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Lesetipp: Jeanne, Iris & Théo – Wenn Fremde Familie werden

Werbung – Rezensionsexemplar

Unser Tag ist heute von Virginie Grimaldi

Unser Tag ist heute
Virginie Grimaldi

Paperback, Klappenbroschur, 336 Seiten
Deutsche Erstausgabe
Aus dem Französischen von Maria Hoffmann-Dartevelle
Originaltitel Il nous restera ca
Originalverlag Éditions Fayard, Paris 2022
ISBN 978-3-328-60329-0
Erschienen am 13. März 2024 im Penguin Verlag (Werbung)
Bestellmöglichkeiten und eine Leseprobe findest du auf der Verlagswebsite. Ich habe es als E-Book gelesen.

„Jeanne, 74, hat kürzlich ihren Mann verloren und findet sich in einer einsamen und finanziell prekären Situation wieder. Iris, 33 und schwanger, ist einer toxischen Beziehung entflohen, versteckt sich in Paris, wo sie aus dem Koffer lebt, und sucht nach einer Unterkunft. Théo, 18, Konditorlehrling ohne festen Wohnsitz, hat Jahre im Heim hinter sich, Erinnerungen an eine desolate Kindheit im Gepäck und braucht ebenfalls dringend eine Bleibe.

Geplagt von Geldsorgen kommt Jeanne auf die Idee, einen Untermieter in ihre große Pariser Wohnung aufzunehmen. Aus einem werden zwei, und so findet sich eine auf den ersten Blick ungewöhnliche WG zusammen. Eine Schicksalsgemeinschaft, aus der bald so viel mehr wird: Ersatzfamilie und Freunde fürs Leben.“

Verlagstext – Virginie Grimaldi, Unser Tag ist heute, Penguin 2025

Weil Jeanne sich nicht zwischen Iris und Théo als Untermieter entscheiden kann, räumt sie ein Zimmer mehr frei als geplant und stürzt sich als Rentnerin ins WG-Leben. Zuerst zieht sich Jeanne sehr zurück, weil sie die Anwesenheit fremder Menschen in ihrer Wohnung nicht gewohnt ist.

Es dauert nicht lange, bis die drei wie zufällig gemeinsam zu Abend zu essen beginnen und sich die Leben verweben. Sogar Jeannes Lust aufs Nähen, das sie nach Pierres Tod eingestellt hat, kommt zurück. Sie war über 40 Jahre Schneiderin bei Dior und kann aus Stoffresten Traumstücke zaubern. Jeannes Dackel Boudine freut sich über das neue Gassi-Personal.

Ein zaghaftes Abtasten von Nähe- und Distanzbedürfnis führt am Ende dazu, dass die drei erst Freunde und dann eine Ersatzfamilie füreinander werden und sich gegenseitig beschützen.

„Es gibt Bindungen, die Jahrzehnte brauchen, um sich zu festigen, während andere schon nach kurzer Zeit unauflöslich sind. Diese Bindungen sind Gewissheiten.“

Virginie Grimaldi, Unser Tag ist heute, Penguin 2025, Iris auf Seite 301 im E-Book

Iris braucht Schutz vor ihrem Ex-Partner Jérémy, der sie stalkt und klein halten will. Er spielt sich als ihr Retter und Beschützer auf, will ihr jedoch nur schaden. Sie hat lange gebraucht, um das zu erkennen. Jetzt gibt es für sie kein zurück mehr.

Théo hat so lange im Schutz der Einsamkeit im Heim gelebt, dass er sich sofort in seine Höhle zurückzieht, wenn irgendetwas ihm zu nahe kommt.

Die beiden bringen Leben in Jeannes Bude und finden Mut, sich ein erwachsenes Leben aufzubauen.

„Inzwischen glaube ich nämlich, es ist normal, nicht normal zu sein.“

Virginie Grimaldi, Unser Tag ist heute, Penguin 2025, Théo auf Seite 163 im E-Book

Jeanne wird von dem betrügerischen Medium Monsieur Kafka ausgenutzt, der angeblich mit Pierre kommuniziert. Sie besucht Pierre täglich zu einer festen Zeit auf dem Friedhof als Ritual des Trauerns und zum Aufrechterhalten der Bindung. Ihr Weg in dem Roman ist der in ein Leben ohne Pierre, der immer in ihren Gedanken bleiben wird.

Fazit: Das ist der schönste Roman, den ich seit Offene See gelesen habe.

Wie möchtest du im Alter leben?

PS: Im Februar gibt es nur wenige Blogbeiträge. Hier ist alles fein - ich habe nur gerade nichts in der Pipeline.

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3 Antworten auf „Lesetipp: Jeanne, Iris & Théo – Wenn Fremde Familie werden“

Jetzt bin ich noch gespannter ☺️
Das Buch klingt zauberhaft und sehr interessant.
Ich würde am liebsten am Meer wohnen mit Stadtnähe und selbstbestimmt (du fragtest nach der Wunschvorstellung 😉)
Und gesund und mobil .
Liebe Grüße
Nicole

Das Buch klingt sehr optimistisch und aufbauend.
Es freut mich, dass Du es gern gelesen hast.
Dass eine – zu – große Wohnung im Alter eine solche Wirkung entfalten kann, ist sehr erfreulich. Oft ist es ja anders und alte Menschen sitzen allein und oft auch einsam darin. Und das bei der Wohnungsnot in den Städten.
Ich bin ja WGerfahren, als junge Frau wohnte ich jahrelang so. Wie es mit einer WG im Alter wäre, weiß ich dennoch nicht. Mit jüngeren Menschen lieber als mit anderen alten, da ist mir das Sujet des Buches nah.
Durch meinen Umgang mit Enkeln und meinen Kindern, die alle zwischen 40 und 50 sind, sind mir diese Generationen nah.
Wenn schon mit anderen Alten, dann nicht in einer Wohnung, sondern selbstbestimmt in einem (Mehrgenerationen-) Haus… , aber ich weiß nicht…
Eigentlich müsste ich es wissen und planen, in meinem Alter, aber ich denke, dass es mir dann ergeht wie Jeanne und mir schon etwas einfällt…
eine große Wohnung habe ich schon mal.
Vielleicht sollte ich mal vorher das Buch lesen :-).
Herzlich,
Sieglinde

Das erinnert mich ein bisschen an „Wenn das Schicksal anklopft, mach auf“, das ich letztes Jahr im Bücherschrank gefunden hatte und das ganz zauberhaft war. Solche Geschichten mag ich ja sehr – sie machen neugierig auf das, was da noch kommen mag im eigenen Leben. Und zwischen all den Krimis, Thrillern und Sachbüchern brauche auch ich mal was fürs Herz 😊.
Liebe Grüße!

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