsletter mal, wie sich der Snail Mail Club entwickelt?

Briefe schreiben, ja das ist lange her. Erinnert mich an eine Brieffreundschaft, als die Kinder klein waren und mir Kontakt zu
gleichgesinnten fehlte. Das wsr ein sehr schöner Austausch.
Das Buch ist für mich eher nicht so spannend glaube ich, aber schön klingt es schon, dass es ums Briefe schreiben geht – zumindest zuerst.
Liebe Grüße Tina

Zwischen 11 und 14 hatte ich drei Brieffreundinnen. Eine war eine Urlaubsbekanntschaft, die anderen beiden über eine Vermittlung von Brieffreundschaften. Was es damals alles gab … beide habe ich irgendwann auch persönlich kennengelernt bei Besuchen.

Das Buch ist schön, aber keine heitere Gute-Nacht-Lektüre.

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