Lesetipp: Wie es sich mit dem Verlust seiner Familie leben lässt

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Vier minus drei:
Wie ich nach dem Verlust meiner Familie zu einem neuen Leben fand
von Barbara Pachl-Eberhart


Warnung: Dieses Buch ist berührend, wie der Titel bereits ahnen lässt. Wenn Trauer ein Thema ist, was Dich aus der Bahn wirft, lies es bitte nicht oder nur in Begleitung. Wenn Trauer ein Thema ist, dass Dich zwar berührt, Beschäftigung damit Dich aber weiter bringen kann, lege Taschentücher parat und lies es, wenn Dir danach ist. Die Taschentücher brauchst Du nicht, weil das Buch kitschig ist, das ist es an keiner Stelle, sondern weil es ungebremst direkt ins Herz geht.


Barbara Pachl-Eberhart erlebt 2008 das tragische Unglück, ihre Familie durch einen Verkehrsunfall zu verlieren. Ihr Mann und ihre beide kleinen Kinder sterben in ihrer Abwesenheit. In dem Buch beschreibt die Autorin ihren Weg, sich diesem Schicksal zu stellen. Sie geht schonungslos offen und direkt einen Weg in ein neues Leben. Ein Leben nach dem Leben mit ihrer Familie. Gedanklich und gefühlt sind ihr Mann und ihre Kinder mit auf diesem Weg.

Das Buch habe ich geschenkt bekommen und sofort zu lesen angefangen. 100 Seiten im ersten Rutsch, 200 im nächsten und die letzten 30 Seiten als Abschluss. Es hat mich gefesselt und gebeutelt zugleich. Am meisten beeindruckt haben mich

  • die Wortgewandtheit der Autorin. Mein Eindruck ist, dass kein Wort Zufall ist. Jedes Wort, jedes Zeichen ist exakt für den Moment erwählt. Einige Worte werden bewusst hervorgehoben und ich mag es, darüber beim Lesen nachzudenken, warum es genau dieses Wort sein muss und was an anderen falsch wäre. So gibt es für die Verstorbenen zum Beispiel keine Trauerfeier oder Beerdigung, sondern ein Seelenfest.
  • die reflektierte Sichtweise von Barbara Pachl-Eberhart. Das Buch spielt in der Vergangenheit, zur Zeit des Unfalls (2008) und im Jetzt (2010 erschien die erste Auflage). Zum Teil führt sie einen offenen Dialog mit ihrer inneren Stimme, die dabei manchmal Zeitsprünge macht. Nach dem Motto: Ja, wenn Du in dem Moment schon gewusst hättest, was Du damit anrichtest … später passiert … wofür das gut ist …
  • und der Glaube an eine Zukunft.

Glaube spielt eine große Rolle bei den Gedanken, ebenso Seelen und was mit ihnen passiert. Es wird Leser_innen geben, denen einige Denkweisen zu esoterisch sind. Letztlich hilft der Autorin der Gedanke, die Seelen der Verstorbenen zu sehen und zu spüren dabei, sie in ihr neues Leben zu integrieren und darum geht es doch nach so einem Verlust: Einen Weg zu finden, der zu einem passt. Mich als Atheistin hat das nicht gestört, weil nichts als absolut und wahr dargestellt wird, sondern immer nur als die Sichtweise und Empfindung der Erzählerin. Wenn ihr dabei Engel helfen, dann ist mir recht.

Das Buch ist traurig, weil drei Menschen sterben und einer (und viele weitere aus der Familie und Freunde) zurück bleiben. Das Buch ist schön, weil es gut ausgeht in dem Sinn, dass die Autorin einen neuen Weg für sich findet. Ich habe zwar zwischendrin geheult, aber das hörte im Grunde auf, nachdem die Todesfälle an sich abgeschlossen waren. Danach war ich nur noch gespannt darauf, wie sie den Weg findet und welchen sie wählt.

Ist das Buch etwas für Dich?


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14 Gedanken zu „Lesetipp: Wie es sich mit dem Verlust seiner Familie leben lässt

  1. Die Autorin ist aus der Steiermark, Österreich, wenn ich das richtig in Erinnerung habe. Ich habe damals bei Stöckl das Sonntägliche “Frühstück bei mir” auf Ö3 mit der Autorin angehört. Es war im Rahmen der Erstauflage des Buches. Die Autorin war damals wieder in einer neuen Partnerschaft, sie hat darüber erzählt, dass das eben nur möglich war, weil sie der Trauer freien Lauf lassen konnte. Es war ein sehr berührendes Interview und sie hatte auch da schon eine wunderbare Wortwahl – das Buch selbst habe ich allerdings dann nie gelesen. LG Anna

    • Das erinnerst Du richtig, sie lebte zum Zeitpunkt des Unfalls in der Nähe von Graz. Ohne das selbst erlebt zu haben – bisher, kann ja noch kommen, denke ich, dass eine neue Partnerschaft nur funktionieren kann, wenn die alte entsprechend betrauert wurde. Das ist nach einer Scheidung, da kann ich aus Erfahrung mitreden, nicht anders, denn auch die zerstört einen Lebenstraum und geht mit Verletzungen einher. Der Teil der neuen Partnerschaft ist der, den ich auch recht bemerkenswert fand. Die Selbstreflektion der Autorin auf dem Weg dahin hat mich tief beeindruckt.

  2. Liebe Ines,
    ich freue mich, dass du dieses Buch vorstellst, auch wenn es gerade sehr viel in meinen Erinnerungen hochwirbelt. Etwa ein Jahr nach dem Tod meines Mannes habe ich es gelesen. Zwar kann ich mich nicht mehr erinnern, ob ich viele Taschentücher beim Lesen gebraucht habe (höchst wahrscheinlich), aber das Buch hat mich auf jeden Fall tief berührt und mir letztendlich die Kraft gegeben, meine eigene Trauer zu akzeptieren und zu leben.
    Einen neuen Partner habe ich inzwischen auch: das Herz ist tatsächlich groß genug, um zu trauern und zu lieben – gleichzeitig.
    Auf jeden Fall kann ich das Buch empfehlen, egal ob man gerade trauert oder nicht.
    Liebe Grüße
    Gabriele

    • Weiß die Autorin, wie viel Kraft Dir ihre Worte gegeben haben?

      Ich glaube, nichts ist so individuell wie Trauer und nichts so wenig vorhersehbar.

      Ein Herz kann ganz schön viel. Da ist Platz für mehr als einen Menschen. Man braucht den einen nicht hinauszuwerfen, um Platz für einen anderen zu finden. Da finden sich viele Ecken und Windungen, in denen Menschen und Gefühle Raum finden und Räume wechseln können.

      Ich habe mich nicht getraut, das Buch Trauernden zu empfehlen, weil mir das anmaßend erschienen wäre, weil ich nicht beurteilen kann, wie es ist, das Buch in einer Trauerphase zu lesen und ich bei fremden Lesern nicht abschätzen kann, was das mit ihnen anrichten kann. Umso mehr freut mich, wenn Du als Betroffenen sagst, dass es Dir im Umgang mit deiner Trauer geholfen hat. Hoffen wir also, dass Trauernde nicht nur den Beitrag, sondern auch Deinen Kommentar lesen!

  3. Guten Morgen Ines,

    das Buch hört sich sehr interessant an. Das muss ich mal lesen. Im Moment habe ich genügend Zeit. Ich habe selbst erlebt, das es möglich ist sich wieder ein neues Leben aufzubauen.

    Viele liebe Grüße

    Beate

    • Magst Du erzählen, was passiert ist und was Dir am meisten geholfen hat, Dir ein neues Leben aufzubauen?

  4. Hallo Ines,

    am meisten hat mir meine Familie, insbesondere meine Schwester, geholfen. Es ist jetzt auch schon 30 Jahre und der Spruch heilt alle Wunden trifft auf mich zu. Hilfreich war zudem professionelle Hilfe und eine Trauergruppe. Ich habe damit meine Trauer verarbeitet und war dann offen für etwas Neues.

    Viele liebe Grüße

    Beate

    • Danke, dass Du das hier geschrieben hast. Wie schön, dass Du so hilfreiche Menschen in Deiner Nähe hattest und den Mut, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.

  5. Danke für diesen Tipp, liebe Ines, ich denke, das Buch wird mir sehr gut gefallen, da diese Thematik in unserer Familie ja ebenfalls vorhanden ist, da die Mutter unserer Kinder vor über 20 Jahren an Krebs starb …
    Liebe Grüße, Rena
    http://www.dressedwithsoul.com
    P.S: Du kannst natürlich sehr gerne mein Home Office Outfit verlinken. Eine Ehre für mich!

    • Da waren Eure Kinder ja noch sehr klein, als das passiert ist. Umso wertvoller finde ich es, dass Du heute die Formulierung “unsere Kinder” verwendest. Ich kann mir gut vorstellen, dass Dir das Buch gefällt.

      P.S. Dein Outfit ist schon eingetragen :).

  6. :-) Liebe Ines,

    2. Versuch. – Ich kann mich noch sehr gut an diese tragische Geschichte erinnern, die vor über 10 Jahren durch den österreichischen Blätterwald geisterte. Auch später wurde immer wieder von der Überlebenden berichtet. Bewundernswert, wie sich die Dame nach diesem unglaublichen Unglück gefangen und gefunden hat.
    Ich habe das Buch nicht gelesen (und werde es vorerst auch nicht tun), aber die Geschichte ist wirklich interessant und geht an’s Herz.
    Liebe Grüße
    Claudia :-)

    • Oh, wurde mal wieder ein Kommentar geschluckt? Ärgerlich …

      An mir ist der Unfall und das Buch unbemerkt vorbeigezogen damals. Ich bin nur über das Geschenk jetzt darauf gekommen. Mich hat das Buch im richtigen Moment gefunden, in anderen Lebensphasen hätte ich es auch nicht lesen wollen.

  7. Puh! Das ist eine Tragödie, die diese Frau mitmacht – denn der Tod ihrer Familie wird sie auf ewig mehr oder weniger beschäftigten.
    Ich habe gerade das Buch “Kurt” von Sarah Kuttner gelesen. Das behandelt auch den Tod eines Kindes, aber es ist nicht das ihre. Und da Sarah Kuttner so nett schreibt und die Story fiktiv ist, war es für mich erträglich. Und eigentlich sogar so gut, dass ich es in der nächsten Woche vorstellen werde.
    Aber mit diesem Buch ist man mit der Autorin zusammen viel näher am Geschehen dran. Und ich muss mir wirklich überlegen, ob ich das lesen könnte.
    Aber immer wieder beruhigend zu wissen, dass es auch einen Weg aus dem schlimmsten Schicksal gibt.
    LG
    Sabiene

    • Ja, der Leser ist enorm dicht dran an der Autorin. Ich denke schon, dass Du das Buch lesen könntest, denn es geht “gut” aus. Das ist so beeindruckend, wie man Ende das Gefühl haben kann, dass es eben nicht nur eine Tragödie ist.

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