Lesetipp: Die Vierziger als Frau

Werbung – Rezensionsexemplar und Affiliate Links von Amazon

(Affiliate Link auf dem Cover)

Vierzig werden à la Parisienne – Hommage ans Erwachsensein
Von Pamela Druckermann

Was ist mit 40 anders als mit 30? Welche Leiden und Reife bringt das Jahrzehnt für eine Frau mit? Pamela Druckermann nimmt die Leserinnen mit auf ihre persönliche Reise durch die Vierziger und versucht, mit teils philosophischen Alltagsbetrachtungen das Leben wahlweise zu erklären oder mit Humor zu nehmen.

Von der Mademoiselle zur Madame

Die Autorin ist eine in Paris lebende studierte weiße Amerikanerin, die mit einem intellektuellen Englänger verheiratet ist und tief in der Familie russische Wurzeln hat. Das Paar hat drei gemeinsame Kinder. Dieser Kontext ist insofern relevant, weil es in dem Buch an einigen Stellen um die eigene Rolle in der Familie und kulturelle Zusammenstöße geht.

Jeder kennt wohl Momente, in denen einem bewusst wird, dass man für andere Menschen nicht mehr jung wirkt. In Frankreich spielt es gemäß der Autorin für Frauen eine Rolle, wenn sie von Fremden, zum Beispiel Kellnern, nicht mehr als Mademoiselle angeredet werden, sondern als Madame. Vielleicht ist das vergleichbar damit, dass man in Deutschland in Geschäften und Kneipen nicht mehr geduzt, sondern gesiezt wird. Ausnahmen davon irritieren mich inzwischen sogar, wenn zum Beispiel eine Verkäuferin mich duzt. Es stört mich nicht, aber es überrascht mich.

Ich halte es damit, dass jeder am Ende sprichwörtlich irgendwann mal das Gesicht hat, das er verdient. Meins ist mit Lach- und Zornesfalten ausgestattet. Passt. Die Autorin tut sich allerdings deutlich schwerer damit, das zu akzeptieren, und fühlt sich innerlich deutlich jünger als äußerlich. Geht Dir das auch so? Dann wirst Du Dich beim Lesen verstanden fühlen.

Vierzig werden à la Parisienne - Hommage ans Erwachsensein Von Pamela Druckermann - Zitat Seite 42

In Teilen ist das Buch durchaus lustig geschrieben. Laut gelacht habe ich zum Beispiel über die Textstelle auf Seite 42, in der darum geht, dass nicht jede erste Ehe unter einem guten Stern steht. Ich bin in zweiter Ehe verheiratet, mein Mann in dritter. Ich lasse mich ohne zu Zucken Nummer 3 nennen, nur bei dem Spitznamen Nummer 3 von 4 gibt es Ärger! Wir konnten uns also beide über die Passage mit “Elaines erstem Ehemann” und “denjenigen vor dem Richtigen! herzhaft amüsieren.

Wodurch wird man erwachsen?

Mehr als einmal dachte ich beim Lesen bis Seite 104: Mensch Mädel, werde mal erwachsen. Immerhin lautet der Untertitel des Buchs “Homage ans Erwachsensein”. Dass sie mit dem Erwachsenwerden handfeste Probleme hatte, schreibt sie selbst. Das hat meinen Lesespaß im ersten Drittel teilweise erheblich gestört, weil es mich nervt, wenn Menschen nicht erwachsen werden. Anderseits ist mir die offen selbstreflektierende Art der Autorin sympathisch.

Ab Seite 105 wird sie dann auch in meinen Augen erwachsen und ich beginne, sie anders zu sehen. Was aber auch bedeutet, dass ich das Buch nach einer kurzen Leseprobe nicht gekauft und vielleicht als ganzes Buch nicht zu Ende gelesen hätte, wenn es kein Rezensionsexemplar wäre. Zwischendrin gibt es immer wieder Seiten mit treffenden Listen rund um die aktive und passive Wahrnehmung als Vierzigjährige. Diesem Punkt von Seite 49 – und vielen anderen aus den Listen – stimme ich unbedingt zu

“Sie wissen, dass Sie über 40 sind, wenn Sie einen Kaffee trinken, bevor sie zum Abendessen ausgehen.”

Den von ihr auf Seite 52 genannten Rat ihres Mannes Simon

“sich mit Menschen zu umgeben, die freundlich, lustig, vertrauenswürdig und klug sind”

befolge ich gerne. Das Buch wird im Verlauf deutlich tiefsinniger, als es zu Beginn erscheint. Es ist empfehlenswert für Leserinnen, die Lust haben, einen entspannten Blick auf die Veränderungen in den Vierzigern zu werden, darüber hier und da über sich und/oder die Autorin zu schmunzeln wollen und Lust haben, sich aufs Älterwerden einzulassen.

Ab wann ist man in Deinen Augen erwachsen?

(Affiliate Link)

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Mosaik Verlag (Werbung) aus der Random House Verlagsgruppe zur Verfügung gestellt. Die Autorin veröffentlichte zuvor bereits den internationalen Bestseller Warum französische Kinder keine Nervensägen sind (Affiliate Link).

15 Gedanken zu „Lesetipp: Die Vierziger als Frau

  1. Erwachsen ist man dann, wenn man bereit und in der Lage ist, Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen.

    Menschen, die sich weigern, erwachsen zu werden – ist ja auch eine Art Trend – gehen mir zunehmend auf die Nerven. Ab einem gewissen Alter wirkt die Pippi-Langstrumpf-Attitüde dann doch ein bisschen absurd, wenn sie gnadenlos durchgezogen wird.

    Liebe Grüße
    Fran

    • Die Definition gefällt mir. Mich macht das richtig aggressiv, wenn Menschen nicht erwachsen werden wollen. Am liebsten würde ich die schütteln …

  2. Hallo Ines,
    das ist ein Buchtipp, den ich auf meine Liste setzen werde.
    Richtig gern lese ch solche Bücher nicht unbedingt, aber in den Augen einer Französin, mais oui.
    Ab wann man erwachsen ist?
    Am Alter macht sich das bestimmt nicht fest. Manche müssen viel zu früh erwachsen sein.

    Wie sich das Älterwerden äußerlich bei mir äußert?
    Graue Haare natürlich und ein paar mehr Falten, aber die stören mich nicht.
    Nur wenn ich im Kaufhaus unterwegs bin und unverhofft in einen Spiegel gucke, denke ich manchmal, oops, das bin ja ich mit den weißen Haaren.

    Mein Fazit.
    Erwachsensein hängt nicht vom Alter ab, sondern von der inneren Reife.
    Die haben manche mit 18, manche noch nicht mal mit 80.
    Viele Grüße
    Claudia

    • Die Autorin ist keine Französin, sie lebt nur schon etliche Jahre in Paris.

      Mit den grauen Haaren geht es mir auf Fotos so, wenn die da grauer aussehen als in echt. Die Spiegelreflexkamera bekommt es nicht hin, meine echte Haarfarbe abzubilden. Bloglesende Freunde sind dann überrascht, wenn sie mich mal wieder live sehen, dass ich ja gar nicht sooo grau bin.

      Viel Spaß beim Lesen, falls es das Buch in Deine Hände schafft!

    • Ja, stimmt, sie ist keine Französin, das habe ich beim erneuten Lesen deines Posts gemerkt. Das kommt davon, wenn man zu schnell liest.
      Ich habe heute im Laufe des Tages öfters an das Buch gedacht und wollte es mir heute abend online kaufen. Aber nachdem ich mich noch mal näher damit beschäftigt habe, nee.
      Das könnte ich als Kolumne lesen, aber komplette Bücher, die so geschrieben sind, gehen mir irgendwann auf die Nerven.
      P.S.
      ja, stimmt, 3 von 4 ist auch schon viel, 2 von 4 auch, sogar 1 von 4, wenn es das richtige ist. :-)

  3. P.S.
    Den Rat auf Seite 52 befolge ich auch gern.
    Meine Zeit ist mir mittlerweile zu kostbar, als diesen Rat nicht zu befolgen :-)

    • Ist nicht immer einfach, aber wenn schon drei von vier Punkten erfüllt sind, ist das auch schon was.

  4. Mir wird dann und wann unterstellt, ich hätte wohl Schwierigkeiten mit dem älter werden, wenn ich sage fast 50. ich kläre dann gelegentlich auf, dass es mir eher Angst macht, dass die verbleibende Zeit inzwischen endlich ist. Die Hälfte ist rum, das finde ich schade.
    Mit Menschen, die nicht erwachsen werden wollen, habe ich meist meine Probleme, deshalb wären die ersten Seiten von dem Buch für mich auch schwer gewesen. Aber scheinbar lohnt sich ja das Weiterlesen.
    Liebe Grüße
    Andrea

    • Mir geht es ganz anders. Als ich in Deinem Blog vor einer Weile gelesen haben, dass Dir gesunde Ernährung und Lebensweise schon deshalb wichtig ist, weil Du nochmal so alt werden möchtest, wie Du bist, war mein panischer Gedanke: NEEEEEIIIIIN, ich will nicht noch nochmal 48 Jahre leben !!!!! Ganz ehrlich? Ich bin froh, wenn ich mein Leben anständig zu Ende bringe und das kann gerne morgen sein. Natürlich würde ich das als Mutter anders sehen, aber ich bin keiner folgenden Generation verpflichtet. Die Vorstellung noch 48 Jahre zu leben, empfinde als üble Bürde, die ich bitte nicht haben möchte. Keine Sorge, ich bin nicht suizidgefährdet. Ich lege nur einfach keinen Wert auf ein langes Leben.

      Wenn Du Dir wünscht, 100 zu werden, dann drücke ich Dir die Daumen, dass Dir das auf schöne Weise gelingt!

      Ja, das Weiterlesen lohnt, wenn man bis dahin gekommen ist.

    • Ines, wie schreib ich das jetzt?
      Du würdest sicher jeder Menge Leute fehlen, wenn dein Leben morgen zu Ende wäre. Mir, die ich dich nicht persönliche kenne, fallen auf Anhieb einige ein.
      Und mir würdest du auch fehlen.

      Zum Thema Siezen:
      Ich würde die Tochter im Abialter einfach fragen, wie sie angesprochen werden möchte.
      Herzliche Grüße
      Claudia

  5. Dezidiert habe ich Dir meine Meinung zum Thema Bürde gerade per Sprachnachricht und ganz persönlich mitgeteilt.
    Mit 50 könnte man wirklich darüber traurig sein, dass die Hälft vermutlich wirklich schon um ist. Aber es fühlt sich für mich nicht so an. Zumindest betrübt es mich nicht. Ich liebe mein Leben und genieße jeden Tag.
    Und klar. Ich höre einfach nicht auf, junge Menschen zu duzen.
    Wobei ich nichts dagegen habe, wenn sie mich auch duzen.
    BG Sunny

    • Bis zu welchem Alter etwa duzt Du junge Menschen? Wenn dann gegenseitig, sehe ich auch so.

      Was für mich immer schwierig ist der Hinsicht ist, sind Beratungen mit Mutter (mein Alter, siezt mich) und Tochter (Abialter, stellt sich nur mit Vornamen vor, siezt mich aber auch). Die Mutter sieze ich, aber wie rede ich die Tochter an? Meistens meide ich die namentliche Anrede bei der Tochter uns sage nur Du oder Sie je nach Gefühl. Denn meine Erfahrung ist, dass die Töchter mich nicht duzen wollen, wenn die Mutter das nicht tut. Und ich finde es doof, einseitig gesiezt zu werden. Das “Hamburger Sie” mit Du und Vornamen, wie in der Oberstufe üblich auch bei Lehrern Schülern gegenüber, mag ich da auch nicht.

  6. Liebe Ines,
    ich stimme Fran zu, Erwachsensein hat für mich nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit einer inneren persönlichen Reife, manche Menschen werden in meinen Augen nie erwachsen sondern einfach nur alt, das möchte ich nicht. Und es geht mir wie Dir, ich froh darüber, dass die Jahre vor mir weniger werden ich werde nächstes Jahr 60, das Leben fordert so einiges, aber ich bin auch nicht suizidgefährdet, ich werde gebraucht, das ist nicht immer einfach. Alles in allem genieße ich mein Leben und Falten habe ich auch.
    “sich mit Menschen zu umgeben, die freundlich, lustig, vertrauenswürdig und klug sind” ist ein sehr guter Rat; zu diesen Menschen, mit denen ich mich gerne umgeben würde, gehörst Du auf jeden Fall! “Umgeben” etwas weiter gefasst sozusagen, besser “nur “schriftlich als gar nicht, finde ich…
    alles Liebe Gabriele

    • Einfach nur alt zu werden (und vielleicht dennoch kindisch dabei zu sein), ist für mich auch eine schreckliche Vorstellung.

      Auch wenn ich Dir natürlich ein viel leichteres Leben gewünscht hätte, bin ich dennoch beim Lesen Deiner Worte ein bisschen froh, dass mich jemand verstehen kann, dass es nicht nur Freude bedeuten muss, viel Lebenszeit vor sich zu sehen. Ich wünsche Dir weiterhin die Kraft, Dein Leben zu meistern. Und ganz viele schöne Momente, die für den Rest entschädigen und auf die Du Dich immer wieder freuen kannst.

      Danke für Deine lieben Worte, so geht es mir mit Dir auch. Virtuelle Kontakte gehören für mich genauso zur Umgebung wie persönliche. Was bei mir in der Bloggerwelt eben auch dazu führt, dass ich nur Bloggerinnen lese, die diese Kriterien für mich erfüllen, und mich über ebendiese Leserinnen freue. Für alles andere ist mir meine Zeit zu schade, denn ich versuche, meine Zeit möglichst angenehm zu verbringen.

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