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Lesegespräch – Wenn eine Ehe plötzlich zerbricht

Werbung – Rezensionsexemplar

Fremde von Belle Burden

Fremde
Belle Burden

Hardcover, Schutzumschlag, 304 Seiten
978-3-442-49739-3
Übersetzt aus dem Amerikanischen von Charlotte Breuer
Originaltitel Strangers. A memoir of Marriage, Originalverlag The Dial Press (PRH)
Deutsche Erstausgabe, erschienen am 12. August 2026 im Luchterhand Literaturverlag (Werbung). Ich habe es als E-Book gelesen.

„An einem kühlen Märztag 2020, zu Beginn der Pandemie, verkündet Belle Burdens Ehemann ohne Vorwarnung, dass er sie verlässt. Zwanzig Jahre sind sie verheiratet. Zuvor haben sie im Ferienhaus der Familie auf Martha’s Vineyard einen ganz normalen Tag verbracht: Feuer im Kamin gemacht, Whiskey Sours getrunken, Hähnchen gegrillt. Plötzlich wird aus dem zuverlässigen Ehemann und Vater ein Mensch, den sie kaum wiedererkennt. Er verlässt ihr gemeinsames Leben wie ein Schauspieler, der sein Kostüm ablegt. Mit fünfzig bricht für Belle Burden eine Welt zusammen. Mitten im Schock und Schmerz der Trennung muss sie erfahren, wie naiv es war, ihrem Mann blind zu vertrauen. Kennt man den Menschen, den man liebt, wirklich? Während sie auf schonungslos ehrliche Weise nach der Wahrheit sucht, erwächst in ihr eine beeindruckende innere Stärke. Aus der schüchternen, scheuen Belle, die sich in die Rolle einer traditionellen Ehefrau und Mutter wie selbstverständlich eingefunden hatte, wird eine Frau, die die Kontrolle über ihr Leben zurückgewinnt.“

Verlagstext Belle Burden, Fremde, Luchterhand Verlag 2026

Chat zum Memoir Fremde mit Leserin Susa Berg

Ines: Hast du das zufällig gelesen? Suche jemanden, der es auch gelesen hat, zum Dialog darüber im Blog bei meiner Rezension. Ich tue mich schwer mit dem Buch.

Susa: Gerne! Ich besorge es mir als Print und melde mich!

Ines: Jetzt bin ich gespannt. Was ist dein Eindruck von dem Buch bzw. Belle Burden?

Susa: Nun … ich bin weder vom Buch noch von der Hauptperson, Belle Burden, begeistert. Es hat mich nicht berührt, ihre Geschichte zu lesen, und ich fand sie jetzt auch nicht so sympathisch, warmherzig.

Ines: Bei meiner Anfrage an dich hatte ich ja schon geschrieben, dass ich mich schwer mit dem Buch getan habe. Den Austausch mit dir dazu habe ich mir zum Abgleich gewünscht, ob ich es vielleicht einfach nicht verstehe oder ob mir es nur subjektiv nicht gefällt.

Tatsächlich ging es mir ähnlich. Weder die Person noch die Geschichte haben mich erreicht. Das Lesen hat mich insofern berührt, als dass es Aggressionen in mir geweckt hat. Auch das ist ja eine Form der Berührung. Emotionen hat die Lektüre also durchaus ausgelöst. Weil mir Belle Burden aber unsympathisch ist in dem, was ich in dem Buch über sie erfahren habe, hatte ich kein Mitgefühl mit ihr.

Susa: Ich habe schon bald gemerkt, worauf die Ehegeschichte hinausläuft. Hinmelhochjauchzend und zu Tode betrübt. Dazwischen gab es wenig. Schwarz oder weiß. Ich konnte für niemanden in der Geschichte gute Gefühle entwickeln und ja, Belle und ihre Art haben mich auch nervös gemacht.

Ines: Ich stimme dem Verlagstext zu, dass sie nach dem ersten Zusammenbruch auf der Suche nach der Wahrheit und ihrer neuen Rolle in der Welt Stärke zeigt und daran wächst. Allerdings frage ich mich die ganze Zeit, wie man so naiv sein konnte, ihr Leben wirtschaftlich so in die Hände ihres Mannes zu geben, wie sie es getan hat.

Sie ist studierte Juristin, gebildet und aus reichem Haus. Da hätte ich anderes erwartet. Und nicht zu wissen, dass der Mann Millionen scheffelt, aber knauserig beim Haushaltsgeld ist, lässt mich an die 1950er Jahre denken. Vielleicht bin ich zu deutsch in meiner Denke und kenne mich in der amerikanischen Upper Class zu wenig aus?

Susa: Ja genau, wie kann es sein, dass eine junge Juristin aus sehr, sehr reichem Elternhaus so, entschuldige bitte, dämlich ist, sich beim Ehevertrag so übers Ohr hauen zu lassen? Und so blauäugig, ihre Altersvorsorge bzw. Vermögensanteile für gemeinsame Immobilien auszugeben, die beiden gehören?!?

Vieles war auch für mich nicht nachvollziehbar an ihrem Handeln oder erschien mir unlogisch. Zum Beispiel schreibt sie oft, die feine Gesellschaft auf ihrer Ferieninsel hätte sie gemieden oder geschnitten. Trotzdem erwähnt sie Einladungen zu Cocktailpartys. Dann die Sache mit dem Familienhund. Für eine Woche in eine Hundepension geben und nach 3 Monaten beiläufig erwähnen und wieder abholen.

Ines: Einige Handlungen konnte ich auch nicht nachvollziehen – weder in ihrer Ehe-Geschichte noch im Ehe-Ende-Schock. Logikfehler haben mich weniger gestört, mich hat ihr Baden in Selbstmitleid genervt. Ich habe schon gesehen, dass sie das als Verarbeiten sieht. Empfunden habe ich das anders.

Den Hund kommentarlos drei Monate wegzugeben, fand ich auch krass. Sowas nehmen Kinder doch auch nicht klaglos hin, oder? Insgesamt hat mich die Passivität der Kinder in der Situation überrascht. Das finde ich unrealistisch.

Susa: Da wurde ich dann allmählich auch aggressiv und hätte fast aufgehört zu lesen. Und die Kinder … im Äffchen-Schlafanzug als Teenager! Der Sohn ist total abwesend und lieber mit Freunden (alle aus ebenso stinkreichen Familien) zusammen.

Ines: O.K. – wir sind uns einig, dass man das Buch nicht gelesen haben muss. Wäre es kein Rezensionsexemplar gewesen, hätte ich es nicht zu Ende gelesen. Warum ist es das Buch dann dennoch so erfolgreich, so gefeiert, ein Bestseller?

Susa: Ich glaube, in Amerika ist es so erfolgreich, weil die Upper Class geschildert wird. Ich fand alle Beschreibungen sehr blutleer, gefühlsarm und oberflächlich.

Nur das Kaminfeuer aus vier verschiedenen Holzsorten, die Dutzende Luxusuhren ihres Mannes, Motorräder, Schlüssel zum Privatstrand – was für ein Liebesbeweis – wurden ausführlich beschrieben. Dann die minimalistische Einrichtung und alles voller Sammlungen … und Zeug. Das machte das amerikanische Lesepublikum vielleicht neugierig?

Ines: In den USA war es monatelang der gefeierte #1-New York Times-Bestseller. Kann gut sein, dass du recht hast, dass Amerikaner den Einblick in das Leben in der Upper Class schätzen.

Susa: Einzig die Geschichte um die Adler war schön und stringent beschrieben. Vielleicht ein Sinnbild für Treue und Familie? Und die Passagen, in denen es um ihre Versuche des kreativen Schreibens ging, waren interessant.

Ines: Die Geschichte um die Adler, die auf dem Grundstück brüten und jedes Jahr wieder kommen, mochte ich auch. Es war ein schöner Rahmen, diese kleinen Intros mit den Adlern zu einigen Kapiteln. Wie die Autorin zum Schreiben gekommen ist, fand ich gut.

Susa: Ich glaube, in Deutschland wird das kein großer Erfolg. Es ist so glattpoliert und unpersönlich. Der Buchtitel ist passend. Fremd ist sie mir auch geblieben. Die ganze Familie.

Ines: Durch die Präsenz in der Presse wird es sich sicherlich verkaufen. Wir haben es ja auch beide gelesen …

Fazit

Ines: Wir sind froh, nicht so zu leben, und passen besser auf uns auf, auch wenn man nie weiß, was kommt?

Susa: Auf Rosen gebettet zu sein bedeutet ja auch, dass dort einige fiese Dornen lauern! Aufpassen und nie vor lauter Liebe blind durchs Leben laufen.

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4 Antworten auf „Lesegespräch – Wenn eine Ehe plötzlich zerbricht“

Es ist schon interessant, dass gleich zwei Leserinnen dieses Buch ähnlich beurteilen. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass es in den USA oft so abgeht in der sogenannten „Upperclass“. Vielleicht ist es deswegen dort ein Beststeller.

Liebe Grüße
Sabine

Guten Morgen,
Eure Ablehnung macht mich neugierig, ich höre bei Audible mal rein. Dort gibt es auch sehr unterschiedliche Meinungen…
Ohne weitere Kenntnis des Inhalts möchte ich behaupten, dass in den USA noch ein sehr viel konservativeres Frauenbild herrscht, als bei uns. Vor allem in den oberen Schichten. Ich kann mir durchaus vorstellen, dass man sich dort viel weniger Gedanken über das Zerbrechen einer scheinbar stabilen Beziehung und Zukunft macht. Und das unabhängig von Bildung.
Ohnehin kann man in den sozialen Medien konservative Trends beobachten, nicht generell, aber durchaus bemerkbar. Es ist wohl der Wunsch nach heiler Welt.
Ich bin froh, dass mich das nun gar nicht umtreibt, auch wenn die Welt gerade etwas unsicher ist.
Einen schönen Tag wünscht
Susanne

Ich finde es ausgesprochen cool, WIE ihr das Buch rezensiert. Und ich denke, dass es auch in der Nicht-Upper Class solche Fälle gibt. Nein, ich weiß es.
Am Anfang, nach dem Klappentext, dachte ich, es wäre gut.
Jetzt…
Danke für die offene und ehrliche Beschreibung.
Liebe Grüße
Nicole

Danke für die Besprechung. Erst jüngst las ich „Der letzte Sommer auf Nantucket“ von Elin Hilderbrand, in dem gut beschrieben wird, wie die reiche Gesellschaft der amerikanischen Ostküste funktioniert. Eure Buchbeschreibung bestätigt das. Der darin geschilderte Kriminalfall am Rande ist m.E. nicht so vorherrschend, viel interessanter ist das Buhlen der feinen Gesellschaft um die Gunst unfassbar reicher Neuankömmlinge auf der Insel. Und es ist zutreffend, dass dort noch ein anderes, viel konservativeres Frauenbild gelebt wird.

Also: das von Euch beschriebene Buch hat mich jetzt erst recht neugierig gemacht, und ich bin gespannt, welche Parallelen es zu dem von mir gelesenen Buch gibt.

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