Lesetipp: 1945 – 1989 – 2 Kinder – 2 Leben

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Wie der Wind und das Meer
von Lilli Beck

Paul und Sarah finden sich 1945 als Kinder in München in den letzten Kriegstagen, nachdem sie beide ihre komplette Familie verloren haben. Sarah sieht Pauls verstorbener Halbschwester Rosalie erstaunlich ähnlich und ist im gleichen Alter. Er konnte ein Foto von ihm und Rosalie samt seiner Familienpapiere retten. Die beiden verbindet vom ersten Moment an so viel, dass sie beschließen, sich als Geschwister auszugeben, um von den Behörden nicht getrennt zu werden.

Achtung Spoiler

Es gelingt ihnen, sich alleine durch die erste Nachkriegszeit zu schlagen, und sie kommen dann bei einer liebevollen Marktfrau unter. Leider kommt im Rahmen der Wiederaufnahme der Beschulung heraus, dass die Marktfrau nicht ihre Mutter ist und die beiden werden zwangsweise in ein Waisenhaus verfrachtet – zwar zusammen, aber Mädchen und Jungen werden dort streng getrennt. Das ist eine harte Zeit für die beiden. Schließlich findet sich eine fantastische Adoptivfamilie für die scheinbaren Geschwister, die ihnen nicht nur Liebe, sondern auch Wohlstand bringt.

Letztlich wird Paul und Sarah allerdings ihre Notlüge zum Verhängnis, denn sie verlieben sich ineinander. Daraufhin verlässt Sarah München und baut sich mit Anfang 20 ein Leben in Berlin als Synchronsprecherin auf. Paul übernimmt den Gemüsegroßhandel der Adoptiveltern und stürzt sich in die Arbeit. Als Leserin verfolgst Du das Leben der beiden Getrennten und die Frage ist natürlich, ob sie ohne einander glücklich werden und ob sie sich am Ende wiederfinden.

Neben der innigen Liebesgeschichte hat es mir beim Lesen gefallen, einen Einblick in die prüden, spießigen 1950er Jahre in Deutschland zu bekommen. Ganz ehrlich? Es ist mir unvorstellbar, so leben zu müssen. Ich bin so heilfroh um die Freiheit, in der ich aufwachsen durfte und leben darf. Wenn man sich das Gegenteil anschaut, wird einem das mal wieder richtig bewusst.

Den Roman, ein Freundinnen-Geschenk, habe ich gerne gelesen. Wenn Du Lust auf einen Sprung in die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts und Liebesgeschichten magst, kann er Dir ebenso gefallen.

Kannst Du Dir ein Leben in den 1950er Jahren vorstellen?

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Lesetipp: Ein neues Leben nach dem ersten

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Der Fetzen
von Philippe Lançon

Seit dem Terroranschlag auf Charlie Hebdo in Paris gibt es für Philippe Lançon ein Leben davor und eins danach. Er ist eins der überlebenden, schwerverletzten Opfer. In dem Buch arbeitet er die Geschehnisse und seine Gefühle auf und versucht ein neues Leben zu finden, in dem Platz für ihn ist.

Das Buch beginnt am Morgen des Anschlags und endet mit der Entlassung aus der schier endlosen Reha nach 17 Gesichtsoperationen, die der Rekonstruktion seines Gesichts und Unterkiefers dienen, der ihm zerschossen wurde. Durch mehrfache Rückblenden erscheint es beim Lesen manchmal so, also ob man einen Film zum zweiten oder dritten Mal sieht. Sein Leben nimmt durch das Attentat und die Verletzungen komplett andere Wendungen als geplant. Nicht nur sein Körper ist nicht mehr der alte, auch die Seele nicht. Auf Seite 57 schreibt er dennoch

“Man bleibt immer all die Personen, die man mal gewesen ist.”

Die Worte berühren mich, weil sie auch auf Menschen zutreffen, die weniger Schweres erlebt haben. Das Buch ist die literarische Verarbeitung seiner Traumata und zeigt auf, wie Körper und Seele wieder zusammenfinden und sich ein neues Leben aufbauen können. Auf Seite 73 sagt er zum Thema Trauerarbeit

“Aber genau wie in der Schule, hat nicht jeder ein Radiergummi in der Hand, um das Geschehen zu tilgen.”

Jeder geht man mit Trauer und einem Trauma anders um. Der Roman ist tieftraurig und emotional. Auf der anderen Seite empfinde ich ihn als lebensbejahend und positiv, weil Philippe Lançon nie Zweifel an seinem Lebensmut und der Zukunft aufkommen lässt. Interessant finde ich seinen Umgang mit der Opferrolle auf Seite 229

“Allmählich spüre ich, dass das Opfer doppelt bestraft wurde: Es war nicht nur für sich selbst verantwortlich, sondern auch für diejenigen, die es nicht enttäuschen durfte.”

Dabei finde ich bewundernswert, wie er es schafft, auf seine Intuition zu hören und zu entscheiden, wessen Nähe ihn stärkt und wer trotz bestens Willens ein Energieräuber ist, der sich als Angehöriger oder Freund mit seinem Mitleid oder Alltagsdramen selbst in den Fokus stellt. Von Krafträubern trennt er sich radikal, denn sie würden ihm den letzten Funken rauben.

Bei allem Leid und Qual finde ich sehr spannend, welche Beschäftigungen und Lebensinhalte für ihn auch in der Gegenwart und neuen Zukunft interessant bleiben und wie er versucht, es dem ihn pflegenden Personal möglichst einfach zu machen. Seine Worte auf Seite 277

“Der Charme ist wirklich das, was uns erst nach dem letzten Blutstropfen im Stich lassen sollte.”

würden Menschen aus dem Pflegeumfeld sich vermutlich öfter aus dem Mund eines Patienten wünschen, auch wenn sich der Satz hier nicht auf diese Menschen, sondern auf eigene seine Situation und den Umgang eines Besuchers mit dem Personal bezieht. Letztlich steht dieser Satz aber auch für die immense Willensstärke des Opfers des Attentats, die ich in dem Buch auf jeder Seite beim Lesen gespürt habe.

Der Autor schreibt an einer Stelle im Buch, dass er chronisch zu überlangen Texten neigt. Es ist als Leserin vermessen zu sagen, dass dieser Trauerverarbeitungsroman zu lang ist. Das Buch hat 551 Seiten. Die ersten 50 habe ich verschlungen, bis 250 war es spannend und für mich hätten bis zum Abschluss dann vielleicht weitere 50 Seiten gereicht.

Die zweite Buchhälfte war zwar immer noch interessant und es passierten neue Sachen, irgendwann war es für mich als Leserin jedoch etwas wiederholend bei den Beschreibungen der Misslichkeiten und Umstände. Aber ich sage mal so: Wer sowas erlebt hat und darüber schreibt, dem schenke ich dann auch gerne ein paar mehr Stunden meiner Zeit.

Tatsächlich habe ich lange gebraucht, bis ich das Buch zu Ende gelesen hatte – etwa zwei Wochen. Normalerweise lese ich etwa eine Seite pro Minute und viel am Stück. Hier brauchte ich etwa drei Minuten pro Seite und konnte nicht lange lesen. Viele Sätze und ganze Absätze habe ich mehrfach gelesen, um sie vollständig zu erfassen. Nach der Unterhaltungslektüre, die ich ansonsten verschlinge, war das zur Abwechslung durchaus wohltuend.

Meine Neugierde, wie der Autor jetzt aussieht, habe ich mir bis zum Buchende bewahrt, um die Bilder nicht mit meiner Phantasie zu mischen. Frei nach dem Motto: Erst das Buch lesen, dann den Film sehen. Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag Tropen/Klett-Cotta (Werbung) zur Verfügung gestellt. Danke an Leserin Claudia für die Leseempfehlung.

Hat Dein Leben schon mal gravierende Wendungen genommen, die Dich zu einem anderen Menschen haben werden lassen?

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Lesetipp: Vietnam trifft Berlin

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Sungs Laden
von Karin Kalisa

Diesen wunderschönen Roman hat mir Leserin Susa Berg in einem Kommentar ans Herz gelegt. Über den Austausch mit Leserinnen in den Kommentaren habe ich schon einige lesenswerte Bücher entdeckt. Natürlich passt nicht alles, aber ich schaue mir alle an. Versprochen!

Der Inhalt des Romans ist für mich schwer zu beschreiben, weil er so viele Themen umfasst. Zwischen Realität, Phantasie, Leichtigkeit und Tiefgang ist alles dabei. Sungs Laden ist ein vietnamesisches Ladengeschäft in Berlin im Stadtteil Prenzlauer Berg. wäre es deutscher Laden, würde man ihn wohl Tante-Emma-Laden nennen. Dieser Stadtteil hat sich seit der Wende drastisch verändert und Sungs Laden sich mit ihm.

Beim Lesen habe ich einiges über das Leben der Vietnamesen in Berlin gelernt, die zu DDR-Zeiten als Vertragsarbeiter dort tätig waren. Sungs Eltern gehörten zu ihnen. Sie hatten das Glück, zufällig besagten Laden eröffnen zu können und sich ein selbständiges Leben zu schaffen.

Das Buch ist in drei Teile gegliedert, wovon mir der erste am besten gefällt, in dem es um die Geschichte der Familie in Berlin geht. Eine Schulwoche zur Vielfalt der Nationen unter den Schülern bringt die Familie dazu, in ihre Geheimnisse und eigene Geschichte einzutauchen. In Teil zwei und drei spielen fantastische Ideen zur Gestaltung des Stadtteils und das wirkliche Kennenlernen der verschiedenen Bewohner des Stadtteils untereinander die Hauptrolle. Diese märchenhaften Teile hätten für mich etwas kürzer sein können, waren am Ende dann aber doch rund.

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Lesetipp: Zu Tisch bitte

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Der Mittagstisch
von Ingrid Noll

Lange habe ich nichts von Ingrid Noll gelesen, weil mir die Bücher irgendwann zu ähnlich waren und sie mich nicht mehr ansprachen. Vorletzte Woche hatte ich in der Innenstadt zwei Stunden Zeit übrig vor einer Einkaufsbegleitung und habe die unter anderem in der Thalia-Buchhandlung zugebracht. Nicht weil ich die Buchhandlung so mag, sondern weil es die einzige in der Gegend ist.

Im Eingangsbereich der Buchhandlung fand ich diverse fest gebundene Bücher aus dem Diogenes Verlag reduziert auf 6,99 Euro, befreit von der Verlagspreisbindung. Es waren auf den ersten Blick alles Bücher, die bereits als Taschenbuch erschienen sind. Wenn das Papierbuch weniger kostet als der E-Book, dann kaufe ich ausnahmsweise ein Papierbuch.

Ein Blick ins Buch hat mein Interesse an der Geschichte geweckt und ich dachte: Warum nicht mal wieder einen Roman von Ingrid Noll lesen? Die Geschichte war für mich so unterhaltsam, dass ich die 224 Seiten in einem Rutsch von morgens an durchgelesen habe. So lässt sich ein verregneter Sonntag gut zubringen.

Warum geht es beim Mittagtisch? Nelly, alleinerziehende Mutter zweier Kinder ohne Job, braucht Geld und neue Freunde. Sie erbt das Haus der Großeltern samt ehemaligem Ladengeschäft im Erdgeschoss und zieht dort ein. Es ergibt sich eine Mittagsrunde, in der sie für die halbe Nachbarschaft gegen Kostgeld kocht und ein wunderbares Netzwerk entsteht.

Ein Roman von Ingrid Noll wäre aber kein Roman von Ingrid Noll, wenn es nicht ein paar mehr oder wesentliche versehentliche Leichen dabei gäbe, die zu entsorgen und totzuschweigen sind. Ein bisschen Liebe ist auch dabei, Nelly möchte nicht alleinerziehend bleiben, und eine Prise Drama gesellt sich dazu. Insgesamt eine unterhaltsame Geschichte, die ich gerne gelesen habe.

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Lesetipp: Lebensbegleiter

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Das rote Adressbuch: Hast Du genug geliebt in Deinem Leben?
von Sofia Lundberg

Gute Frage. Ich denke ja. Verziehen habe ich in meinem bisherigen Leben vermutlich nicht genug, geliebt ja. Das rote Adressbuch von Hauptfigur Doris ist der Leitfaden der Geschichte. Sie bekommt es als Kind von ihrem Vater geschenkt, der kurz darauf verstirbt. In diesem Adressbuch finden sich die Namen der Personen wieder, die ihr spannendes Leben begleitet haben. Kurz vor ihrem Lebensende schreibt sie für ihre Großnichte Jenny, zu der sie ein sehr enges Verhältnis hat, die Geschichten auf, die sie mit den Menschen aus dem Adressbuch verbindet.

Die Lebensgeschichte beginnt im Stockholm der 1920er Jahre. Doris’ Weg führt sie nach Paris, New York, England und am Ende wieder nach Stockholm in die Gegenwart. Gegen Ende gibt sie Jenny die Worte

“Das Leben ist nicht dazu da, dass es dich unterhält, du musst das Leben unterhalten.”

mit auf ihren Weg. Die Worte gefallen mir, weil sie dafür stehen, dass jeder sein Leben selbst in der Hand hat und für die Gestaltung verantwortlich ist. Selbst wenn uns Dinge von fremder Hand geschehen, die wir nicht wollten, liegt der Umgang damit in unserer Hand.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Goldmann Verlag (Werbung) zur Verfügung gestellt. Auf den Titel hat mich Leserin Claudia in einem Kommentar bei einem Buchbeitrag aufmerksam gemacht. Danke an beide! Die Geschichte hat mich vom ersten Moment an gefesselt. Jetzt freue ich mich darauf, dass von der Autorin im Mai 2019 ein weiteres Buch erscheint.

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Zwischen Berlin und Wien – 1936 und 2018 – eine Lebensgeschichte

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Die Fliedertochter: Roman (Affiliate Link)
von Teresa Simon

Berlin 2018 – Paulina wird von ihrer Nenn-Oma Toni nach Wien geschickt, um ein Erbe anzutreten.

Berlin 1936 – Sängerin und Tänzerin Luzie träumt von einer Karriere als Schauspielerin und schlägt sich auf der Bühne als Tingel-Tänzerin durch. Die Jüdin flüchtet wegen des steigenden Einflusses der Nazis nach Wien zum nicht-jüdischen Teil ihrer Familie und es gelingt dort, ihre Herkunft zu verschleiern. Nach dem Tod ihrer jüdischen Mutter in Berlin wurde sie von ihrer in Wien lebenden christlichen Tante väterlicherseits schon vor vielen Jahren adoptiert. Sie kommt als Jugendsünde der Tante, die ab dem Moment offiziell ihre Mutter ist, nach Wien und wird Teil der Familie, zu der auch Sohn Peter gehört.

Wien 1936 und 2018 – Du begleitest beim Lesen Luzie auf ihrem Weg durch die Nazizeit in Wien bis zum Winter 1943/44. Es ist die Welt des Theaters, aber auch die der verschlungenen Liebe zu zwei Männern und der Gefahr durch Verfolgung. Das Erbstück, das Pauline in Wien abholen soll, ist das Tagebuch von Luzie, was sie verschlingt. Überreicht wird das Tagebuch von Lena, Peters Tochter. Pauline verbringt einige Tage bei der Familie, die einen Sohn, Moritz, in wiederum ihrem Alter hat. Zusammen mit dem Künstler Moritz und seinem Freund Tamás erkundet sie die Spuren Luzies in Wien. Doch was hat ihre Nenn-Oma mit der Geschichte zu tun? Lies selbst!

Das Buch aus dem Heyne Verlag (Werbung) habe ich als Rezensionsexemplar erhalten. Es hat 496 Seiten. Die ersten 100 habe ich in einem Rutsch verschlungen, die nächsten 150 auch, dann zog es sich ein wenig und am Ende wurde es mir ein bisschen zu kitschig. Dennoch habe ich es gerne gelesen. Es bringt einen Einblick in diese Zeit der Geschichte, den ich noch nie aus Wiener Sicht betrachtet habe.

Warum das Buch Die Fliedertochter heißt, erfährst Du übrigens auf Seite 433. Andrea vom Blog here I am – wir haben einen ähnlichen Romangeschmack – hat kürzlich Werbung für das gleiche Buch gemacht. Vielleicht interessiert Dich eine weitere Rezension?

Kennst Du Romane von Teresa Simon? Wie gefallen sie Dir?

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Was ich heute gelernt habe – März 2019

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Azalee

  1. Das Wasser auf der wilden Meerseite von Sylt heißt Nordsee, das auf der Wattseite Ostsee. Erklärt gerade eine Touristin einer anderen. Bei einer ähnlichen Gesprächsbelauschung habe ich vor ein paar Jahren gelernt, das die Buhnen dafür da sind, dass die Wellen nicht so doll werden, damit man besser baden kann. Nun ja. Soviel dazu.
  2. Meine Wimpern werden im Zugucken spärlicher. Das hätte ich nie für möglich gehalten. Immerhin sind sie noch dunkel.
  3. Beim Abfluss in der Dusche kann man ein Teil mehr rausnehmen, als ich bisher wusste. Du willst nicht wissen, wie es darunter aussah und roch.
  4. Aus dem Leben einer Personal Shopperin: In einem Laden in der City hält eine Verkäuferin es offenbar für eine Zumutung, acht Teile zur Anprobe für meine Kundin auf meine Bitte hin eine (!) Stunde vorher beiseite zu hängen. Dass ihre Chance auf mehr Umsatz steigt, wenn ich meiner Kundin schnell mehr auf einmal zeigen kann, ist ihr offenbar egal. Ich glaube kaum, dass ihr montags um 10 Uhr bei strömendem Regen in den Hamburger Ferien ernsthaft im leeren Laden Umsatz dadurch entgeht, dass die Teile anderen Kundinnen nicht zur Verfügung stehen. Da sind andere Läden erheblich kooperativer. Da weiß ich doch gleich wieder, warum ich in einige gerne mit Kunden gehe und andere meide. Provision bekomme ich vor Ort übrigens nirgends. Meistens schaue ich vor einer Einkaufsbegleitung in der Stunde vorher schnell in den Läden in der Nähe des Treffpunkts, was aktuell dort hängt und lasse dann etwas zurücklegen, damit meine Kundin in den zwei Stunden möglichst effizient anprobieren und entscheiden kann. Wenn der Laden vor Ort so blöd geführt wird, verstehe ich wieder einmal mehr, warum Menschen Onlineshopper sind. Dass ich deren Sachen im Laden verkaufe und die Wahl habe, wo ich hingehe, ist der Dame offenbar nicht klar.
  5. So früh hat die zarte erste Azalee noch nie geblüht.
  6. Die gepolsterte Liegedecke für den Zausel hätte ich mir sparen können. Er liegt offenbar nicht gerne weich.
  7. Jetzt weiß ich, wie die Corneliuskirche von innen aussieht. Auf dem Trauerband für den Nachbarn stand ein Spruch von Matthias Claudius, den ich sehr schön finde. “So, wie ein Blatt vom Baum fällt, so geht ein Mensch aus dieser Welt und alle Vögel singen weiter.” Nicht nur passend zur Friedwaldbestattung. Wir sind alle nur ein winziges Puzzleteil dieser Erde und sie dreht sich ohne uns weiter, auch wenn es sich manchmal ganz anders anfühlt. Aber für einen wunderbaren Menschen, der 87 geworden ist, kann ich das so hinnehmen.
  8. Gestern Abend habe ich noch etwas gelernt: Wie man eine Anzeige bei der Polizei vor Ort aufgibt, wenn Fotos aus meinem Blog auf dubiosen Onlineshops ohne mein Einverständniserklärung verwendet werden.
  9. Mehl wird bei 900 Grad verbrannt, um den Typ zu bestimmen. Typ 405 heißt, dass nach dem Verbrennen 405 mg Mineralien von 100 g Mehl übrig bleiben.
    Und Schuhe sollten beim Imprägnieren mit Spray vorher mit einem feuchten Lappen abgerieben werden, damit sie das Spray besser aufnehmen können. Wie komme ich darauf? Ich habe Wer weiß denn sowas im Fernsehen geguckt.
  10. Auf nasser Straße keine hellen Velourslederloafer zu tragen, werde ich wohl bedauerlicherweise niemals lernen.
  11. Schluppenbluse heißt auf Englisch Pussy Bow. Das hat Bloggerin Claudia mich lernen lassen.
  12. Welcher Arzt die Urlaubsvertretung für meinen HNO macht.
  13. Amazon weist inzwischen auch auf E-Books Umsatzsteuer aus. Schön! Sind sogar 19%.
  14. Dank des kostenfreien Netflix-Zugangs für 30 Tage habe ich einen Blick in Marie Kondos Aufräumserie geworfen. Inspirierend fand ich daran allerdings: nichts.
  15. Mein roter Daunenmantel hat mich verlassen. Er war nicht nur nicht mehr wasserabweisend, sondern ich in dieser Woche in Kürze durch bis auf die Haut im Regen, was bisher nie der Fall war. Was besonders blöd ist, wenn man eine Kehlkopfentzündung hat. Und in der Wäsche ging der Schmutz nicht ab. Fazit: Retour zu Lands’ End. Deren umfassende Garantie hat definitiv ihre Vorzüge und ich bekomme mein Geld zurück. Gibt es also in der kommenden Saison wohl mal wieder einen neuen Daunenmantel. Hoffentlich.
  16. Auch Fotos in jeder Form gehören zu den Dingen, die ab und an mal ausgemistet werden können. Am Wochenende war bei mir der große Bereich der Bilder aus den 1970ern bis Anfang der 2000er dran. Dabei ist das Schottlandalbum gleich komplett in den Müll gepflogen. Warum soll ich mir ein dickes Album in mein Zimmer stellen, von einem Urlaub, an den ich mich nicht gerne erinnere? Im Kopf sind die Erinnerungen eh.
  17. Wer glaubt, dass Rotwein die Zähne verfärbt, hat noch nicht tagelang Salbeitee getrunken. Da wird meine Zahnpflegerin – ich darf sie so nennen – im Mai ihre Freude dran haben.
  18. Wie man eine schöne kleine Bluetooth-Soundbox installiert. Es gibt Marken, auf die ist Verlass.
  19. Ich reagiere definitiv allergisch auf Tulpen im Haus. Mir jucken die Augen wie blöd und dabei ist der Strauß so schön. Ab vor die Tür damit. Vorteil: Bei den Kühlschranktemperaturen draußen halten sie ewig.
  20. Rohrreinigergel taugt zum versehentlichen Bleichen einer Badezimmerfußbodenduschmatte. Spotz. In den 1980ern habe ich mit Chlorreiniger absichtlich Jeans gebleicht und versehentlich Löcher in einen Baumwollpulli geätzt. Ich hätte es also wissen können. Hätte …
  21. Ich habe die nackte Panik vor dem kommenden Sommer und das Bedürfnis, jedes schöne passende Kleid zu kaufen, um den Sommer zu überleben, falls er auch nur annähernd so schlimm wird wie 2018. Teure Panik.
  22. Der neue Joona Linner Thriller/Krimi von Lars Kepler war mir deutlich zu widerlich-unnötig-brutal. Das wäre für die Handlung aus meiner Sicht nicht notwendig gewesen. Künftig erscheinende Bände aus der Reihe möchte ich aus heutiger Sicht nicht lesen. Das Buch würde ich nicht wieder kaufen.
  23. Das Hundeliegekissen war nun doch eine gute Investition. Paul hat sich an die weiche Unterlage und den Rand gewöhnt und kuschelt sich abends gerne darauf ein, wenn wir Fernsehen gucken.
  24. Von den Gemüsesorten Blumenkohl, Brokkoli und Romanesco mag ich Romanesco am liebsten.
  25. Im Wohnzimmer habe ich zwei große Aquarelle von der Wand genommen, die dort seit 2004 gehangen haben. Ich hätte gedacht, dass sie mir schon aus reiner Gewohnheit mehr fehlen würden. Tun sie aber nicht. Ich freue mich auf den neuen Wandschmuck, der in diesem Jahr dorthin kommt.
  26. Es ist soweit – ich brauche meine Lesebrille jetzt auch für Restaurantbesuche. Gestern konnte ich erstmals den zu begleichenden Endbetrag nicht ohne Brille sicher lesen. Krass wie das im Zugucken schlechter wird.
  27. Wie man in die .htaccess Datei in WordPress bearbeiten kann.
  28. Bei Bloggerin Sabine Gimm das wunderschöne Wort Sekundenglück.
  29. Die Gewissheit, eine goldrichtige Entscheidung getroffen zu haben.
  30. Meine alte Sonnenbrille tut auf der Nase weh durch ihr Eigengewicht. Autsch. Wie kann sich ein Gesicht nur so verändern? Sie ist in sehr gutem Zustand. Möchte sie jemand gegen Portoübernahme geschenkt haben?
  31. Tesa Poster Strips lassen sich selbst nach über zehn Jahren restlos von Holzfensterrahmen und Raufasertapete entfernen.

Sonst noch gelesen

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Die Herrin des Winterpalasts

Das Buch Die Herrin des Winterpalasts: Historischer Roman (Affiliate Link) von Christopher W. Gortner aus dem Goldmann Verlag (Werbung) wurde mir als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt.

Das Buch nimmt den Leser mit auf eine Reise durch die Geschichte Europas von 1863 bis zur Revolution in Russland ersten Weltkrieg. Man lernt viel über die politischen Zusammenhänge der Monarchien und die sich verändernden Rollen in dieser Zeit. Leider hat mir der Roman nicht gefallen, weil es aus Sicht der Hauptperson Minnie, die zu Beginn Prinzessin von Dänemark wird und dann nach Russland in die Zarenfamilie einheiratet, in der Ich-Form geschrieben ist.

Die Erzählweise von Minnie ist sehr einfach und wirkt an vielen Stellen naiv. Das mag an der Zeit liegen, in der das Buch spielt. Vielleicht ist es aber auch eher für eine jüngere Zielgruppe geeignet. Wer könnte es mögen? An der Entwicklung von Königshäusern und Politik im 19. Jahrhundert interessierte Leserinnen, die sich gerne in eine Hauptperson beim Lesen einfühlen.

Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags

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Den Bestseller Feng Shui gegen das Gerümpel des Alltags: Richtig ausmisten – Gerümpelfrei bleiben (Affiliate Link) von Karen Kingston habe ich nach dem Kauf umgehend verschlungen. Mit Feng Shui habe ich mich bisher nicht beschäftigt. Ich bilde mir ein zu spüren, was mir in Räumen gut tut und was nicht. Aber wegen meines momentanen Ausmüllwahnsbedürfnisses hat mich der Titelteil Gegen das Gerümpel des Alltags angesprochen. Karen Kingston Faustregel lautet

Wenn ich morgen ausziehen sollte und mehr als ein bis zwei Müllsäcke voll bekäme, muss ich umgehend aussortieren.”

Mülleimer der Stadtreinigung Hamburg: „Was Du heute kannst entsorgen …“

Das ist eine Maxime, an der ich mich gerne orientiere. Für alle Teile im Haus, die alleine mir gehören und nur von mir genutzt oder gelagert werden, wird das auch mein neuer Leitsatz. Dass es ab und an fürs eigene Wohlbefinden gut ist, sich nicht nur von Dingen zu trennen, sondern auch Freundschaften zu hinterfragen, ist klar. Was zu der Frage führt, ob es derzeit jemanden gibt, der mich aussortieren möchte.

Zu welchen Erkenntnissen bist Du im März gekommen?

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