Standpunkt: Schönheitsoperationen

Ines Meyrose in den 70er Jahren

Was ist eine Schönheitsoperation und was medizinische Notwendigkeit? Darüber streiten sich Patienten, Ärzte und Krankenkassen vermutlich täglich. Wenn ich gefragt werde, was ich über Schönheitsoperationen denke, sage ich spontan, dass ich dagegen bin. Ausnahmen: unfall- oder krankheitsbedingte Veränderungen.

Dann fällt mir ein, dass ich als Kind mit 7 oder 8 Jahren selbst eine Schönheitsoperation bekommen habe. Weil das schon so lange her ist, ist es nicht präsent in meinen Gedanken. Das ist dann der Moment, in dem ich meinen Gedanken eine Kurskorrektur verordne und sage: Ja, es gibt Schönheitsoperationen, die das Leben der Betroffenen deutlich verbessern. Allerdings sind das dann oft diejenigen, bei denen auch die Krankenkasse eine Notwendigkeit sieht und die Kosten nach Möglichkeit übernimmt. Meine OP hat die Techniker Krankenkasse damals bezahlt, nachdem ein Gutachter bestätigt hat, dass ich darunter unzumutbar leide. Aber es ist und bleibt eine Schöhnheitsoperation.

Mit Messer

Was ich habe machen lassen, brauche ich wohl nach einem Blick auf die Fotos nicht mehr zu gestehen, oder? Diese Segelohren, vererbt aus der Familie meines Vaters, guckten ständig zwischen meinen inzwischen glatt gewordenen Haaren heraus und ich wurde damit gehänselt. Meine Freundinnen lachen heute noch darüber, wenn sie alte Fotos sehen. Mitlachen kann ich nicht.

Ines Meyrose in den 70er Jahren

Meine Eltern haben mir theoretisch die Wahl gelassen. Praktisch hieß das: “Wenn du Ohrringe und/oder kurze Haare haben willst, nur mit OP. Wir lieben Dich mit den Segelohren, aber die gehören nicht noch betont.”

Mein Bedürfnis nach Normalität und die in Aussicht gestellten Ohrringe haben mir die Entscheidung leicht gemacht. Bereue ich sie? Nein. Kann ich die OP uneingeschränkt empfehlen? Auf keinen Fall. An die Schmerzen erinnere ich mich als wäre es gestern gewesen. Die Ohren liegen unterschiedlich nah an, was meine recht verschiedenen Gesichtshälften nicht gerade ausgleicht.

Viel unangenehmer ist allerdings, dass die Narben hinter dem Ohrläppchen bis heute in über 30 Jahren nicht richtig verheilt sind. Sie sind etwas wulstig und neigen zu kleinen Entzündungen. Helfen könnte laut meinem Arzt nur eine OP, in der die Narben herausgeschnitten werden und die gesunde Haut daneben neu zusammen genährt wird. Leider ist da ja aber kaum Haut über – woher soll die kommen? Und das die neuen Schnitte besser verheilen kann, auch keiner garantieren. Also bleibt es lieber, wie es ist. Mal nervt es mehr – mal merke ich nichts davon.

Ohne Messer

Zum Thema Botox denke ich, dass ich mir kein Nervengift in den Körper injizieren lassen möchte. Hyaluronsäure in Spritzenform bin ich schon aufgeschlossener gegenüber. Nicht gegen Lachfalten, zu denen stehe ich, sondern gegen die Zornesfalte auf der Stirn mittig über den Augen. Bisher habe ich das nicht ernsthaft in Erwägung gezogen, lehne es aber nicht mehr so vehement ab wie noch vor einigen Jahren. Bis auf weiteres versuche ich es mit weniger kritischen Blicken und (noch) mehr Sonnenschutz gegen das Zusammenkneifen der Augen.

Wie geht es dem Umfeld damit?

Ich bin überzeugt davon, dass wenn jemand zufrieden mit seinem Äußeren ist, das zu einer positiven Ausstrahlung beiträgt. Wenn jemand glücklicher mit veränderten Brüsten, anliegenden Ohren, kleineren Nasen, volleren Lippen, anderem Kinn oder was auch immer ist, wünsche ich dem dauerhafte Zufriedenheit damit. Ganz gruselig finde ich, wenn dann eins zum anderen kommt und am Ende die Ursprungsperson kaum noch zu erkennen ist.

Mit geht es oft so, dass beim Anblick einiger Menschen sehe, dass etwas nicht stimmt. und dann später erfahre, dass etwas gemacht wurde. Das finde ich dann nicht postiv. Optisch macht die Natur also doch nicht so viel falsch, wie wir manchmal denken – medizinisch gesehen leider doch.

Stand 2013

Mein Busen bleibt zu groß, meinem Speck rücke ich nicht zu Leibe und meine Falten dürfen bleiben. Das alles ist mühsam erlebt. Ich stehe dazu und bin froh, dass sich die Frage mit den Ohren nicht mehr stellt.

Was denkt Ihr über das Thema?

14 Gedanken zu „Standpunkt: Schönheitsoperationen

  1. Ich bin da ganz deiner Meinung. Ich selbst würde an mir nicht “korrigieren” lassen, obwohl es sicherlich aus Sicht manch Skalpell wütiger Frauen etwas zu korrigieren gäbe (Reiterhosen). Aber das bin nun einmal ich und ich bin trotz kleinerer Makel zufrieden und glücklich mit mir.

    Wenn andere von sich selber meinen, sie müssten etwas FÜR SICH machen lassen, dann sollen sie es bitteschön tun; aber keinesfalls andere Personen mehr oder weniger nötigen, sie müssten selbst was machen lassen.

    Oder, was ich ganz grausam finde, es aus Liebe zum Partner / zur Partnerin machen zu lassen, obwohl man selbst vielleicht nicht wirklich davon überzeugt ist und so hofft, den Partner / die Partnerin halten zu können.

    Eingriffe wie der von dir geschilderte und medizinisch unterstützte wie eben Segelohren-Korrektur, Hasenscharte etc gehören für mich persönlich nicht in die Kategorie Schönheitsoperation.

  2. Ich würde mich anschließen. Operationen aufgrund von Krankheiten oder Unfällen finde ich in Ordnung. Aber ich würde mir wünschen, dass Akzeptanz und Bewusstsein sich selbst gegenüber zunehmen würden. Schönheit liegt im Auge des Betrachters.

  3. Eine Intimrasur zählt für viele zur normalen Körperpflege. Doch nicht jedem gefällt, was sich unter den Haaren verbirgt. Als Ausweg sehen manche nur eine Schönheitsoperation. Dabei nehmen sie erhebliche Risiken in Kauf, häufig werden die Eingriffe verharmlost.

  4. Pingback: Outfit 7. Juli 2013 | meyrose

  5. Pingback: Sommertrend 2014: Schmetterlinge | meyrose

  6. Liebe Ines,
    Es gibt da ein Sprichwort, welches ich sehr schätze, “Zu wenig und zu viel ist aller Narren Ziel”. Nun, ein Zuwenig kann es hier natürlich niemals geben, wohl aber ein Zuviel ;-)
    Liebe Grüße,
    Claire

  7. Liebe Ines, oh warst du ein süßes Mädel! Und du bist in dem Kind von damals nach wie vor gut zu erkennen, das gleiche etwas spitzbübische Lächeln! Ehrlich gesagt wären mir durch dieses ablenkende wundervolle Grinsen deine Ohren gar nicht aufgefallen, aber ich sehe durch deinen Hinweis, was du meinst. Der Vater meines Kindes hat übrigens die gleiche Op. hinter sich wie du. Und durch meinen Aufenthalt in einer HNO-Kinderstation mit 6 Jahren (als mir die Mandeln entfernt wurden) weiß ich auch, dass das eine schmerzhafte Angelegenheit sein muss, denn wir “Tonsillen-Kinder” waren allesamt nach einem Tag wohlgemut und schlossen Freundschaften, während der eine Bub, der die Ohren gerichtet bekommen hat, nur die ganze Zeit weinte.
    Als ich Jahrzehnte später schwanger wurde, meinte mein damaliger Gynäkologe (nicht der mit der Hyaluron-Gattin, aber auch einer, der so seine Mängel hatte ;o)), es würde ein Sohn werden, und ich stellte mir mein zukünftiges Kind so vor: Ein rothaariger, blasser, sommersprossiger Schlaks mit großen abstehenden Ohren. Ich liebte “Jan” mit seinen großen Ohren und Sommersprossen von ganzem Herzen, auch wenn er mir schon pränatal leidtat. Immerhin war ich wegen meiner roten Haare verspottet worden und er hätte dann noch ein zusätzliches Problem… Als sich bei der Geburt herausstellte, dass das Kind nicht von allein aus mir herauskommen würde, scherzte ich kurz vor der Narkose für den Kaiserschnitt noch mit dem medizinischen Personal, dass “er” wohl mit seinen Ohren hängengeblieben sei. Letztendlich war Jan dann eine Jana und nicht rothaarig, sondern brünett. Die Ohren aber waren wirklich ziemlich groß – und ich überlegte so wie deine Eltern, ob mein Kind eines Tages eine Ohrenoperation brauchen würde, damit es sich Spötteleien erspart. (Dabei ist das so traurig, in anderen Kulturen gelten Menschen mit großen Ohren als besonders intelligent! Und Menschen mit heller Haut oder mit roten Haaren übrigens als besonders attraktiv. Und alte Menschen mit vielen Falten als verehrenswert. Es kommt immer darauf an, wo man geboren wird….) Aber offenbar hat sich diese Sache bei Jana von selbst “ausgewachsen” bzw. die Ohren waren zwar groß, aber sie standen nicht so stark ab wie bei ihrem Vater, als er noch ein Kind war. Mit längeren Haaren ließen und lassen sie sich durchaus gut kaschieren…
    Diese Art von “Schönheitseingriffen” kann ich jedenfalls gut verstehen, und auch wenn ein Mensch eine extrem große Nase hat und sich dadurch entstellt fühlt, ist das für mich nachvollziehbar. Es ist halt die Frage, wo man die Grenze zieht. Manche Menschen haben ganz normale oder sogar ziemlich hübsche Nasen und lassen sich irgendein Standardmodel verpassen, die Backenknochen und das Kinn und den Busen richten – und ja, dann haben sie wirklich keine Ähnlichkeit mehr mit sich selbst – und mit dem Kind, das sie mal waren. Ich denke, das ist auch eine Form von Selbstzerstörung…
    Ich danke dir sehr für deinen tollen Beitrag – freut mich, dass du ihn nachgereicht hast, er passt perfekt zum Thema! Und ich freue mich außerdem sehr auf dein angekündigtes neues Posting!!! :o)
    Alles Liebe und herzlichste Lachfaltengrüße
    von Traude

  8. Zustimmung, bleib so wie du bist, es passt !
    Ich schließe mich deiner Meinung an und meine Lachfalten liebe ich.
    Im ersten Post musste allerdings mein Mann dafür her halten, er hat noch ein paar mehr ;-)
    ♥liche Grüße

  9. Das sehe ich auch so. Besonders die Narbenbildung nach Operationen überdenken viele VORHER leider nicht.
    Oder wenn ich an die Nasen-OPs denke, wie oft man sowas machen kann. Wenn der Knorpel hin ist, geht nichts mehr ;-)
    Man erkennt Dich aber schon an Deinem Lächeln – obwohl ich Dich ja nur von den paar Fotos “kenne”. :-)

    Liebe Grüße auch hier
    Sara

  10. Liebe INES, eben erst lese ich deinen wirklich sehr interessanten Beitrag und wenn ich etwas dazu zu sagen hätte, würde ich meinen, wenn der Grad der beeinträchtigung bei einem kleinen Mädchen so groß durch die abstehenden Ohren ist wie es äußerlich wirkt, dann würde ich es als Eltern immer schon in ganz jungen Jahren machen lassen, man weiß wie sehr und quälerisch die Kids in der Schule gehänselt und difamiert werden, wieviel Lebensqualität man ihnen schenken kann und wie viel ihnen durch diesen kleinen Eingriff erspart bleibt wohingegen Jungs durchaus ( man sieht es an Charles) damit akzeptiert werden wenn sie einen Namen tragen der sie schützt um nicht als lächerlich betrachtet zu werden, jedenfalls haben sie es leichter…ich bin dafür…
    herzlichst Angelface

    • Danke für Dein Verständnis. Meine Eltern hätten das auch gerne bei mir schon eher machen lassen, aber die Ärzte hätten das vorher nicht gemacht. Der Kopf und die Ohren brauchten wohl erst eine gewisse Größe und Ausgewachsenheit, damit die OP mit den damaligen Mitteln sinnvoll gemacht werden konnte.
      Herzliche Grüße
      Ines

  11. :-) Liebe Ines,
    ich bin geteilter Meinung, was Schönheitsoperationen angeht. Zu viel ist nie gut. Und Deine Ohren-OP kann ich verstehen.
    Liebe Grüße :-)

Kommentare sind geschlossen.