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Lesetipp: Mordserie mit rätselhaften Fotos

Werbung – Rezensionsexemplar

Nordlicht - Das fremde Gesicht von Anette Hinrichs

NORDLICHT – Das fremde Gesicht
Der siebte Fall für das deutsch-dänische Ermittlerteam Boisen & Nyborg
Anette Hinrichs

Originalausgabe, Taschenbuch, Klappenbroschur, 480 Seiten
ISBN 978-3-7341-1209-6
Erschienen am 18. März 2026 bei blanvalet (Werbung)
Eine Leseprobe und Bestellmöglichkeiten bei diversen Händlern findest Du auf der Verlagswebsite. Ich habe das Buch als E-Book gelesen.

„Eine schreckliche Mordserie zieht sich vom deutsch-dänischen Grenzland bis nach Kopenhagen: Ein Pferdezüchter im nordfriesischen Süderlügum wird aufgehängt im Stall entdeckt, ein Gastronom im dänischen Tøndern sitzt tot an einem gedeckten Tisch, in Kopenhagen treibt die Leiche eines Geschäftsmanns nackt im Hafenbecken. Alle Opfer sind qualvoll erstickt. In ihren zugeklebten Mündern findet sich ein Foto mit einem fremden Gesicht.
Was verbindet die Opfer und welches Motiv verfolgt der Mörder? Die Ermittler der Sondereinheit GZ Padborg stehen vor einem Rätsel. Der Druck wächst, als eine weitere Leiche auftaucht. Und ausgerechnet Rasmus Nyborg scheint nicht bei der Sache zu sein und bringt sich mit Nachforschungen zu einem ganz anderen Fall in Gefahr …“

Verlagstext, Hinrichs, Nordlicht Das fremde Gesicht, blanvalet 2026

Unter dem Schlagwort Nordlicht findest Du alle Buchvorstellungen von mir aus der Reihe. Die Krimi-Serie lese ich besonders gerne, weil ich die Gegend in Norddeutschland um Flensburg und Süddänemark kenne, in der sie spielt. Dieser siebte Band lässt sich als eigenständiger Fall lesen, weil die Mordserie im Vordergrund steht. Trotzdem ist es natürlich schön, die Hintergründe zu den Hauptfiguren zu kennen.

Der siebte Teil der Reihe von Anette Hinrichs startet direkt düster und bleibt es auch. Die Mordserie ist von Anfang an konsequent durchdacht. Die Taten sind brutal, aber nicht reißerisch beschrieben. Genau das sorgt für Spannung.

Die Frage ist von Mord zu Mord: Wer ist auf dem Foto abgebildet, das bei der Leiche gefunden wurde? Es sind herausgerissene Teile eines Fotos, auf dem jeweils ein Jugendlicher zu sehen ist. Schnell ist zu ahnen, dass es sich um ein Gruppenbild handelt. Es ist aber immer nur eine Person zu sehen. Es ist weder zu erkennen, wie viele Personen insgesamt auf dem Gesamtbild sind, wo es aufgenommen und aus welcher Zeit es genau stammt. Spannende Fragen, deren Antworten zur Lösung des Falls führen.

Vibeke und Rasmus klären den Fall wieder einmal zusammen auf, wobei in diesem Band im Nebenplot Rasmus im Vordergrund steht. Er versucht herauszufinden, wer seinem Sohn Anton vor dessen Tod Drogen verkauft hat, die ihn in den Tod haben springen lassen. Kann es die gezielte Rache eines serbischen Mafiabosses gewesen sein? Der Versuch einer Kontaktaufnahme über alte Undercover-Kreise bekommt ihm nicht gut. Vibekes Privatleben spielt im aktuellen Band nur am Rand eine Rolle.

Der Fall selbst entwickelt sich schlüssig. Die Spuren führen in unterschiedliche Richtungen und ergeben am Ende ein rundes Bild. Meine erste Vermutung der Zusammenhänge ist aufgegangen, die Täter_in habe ich nicht durchschaut. Die Auflösung ist logisch und fügt sich gut zusammen. Sie kommt ohne unnötige Wendungen aus. Das Ende lässt mich sofort auf einen achten Band hoffen.

Ist das ein Krimi für Dich? Kennst Du die Serie?

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Lesetipp – Warum wir andere Frauen so gnadenlos beurteilen

Werbung – Rezensionsexemplar

Sophie Passmann: Wie kann sie nur?

Wie kann sie nur?
Sophie Passmann

Gebundene Ausgabe, 240 Seiten
ISBN 978-3-462-00858-6
Erschienen am 12. März 2026 bei Kiepenheuer & Witsch (Werbung)
Eine Leseprobe und Bestellmöglichkeiten bei diversen Händlern findest Du auf der Verlagswebsite.

Über den alltäglichen Wahnsinn, eine Frau (im Internet) zu sein – highly relatable!

Botox oder »in Würde altern«, zu viele Selfies auf Instagram posten oder jeden Beauty-Trend auf TikTok mitmachen? Frauen im Internet stehen unter ständiger Beobachtung. Jedes Like kann zur Anklage werden, jeder Kommentar zum Politikum. »Wie kann sie nur?« 

Sophie Passmann ist selbst Teil der widersprüchlichen Welt weiblicher Selbstdarstellung in den sozialen Medien. Radikal selbstkritisch seziert sie die Phänomene, die eine ganze Generation prägen: von der asketischen Disziplin einer Hailey Bieber über die kalkulierte Görenhaftigkeit von Charli XCX bis zur neurotischen Perfektion von Taylor Swift. Warum sind wir alle so fasziniert von Frauen, die uns etwas vormachen – und gleichzeitig hassen wir sie genau dafür?

Sophie Passmann betrachtet den Zeitgeist wie niemand sonst: klug, selbstreflektiert und höchst unterhaltsam.“

Verlagstext Sophie Passmann, Wie kann sie nur?, Kiepenheuer & Witsch 2026

Sätze wie Was hat sie sich bloß dabei gedacht? oder Wie kann sie nur? denken wir alle ab und an, oder? Manches, was andere Frauen real und/oder im Internet tun, ist wie ein Unfall, bei dem man nicht weggucken kann, oder einfach nur zum Fremdschämen. Dabei ist es egal, ob es um einen neuen TikTok-Trend geht oder das Outfit der Person, die einem in der S-Bahn gegenüber sitzt.

Dass mich sowas stresst, ist einer der Gründe, warum ich nicht mehr in den Socials bin und nur noch 22 Blogs lese. Im wahren Leben kann ich nicht vor allem weglaufen. Das digitale Leben kann ich mir freier gestalten.

Das Buch von Sophie Passmann, Jahrgang 1994, habe ich gelesen, weil mich der Blick auf die mediale Welt aus der Perspektive einer jüngeren Frau interessiert. Ich mag ihre sarkastisch-ironischen, ehrlichen und pointierten Formulierungen, die umso dichter an der Wahrheit sind, je absurder sie klingen.

„Es bleibt einem früher oder später keine andere Wahl, man muss ertragen, eine Frau geworden zu sein.“

Sophie Passmann, Wie kann sie nur?, Kiepenheuer & Witsch 2026, Seite 222

Zumindest, wenn man das Geschlecht nicht ernsthaft wechseln möchte … Das unterstreicht definitiv meinen Wunsch, im nächsten Leben als Mann geboren zu werden – und in jedem weiteren, falls ich weitere Leben führe. Den Stress als Frau tue ich mir nicht noch mal an. Im Buch finde ich interessant, wie Sophie Passmann auf andere Frauen blickt, sie seziert und sich auf der anderen Seite davon abgrenzt.

„Ich kann jede Version sein, die ihr von mir sehen wollt.“

Sophie Passmann, Wie kann sie nur?, Kiepenheuer & Witsch 2026, Seite 232

So wie man echten Menschen nicht hinter die Stirn gucken kann, bekommen wir im Internet noch viel mehr eine fein kuratierte Version einer Person präsentiert. Die Gedanken von Sophie Passmann dazu finde ich absolut lesenswert.

Das Buch besteht aus kurzen, essayartigen Beobachtungen zu Frauenbildern in Social Media, Popkultur und Alltag. Sophie Passmann verbindet eigene Erfahrungen mit prominenten Beispielen und kommentiert diese pointiert. Leser_innen, die sich für mediale Selbstbilder interessieren und eine persönliche, zugespitzte Perspektive schätzen, werden die Texte mögen.

Hand aufs Herz – wie oft denkst du: „Wie kann sie nur?“
Und wie oft richtet sich dieser Gedanke am Ende gegen andere Frauen statt gegen das eigene Urteil?

PS: Ich mag meinen Bauchnabel. Wirklich.

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Lesetipp: Drei Generationen der McAllister-Frauen

Werbung – Rezensionsexemplar

Muetter und Toechter von Claire Alexander

Mütter und Töchter
Claire Alexander

Paperback, Klappenbroschur, 416 Seiten
ISBN 978-3-442-49664-8
Übersetzt aus dem Englischen von Bettina Hengesbach
Originaltitel The Pieces of Us, Originalverlag Penguin UK
Deutsche Erstausgabe
Erschienen am 18. März 2026 im Goldmann Verlag (Werbung)
Bestellmöglichkeiten bei diversen Händlern findest Du auf der Verlagswebsite. Ich habe es als E-Book gelesen.

„Die Floristin Cat McAllister nimmt das Leben, wie es kommt. Sie hat ihre 16-jährige Tochter Ruby allein großgezogen und einen eigenen kleinen Blumenladen aufgebaut. Als ihre Mutter Minnie mit nur 58 Jahren an Alzheimer erkrankt, zögert Cat keine Sekunde und nimmt sie bei sich auf. Doch dann stößt sie bei der Auflösung von Minnies Haus auf ein bestürzendes altes Dokument. Ist Minnie gar nicht die Mutter, die Cat so gut zu kennen glaubte? Unterdessen steht auch Cats Tochter Ruby vor einer schweren Entscheidung, als sie im Badezimmer auf zwei kleine blaue Striche starrt. Doch sosehr das Schicksal die drei McAllister-Frauen auch herausfordert, gemeinsam lässt sich das Leben einfach besser meistern …“

Verlagstext Claire Alexander, Mütter und Töchter, Goldmann Verlag 2026

Seit vor einiger Zeit eine Leserin kommentierte, dass sie nicht so gerne Bücher liest, die aus der Ich-Perspektive geschrieben sind, nehme ich beim Lesen bewusster wahr, wie es mir damit geht. Die Erkenntnis ist, dass ich Geschichten mit einer Ich-Erzählerin deutlich intensiver fühle. Das bedeutet, dass mich die Geschichte mitgenommen hat im doppelten Sinne, denn sie wird aus der Sicht von Cat heute und Beth in Rückblenden ab 1976 erzählt. Wer Beth ist, erfährst du im Verlauf des Buchs.

Cat geht sehr liebe- und verständnisvoll mit ihrer Mutter Minnie um und versucht, die Belastung irgendwie zu wuppen, als Minnie wegen der Alzheimer-Erkrankung nicht mehr alleine leben kann. Es fällt ihr schwer, Hilfe anzunehmen. Doch sie lernt, dass es ohne Hilfe noch schwerer für sie würde. Zu schwer. Unterstützung von der Pflegerin Lena und ihrer besten Freundin Lisa anzunehmen, macht es ihr möglich, den Alltag zu überstehen.

Und dann ist da noch Asim, Immobilienmakler, der Minnies Haus im Auftrag von Cat verkauft, damit mittelfristig die Pflege Minnies davon bezahlt werden kann. Der charmante Mann findet den richtigen Weg, damit Cat Vertrauen zu ihm fasst.

Ruby ist einerseits natürlich mit der Situation total überfordert, mit 16 versehentlich schwanger zu sein. Anderseits ist sie sich recht schnell klar, wie sie damit umgehen möchte. Da Cat selbst die Erfahrung einer frühen Schwangerschaft gemacht hat, kann sie sich gut in ihre Tochter hineinversetzen. Diese Herausforderung nehmen die drei McAllister-Frauen gemeinsam an.

Es ist ein gefühlvolles Buch, das nicht ins Kitschige driftet. Im ersten Drittel steht mir die Alzheimererkrankung von Minnie und Cats Umgang damit zu lange im Vordergrund. Mit Rubys Schwangerschaft und Cats Suche nach ihrer leiblichen Mutter nimmt die Geschichte Tempo auf und war ab da für mich spannender zu lesen. Die Auflösung zum Ende hin hat es für mich rund gemacht.

Ist das ein Roman für dich?

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Lesetipp: Ein Neuanfang zwischen Tieren, Chaos und Selbstfindung

Werbung – Rezensionsexemplar

Gekommen um zu bleiben von Madeleine Becker

Gekommen, um zu bleiben
Unser Haus im Wald – Von Hühnern, Hürden und dem Zauber eines Neuanfangs
Madeleine Becker

Originalausgabe, Paperback, Klappenbroschur, 288 Seiten
ISBN 978-3-442-30241-3
Erschienen am 11. März 2026 im Goldmann Verlag (Werbung)
Bestellmöglichkeiten bei diversen Händlern findest Du auf der Verlagswebsite.

„Madeleine Becker hat den Schritt gewagt: Gemeinsam mit Freund Lukas und zahlreichen borstigen, gefiederten und befellten Tierfreund*innen zieht sie in das Haus im Wald – einen alten Bauernhof in der Steiermark, den es erst einmal zu renovieren gilt. Klar, dass dabei nicht immer alles reibungslos läuft, vor allem aber findet die »Wald-WG« heraus, was es wirklich zum Glücklichsein braucht. Eine von der Abendsonne in goldenes Licht getauchte Obstwiese zum Beispiel, Krähen, die die Hühner vor Bussarden retten, einen Kater, der am liebsten im Gewächshaus schläft, und jede Menge Tomaten.

In der idyllischen Landschaft im Süden Österreichs kann Madeleine sich auf das Wesentliche besinnen: Wie kann ich Menschen- und Tierwohl bestmöglich vereinen? Was kann ich als einzelne Person im Kleinen für die Umwelt tun? Mit welchen Menschen möchte ich mich umgeben? Und nicht zuletzt die alles entscheidende Frage: Welches Leben möchte ich leben?

Verlagstext Madeleine Becker, Gekommen, um zu bleiben, Goldmann Verlag 2026

Auf das Buch bin ich über eine Promotion des Verlages gekommen. Ich kannte die Autorin zuvor nicht. Auf Instagram ist sie bekannt unter dem Profil @frau_freudig. Sie hat bereits zwei Bücher übers Landleben veröffentlicht: Erstmal für immer. Vom Hörsaal in den Kuhstall und Hin und weg. (Über)Leben auf dem Bauernhof – zwischen Kühen, Krisen und Kohlrabi. Das aktuelle Buch Gekommen, um zu bleiben beschreibt ihr Leben in ihrem Haus im Wald, das sie mit ihrem Partner Lukas 2023 bezogen hat.

Das Buch spielt zwischen 2023 und 2025 und ist tagebuchartig geschrieben, nicht wortwörtlich das ganze Jahr durch – es ist ein tagebuchartiges Resümee ihrer letzten zwei Jahre im Haus im Wald.

Madeleine und Lukas haben das Haus in der Weststeiermark in den Bergen als kleinen Bauernhof gekauft, um dort mit sieben Kühen, neun Wollschweinen, Hühnern, Katern, Kaninchen und auch ein paar unfreiwillig dazu gezogenen Tieren ein Zuhause zu finden.

Vorher waren die beiden von 2019 bis 2023 zusammen auf dem Hof seiner Eltern, die Milchviehwirtschaft betreiben. Dort gab es heftige Generationskonflikte und ziemlich viel Knatsch, sodass die beiden dann beschlossen, sich was Eigenes aufzubauen.

Der Untertitel des Buchs Unser Haus im Wald – Von Kühen, Hürden und dem Zauber eines Neuanfangs ist wörtlich zu nehmen. Es beginnt mit dem Neuanfang auf dem Hof im September 2023. Lukas und Madeleine sind fluchtartig aus Kärnten abgereist. Sie haben ihre Sachen quasi über Nacht eingepackt und mussten zusehen, dass sie irgendwie alles mitkriegen. Sie konnten noch ein paar Tiere nachholen und das war’s dann.

Es hat einen glatten Schnitt zu Lukas‘ Familie gegeben. Was davor passiert ist in dem Generationenkonflikt, weiß ich nicht. Das wird man vermutlich in den beiden Büchern erfahren. Fakt ist, sie haben komplett den Kontakt zur Familie abgebrochen und wollen sich im Haus im Wald was Neues ausbauen.

Madeleine geht neben der umfassenden Arbeit auf dem Hof weiter ihrer Berufstätigkeit als Autorin und Content-Creatorin nach, Lukas arbeitet als Rettungssanitäter – erst noch in Vollzeit, dann reduziert er auf halbtags.

Bei der Renovierung des Hauses im Wald fallen ihnen immer wieder Hürden vor die Füße. Tiere büxen aus, machen irgendwas kaputt, Dinge stellen sich als ganz anders raus, als sie sich das vorher vorgestellt haben.

Nach vier Jahren Dauerstress auf dem Hof von Lukas’ Familie in Kärnten ist die neue Situation ungewohnt. Auf dem neuen Hof in der Weststeiermark versuchen sie, gemeinsam Fuß zu fassen. Zum ersten Mal sind sie wirklich nur auf sich selbst gestellt. Dieses Leben zu zweit kannten sie vorher so noch gar nicht.

Über die zwei Jahre hinweg, in denen das Buch spielt – es endet im September 2025, kommen immer wieder Praktikant_innen, Freund_innen und Helfer_innen auf den Hof, um die beiden zu unterstützen. Das klappt mal besser und mal schlechter. Am Ende entwickelt sich das Ganze zu einer Art Wald-WG mit wechselnden Bewohner_innen neben der Stammbesetzung Madeleine und Lukas.

Beide sind sehr glücklich mit der Situation, dass so viele Menschen, mit denen sie sich gut verstehen, auf den Hof kommen. Sie selbst haben kaum die Möglichkeit, den Hof zu verlassen, um Freund_innen oder ihre Familie zu besuchen, weil die vielen Tiere versorgt werden müssen.

Es ist eine sehr besondere Form von Lebensraum, die Madeleine und Lukas sich dort geschaffen haben. Sie bietet viel Gestaltungsspielraum und Möglichkeiten, Erfahrungen zu sammeln. Manche Dinge gehen schief, manchmal sogar wortwörtlich. An anderen wächst man schnell. Und manchmal wächst einem dabei auch eine unbezähmbare Glyzinie über das Dach.

Vom ersten Satz an war ich beim Lesen direkt drin in der Geschichte. Ich hatte das Gefühl, ich lebe mit auf diesem Hof. Ich sehe das, ich fühle das. Es gibt einen Schwung Farbbilder in dem Buch zur Vervollständigung der Eindrücke.

Die Bilder habe ich erst an den jeweiligen Stellen im Buch angeguckt und nicht vorgeblättert, weil ich mich davon nicht beeinflussen wollte in meiner Vorstellung. Die Bilder, die beim Lesen in meinem Kopf entstanden sind, vielleicht auch ein bisschen geprägt vom Titelbild, passten zu den Fotografien, die dann im Buch zu sehen sind. Das spricht für die bildhaften Texte der Autorin.

Für wen ist das Buch was?

Wer Interesse daran hat, das Leben einer Anfang-30-jährigen Frau kennenzulernen, die einen unkonventionellen Lebensweg gewählt hat, wird Freude am Buch haben. Sie stürzt sich mit Kopf, Herz und Händen in Projekte, geht darin völlig auf und handelt mit Leidenschaft – manchmal bis zum Verzweifeln und darüber hinaus.

Auch Menschen, die gerne mit Tieren leben oder sich so ein Leben vorstellen können, werden Gefallen an der Geschichte finden. Wer denkt, ein kleiner Hof mit ein paar Tieren sei einfach zu bewirtschaften, kann außerdem noch einiges lernen: Was gut klappt, was man besser anders macht und was man besser bleiben lässt.

Madeleine Becker fasst ihre Learnings im Buch teilweise in Listen zusammen. Sie zeigt, was der Garten, die Tiere oder das Haus ihr im Laufe dieser zwei Jahre beigebracht haben. Sie ist Gekommen, um zu bleiben. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob es so ist.

Wie würdest du gerne leben?

PS: Falls du dich wunderst, dass meine Sprache in diesem Blogbeitrag ein bisschen anders als gewohnt klingt, liegt das daran, dass ich den Text nicht getippt, sondern ihn als Sprachnachrichten eingesprochen und in Text habe umwandeln lassen. Ich spreche ausführlicher, als ich schreibe. Dazu interessiert mich dein Feedback.

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Lesetipp: Pragmatismus und Widerstand – Hannas Leben in Magdeburg im 20. Jahrhundert

Werbung – Rezensionsexemplar

Schwebende Lasten Annett Gröschner

Schwebende Lasten
Annett Gröschner

Hardcover, 282 Seiten
ISBN 978-3-406-82973-4
8. Auflage, 2026, Verlag C.H.Beck (Werbung)
Bestellmöglichkeiten und eine Leseprobe findest du auf der Verlagswebsite. Ich habe es als E-Book gelesen.

„Nicht weniger als ein ganzes Leben erzählt Annett Gröschner mit der Geschichte der Blumenbinderin und Kranfahrerin Hanna Krause – mit einer Wucht und Poesie, wie sie nur dort entstehen können, wo die Literatur wirklichkeitssatt ist.

Hanna Krause war Blumenbinderin, bevor das Leben sie zur Kranführerin machte. Sie hat zwei Revolutionen, zwei Diktaturen, einen Aufstand, zwei Weltkriege und zwei Niederlagen, zwei Demokratien, den Kaiser und andere Führer, gute und schlechte Zeiten erlebt, hat sechs Kinder geboren und zwei davon nicht begraben können, was ihr naheging bis zum Lebensende. Hatte später, nachdem ihr Blumenladen längst Geschichte war, von einem Kran in der Halle eines Schwermaschinenbaubetriebes in Magdeburg einen guten Überblick auf die Beziehungen der Menschen zehn Meter unter ihr und starb rechtzeitig, bevor sie die Welt nicht mehr verstand. Hanna Krause blieb bis zu ihrem Tod eine, die das Leben nimmt, wie es kommt. Ihr einziges Credo: anständig bleiben. Annett Gröschners Roman erzählt die Geschichte eines Jahrhunderts in einem einzigen Leben und gibt, mit Hanna, denen ein Gesicht, die zu oft unsichtbar bleiben. Ein Roman über das Ende des Industriezeitalters und seiner Heldinnen im Osten Deutschlands – und über eine gewöhnliche Frau in diesem unfassbaren 20. Jahrhundert.“

Annett Gröschner, Schwebende Lasten, Verlag C.H.Beck 2026, 8. Auflage

Chat zu Schwebende Lasten mit Leserin Susanne Nagel

Susanne: Liebe Ines, unbedingt lesen! Schöne Sprache auf den Punkt gebracht, Leben über zwei Generationen im Osten, Frauen im Osten.

Ines: Danke für den Tipp, liebe Susanne! Das Buch kam sofort auf meine Leseliste! Du hast Schwebende Lasten als Hörbuch genossen und bist dabei in einen Teil deiner eigenen Familiengeschichte in Magdeburg zu DDR-Zeiten geraten. Wo liegen die Parallelen?

Susanne: Dieses Buch hat mich schnell gepackt, zum einen, weil die Autorin ungeschönt, aus meinen Erfahrungen mit familiären Erzählungen auch sehr realistisch, ein normales Leben in spannenden Zeiten schildert.

Hanna ist so alt wie meine Großmutter, die von 1912 bis 2008 lebte, ich erkenne so manche Dinge aus dem Leben einer Frau dieser Zeit wieder, obwohl sich die Erlebnisse kaum decken. Und natürlich kenne ich Magdeburg.

Meine Eltern sind Ende der 70er Jahre aus beruflichen Gründen meines Vaters nach Magdeburg gezogen. Ich blieb wegen meines Studiums im Norden und war eigentlich nur noch zu Besuch bei ihnen bis in die frühen 2000er Jahre. Die Stadt war mir nicht eng vertraut, aber natürlich habe ich Erinnerungen an große Freiflächen in der Innenstadt und an Veränderungen nach 1989.

Vieles deckt sich mit den Schilderungen im Buch: Unser Haus lag zwischen dem SKET, der Fabrik, in der Hanna und ihr Mann gearbeitet haben, und ihrer Wohnung in Sudenburg. Hanna fährt mit dem Rad durch unsere Straße. Die Anatomie der jetzigen Universität kommt kurz vor im Roman, mein Vater war fast zehn Jahre Direktor am Institut …

Neu waren für mich die Beschreibungen der Vorkriegszeit und eine Ahnung davon, wie dicht besiedelt und wie schön die Stadt gewesen sein muss. Wir kennen das ja von vielen deutschen Großstädten, die im Krieg zerstört wurden. Das Knattergebirge war mir unbekannt. Mein Bruder hat mir einiges darüber erzählt, er ist jünger als ich und in Magdeburg aufgewachsen. Das fand ich natürlich sehr interessant.

Ines: Dass Magdeburg mal so eine schöne Stadt in der Vorkriegszeit war, wusste ich auch nicht. Beim Lesen wurde mir deutlich, dass ich über diese Stadt, in der ich schon dreimal war, im Grunde gar nichts wusste. Bei meinen Besuchen standen Menschen im Vordergrund, nicht Stadtentwicklung.

Die Figur der Hanna hat mir gefallen. Hanna ist pragmatisch und fleißig. Sie nimmt das Leben mit seinen Möglichkeiten und Widrigkeiten an. In kurzen klaren Sätzen begleiten wir Hanna von einem Drama zum nächsten.

„Bevor Hanna grübeln konnte, war sie schon am Machen.“

Annett Gröschner, Schwebende Lasten, Verlag C.H.Beck 2026,, 8. Auflage, Seite 121 im E-Book

Bemerkenswert finde ich, wie wenig sie mit dem Schicksal hadert und wie sie immer wieder Wege findet, ihr Leben zu bewältigen.

„Hanna Krause blieb bis zu ihrem Tod eine, die das Leben nimmt, wie es kommt. Ihr einziges Credo: anständig bleiben.“

Annett Gröschner, Schwebende Lasten, Verlag C.H.Beck 2026, , 8. Auflage, Seite 248 im E-Book

Susanne: Ja, Hanna fackelt nicht lange, es gelingt ihr, mit pragmatischen Entscheidungen die Familie zusammen zu halten und durchzubringen.

Ich denke, dass viele Frauen dieser Zeit und sozialen Schicht ähnlich agiert haben. Was blieb ihnen anderes übrig? Armut, Krieg und Überlebenswille erfordern Geschick und realistische Tatsachen zu schaffen. Darin erkenne ich natürlich auch die Rolle, die Frauen in der DDR gesellschaftlich gesteuert einnehmen sollten.

Mir gefällt an dem Roman, dass dies nicht überbetont wird und auch Hannas Widerstand gegen Vorurteile oder staatliche Zwänge immer wieder durchblitzt. Das ist mir alles bekannt, ohne, dass ich diese materiellen Nöte erfahren habe.

Ines: Die Gefühle für ihre Kinder sind ja sehr unterschiedlich. Wie ging es dir damit beim Lesen?

Susanne: Ich kann mir vorstellen, dass Hannas Beziehungen zu ihren Kindern nicht bei allen Lesern und Leserinnen gut ankommen. Für mich passt das, selbst die unterschiedlichen Bindungen. Letztlich ist aus allen was geworden, auch wenn diese Erzählungen nur angedeutet werden (was mir übrigens gefällt, so bleibt noch Raum für eigene Gedanken ihre Leben weiter zu spinnen).

Manche Andeutungen lassen große Trauer ahnen, manche Mitgefühl und Ärger… Ich finde, wie im richtigen Leben. In den Gefühlen zu ihren Kindern steckt auch viel Zuneigung.

Ines: Die verschiedenen Gefühle für ihre Kinder sind vermutlich normal, nur es ist nicht üblich, darüber zu reden. Von daher finde ich es erfrischend, das mal so ungeschönt zu betrachten.

Susanne: Ja, das sehe ich auch so.

Ines: Auf welche Weise Hannas Widerstand gegen staatliche Zwänge durchblitzt, ist für mich als Person, die in Westdeutschland sozialisiert wurde, spannend. Auch dabei gefällt mir ihr Pragmatismus. Vor allem findet sie eigene Wege, ohne anderen dabei zu schaden. Wie stehst du zur Rolle ihres Ehemanns Karl?

Susanne: Karl ist als Randfigur sehr gut gezeichnet. Heute würde sie wohl manche Entscheidungen mit ihm anders treffen. Damals war das wohl kaum möglich. Und dennoch sehe ich ihn als Partner, dem sie Fürsorge angedeihen lässt. Berührend fand ich die Kapitel seiner letzten Lebenszeit, mehr Zuneigung war ja kaum möglich in dieser Generation und in ihrem sozialen Umfeld.

Ines: Mir ist Karl extrem unsympathisch. Den hätte ich beim Lesen gerne mal so richtig durchgeschüttelt. Leider hatte Hanna damals vermutlich wirklich keine echte Chance, den von mir als nichtsnutzig empfundenen Kerl loszuwerden. Dass sie sich zum Lebensende so zusammengefunden haben mit- und nebeneinander hat mich ein bisschen mit seiner Rolle versöhnt.

Susanne: Bei Karl stimme ich dir zu, aber ich glaube, dass Hanna so einen Partner mit vielen Frauen ihres Milieus teilen musste.

Ines: Leider realistisch also …

Susanne: Anzunehmen, sie musste sich arrangieren. Ein Unterhaltungsroman hätte vermutlich den Bogen zum eigenen Blumengeschäft nach dem Krieg geschlagen und auch die Begegnung mit dem Unbekannten wieder aufgenommen und aufgelöst. Dass dieser Faden in den Kapitelüberschriften aufgegriffen wird ist eine schöne Reminiszenz an ihre Leidenschaft. Und ich habe einiges dazu gelernt.

Persönlich habe ich das Kapitel über den Besuch im Mauritshuis gern gehört, ich war da nämlich im letzten Frühjahr zu Besuch und erinnere mich sehr gut an die Blumenstilleben.

Ines: Den Bogen mit den Blumen mochte ich auch sehr.

Susanne: Was denkst du über Hannas Rolle im männerdominierenden Beruf? Empfindest du die Schilderungen als realistisch oder glorifizieren sie für dich das Bild der werktätigen Frau im Sozialismus?

Ines: Da bin ich zwiegespalten, weil ich das nicht wirklich beurteilen kann. Zu Beginn machen die Männer es ihr schwer, dann erwirbt sie ihre Anerkennung durch hervorragende Arbeit und weil sie sich nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Was ich mich zur werktätigen Frau im Sozialismus gefragt habe, inwieweit es realistisch ist, dass sie teilweise wirklich ihre kleinen Kinder mit auf den Kran hätte nehmen können. Das erschien mir übertrieben. Auch dass die Frage der Kinderbetreuung insgesamt im Grunde keine Rolle spielte.

Dass es einen Betriebskindergarten gab, erleichtert es für die werktätige Frau natürlich. Bei so vielen Kindern war mit Sicherheit aber auch ständig eins krank oder konnte aus einem anderen Grund nicht in den Kindergarten gehen. Der Umgang damit erscheint mir sehr vereinfacht dargestellt. Oder wurden in der DDR kranke Kinder in den Kindergarten gebracht?

Susanne: Die Schilderungen im Werk waren für mich einerseits realistisch, andererseits aber auch vereinfacht dargestellt. Normalerweise hat man weder kranke Kinder in den Kindergarten gebracht und bestimmt nicht auf einen Kran geschleppt. Aber dieser Arbeitsalltag ist mir fremd.

Hier ist sicher einiges Dichtung, wir lesen ja einen Roman und keine Dokumentation. Trotzdem fand ich die Beschreibungen für alle diese Situationen sehr treffend. So wie mir auch insgesamt die Sprache des Romans gefallen hat.

Hat dich der Roman dazu angeregt, mehr von der Autorin zu lesen? Auf meiner Liste steht auf alle Fälle der Roman Moskauer Eis! Schon deshalb, weil ich mich an den besonderen Geschmack erinnern kann …

Ines: Moskauer Eis sagte mir gar nichts – also das Eis. Klingt lecker! Und der Roman ist bestimmt ebenso lesenswert wie Schwebende Lasten. Interessant am Schreibstil von Annett Gröschner sind die beiläufigen Vorschauen in die Zukunft von Hannas Leben.

„Auch als Elisabeth schon auf der Welt war, lief Hanna immer noch Freitagabends mit ihren Blumensträußchen durch Straßen, die ein Jahrzehnt später aus dem Stadtplan verschwunden sein würden.“

Annett Gröschner, Schwebende Lasten, Verlag C.H.Beck 2026, 8. Auflage, Seite 45 im E-Book

Ich mag dabei sowohl den Blick in die Glaskugel des Lebens als auch die unaufgeregte Sachlichkeit. Wie hast du das empfunden?

Susanne: Das fand ich auch besonders schön und man darf nicht unbedingt erwarten, dass die Andeutungen weiter gesponnen werden … Aber mehr sollten wir eventuell nicht verraten. Wobei der Roman keine Pointe hat, wie das Leben selbst. Oder?

Ines: Stimmt!

Ist das ein Roman für dich?

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