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Lesetipp: Das deutsch-englische Familiengeheimnis

Werbung – Rezensionsexemplar

Das Geheimnis der Frauen von Sonja Roos

Das Geheimnis der Frauen
Sonja Roos

Paperback, Klappenbroschur, 448 Seiten
ISBN 978-3-442-20701-5
Erschienen am 5. Juni 2026 im Goldmann Verlag (Werbung)
Bestellmöglichkeiten bei diversen Händlern findest Du auf der Verlagswebsite. Ich habe es als E-Book gelesen.

„Nach einem Streit hat Lulu ihre Karriere als Köchin in einem Sylter Nobelrestaurant beendet – und die Beziehung zu ihrem Chef gleich mit. Mit 34 muss sie nun von vorne anfangen und kehrt zurück in ihren kleinen Heimatort im Westerwald, wo ihre Eltern die Dorfkneipe führen. Hier scheint die Zeit stehen geblieben, und doch beschließt Lulu zu bleiben, um dem Wirtshaus mit ihrer Schwester und ihrem Großvater Max neues Leben einzuhauchen. Als sie kurz nach ihrer Ankunft auf einen Stapel ungeöffneter Briefe stößt, weckt Max‘ rätselhafte Reaktion Lulus Neugier. Sie kann nicht ahnen, dass das jahrzehntelang gehütete Geheimnis ihrer Familie ihrem Leben eine schicksalhafte Wendung geben wird. Alles begann 1945 mit dem Absturz eines britischen Piloten, als im Dorf nur noch Frauen übrig waren …“

Verlagstext Sonja Roos, Das Geheimnis der Frauen, Goldmann Verlag 2026

Familiengeheimnisse, eine Dorfkneipe im Westerwald, eine gescheiterte Liebe und die Frage, wie die Vergangenheit das Leben nachfolgender Generationen prägt – daraus macht Sonja Roos in Das Geheimnis der Frauen einen unterhaltsamen Roman mit ernstem Hintergrund.

Im Mittelpunkt steht Lulu, die nach einem beruflichen und privaten Neuanfang aus Sylt in ihren Heimatort zurückkehrt. Mit Unterstützung ihrer Familie möchte sie den Dorfkrug retten. Dass dabei alte Familiengeschichten ans Licht kommen, ahnt sie zunächst nicht. Als sie auf ungeöffnete Briefe stößt und ihr Großvater Max ungewöhnlich reagiert, beginnt für sie eine Spurensuche, die weit in die Vergangenheit führt.

Besonders gefallen hat mir die Verbindung der verschiedenen Zeitebenen – 1945 und 2014. Die Geschichte erzählt nicht nur von Liebe, Familie und Neuanfängen, sondern greift auch die Frage auf, wie Menschen mit den Erfahrungen der Kriegsjahre umgegangen sind bzw. wie sich das bish heute auswirkt.

Schuld, Verdrängung und Schweigen spielen eine wichtige Rolle. Gleichzeitig wird deutlich, wie groß das Bedürfnis jüngerer Generationen ist, mehr über die eigene Familiengeschichte zu erfahren, bevor die letzten Zeitzeug_innen ihre Erinnerungen nicht mehr teilen können.

Lulu und ihrer Schwester Marlin versuchen herauszufinden, wo die Verbindung zwischen dem Westerwald und England liegt. Warum gibt es in einem Inn in den Cotswolds einen Pie nach einem Familienrezept, das die beiden als Ragout fin ihres Großvaters kennen?

Welche Geschichte teilen der britische Piloten James Foster, Großvater Max und die Familien auf beiden Seiten des Ärmelkanals? Diese Fragen ziehen sich wie ein roter Faden durch den Roman und haben bei mir dafür gesorgt, dass ich schnell weiterlesen wollte, auch wenn ich die Auflösung früh geahnt habe.

Die Figuren wirken lebendig und nahbar. Besonders die Geschichte rund um Hanna und James hat mich berührt. Der Zusammenhalt der Frauen im Dorf zum Kriegsende, auch wenn sie nicht immer einer Meinung waren, hat mich beeindruckt.

Wer Familiengeschichten mit historischen Bezügen, verborgenen Wahrheiten, Romantik und einer guten Portion Dorfleben mag, wird Das Geheimnis der Frauen gerne lesen. Mir hat besonders gefallen, wie Sonja Roos ernste Themen in eine leicht lesbare Geschichte einbettet, ohne ihnen ihre Bedeutung zu nehmen.

Wie geht deine Familie mit Geheimnissen um?

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14 Antworten auf „Lesetipp: Das deutsch-englische Familiengeheimnis“

Ich glaube, es gab und gibt eine Generation, denen das ‚Nicht-drüber-reden‘ Gen in der DNA verankert ist, wo sich Ausnahmen die Regel natürlich gern bestätigen.
Das Buch klingt sehr interessant und scheint genau diese Punkte zu behandeln.
Danke für deine Vorstellung
Liebe Grüße und einen schönen Dienstag
Nicole

Mancher Schmerz lässt sich vielleicht nur in Schach halten, in dem man ihn in eine Kiste im Gedächtnis sperrt.

Hab auch einen schönen Tag!

Meine Großeltern haben nie darüber gesprochen und meine Eltern, Jahrgang 1944 und 1945, haben erst die Nachkriegzeit bewusst erlebt. Mein Vater wurde 1944 kurz vor der Flucht aus Königsberg geboren. Seine älteren Geschwister erinnerten sich, sprachen aber auch nicht darüber.

Mein Vater hat als junger Mann mit 19-23 Jahren ein Kriegstagebuch geführt. Ich habe es bewusst nie gelesen. Aber mein ältester Sohn hat es als er ca. 30 war. Er war doch sehr beeindruckt.
Familiengeheimnisse wüsste ich jetzt keine, aber dann wären sie ja keine Geheimnisse mehr…
Dass nach dem Krieg viele nicht drüber reden wollten, kann ich total gut verstehen und habe ich auch so erlebt. Man wollte endlich wieder leben! Ob das richtig war, weiß ich nicht, aber wer hätte die Traumata therapieren können?
Wir in unserer Familie haben ab 1955 die Welt dann friedlich entdeckt in Österreich, Italien, Frankreich mit dem Auto und dem Zelt. Das war eine großartige Zeit.
Das Buch zeigt ein Schicksal auf, wie es sicher viele gab. Wenn sich die junge Frau dafür interessiert und manches herausfindet, dann kann sich das als heilsam erweisen. Hoffe ich zumindest.
Herzlich,
Sieglinde

Heilsam wird es, der Weg ist aber ein harter.

Vielleicht ahnen wir nicht einmal, welche Familiengeheimnisse vor uns verborgen liegen … Bei mir sind auch keine intern bekannt.

Erst dachte ich och nee, ernster Hintergrund, aber tatsächlich glaube ich, nach deinen Worten, dass es ein interessantes spannendes Buch ist. Könnte ich mir doch vorstellen zu lesen. ☺️
Ich wünsche Dir einen schönen Abend, ganz liebe Grüße Tina

Könnte dir gefallen und man kann es vor dem Schlafen lesen, ohne mit doofen Gedanken in den Schlaf zu gehen.

Hab einen schönen Tag!

Das klingt nach einem ebenso interessanten, wie unterhaltsamen Roman! Wenn die Familiengeschichte aufgearbeitet wird, finde ich das oft sehr spannend… Und scheint laut deiner Aussage dabei ja auch nicht zu ernst/düster zu werden.

Digitalisieren analoger Abzüge ist wirklich so eine Sache… ich habe noch einen sehr alten Canon Scanner, der da gut ist, aber auch da hat es viel probieren mit den Einstellungen gebraucht.
Generell finde ich auch das „Scannen“ mit Kamera oft die beste Lösung…

Ansonsten habe ich mittlerweile ein gutes Labor, bei dem ich gleich Scannen lasse, wenn ich die Fotos zum Entwickeln schicke. Die Scannen dann die Negative und ich habe somit das beste Ergebnis.
Entwickle ich selbst, mache ich meistens „Kamera Scannen“ meiner eigenen Negative; das ist für mich halt dank meiner Arbeitskamera mit 50MP und Makro Objektiv halt auch die einfachste und beste Lösung.

Liebe Ines,

Du fragst, wie Familien mit Geheimnissen umgehen – und die ehrlichste Antwort dieser Generation war wohl oft: gar nicht. Das Schweigen nach 1945 war ja selten Kälte, eher ein Notverband. Man wollte leben, nicht erklären, und packte das Unaussprechliche in eine Kiste, für die es keinen Schlüssel mehr geben sollte. Dass die Enkel heute danach graben, bevor die letzten Zeitzeugen verstummen, ist die andere Seite derselben Medaille.

Besonders berührt mich an Deiner Vorstellung das Detail mit dem Rezept: dass ein Familiengeheimnis nicht in Worten überlebt, sondern in einem Ragout fin, das jenseits des Ärmelkanals zum Pie wird. Manchmal trägt eben ein Gericht weiter, wozu den Menschen die Sprache fehlte. Ich pflege selbst die Aufzeichnungen meines Großvaters, eines Thüringer Zeitungsschreibers – eine seiner Sagen liegt hinter meinem Namen –, und kenne dieses leise Staunen, wenn aus vergilbtem Papier plötzlich ein lebendiger Mensch heraussieht (siehe Link).

Danke für die einfühlsame Empfehlung.

Mit nachdenklichem Gruß nach Hamburg
Ron

Hi,
mir fällt es oft schwer, Texte mit wahrem Hintergrund zu lesen. Bei anderen schwierigen Themen kann ich mich selbst in die „Fantasiewelt“ retten. Aber so wie du es beschreibst, ist es vielleicht auch für mich etwas.
Meine Mutter ist mit 11 Jahren aus Allenstein geflohen. Das wusste ich zwar, aber erst jetzt erzählt sie davon, wie schrecklich es war.
Ich war ihr und meinem Vater sehr lange dankbar dankbar dafür, dass sie uns als Kinder nicht mit den furchtbaren Erlebnissen des Krieges konfrontiert haben. Inzwischen möchte ich aber mehr wissen.

Das Thema der Frauen, die Kinder von den Besatzungssoldaten bekamen ist allerdings sehr sensibel. Oftmals wurden sie von der Gesellschaft dafür verdammt, Kollaborateurinnen gewesen zu sein, obwohl sie möglicherweise vergewaltigt worden waren. Schwieriges Thema und vermutlich bei jedem Krieg aktuell.

Liebe Grüße und danke für die Buchvorstellung!

Mit 11 Jahren hat deine Mutter ja alles mitbekommen und im Kopf behalten. Man kann nur versuchen sich vorzustellen, wie schlimm das gewesen sein muss.

In dem Buch gibt es zum Glück in dem Sinn keine ungewollten Kinder. Dafür andere Probleme …

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