Werbung wegen Namensnennungen ohne Auftrag
Heute erfüllen Nicole vom Blog Life with a glow und ich mit dem Blogtalk den Wunsch einer Leserin.
„Interessieren würde mich Deine Meinung dazu, dass viele Blogger(innen) inzwischen zu Bezahlplattformen mit Abomodellen wechseln und ihren Content so nur noch einem „elitären Kreis“ zur Verfügung stellen. Bei Dir gibt es die Trinkgeldkasse – aber eben auf freiwilliger Basis. Und das wahrscheinlich aus Gründen, oder?“
biberkreativ
Bloggen monetarisieren – Geld verdienen mit Bloggen 2026
Ines: Über kurz oder lang wollen die meisten Blogger_innen, die viel Zeit in ihren Blog investieren, damit Geld verdienen – auch wenn es als Hobby begann. Seit 2020 ist es erheblich schwieriger geworden, lohnenswerte Kooperationen an Land zu ziehen und einen Blog zu monetarisieren.
Das liegt an den gekürzten Marketingbudgets und der Verlagerung der Anzeigen auf andere Plattformen wie Instagram und TikTok. Nichtsdestotrotz ist es auch im Jahr 2026 noch möglich, mit einem Blog Geld zu verdienen.
Mit meinem Blog meyrose – fashion, beauty & me erziele ich aktuell Einnahmen über die Kaffeekasse, bezahlte Anzeigen von Firmen in Form von Blogbeiträgen und über Ausschüttungen von VG Wort.
Affiliate-Links nutze ich seit 2020 nicht mehr, weil sie sich nicht gelohnt haben – zu viel Aufwand für zu wenig Ertrag. Und dann ist da auch die Sache mit dem Tracking. Das passte für mich nicht mehr.
Wie monetarisierst du deinen Blog Life with a glow?
Nicole: Als ich mit dem Bloggen angefangen habe, habe ich mir das Erlangen von Kooperationen viel einfacher vorgestellt. Ich habe vorher gastgebloggt und da wirkte es so leicht.
Ich nutze aktuell VG Wort, Affiliate-Links und wünsche mir faire und gute Kooperationen/Anzeigen. Das alles reicht nicht zum Überleben, was es bei mir aber auch nicht muss zum Glück. Dennoch würde es mich natürlich sehr freuen.
Allerdings sind Zahlen meiner Meinung nach stark in den Fokus gerückt. Das ist einerseits verständlich, aber mir geht es oft zu Lasten der Glaubwürdigkeit.
Ines: Du hast leider exakt zu dem Zeitpunkt 2020 mit Bloggen begonnen, als der Markt zusammengebrochen ist. Ich habe kürzlich meine Ordner aufgeräumt und bin die Kooperationen von 2015-2019 durchgegangen. Das war ein Paradies im Vergleich zu heute. Leider hat sich der Markt nicht wieder erholt. Dein Eindruck 2020 auf die Vergangenheit geblickt war richtig – als Ableitung auf die Zukunft falsch.
Die Zahlen standen übrigens schon immer im Fokus. Die Gegenleistung für Kooperationen hängt von der Reichweite ab. Ohne Reichweite macht Werbung keinen Sinn. Aber natürlich ist es wichtig, dass die richtige Zielgruppe über den Blog erreicht wird und dass die Werbung glaubwürdig ist – also zur Bloggerin passt.
In einigen Blogs sieht man schreckliche Anzeigen. Würdest Du permanente (seriöse!) Anzeigen in deinem Blog schalten?
Ines: Feste Anzeigen, die zu mir passen, würde ich sofort wieder in meinem Blog schalten, wenn sie pauschal bezahlt werden und nicht über Klicks. Mit solchen Bannerschaltungen habe ich jahrelang sehr schöne Einnahmen erzielt. Leider hat keiner mehr Interesse daran, obwohl mein Blog die gleiche Reichweite wie damals hat. Auch das ist den Einsparungen bei den Marketingbudgets zum Opfer gefallen.
Was es bei mir nicht geben wird, sind dynamische Anzeigen, die über Affiliate-Partner geschaltet werden, bei denen man nur wenig Einfluss auf das hat, was gerade beworben wird. Die finde ich furchtbar.
Nicole: Die dynamischen Anzeigen sind schrecklich.
Wie viel Zeit kostet es dich, die Affiliate-Links zu erstellen?
Nicole: Da ich sehr häufig auch Dinge zeige, die hier schon länger wohnen, ist das Aufwendigste an den Affiliate-Links, die Dinge zu finden. Das würde ich mit ca. 30 Minuten pro Tag im Durchschnitt beziffern, wobei sich ja Outfits oder Teile wiederholen, die dann schon vermerkt sind.
Der eigentliche Einbau in den Blog geht über mein aktuelles Affiliate-Programm ruckzuck. Bei Collagen dauert es etwas länger. Da hoffe ich, dass die sich noch ein wenig bewegen und das Erstellen einfacher machen. Mir macht das bisher Spaß. Nur wenn ich kein Pendant finde, dann bin ich frustriert.
Ines: Das ist ganz schön viel Zeitaufwand. Hoffentlich belohnen das deine Leserinnen mit Käufen über die Links. Ich denke mal, dass du dir die Arbeit nicht machen würdest, wenn es sich nicht lohnen würde.
Bis 2020 habe ich das Partnerprogramm von Amazon genutzt. Das war praktisch, weil sich Buchcover und Produktbilder darüber visualisieren ließen. Finanziell hat sich das nicht gelohnt und mir war der Aufwand mit dem Erstellen der Partner-Links und der umsatzsteuerlichen Abrechnung über Luxemburg zu mühsam. Das stand in keinem Verhältnis.
Nicole: Der Zeitaufwand ist wirklich groß. Meist mache ich das aber gerne, weil ich hoffe, die Leserinnen so auch zu unterstützen. Reich werde ich damit nicht. Bei Amazon hatte ich mich auch angemeldet. Da das aber auch über meinen Affiliate-Partner geht, ist es so einfacher und bleibt in einer Hand.
Ich würde mir wünschen, dass größere Händler generell so etwas anbieten, weil ich glaube, dass das durchaus ein Markt ist, auch wenn es für uns nicht sooo umsatzstark ist.
Wenn du Anzeigen schaltest, schreibst du lieber eigene Texte oder nimmst du auch Vorgaben?
Ines: Es gibt bei mir seit 2024 beides; zuvor waren es nur eigene Texte. Wenn der Text von der Agentur geliefert wird, steht Von Gastautor_in als Verfasser_in beim Beitrag. Wenn da Ines steht, habe ich ihn geschrieben.
Eigene Texte mag ich lieber, weil sie besser zu mir passen. Wenn der vorgegebene Text gut ist, veröffentliche ich auch gerne einen fremden – das macht viel weniger Mühe. Das ist ein Punkt, in dem sich meine Einstellung geändert hat.
Wie stehst du zu Bezahlmodellen auf Blogs? Liest du Blogs, die Paywalls verwenden?
Ines: Du möchtest selbst gerne Geld mit deinem Blog verdienen. Wie gehst du in der Hinsicht mit anderen Blogger_innen um? Bezahlst du dort für Content, Werbefreiheit oder spendierst mal einen Espresso? Warum gibt es bei dir keine Kaffeekasse?
Nicole: Ich habe ein bisschen auf diese Frage gewartet ;). Ich lese bisher keine Blogs, die eine Paywall verwenden, so, wie ich bisher keine Kaffeekasse habe. Es gibt so viele Abo-Modelle mittlerweile, dass ich Paywalls schwierig finde …
Bisher lese ich (so glaube ich) nur bei dir mit der Kaffeekasse und du bekommst gerne einen Espresso, wenn wir uns treffen. Eine andere Bloggerin (wo ich inzwischen weniger lese), hat sich mir zu offensichtlich aufs Geld konzentriert.
Ich verstehe das, aber es ist mir zu platt, wenn nach jedem Absatz ein Angebot kommt. Weißt du, wie ich meine? Für Werbefreiheit zahle ich nicht – siehe Abo-Modelle. Warum ich keine Kaffeekasse habe, frage ich mich manchmal auch. Ich habe da eine Hemmschwelle. Warum auch immer.
Ines: Kaffeekassen gibt es auf den Blogs in meiner Leseliste viele, da ist das total üblich. Es sind aber keine Modeblogs.
Wenn nach jedem Absatz eine Werbeblock für die eigene Dienstleistung oder eine Zahlungsaufforderung kommt, bin ich auch genervt. Den Blog entfolge ich züzig, wenn sich das so entwickelt.
Letzte Woche habe zum ersten Mal auf einem Blog beim Cookie-Banner gesehen, dass ich die Werbung und personalisiertes Tracking für 3,99 Euro im Monat ausblenden lassen kann, wenn ich bei contentpass Mitglied werde. Die damit erzielten Einnahmen aus dem Abo verteilt contentpass an die Publisher je nach Artikelaufrufen. Für den monatlichen Betrag kann man weitere Mitgliedsseiten werbefrei ansehen.
Dass besagter Blog in den letzten Monaten verstärkt mit Werbebannern und Video-Anzeigen bestückt war, ging mir schon auf den Keks. Zehn Werbebanner in einem Monatsrückblick sind mir zu viel. Dieses Pressing war wohl die Vorarbeit dafür, die Leser_innen zum Bezahlen für Werbefreiheit zu bringen. Bei mir hat es zu etwas anderem geführt: Ich habe den Blog, den ich seit 2013 durchgehend gelesen habe, aus meiner Leseliste entfernt.
Nicole: Ich sehe es mit der Werbung wie du: Es ist manchmal einfach drüber und ich lese dann auch nicht mehr weiter. Vor allen Dingen dann nicht, wenn ich weiß, dass derjenige ohnehin gut mit Kooperationen dabei ist. Wo ich mich immer mitfreue, aber wenn ich nur noch Dollarzeichen sehe, geht mir die Persönlichkeit verloren.
Zahlst du in Kaffeekassen?
Ines: Ja, ab und an. In jedem Fall zeige ich meine Wertschätzung der Blogger_in gegenüber, wenn ich einen Blog gerne lese oder mir ein Artikel besonders gut gefällt. Die ist nicht immer monetär. Auch einen Kommentar zu schreiben, ist eine Form der Wertschätzung und schenkt der Person etwas.
Würdest du eine Paywall errichten? Und deinen normalen Blog weiterbetreiben?
Ines: Nein. Und das beantwortet auch die Eingangsfrage von biberkreativ, warum ich die Kaffeekasse als freiwillige Bezahloption anbiete: Ich strebe maximale Seitenaufrufe und Klickzahlen des Blogs an. Das sorgt für eine optimale Sichtbarkeit in Suchmaschinen und KI-Suchergebnissen. Der Blog meyrose – fashion, beauty & me ist ein Firmenblog, kein Privatvergnügen. Ich möchte darüber Kund_innen für meine Imageberatung image&impression gewinnen.
Würde ich bestimmte Inhalte hinter eine Paywall setzen, wäre mir die Gefahr zu groß, damit regelmäßige Leser_innen zu verschrecken. Außerdem sollen potenzielle Kund_innen einen möglichst umfassenden Eindruck von meiner Arbeitsweise und meiner Person erhalten, um sich zum Beispiel für eine Farbberatung in Hamburg bei mir zu entscheiden.
Trotzdem freue ich mich natürlich riesig, wenn die Inhalte freiwillig entlohnt werden, wenn sie jemandem weiterhelfen. Für meine Stammleser_innen schreibe ich gerne und habe schon sehr viele Beitragswünsche erfüllt. Diese finanzielle Wertschätzung ist ein (kleiner) Teil meines Einkommens.
Von passenden Kooperationen und Bloggen in der Zukunft
Nicole: Ich weiß (und schätze das sehr), dass du ein gerader Mensch bist. Bist du dennoch in den langen Jahren deiner Blogzeit eine Kooperation eingegangen, hinter der du nicht gestanden hast?
Ines: Es gab und gibt Kooperationen, die ideal zu mir passen. Natürlich waren in den vielen Jahren welche dabei, wo ich später gedacht habe, dass ich heute nicht mehr hinter dem Produkt stünde. Aber das ist eher im Rückblick so zu sehen. In dem Moment war das immer passend für mich. Als ich die Kooperationen von 2015-2019 durchgegangen bin, war ich im Nachhinein ganz schön stolz, für wie viele wirklich große, bekannte Firmen ich schon werben durfte.
Für Firmen haben Anzeigen und Kooperationen über Produktvorstellungen auch heute den großen Vorteil im Vergleich zu schnelllebigen Socials, dass die Beiträge jahrelang über Suchmaschinen und KI gefunden werden.
Ein Blogbeitrag hat erheblich mehr Substanz als ein Bild im Feed, ein Reel, Karussell Post oder eine Story in den Socials. Es ist wirklich schade, dass Firmen das offenbar anders einschätzen und es nur noch so wenig direkt bezahlte Werbung in Blogs gibt.
Da Jammern unsexy ist, wenden wir uns lieber der Zukunft zu und sehen zu, dass wir und unsere Leser_innen Freude an unseren Blogs haben und für uns das Aufwand-Nutzen-Verhältnis passt, oder? Im Zuge der ständigen Veränderungen in der digitalen Welt kann ich mir vorstellen, dass Blogs tatsächlich nochmal wieder trendy werden.
Nicole: Ich verstehe diese Einschätzung von Firmen auch nicht. Genauso wie ich immer noch finde, dass Werbung ehrlich sein sollte. Du kannst mit Sicherheit stolz sein und ich freue mich mit dir. Und wäre es auch gern.
Ich denke auch, dass Blogs nicht weg sein werden. Denn in dieser schnelllebigen Zeit sind ruhige und konstante Dinge besonders wertvoll. Ich mag und mochte Blogs. Schon immer. Auch oft lieber als Zeitschriften, weil viel tiefer erklärt wird. Darum gehen wir weiter unseren Weg mit unseren treuen und neuen Leserinnen und bleiben uns treu – im doppelten Wortsinn :).
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