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Otroversion – die besondere Gabe: Bedeutung, persönliche Erfahrung und Lesetipp

Werbung – Das Buch habe ich selbst gekauft, mit dem Verlag kooperiere ich ansonsten mit Rezensionsexemplaren.

Wie schoen es ist nicht dazugehoeren zu muessen von Rami Kaminski

Wie schön es ist, nicht dazugehören zu müssen
Rami Kaminski

Paperback, Klappenbroschur, 240 Seiten, Illustrationen mit s/w-Grafiken und Tabellen
ISBN 978-3-424-63283-5
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Marion Zerbst
Originaltitel The Gift of not belonging, Originalverlag Little Brown/Spark
Deutsche Erstausgabe
Erschienen am 24. September 2025 im Verlag Kailash (Werbung)

„Haben Sie sich schon einmal gefragt, warum Sie nie das Bedürfnis hatten, „dazuzugehören“?

Warum Sie sich auf großen Partys oder Veranstaltungen unwohl fühlen, aber die Gesellschaft weniger vertrauter Menschen genießen? Warum Sie ein wacher Beobachter sind, der schon immer unkonventionelle Ideen hatte, ohne sich jemals den gesellschaftlichen Normen anpassen zu müssen?

Willkommen in der Welt der Otrovertierten – der Andersdenkenden und stillen Beobachter. Während Introvertierte nach mehr Teilhabe suchen und Extrovertierte die Liebe und Anerkennung anderer brauchen, schätzt der otrovertierte Mensch seinen Platz am Rand des Geschehens. Ein Plädoyer für alle, die die eigene Individualität leben, sich auf wenige, tiefgehende Beziehungen konzentrieren und ihre Einsamkeit genießen.

Was ist mit Otrovertiert gemeint?

Ein otrovertierter Mensch ist eine Person, die zwar empathisch und freundlich ist, aber dennoch ein dauerhaftes Gefühl verspürt, nirgendwo wirklich dazuzugehören. Sie kann sich nicht mit Gruppen oder Gemeinschaften identifizieren und bleibt dauerhaft das, was man als Außenseiter bezeichnen würde. Diese Eigenschaft, die als „Otherness“ (Andersartigkeit) beschrieben wird, ist keine Störung, sondern ein besonderes Persönlichkeitsmerkmal. Die fehlende Zugehörigkeit wird dabei häufig als okay oder sogar angenehm empfunden und führt nicht zwangsläufig zu einem Leidensdruck. Problematisch für Otrovertierte ist jedoch die gesellschaftliche Erwartungsnorm, sich einer Gruppe anpassen zu müssen.“

Verlagstext Rami Kaminski – Wie schön es ist, nicht dazugehören zu müssen – Kailash Verlag 2025

Das Buch als Augenöffner

Beim Lesen des Buchs über Otroversion fielen mir sprichwörtlich 1000 Steine vom Herzen. Ich war den Tränen nahe vor Erleichterung. Endlich gibt es einen Begriff für das Gefühl, das ich schon mein ganzes Leben lang spüre.

Wenn ich Menschen beschreibe, wie ich mich auf oder nach einer Party fühle, stößt das auf Unverständnis. Entweder glaubt man mir nicht oder erklärt meine Wahrnehmung für falsch. Im besten Fall wird es akzeptierend zur Kenntnis genommen. Verstanden hat es bisher niemand.

Und das, obwohl ich kein Problem habe, vor Gruppen zu sprechen. Im Gegenteil: Das kann ich gut und mache es gern. Im direkten Austausch mit einzelnen Menschen bin ich schnell tief im Gespräch und das fühlt sich stimmig an. Das sind meinen großen Stärken als Moderatorin und in Einzelberatungen.

Nach dem Lesen des Buchs und dem anschließenden Test war für mich klar: Ich bin otrovertiert. Nicht introvertiert, auch wenn es manchmal so wirkt. Nicht extravertiert, auch wenn manche mich so wahrnehmen. Otrovertiert beschreibt es für mich am treffendsten.

Der Begriff setzt sich aus dem spanischen otro für anders und vert für Richtung zusammen. Wörtlich ist ein otrovertierter Mensch jemand, der in eine andere Richtung schaut. 1. Er muss nicht dazugehören, um glücklich zu sein.

Otroversion bedeutet für mich keinen Rückzug aus Angst, sondern eine klare Präferenz. Ich kann mit Menschen, ich kann auch mit Gruppen – aber ich wähle bewusst, wann und wie viel. Genau das tut mir gut.

Weil ich otrovertiert bin,

  • komme ich im 1:1 sehr schnell in tiefen Kontakt.
  • halte ich gern Vorträge, leite erfolgreich Seminare, bin eine gute Moderatorin und Trainerin. Mit der speziellen Rolle am Rand der Gruppe komme ich gut klar.
  • arbeite ich lieber eigenverantwortlich als im Team.
  • bin ich bewusst Solo-Selbständig.
  • ist die Mischung aus intensivem Kundenkontakt im Außen und der Ruhe im Homeoffice perfekt für mich.
  • feiere ich meinen Geburtstag nicht mehr und habe wenig Bedürfnis, Teil von klassischen Anlassfeiern zu sein. Wenn sich die Teilnahme nicht vermeiden lässt, übernehme ich gerne Organisatorisches vor Ort oder bin für Fotos zuständig.
  • gehe ich oft früh oder leise von Veranstaltungen mit vielen Menschen. Der polnische Abgang könnte Ines heißen. 2
  • treffe ich Freundinnen am liebsten einzeln.
  • habe ich Sozialkater, wenn ich viel Zeit in Gruppen verbracht habe.
  • meide ich volle Orte wie Einkaufszonen zur Rush Hour, große Konzerte oder Demonstrationen.
  • löse ich Beziehungen, die mir nicht guttun, konsequent auf.
  • ist mir ein individueller Kleidungsstil wichtig, unabhängig von Trends.
  • wusste ich schon früh ziemlich genau, was mir guttut und was nicht.

Was bedeutet das für mich?

Die Klarheit, die ich durch diese Erkenntnisse gewonnen habe, ist für mich unbezahlbar. Sie hilft mir, künftig bewusster zu entscheiden, welchen Situationen ich mich aussetze, weil sie mir wichtig sind, und welchen ich mich entziehe.

Auch meine Begründungen werden klarer. Damit werden sie für andere hoffentlich nachvollziehbarer und leichter zu akzeptieren.

Fühlst du dich eher introvertiert, extrovertiert oder kennst du dieses Anders-ausgerichtet-sein auch?

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  1. (Vgl. Vgl. Rami Kaminski – Wie schön es ist, nicht dazugehören zu müssen – Kailash Verlag 2025 Seite 16) ↩︎
  2. Fun Fact: Polnischer Abgang: besonders im Nordosten Deutschlands gebräuchlich. Französischer Abgang: häufig im Westen Deutschlands verwendet. Internationale Varianten: In Polen, Frankreich und Italien heißt es englisch gehen. In England sagt man to take a French leave. ↩︎

27 Antworten auf „Otroversion – die besondere Gabe: Bedeutung, persönliche Erfahrung und Lesetipp“

Über den Begriff otrovertiert habe ich vor kurzem in einer Zeitschrift gelesen.
So richtig fühle bzw. sehe ich mich weder intro-noch extrovertiert.
Ich mag Geselligkeit, mindestens aber genauso gerne Zurückgezogenheit.
Ob ich bei (vermeintlich) wichtigen Einladungen dabei bin oder nicht, ist mir herzlich egal.

In größerer Gesellschaft finde ich es oft schade, dass die Gespräche eher oberflächlich bleiben, dass sich meist die gleichen Grüppchen zusammentun und eher wenige mal Lust haben auch über den (Gruppen-)Tellerrand zu schauen.

Dass ich nicht mehr ständig präsent sein muss, genieße ich sehr.

So richtig gruppentauglich war ich besonders im privaten Bereich eh noch nie, mal abgesehen von der Segel-Truppe, die sich schon lange kennt und um die „Marotten“ eines jeden weiß.

Diese oberflächlichen Gespräche in größeren Gesellschaften mag ich auch nicht. Ich habe mich hinterer oft gefragt, warum ich mir das angetan habe. Dass ich seit 2020 erheblich weniger Einladungen zu solchen Veranstaltungen erhalten, ist mir eine Erleichterung.

Wie schön, dass du nicht mehr präsenter sein musst, als dir gut tut.

Das kann ich so gut nachfühlen, liebe Ines, denn es trifft auch auf mich zu. Es tut gut, dass es eine Bezeichnung dafür gibt und man sich positiv darin wiedererkennen kann.
Gerade als Seminarleiterin finde ich diese Veranlagung optimal. Man ist nie versucht sich der Gruppe allzu sehr anzupassen, sondern kann seinen Randstandpunkt professionell und beobachtend nutzen.
Alle Deine weiteren Punkte kann ich total verstehen und freu mich, dass Du nun nicht mehr soviel erklären musst bzw. es Dir leichter fällt.
Mir stehen derzeit auch zwei große Familienfeste bevor, die ich mit gutem Willen und möglichst viel innerer Eleganz meistern werde.
Also, lass uns ruhigen Gemüts otrovertieren, damit wir uns wohlfühlen!
Herzliche Grüße,
Sieglinde

„Das kann ich so gut nachfühlen, liebe Ines, denn es trifft auch auf mich zu.“

Damit hast du mich jetzt überrascht! Weil dir deine familiären Treffen, auch in größeren Runden, so wichtig sind, hätte ich das nicht gedacht. Es erklärt allerdings deine tiefe Erschöpfung und das Ruhebedürfnis danach.

@Seminarleiterin Und es hat den Vorteil, dass man bei Übernachtungen nicht versucht ist, abends mit der Grupppe zusammen zu versacken, sondern am nächsten Tag frischer als die ist, wenn man den Abend nach dem Essen alleine auf seinem Zimmer verbracht hat :).

„Innere Eleganz“

Was für eine schöne Formulierung. Die merke ich mir. Mein Mantra für diese Haltung lautet Anstand und Würde.

Komm gut durch die beiden Feste!

Klingt sehr gut. Aber der polnische Abgang könnte auch mit T beginnen 😂. Da gibt es reizende Geschichten.
Und ich sollte vielleicht auch mal einen Blick ins Buch finden.
Ich freue mich jedenfalls, dass du dich noch einmal gefunden hast.
Liebste Grüße und schönes Wochenende
Nicole

T und ich – Geschwister im Geiste :).
Das Buch liegt in hier sogar in Papierform, du könntest es ausleihen, wenn mein Mann irgendwann einmal mit Lesen fertig ist. Kann dauern …

Hab einen sonnigen Sonntag!

Obwohl ich mich in fast allen deinen Punkten wiederfinde, hat mich das Buch so gar nicht abholen können. Vielleicht, weil es so einen „ganz-oder-gar-nicht-Charakter“ hatte. Der Mensch ist halt einfach ein ganz schön komplexes Konstrukt – da passen solche Kategorien immer nur zu einem kleinen Teil.
Liebe Grüße!

Obwohl ich mich in fast allen deinen Punkten wiederfinde, hat mich das Buch so gar nicht abholen können. Vielleicht, weil es so einen „ganz-oder-gar-nicht-Charakter“ hatte. Der Mensch ist halt einfach ein ganz schön komplexes Konstrukt – da passen solche Kategorien immer nur zu einem kleinen Teil.
Liebe Grüße!

Schade, dass dir das Buch nicht gefallen hat. Ich habe es in einem Rutsch verschlungen. Gerade den „ganz-oder-gar-nicht-Charakter“ mochte ich, weil er oft meinen Gefühlen entspricht. Allerdings habe ich mich in zwei Punkten nicht wiedergefunden. Dabei dachte ich mir dann einfach, dass halt niemand in Reinform einem Typus entspricht und habe das für mich abgezogen.

Liebe Ines,
vielen Dank für den Buchtipp. Ich werde es sicher lesen. Ich finde mich bei vielen Aspekten wieder. Wie meine Vorgängerin meine ich auch, dass es keine reinen Typen gibt und auch Entwicklungen im Laufe des Lebens möglich sind. Ein reiner Gruppenmensch oder Partylöwin werde ich aber wohl aber nicht mehr. Es ist erleichtern zu wissen, dass die Menschen unterschiedlich sind und das das so sein darf. Entgegen der eigenen Bedürfnisse leben zu müssen ist soooo anstrengend.
Liebe Grüße Greta

Interessant ist für das Buch für dich auch aus beruflicher Sicht, auch wenn sich deine berufliche Laufbahn dem Ende zuneigt. Entgegen den eigenen Bedürfnissen zu leben finde ich vor allem anstrengend, wenn die Masse andere Bedürfnisse hat und wenn die Masse nicht mal anerkennt, was der andere für sie in Kauf nimmt. Inzwischen überlege ich daher sehr genau, für wenn ich mir was antue. Wann es mir meinen Preis für den Gewinn des anderen wert ist.

Ich glaube, dass sich ein Mensch im Laufe des Lebens verändern kann. Früher mochte ich Partys und war gern in Diskotheken. Heute kann ich keine Menschenmengen mehr ertragen. Tendenziell bin ich lieber in einer kleinen Gruppe. Im Beruf arbeite ich gern im Team, solange es übersichtlich ist.

Als introvertiert würde ich mich nicht bezeichnen. Als extrovertiert auch nicht.

Es gibt Phasen, in denen ich mich zurückziehe und welche, in denen ich viel Kontakt brauche.

Dass du dich als otrovertiert wiederfindest klingt einleuchtend. Du bist ja in allem sehr klar und strukturiert.

Liebe Grüße
Sabine

Partys mochte ich früher auch, nur Lärm mochte ich noch nie. Ich empfinde dich als offen – mit ruhigen und lebhaften Momenten.

Liebe Ines!
Um deine Klarheit und deine Eigenwahrnehmung bewundere ich dich. Du scheinst schon so weit auf deiner Reise zu sein und wie toll, dass dieses Buch dich noch ein paar Schritte weitergeführt hat. Ich selbst weiß oft nicht so genau, wo ich so stehe. Vielleicht sorgt dieses Thema auch für eine Horizonterweiterung bei mir. Mal sehen.

Von „otrovertiert“ habe ich heute zum 1. Mal gelesen und es macht mich neugierig. „In die andere Richtung“ schauen, gehen, denken. Das gefällt mir!
Aber wie viel davon zu mir passt, müsste ich herausfinden.
Allerdings weiß ich auch nicht, ob ich in eine der beiden anderen Kategorien falle.
Vor Jahren nannte mich eine Kollegin, die mich kaum kannte, „extrovertiert“ und es hörte sich wie eine Abwertung an. Die Bezeichnung hat für mich eher einen negativen Klang.
Ich mag allerdings gesehen werden, gehört werden, dabei sein. Auf Fotos oder beim Zumba findest du mich allermeistens in der 1. Reihe.

Aber es gibt auch die andere Seite. Manchmal fühle ich mich „ungesellig“ und verspüre kaum Lust auf große Veranstaltungen. Hafengeburtstag, Kieler Woche, großer Weihnachtsmarkt … schreckliche Vorstellung.
Partys z.B. in unserer Tanzschule mit Leuten, die ich kenne, besuche ich schon gerne, aber bis zum bitteren Ende bleibe ich nicht mehr.
Kleinere Einladungen aber bei Freunden oder in Familie mag ich sehr. Gespräche mit einigen guten Freundinnen sind sehr wertvoll für mich.

Und so habe ich das Gefühl, es ist von allem etwas da: mir genug zu sein mit mir und auch die Gesellschaft besonderer Menschen zu suchen und zu schätzen.
Das ist doch eigentlich auch schon mein eigener Weg, meine eigene Richtung.
In dieser Richtung werde ich wohl noch einmal nachdenken und am besten im Urlaub das Buch lesen.

Vielen Dank für den Tipp und liebe Grüße!

Viel Spaß beim Lesen! Egal, ob du dich darin wiederfindest (was ich nicht beurteilen kann), wirst du beim Lesen etwas lernen, was dich Personen im Umfeld besser verstehen lässt – zum Beispiel auch Kinder, die am Rande stehen, aber eigentlich nicht schüchtern sind.

Ich werde im Juni 55 – gerne hätte ich diese Erkenntnisse schon eher gehabt. Aber besser spät als nie …

Dass du das Gefühl hast, dass von allem für dich und in dir ist, finde ich total schön. Mehr im Reinen mit sich kann man da kaum sein, oder?

Liebe Ines,
sehr interessant, ich könnte mir vorstellen, dass es viele „Mischtypen“ gibt, bzw. Entwicklungen in die eine oder andere Richtung im Laufe des Lebens wechseln.
Ich schätze mich als extrovertiert ein, habe aber auch eine ungesellige und stille Seite. Dann müssen die Batterien aufgeladen werden. Das spiegeln im Gegenüber brauche ich auch nicht. Genieße es aber, mit wenigen Menschen an einer Sache (z. B. in meinem ehrenamtlichen Tun) zu „basteln“. Bei mir ist die Balance entscheidend. Sonst wird es mir zu viel und zu auslaugend.

Wie toll, dass du so viel Klarheit über dein Wesen gewinnen konntest. Warum gibt es diesen Begriff erst so spät? Das hätte dir auch schon als junge Frau sehr geholfen, oder?

Liebe Grüße
Susa

Auch extrovertierte Menschen brauchen mal eine Tankstelle, oder? Es ist so schön, dass du in deinem Ehrenamt eine Aufgabe gefunden hast, die dich erfüllt.

Ich habe bisher immer gesagt, dass ich unserer Familie als die Stille gelte, was mir Menschen, die nur mich aus der Familie kennen, nicht glauben. Die lachen darüber einfach! Frech, oder? Meine Familie hält mich halt eher für introvertiert, andere sehen auch extravertiere Seiten.

Denn Begriff und das Wissen darum hätte mir bereits mit 5 Jahren geholfen (bzw. meinen Eltern das Wissen darum und den Umgang mit mir). Nachdem Lesen des Buchs habe ich meine Zeugnisse bis zur 10. Klasse alle weggeworfen. Den Stempel „Sie ist zu still“, weil ich mich in den Klassen unwohl gefühlt habe, habe ich damit endgültig abgelegt. Ich wollte schon damals einfach meine Ruhe haben und nicht überredet werden, als einzig fremdes Kind zu Faschingspartys zu gehen, im Skikurs zu sein oder an einem Ferienlager teilzunehmen. Später habe ich gelernt, mich einigen Verpflichtungen, Betriebsausflügen zum Beispiel, zu entziehen. Es wäre aber einfacher und vielleicht gesellschaftsfreundlicher gewesen, wenn ich das verständlicher hätte begründen können als damit, dass ich mich damit einfach nicht wohl fühle oder danach so traurig und leer bin. Gerade Letzteres verstehen nämlich nur wenige Menschen.

Und nun freue ich mich einfach, dass ich es jetzt besser weiß. Eine Gemeinschaftsveranstaltung, auf die ich aus dem Grund keine Lust habe, habe ich gerade zum Beispiel meinem Mann zu Liebe bewusst zugesagt und wir haben jetzt schon vereinbart, dass ich direkt nach dem Essen den polnischen Abgang mache – der Hund muss raus, falls jemand fragt – und er alleine länger bleibt. So hat er ein bisschen gemeinsamen Teil für ihn und ich kann die Stunde besser aushalten, weil die Exit-Strategie steht. Win-win!

Das ist schön, dass Du für Dich einen Namen gefunden hast. Als ich schon den Buchtitel betrachtet habe, wusste ich worauf es hinausläuft.☺️ Und ich kenne Dich nur virtuell. Für mich sind solche Begriffe irgendwie Schubladen und es gibt viele Menschen, die da nicht reinpassen. Ich bin mir sicher, dass ich mich mit dem älter werden verändert habe. Wäre ich früher gern zu Silvesterpartys gegangen, würde ich jetzt lieber um 22 Uhr, wie immer, ins Bett gehen.
Habe ich früher immer alles gefeiert und war bis zum Ende auf meine Gäste fokusiert, lade ich jetzt eher selten ein. Einfach weil es mir zu viel wird, länger als 2-3 Stunden nur auf meine Gäste konzentriert zu sein. Ich räume dann schon mal auf, erwische mich, dass ich jetzt lieber Ruhe hätte oder müde bin. Wer Gäste hat, kann schlecht den polnischen Abgang machen.😅 Deshalb überlege ich genau, wenn ich einlade. Ich verlasse oft als erste eine Feier, aber ich verabschiede mich zumindest bei einem der Gastgeber unauffällig. Einfach so gehen kann ich nicht, das gehört sich irgendwie nicht.🤭
Otrovertiert habe ich vorher noch nie gehört. Ich habe auf alle Fälle wieder etwas gelernt heute bei dir.
Ich wünsche eine gute Nacht, mein Bett ruft.☺️ Liebe Grüße Tina

Guten Morgen, es ruft ein neuer Tag!

Was die Feiern angeht, fühle ich das ähnlich. Vor zehn Jahren habe ich noch total gerne mehrere Menschen zeitgleich eingeladen, heute habe ich am liebsten nur zwei zur Zeit zu Besuch.

„Wer Gäste hat, kann schlecht den polnischen Abgang machen.“

Wenn der Göga wach bleibt, schon. Ich bin, ebenso wie mein Mann, auch einfach schon ins Bett gegangen, wenn noch Gäste da waren, wenn der andere sich noch gerne weiterunterhalten hat. Mag man aber nicht mit jedem Gast machen, das verstehe ich.

Aufräumen, Küche machen, Geschirrspüler räumen – sowas ist auch mein Rückzugsgebiet, wenn mir Besuch zu viel wird, Und der Hund muss dann auch wirklich raus und das kann dann schon mal länger dauern …

Vielen Dank für deine Offenheit und den doch sehr persönlichen Einblick in dein Leben. Als ich deinen Beitrag gelesen habe, war ich sehr überrascht und beeindruckt. Ich finde mich darin mit meiner Seele wieder, konnte die Situation nicht erklären, so wie du es jetzt so treffend beschrieben hast. Ich werde das Buch unbedingt lesen, vielleicht kann ich andern erklären, wie es mir geht. Aber vermutlich interessiert es nur die, die ich wirklich nah an mich heran lasse. Alle anderen dürfen mir gerne gestohlen bleiben. Das sind die Pflichttermine, die sein müssen mit zusammen gebissenen Zähnen. LG Caro

Tatsächlich habe ich etwas gezögert, diesen so persönlichen Beitrag öffentlich zu schreiben. Und bin zu der Erkenntnis gekommen, dass es nun einmal ist, wie es ist. Wer mich so nicht will, bei dem bin ich eh falsch- privat wie geschäftlich.

Was hat dich überrascht und beeindruckt?

Wenn du dich in dem Beitrag wiederfindet, wird das Buch dir Erkenntnisse bringen.

Vielleicht verstehen wir uns wegen dieser ähnlichen Empfindungen so gut!

Mich hat überrascht, dass es dies überhaupt so gibt. Beeindruckt hat mich dein „Geständnis“. LG Caro

Liebe Ines,
vielen Dank für die Vorstellung dieses interessanten Buches.
Ich habe mir dazu auch schon immer wieder Gedanken gemacht.
Interessiere mich stark für Menschen und warum sie sich wie verhalten.

Über Otroversion habe ich vorher noch nie etwas gehört.

Für mich war der Begriff auch total neu. In Suchmaschinen findest du einige interessante Artikel dazu aus dem letzten Jahr. Die geben dir einen guten Überblick,den du bei Bedarf mut dem Buch vertiefen kannst.

Liebe Ines,
interessanterweise schickte mir letzte Woche eine Bekannte einen Link zu einem Insta-Beitrag über Otroversion, weil wir in meinem Blog im letzten Jahr ja das Thema „Sich fremd in der Welt fühlen“ hatten und nun finde ich es bei Dir. Danke für den Buchtipp, ich werde es mir gerne mal anschauen. Ich freue mich, dass Du Dich da wiedergefunden hast und Dich das erleichtert. Ob ich mich selbst da wiederfinde, kann ich so noch nicht sagen. Ich glaube wie Bine und Tina, dass dieses Gefühl des anders seins oder anders empfinden auch mit dem älterwerden kam und sich manches eben verändert.
Liebe Grüße
Britta

Wenn du in das Buch reinliest, wirst du schnell merken, ob du dich darin wiederfindest. Bei mir war dieses Gefühl schon immer da, nicht erst jetzt Ü50.

Ich habe viele Jahre gebraucht, inklusive 4 Jahre Psyhotherapie, um zu begreifen, was mit mir los ist. Berufsbedingte Ortswechsel spülten stets neue Bekannte in mein Umfeld, die ich zu meinem eigenen Erschrecken auch immer wieder leicht losließ. Sollte ich mich schuldig fühlen? Warum hatte ich nur so wenige echte Freunde? Um nicht zu sagen, gar keine. Das vermisste ich schon, aber irgendwie war es auch ok so. Ich hatte verstanden, dass Hochbegabte tendenziell allein sind, das war messbar, aber als Erklärung unzureichend und unbefriedigend.
Nach der Lektüre dieses Buches lehne ich mich nunmehr ein Stück weiter entspannt zurück, atme tief durch und denke:“ So verrückt bist du nun auch wieder nicht und allein heißt nicht einsam.“
Vielleicht lerne ich ja nochmal jemanden wie mich kennen……..

Danke für deine persönlichen Worte zu dem Thema. Aus meiner Erfahrung kann ich sagen: Ein Leben funktioniert auch mit einem Partner, der nicht otrovertiert ist, wenn er versteht und akzeptiert, dass man bestimmte Dinge nicht möchte oder Rücksicht darauf nimmt, wie man sich dabei fühlt. Das setzt allerdings ein hohes emotionales Bewusstsein und Kommunikationskompetenz voraus. Mit Partnern, die das bei mir gar nicht verstanden haben und einfach nur albern fanden, was mir Familienfeiern oder große Feste zum Beispiel abverlangen, hat es nicht funktioniert.

Alles Gute für deinen Weg!

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