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Lesetipp **** Ich will mehr, als Du hast

Werbung – Rezensionsexemplar

Der Haben-Wollen-Reflex von Luke Burgis

Der Haben-Wollen-Reflex
Wie sehr die Macht der Nachahmung unser Leben bestimmt und wie wir uns davon lösen
von Luke Burgis

Paperback , 368 Seiten
ISBN 978-3-86731-255-4
Erschienen am 13. Juni 2022 im VAK Verlag (Werbung)
Eine Leseprobe findest Du auf der Verlagswebsite.

“Warum scheint das Gras auf der anderen Seite des Zauns immer grüner zu sein? Oder anders gefragt: Wieso eifern wir immer anderen nach und wollen haben, was sie haben wollen? Die Antwort liegt tief in unserer Psyche begründet: Wir alle werden von einem mimetischen Begehren gelenkt, einem nachahmenden Verlangen, wodurch Menschen oder Dinge unwiderstehlich anziehend auf uns wirken, sobald sie bereits von anderen begehrt werden (Mimesis = altgriech. Nachahmung). Aus diesem „Haben wollen“ entstehen Eifersucht, Neid und Gewalt. Doch wie können wir uns aus diesem Mechanismus befreien und unseren authentischen Wünschen und Zielen auf die Spur kommen?

Luke Burgis erläutert die psychologischen und soziologischen Hintergründe des mimetischen Begehrens: Abgesehen von grundlegenden Bedürfnissen wie Essen und Trinken wissen wir eigentlich gar nicht, was wir wirklich wollen. Unsere Wünsche und Bedürfnisse richten sich von Anfang an nach dem, was andere für begehrenswert halten, oder danach, was eine Zeit oder eine Mode zu angeblichen Bedürfnissen idealisiert. Das hat Auswirkungen auf alle Lebensbereiche, wie zum Beispiel unsere Berufsziele, die Partnerwahl oder den Kleidungsstil. Doch dieses „Haben wollen“ um des „Haben wollens Willen“ kann uns nie wirklich zufrieden stellen. Dies nutzen Werbung, Influencer und Social Media, indem sie ein Verlangen nach ihren Produkten wecken, und in letzter Konsequenz können auch schwerwiegende Konflikte bis hin zu Kriegen auf die Mechanismen des mimetischen Begehrens zurückgeführt werden.

Hier setzt Luke Burgis an. Wir lernen, unser nachahmendes Verlangen zu erkennen und uns daraus zu lösen. So wird der Weg frei, die Dinge zu finden, die wirklich von Bedeutung für uns sind und uns auf lange Sicht erfüllen. Konkrete Taktiken, wie wir dem mimetischen Begehren ein Schnippchen schlagen und die Selbstkontrolle wieder erlangen, runden dieses hochaktuelle Buch ab.

Verlagstext

Gründe für mich, diese Buch zu lesen

  1. Wie sieht es mit dem Umgang und der Kontrolle meines eigenen Haben-Wollen-Reflexes aus?
  2. Wie gehe ich als (Mikro-)Influencer damit meinen Blogleser_innen und Kunden gegenüber um? Denn natürlich möchte ich hier und da Begehren wecken, sonst würde weder Werbung hier funktionieren, mit der ich Geld verdiene, noch jemand meine Beratungsdienstleistungen in Anspruch nehmen, die meine Geschäftsgrundlage sind. Allerdings ist mir dabei wichtig, nur Begehren zu wecken für etwas, das ich selbst auch begehrenswert finde.

Auf der einen Seite bin ich also Kundin, auf der anderen Seite interessiert mich die Marketingsicht. Um es vorweg zu nehmen: Der zweite Punkt trat beim Lesen für mich sehr schnell in den Hintergrund, denn die Perspektive des Autors bezieht sich stark auf sein eigenes Handeln und Empfinden bzw. das seiner Beispielpersonen, auch wenn diese wiederrum Unternehmen führen.

Die Rezension schreibe ich folglich aus meiner Sicht als Verbraucherin und Konsumentin von Social Media. Die Einführung und Teil I – Die Macht des mimetischen Begehrens – haben mir bis Seite 193 sehr gut gefallen. Die Beispiele sind deutlich und werden immer wieder neu verknüpft.

Von Teil II – Die Transformation des Begehrens – hatte ich mich mehr versprochen, der ist mir zu theoretisch dafür, dass es eigentlich um die Umsetzung geht. Den habe ich nach kurzer Zeit nur noch überflogen.

Die letzten 62 Seiten bestehen aus dem Nachwort, Danksagung, Anhang, Anmerkungen, Literatur und Quellen. Es war also nur etwa die Hälfte des Buchs richtig spannend für mich, deshalb bekommt es von mir nur vier Sterne. Für die erste Hälfte hätte es sofort fünf bekommen.

Von Gleichheit und Unterschiedlichkeit

Luke Burgis beschäftigt sich an diversen Stellen des Buchs mit der Frage, welche Rolle Gleichheit und Differenzierung von anderen Menschen der Boden für unser Streben nach Status und Besitz sind.

“Menschen kämpfen nicht, weil sie unterschiedlich sind, sondern weil die gleich sind, und in ihrem Versuch sich zu unterschieden, haben sie sich zu feindlichen Zwillingen gemacht, menschlichen Ebenbildern in gegenseitiger Gewalt.”

Zitat von René Girard nach Sandor Goodhart, im Buch Seite 36f

Als ich das gelesen habe, hatte ich das Gefühl, dass mir ein Spiegel vorgehalten wird, denn ich mag kein Zwilling sein. Ein Grund meines Strebens ist also das Leugnen meines Zwilling-Seins und der enorme Wille, das in Differenzierung auszudrücken. Ich erinnere mich glasklar an die letzte Situation, in der man mich als Zwilling sah und ich mich (verbal) Händen und Füßen gewehrt habe und aus der Situation geflüchtet bin.

“Warum sehen alle Hipster gleich aus und trotzdem hält sich keiner von ihnen selbst für einen?

Seite 104

Die Antwort darauf lautet nach Luke Burgis gespiegelte Nachahmung (Seite 104f). Weil Spiegel die Wirklichkeit verzerren, zeigen sie Dinge seitenverkehrt – aus der rechten Hand wird die linke und umgekehrt. Das Spiegelbild wird zum Gegenteil dessen, was ich im Rivalen sehe. So mache ich scheinbar etwas anderes als das, was der Rivale tut.

Das ist übrigens exakt der Grund, warum ich empfehle, Outfits auf Fotos zu betrachten und nicht nur im Spiegel, weil wir uns auf Fotos so sehen, wie andere Menschen uns sehen.

Abgrenzung von schlechten Vorbildern

Jeder kennt Menschen, bei denen es einem nicht gut geht, wenn wir sehen, was sie machen oder sich darstellen – in sozialen Netzwerken ebenso wie im realen Leben. Ich stimme dem Autoren sowas von zu, dass es wichtig ist, sich von diesem Einfluss zu lösen.

Über die Jahre haben sich in meinem virtuellen Umfeld einige Menschen angesammelt, die mir schlechte Laune machen, wenn ich sehe, wie sie sich im Netz darstellen, um Aufmerksamkeit heischen, illegale Dinge tun für ihre Reichweite und dafür beklatscht werden wollen. Meine Nerven und Zeit sind mir schon lange zu schade dafür, mich mit solchen Menschen zu beschäftigen.

Ich entfolge solche Menschen, lese deren Posts wirklich nicht mehr, und blockiere sie, falls sie mir im Netz dennoch vorgeschlagen werden. Ich kenne einige Blogger, die immer wieder bei ihren Feinden lesen als Amüsement und mir dann ab und an mal die größten Aufreger zukommen lassen.

Nach dem Motto: Das musst Du jetzt wirklich mal gesehen haben, was die da wieder veranstaltet. Nein, muss ich nicht. Will ich nicht. Ist nicht gut für meine Psycho-Hygiene. Seit ich diese Einstellung habe, bin ich wesentlich entspannter, was meine eigene Präsenz im Netz angeht.

Finde Dein Schwungrad

Der Autor arbeitet mit dem Bild des Schwungrads, das wirklich schwer in Gang zu bekommen ist, aber wenn es sich erst einmal dreht, durch kleine Impulsen immer schneller wird. Er schreibt (Seite 131), dass die wirkungsvollsten persönlichen Schwungräder Menschen haben, die sich selbst gut kennen und dass diese Menschen vermutlich von sich aus wissen, welche Dinge die Wahrscheinlichkeit erhöhen oder verringern, dass sie zukünftig etwas Bestimmtes tun wollen.

Seit ich in den letzten Jahren zu dieser Klarheit gekommen bin, was mir wichtig ist und was ich bereit bin, dafür zu tun, geht es mir erheblich besser. Einen deutlichen Anteil bei der Verfeinerung haben die Corona-Jahre 2020/21 dabei gehabt mit den verbundenen wirtschaftlichen und gesundheitlichen Sorgen. Einen ebenso großen Anteil dürfte das Streben nach Minimalismus im Haushalt und Kleiderschrank daran haben.

Für wen ist das Buch?

Das Lesen des Buchs kann sinnvoll sein für Dich, wenn Dir unklar ist, welche Mechanismen Dich und Deinen Haben-Wollen-Reflex steuern. Jeder wird etwas lernen beim Lesen. Für mich war der geleugnete Zwillingsteil wichtig, für andere sicher etwas anderes.

Es ist ein Sachbuch mit teils recht wissenschaftlicher Sprache und vielen Zitaten. Dich erwartet keine Unterhaltungslektüre, sondern Fachliteratur – aber auch die kann unterhaltsam sein.

Wie gehst Du mit dem Haben-Wollen-Reflex um?


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Kleiderschrankinventur Herbst 2022

Hallo Herbst!

Zum Feiertag gibt es heute einen Beitrag außer der Reihe. Dunkelbraun und Blau sind die dominanten Farben in meinem Schrank für den Herbst und das entspricht exakt meinen Lieblingsfarben bei Kleidung. Rot und Orange als Akzentfarben bringen Leben dazu.

Kleiderschrankinhalt im Oktober 2022 in Stückzahlen

Kleiderschrankinventur Herbst 2022 - Minimalismus in der Praxis
OberbegriffDetailsStückzahlZwischensumme
HosenJeans4
Stretchhosen1
Cordhose1
Sommerhosen39
ShirtsTop0
T-Shirts Kurzarm10
T-Shirts 3/4 + 1/1-Arm313
Tuniken & Blusen88
Pullover & Co.Fleece-/Sweatshirts/-jacken3
Pullover4
Strickjacken5
Rollkragenpullover3
Pullunder116
Blazer11
Kleider
Winter-/Ganzjahreskleider4
Sommerkleider3
Anlasskleider07
Jacken & MäntelWollmäntel2
Winterjacken/-mäntel2
Westen3
Leichte Steppjacken1
Regenjacken/-capes6
Jeansjacke1
Sommermäntel116
TextilaccessoiresSchals & Tücher18
Ponchos2
Hüte & Kappen & Mützen7
Handschuhe4
Handstulpen233
SchuheStiefel1
Stiefeletten3
Sneaker2
Halbschuhe1
Sandalen/-etten2
Wanderschuhe1
Loafer1
Pumps112
Handtascheninkl. Abendtaschen1111

Summe: 127 Teile

Nicht enthalten in der Tabelle sind Unterwäsche, Strumpfhosen, Leggings, Schlafzeug, Sportbekleidung, Hausschuhe, Gürtel, Schmuck und Brillen.

Veränderungen seit dem Frühling 2022

Kleiderschrankinventur Herbst - Veränderungen in Stückzahlungen im Vergleich zum Frühjahr 2022 - Minimalismus in der Praxis

Die blauen Blusen haben mich in den letzten Wochen verlassen und wurden durch eine blaue Ganzjahresbluse und drei braune Sommertuniken ersetzt, die jetzt erst einmal in den Winterschlaf gehen.

Ein schwarzes Top war seit Jahren in der Liste und ist jetzt nicht mehr dabei. Da ich es als Top nicht mehr getragen habe, wurde es zum Unterhemd erklärt und hat die Schublade gewechselt. So wird es wenigstens angezogen.

Mit Pullovern und Strickjacken bin ich wirklich gut ausgestattet, da möchte ich aktuell nichts kaufen, auch wenn es noch so schön sein mag. Bei den Tüchern habe ich ein bisschen aussortiert und es sind neue dazu gekommen. Weil ich so gleichförmige Kleidung trage, habe ich bei diesen Accessoires gerne ein bisschen Abwechslung. Bei den Tüchern finde ich meistens Abnehmer aus meinem Umfeld.

Der eine Blazer ist der Liste wurde erneuert, der alte saß nicht mehr und war mir inzwischen zu kurz und ausgestellt. Der neue ist – Überraschung – ebenso dunkelblau und ganz klassisch geschnitten. Zwei aufgetragene Ringelshirts mit 3/4-Arm wurden durch dunkelblaue Kurzarmshirts ersetzt.

Meine letzte Bermuda hat ein neues zu Hause bei einer Leserin gefunden und wurde durch eine dunkelblaue Sommerhose ersetzt. Damit fühle ich mich deutlich wohler. Das braune Sommerkleid hat sich nach drei Sommern aufgelöst.

Das langärmelige Jeanskleid habe ich über Instagram verkauft. Ich habe es schon zwei Saisons nicht mehr gerne getragen, so dass ich froh bin, dass es jemand anders haben wollte. Das rote Sweatkleid hat ihm bei mir den Rang abgelaufen. Die gelbe Steppweste, die bei mir Schrankhüter war, seit ich die gleiche in blau gefunden hatte, hat eine Leserin gekauft.

Ein Paar Stiefeletten habe ich ins Sozialkaufhaus gegeben, weil ich nicht mal mehr auf einem Absatz mit nur 5 cm auf Dauer gehen oder stehen kann. Schuhe, die mein Knie töten, will ich nicht haben. Die farbenfrohen Sneaker wurde zu Sportschuhen und taucht daher nicht mehr in der Liste auf. Die weißen Sneaker werden in den nächsten Wochen den Geist aufgeben, sie lösen sich innen auf. Der Ersatz in Cremeweiß ist schon hier. Der Frühling kann kommen!

Damit sind drei Teile weniger im Kleiderschrank als im Frühjahr 2022, ein Teil mehr als im Herbst 2021. Passt! So um die 130 Teile scheint ein gutes Maß für mich zu sein, darauf hat es sich seit Jahren eingependelt.

Wünsche

Mir fehlt ein Paar Schuhe für Hunderunden, wenn es warm ist. Nach denen werde ich im Frühjahr schauen. Wenn mir dabei eine leichte Sommerhose über den Weg läuft, würde ich die kaufen, weil die rote Sommerhose nicht mehr schön ist.

Wie bist Du für den Herbst und Winter ausgestattet?


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Einheitslook Sommer 2022

Werbung wegen Namensnennungen ohne Auftrag

Ines Meyrose - Outfit 2022 - Einheitslook Sommer - Tunika mit Lochstickerei in braun, dunkelblauer Chino und weiß-gelben Sneakern

Meine persönliche Uniform im Sommer 2022

Wenn Du regelmäßige Leser_in dieses Blogs bist, kennst Du meine Vorliebe für persönliche Uniformen. Sie schaffen einen Wiedererkennungswert, machen das Ankleiden einfach und sind für Minimalisten wie mich wie geschaffen.

Im Frühling 2021 habe ich Dir meinen Einheitslook mit blauer Bluse vorgestellt und im Lauf des Jahres weitere Outfits damit gezeigt, die unter dem Schlagwort blaue Bluse zu finden sind. Die Blusen habe ich bis weit in den Herbst hinein getragen und im Frühling 2022 sofort wieder, als es warm genug dafür war.

Nun sind die vier Blusen nach unzähligen Wäschen abgenutzt und ausgewaschen, so dass sie jetzt aussortiert werden. Die eine längere dunkelblaue Bluse 2.0 im Tunikaschnitt mit 3/4-Arm ist noch schön, die habe ich aber auch geschont.

Die Frage war nun, wie ich die vier langärmeligen dunkelblauen Blusen ersetzen wollte. Dazu habe ich eine neue langärmelige dunkelblaue Bluse von Basler bei Peter Hahn gekauft. Sie ist recht lang und passt ganzjährig gut zu schmalen Hosen. Weil sie hochpreisig ist, habe ich mir davon nur eine gegönnt.

Gleichzeitig habe ich mir eine dunkelbraune Tunika mit Lochstickerei bei Gerry Weber ebenfalls dort gekauft. Die war schon etwa 50 % reduziert. Nach einigem Tragen gefiel sie mir so gut, dass ich sie direkt noch zweimal gekauft habe. Bei Peter Hahn war Größe 42 dann ausverkauft, aber bei Gerry Weber direkt habe ich sie in der passenden Größe zum Glück noch gefunden und ebenso für etwa den halben Preis erstanden dank des Sales.

Nachteile der braunen Tuniken

Ines Meyrose - Outfit 2022 - Einheitslook Sommer - Tunika mit Lochstickerei in braun, dunkelblauer Chino und weiß-gelben Sneakern
  • Sie haben nur 3/4-Ärmel und sind deshalb nur ab gewissen Temperaturen tragbar.
  • Sie sind dünner, was sie ebenso sommerlicher macht – deshalb auch Sommer-Einheitslook und nicht Frühlings-Einheitslook.
  • Mit den weiten Ärmeln passen sie nicht unter jede Jacke, aber das ist für mich nicht störend, weil ich außer Regenjacken im Sommer eh kaum Jacken trage und darunter passen sie. Pullover oder Strickjacken mag ich über Blusen eh nicht tragen.
  • Die eingesetzten Ärmel könnten für meinen Geschmack auf das Überschnittene verzichten, aber das ist bei dieser Bluse so gedacht. Muss ich durch – den Kompromiss gehe ich ein für die folgenden Vorzüge.

Vorzüge der braunen Tuniken

Ines Meyrose - Outfit 2022 - Einheitslook Sommer - Tunika mit Lochstickerei in braun, dunkelblauer Chino und weiß-gelben Sneakern
  • Das Material ist 100 % Baumwolle ohne Elasthan.
  • Sie sind auch an heißen Tagen wunderbar tragbar.
  • Sie knittern relativ wenig. Die Fotos sind am späten Nachmittags nach einem Tag mit Regenjacke und Umhängetasche entstanden. Ja, frisch gebügelt sähe sie besser aus, aber für die Umstände bin ich mit dem Knitterzustand wirklich zufrieden.
  • Mit der Lochstickerei und den Bändern am Kragen bringen sie mal wieder eine leicht verspielte Note in meinen Stil.
  • Sie sind dunkelbraun! Ich habe etwa zehn Jahre darauf gewartet, dass es endlich wieder dunkelbraune Oberteile gibt!

Nach dem Abwägen der Vor- und Nachteile freue ich mich, zu einem guten Preis drei schöne Tunikablusen erstanden zu haben. Sie werden mich durch den August und September begleiten und ich freue mich schon jetzt darauf, sie an den ersten warmen Tagen im Frühling 2023 wieder anzuziehen.

Wenn Du mich im Moment in einer der braunen Tuniken triffst, trage ich dazu wahrscheinlich eine Sommerhose in Dunkelblau, Rot oder Hellbeige mit weißen Sneakern oder Sandalen.

An dem Tag, als die Fotos entstanden sind, habe ich mit Nicole vom Blog Life with a glow einen Ausflug in Hamburg um die Alster herum unternommen. Wir waren spazieren, Kuchen essen, sind zwei Stationen Alsterdampfer gefahren, haben in kleinen Läden gebummelt, nichts gekauft und haben erfolgreich einen halben Tag verquatscht. Danke, liebe Nicole, für Deinen Besuch und die Fotos!

Die Hose und ihre Tücken

Ines Meyrose - Outfit 2022 - Einheitslook Sommer - Tunika mit Lochstickerei in braun, dunkelblauer Chino und weiß-gelben Sneakern

Die dunkelblaue Chino in 6/8-Länge von Gardeur, die ich auf den Bildern trage, ist ein etwas schwieriges Thema. Sie wird bei der Aufstellung Gute Käufe – schlechte Käufe 2022 bei den Fragezeichenteilen landen. Sie ist kein Fehlkauf, denn ich trage sie gerne. Aber sie hat ihre Tücken, so dass ich sie zum Originalpreis nicht erneut kaufen würde.

Der Baumwollmix trägt sich fantastisch, auch bei Hitze. ABER die Nähte ziehen sich in der Wäsche extrem zusammen. Es hilft auch nicht, wenn man in nassem Zustand versucht, sie wieder lang zu ziehen. Außerdem zieht sie Staub und Fussel an wie die Pest. Die Fusselrolle ist ihr bester Freund.

Ich habe die Hose hier vor Ort bei SiNN gekauft und bereits einmal reklamiert. Ehrlich gesagt ist der Grund, warum ich sie nicht nochmal reklamiert habe, neben den schönen Trageeigenschaften der Preis der Austauschhose.

Die erste hat 100 Euro gekostet, dafür darf das nicht sein. Bei der Reklamation wurde der Betrag erstattet und die Hose war inzwischen reduziert und kostete mit Kundenkarte nur noch 50 Euro. Es war nicht mein Ansinnen bei der Reklamation die Hose günstiger zu bekommen, das war einfach Glück.

Für 50 Euro kann ich mit dem Manko leben, da sind meine Ansprüche geringer. Für 100 Euro hätte ich auch den zweiten Versuch reklamiert. Zum Glück war die Anerkennung der Reklamation an sich und Gutschrift der Zahlung völlig unkompliziert.

Es war vereinbart, dass ich auch die zweite Hose problemlos nach einigem Tragen (und vor allem Waschen) mit Geldrückgabe reklamieren dürfte. Es war also meine Entscheidung, sie trotz der negativen Seiten zu behalten. Wenn ich sie trage, fühle ich mich wohl darin. Das ist die Hauptsache.

Wie würdest Du die Tunika kombinieren?


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Warum man nicht im eigenen Kleiderschrank einkaufen kann

Wenn man sich als Konsument mit Mode und Einkaufsverhalten von Kleidung beschäftigt, stolpert man seit geraumer Zeit im Internet über Formulierungen wie

  • Shop your (own) closet
  • Shoppen im eigenen Kleiderschrank
  • Kleiderschrankgeshoppt.

Bei Fran im Blog kannst Du lesen, warum sie nicht im eigenen Kleiderschrank einkauft. Der Beitrag und die Kommentare dort haben mich dazu veranlasst, meine Meinung zu dem Thema hier nochmal ausführlich auszubreiten, denn nicht jeder weiß, was mit den Begriffen gemeint ist. In meiner Lernliste vom September 2021 ging es bei Punkt 17 und in den Kommentaren dazu auch schon darum.

Bei jeder dieser obigen Formulierungen bekommt mein Gehirn eine Krise. Wortwörtlich übersetzt sind sie so absurd, dass mir eigentlich die Worte fehlen. Weder will ich meinen Kleiderschrank kaufen, noch seinen Inhalt. Vielmehr hätte ich gerne einen neuen Kleiderschrank, aber das ist ein anderes Thema ;).

Ich kann Dinge woanders – gebraucht oder neu – kaufen, aber nicht bei mir selbst. Vom gruseligen Denglisch der eingedeutschten Formulierungen sehe ich jetzt mal ab …

Woher kommt die Idee vom Shoppen im eigenen Schrank?

Es gibt Menschen, die derart vollgestopfte Kleiderschränke haben, dass sie jeden Überblick verloren haben, was sich in deren Tiefen befindet. Um damit einen sinnvollen Umgang zu finden und nicht noch mehr Klamotten in den Schrank zu quetschen, kann man

  • anstatt neue Klamotten zu kaufen, im Bestand schauen, ob man bereits etwas hat, das der Vorstellung entspricht. So können alte Dinge zu neuen Ehren kommen, ohne neue Sachen zu kaufen.
  • Kleidung aus dem Bestand neu kombinieren, um andere Looks damit zu entwerfen. Je besser man seine Sachen kennt, umso leichter fällt das.

Außerdem gibt es Menschen, die das Gefühl haben, dass man einen Look nur einmal tragen kann. Die sollen mit der Formulierung vom Kauf neuer Dinge abgehalten werden. Frei nach dem Motto: Kaufe bei Dir selbst ein und nicht im Laden.

Einmal-Outfits? Nein, Danke.

Mich fragte neulich eine Freundin, ob sie ein maßgeschneidertes Kleid auf einer Feier tragen kann, bei der viele Menschen sind, die das Kleid vor einigen Jahren auf einer anderen Feier gesehen haben, für die sie das Kleid hatte anfertigen lassen.

Nachdem ich sie darin bestärkt habe, dass es das einzig Richtige ist, selbstverständlich das Kleid zu tragen, war sie erleichtert und fragte sich, warum sie im Grunde überhaupt daran gezweifelt hat. Zumal sie zu den Menschen gehört, die Bekleidung teilweise über Jahrzehnte tragen.

Mit anderen Schuhen und Accessoires fällt es entweder eh niemandem auf oder man wird einfach denken, wie gut sie wieder in diesem Kleid aussieht. Und das tut sie!

Wer sich im Jahr 2022 allen Ernstes noch daran stört, wenn ein Outfit mehrfach getragen wird, ist dem nicht mehr zu helfen.

Vor allem, wenn für einen Anlass ein günstigeres Kleid angeschafft werden würde, das schlechter aussähe als das aus dem Bestand, oder ein ähnlich hochwertiges, was am Ende dann ebenso zu selten getragen werden würde, wie bereits das erste.

Die Kosten pro Tragen sind bei Anlasskleidung eh schon hoch genug. Die muss man durch ein weiteres Kleid nicht noch verdoppeln. Das würde jegliches Aufgehen der Modemathematik unmöglich machen.

Die Geschichte zeigt, dass die Idee, lieber im eigenen Schrank ein Outfit zu suchen als im Laden, durchaus gut ist. Nur ist es eben kein Shoppen.

Wie nenne ich das Kind?

Anstatt im eigenen Kleiderschrank zu shoppen, spreche ich zum Beispiel einfach davon

  • Kleidungsstücke und Accessoires neu zu entdecken
  • Outfits zusammenzustellen
  • Kombinationen durch Ausprobieren zu finden.

Ganz platt formuliert kann man auch einfach sagen: Ich ziehe mich an.

Überblick ist die Voraussetzung

Minimalismus im Kleiderschrank - gleiche Bügel helfen beim Überblick

Egal, wie viele Klamotten, Schuhe, Taschen, Schals und Schmuck Du besitzt: Das Geheimnis lautet Überblick! Es mag Menschen geben, die sich freuen, wenn sie aus Versehen in den Tiefen ihres Kleiderschranks Dinge finde, deren Existenz sie vergessen haben. Das mag sich wie ein Neukauf anfühlen, ist es aber nicht.

Die Liebe wird zu dem gefundenen Teil zuvor nicht sooo groß gewesen sein, denn sonst hätte man es auf dem Weg ins Nirwana des Kleiderschranks vermisst, oder? Um bei der von mir nicht geliebten Formulierung des Shoppens im eigenen Kleiderschrank zu bleiben: Du würdest einen Fehlkauf ein zweites Mal machen. Oder etwas erneut kaufen, dessen Zeit es bei Dir hinter sich hat und so zum Fehlkauf beim zweiten Kauf würde.

Kleiderschrankinventuren helfen

Zum Frühlings und Herbst mache ich alle sechs Monate eine Kleiderschrankinventur. Dabei schaue ich alle Sachen einmal kurz an und trage sie in einer Tabelle ein, um einen Überblick über den Bestand zu haben.

Mit der Methode sehe ich auf einen Blick, wovon ich zu viel, ausreichend oder zu wenig besitze. Es können daraus Einkaufslisten und Kaufverbotslisten entstehen.

Die Listen können dazu beitragen, dass man nicht ständig Kleider kauft, obwohl man die kaum trägt, auch wenn sie noch so schön sind. Oder sich endlich mal die Mühe macht, einen neuen Blazer zu finden, was schwer werden kann, den man aber vielleicht so langsam wirklich mal anschaffen könnte, weil der alte nicht mehr sitzt.

Die Kleiderschrankanalyse zweimal im Jahr zu machen, ist zu Beginn der Anwendung des Verfahrens gut, weil man sich insgesamt mehr mit seinen Sachen vertraut macht. Wenn man das ein paar Mal gemacht hat, reicht es im Grunde jährlich. Warum mache ich es dennoch zweimal im Jahr? Ich habe dann was zum Verbloggen und der Überblick schadet mir nicht. Ohne den Blog würde ich das jährlich machen.

Wenn Du den größten Teil Deiner Kleidung regelmäßig trägst, brauchst Du bei der Bestandsaufnahme nicht alles anzuprobieren, weil Du eh weißt, falls etwas nicht passt oder zu reparieren ist. Wenn Du nur einen Teil Deiner Sachen trägst, kann eine Anprobe der Dinge sinnvoll sein, die Du länger nicht getragen hast. Dann dauert das Prozedere entsprechend länger, ist die Mühe aber wert, weil Du Erkenntnisse gewinnen wirst.

Ordnung mit System

Wenn Dein Schrank klein oder sehr voll ist, ist es sinnvoll, Kleidung saisonal aus dem Schrank zu nehmen und in Kisten staubsicher anderswo unterzubringen. Auch Kleidung, die gerade deutlich zu klein oder zu groß ist oder nicht zu Deinem aktuellen Lebensstil passt, aber noch aufbewahrt werden soll, lagert besser außerhalb der täglichen Sichtweite.

Das können Hosenanzüge aus der Vor-Homeoffice-Zeit sein, Businesskleidung in der Elternzeit oder bei Gewichtsschwankungen Sachen in Größen, die realistisch in den nächsten zwei Jahren zu erreichen sind.

Wenn Dein Kleiderschrank für alles Platz bietet, kannst Du die Sachen, die Du gerade nicht tragen wirst, in höher gelegene Fächer legen oder in zweiter Reihe in Fächern, wenn der Schrank tief genug ist. Nicht aktuelle Bügelware kann in einem Bereich hängen, der eher seitlich im Schrank ist.

Wichtig ist, dass beim Öffnen des Schranks auf einen Blick die Dinge zu sehen sind, die realistisch zu heute tragbaren Outfits werden können.

Ob Du Deine Kleidung lieber faltest, rollst oder auf Bügel hängst, spielt bei der Ordnung an sich keine Rolle. Egal ist auch, ob Du Deine Sachen nach Outfits kombiniert samt Accessoires in den Schrank beförderst oder lieber nach Kategorien wie Blusen, Shirts, Hosen, Kleider oder Anlässen wie Businesskleidung, Freizeitlooks und Sportsachen.

Hauptsache ist, dass Du einen Überblick hast und in etwa weißt, was Du kombinieren könntest. Deinen Hosen ist es egal, ob sie im Stapel auf- oder nebeneinander liegen oder sich auf einem Bügel befinden. Wichtig ist nur, dass Du wirklich alles sehen kannst, was Du anziehen könntest. Stapel in zweiter Reihe oder Blusen, die unter anderen hängen, werden im Alltag selten beachtet. Deshalb vermeide ich beides.

Bei der Entscheidung, ob ich Kleidung lege – gefaltet/gerollt – oder auf Bügel hänge, spielt für mich eine Mischung aus Platz im Schrank, anteilig vorhandener Regal-/Stangenfläche und Empfindlichkeit der Ware eine Rolle.

Es gibt Sachen, die knitterempfindlich sind, und deshalb besser auf einem Bügel aufgehoben sind oder weiter oben in einem Stapel. Grundsätzlich hänge ich nur leichte Kleidung auf Bügel. Gerade bei Strickwaren von T-Shirts aus Jersey über leichte Cardigans bis zum leichten Strickkleid achte ich darauf, dass sie locker auf den Bügeln hängen.

Schwere Kleidung kann sich auf einem Bügel aushängen und die Form in sich verlieren. Außerdem können Bügel dauerhaft Dellen an den Schultern hinterlassen, weil sich das Material verzieht. Das kann bei zu schmalen oder breiten Bügeln auch bei gewebten Sachen wie Blusen oder Kleidern passieren.

Was spricht dennoch für Hängen anstatt Legen? Die Sachen bleiben beim Hängen glatter und man sieht mehr von der Kleidung, um eine Wahl für ein Outfit zu treffen.

Bei mir hängen Jacken, Mäntel, Westen, Blazer, Blusen, Shirts, Hosen und Kleider auf Bügeln. Pullover, Strickjacken, Sportbekleidung, Nachtwäsche, Unterwäsche, Tücher und Sachen, die gerade nicht zur Saison passen, sind gefaltet oder gerollt.

Wenn Du das Thema nicht alleine angehen möchtest, kannst Du mich im Raum Hamburg für eine Kleiderschrankinventur buchen.

Capsule Wardrobe

Eine saisonale Capsule Wardrobe kann sinnvoll sein, wenn Du viele Sachen besitzt und von der Auswahl überfordert bist, dennoch aber alle Sachen behalten möchtest.

Wenn Du aus Deinem Sortiment nur einen kleinen, gut kombinierbaren Teil Deiner Kleidung für die jeweilige Saison auswählst und die in den Sichtbereich nimmst, spart das Zeit beim Zusammenstellen der täglichen Looks.

Wichtig ist, dass Du beim Zusammenstellen Deiner jeweiligen Kapsel alle Dinge aus dem Schrank in Betracht ziehst, damit es keine dauerhaften Schrankleichen gibt.

5 Tipps für alle, die gerne mehr im Schrank haben

  1. Verschaffe Dir einen vollständigen Überblick über Deinen Bestand und sortiere ihn nach einem zu Dir passenden System.
  2. Bevor Du etwas Neues kaufst, schau im Schrank, ob Du so etwas ähnliches vielleicht schon hast, was Du dafür vernachlässigen würdest.
  3. Kaufe nur Kleidung für die Du Trageanlässe hast. Wenn Dich ein Abendkleid anlacht und Dir die Einladung für einen Anlass, an dem Du es tragen könntest, fehlt, kaufe Dir direkt Opernkarten dazu. Warte nicht darauf, dass die passende Einladung ins Haus flattert. Das tut sie zu selten. Sorge selbst dafür. Kleidung ist zum Tragen gedacht, nicht zum Ansehen. Dein Schrank ist kein Museum. Und wenn doch: Trenne den musealen Erinnerungsbereich vom aktiven Bestand.
  4. Wenn Du gerne vielfältige Outfits magst und nicht immer das gleich tragen möchtest, kombiniere bewusst Kleidungsstücke miteinander, die Du so noch nie zusammengetragen hast.
  5. Wenn Du Dich gerne vom eigenen Besitz überraschen lässt und Dich über Funde aus den Tiefen des Kleiderschranks freust: Viel Spaß mit Deinen Funden, aber bitte nenne sie Fundstücke und nicht Käufe aus dem eigenen Kleiderschrank. Das ist ehrlicher.

Wie gehst Du mit Deinem Bekleidungsbestand um?

PS: Ich freue mich, wenn ich eine Bloggerin wie Tina mit solchen Beiträgen dazu bringe, sich ihrem Fundus zu stellen und mehr Platz im Kleiderschrank zu schaffen, wie sie kürzlich gezeigt hat.

PPS: Ich weiß, dass Bloggerin Traude Rostrose die Formulierung aus dem Kleiderschrank geshoppt liebt und damit ihr Bedürfnis nach einem nachhaltigen Lebensstil zum Ausdruck bringen möchte.

Am Ende gibt es keine Wörterpolizei, aber Wünsche kann ich haben, oder? Traude, ich bin gespannt, ob ich mich zuerst an Deine Formulierung gewöhne oder Du Dir eine andere angewöhnst ;).


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Von der Minimalistin zur Maximalistin?

Es hat mich glücklich und zufrieden gemacht, dass ich in den letzten drei Jahren meinen Hausstand deutlich verringert habe. Was bleibende Dinge angeht, liebe ich Minimalismus. Das Haus ist schnell geputzt und leicht ordentlich zu halten. Dass ich für die Renovierung meines Büros nur eine Stunde zum Ausräumen gebraucht habe, war perfekt.

Vorteile leerer Vorratsschränke

Es hat mich aber auch glücklich gemacht, quasi keine Vorräte bei Lebens- und Putzmitteln zu haben. Lebensmittel verderben, wenn man nicht regelmäßig auf das MHD achtet. Putzmittel können giftige Ausdünstungen haben, man denke nur an den Geruch in der Drogerie in der Abteilung.

Ich hatte alles erfolgreich reduziert, so dass nur sich leerende Einheiten nachgekauft wurden und die Aufbewahrungsfächer fast leer waren. Der Lohn dafür war ein perfekter Überblick.

Selbst zu Beginn der Pandemie, als auf einmal Klopapier, Mehl und Nudeln ausverkauft waren, gehörte ich zu denen, die bei kleinen Beständen geblieben sind, als die Dinge wieder kaufbar waren. Wir haben seitdem ein Paket in Reserve anstatt nur die im Anbruch, aber das ist keine Hortung.

Nun habe ich allerdings seit März 2020 so oft vor partiell leeren Regalen gestanden, dass ich die Nase voll davon habe. Dank der deutlichen Verringerung des Hausstandes haben wir teilweisen Regal- und Schrankflächenleerstand im Keller.

Der Vorbesitzer des Hauses hat in der Waschküche, die zum Glück trocken und gleichmäßig temperiert ist, eine Zeile einer alten Einbauküche und diverse Wandregalbretter eingebaut, die wir gerne übernommen haben. Selbst bei 38 Grad draußen sind dort nur 15 Grad.

Die Schränke der Küche sind praktisch, wenn man Dinge staubfrei lagern möchte. Außerdem steht die Arbeitsplatte davon vollflächig zur Verfügung. Es hat mir so gut getan, diese leeren Flächen im Keller zu sehen.

Vorteile voller Vorratsschränke

Jetzt erfreut mich dort der Anblick von haltbaren Lebensmitteln. Dass die Dinge zeitweise ausverkauft sind, ist das eine. Dass die Sachen im Zusehen teurer werden, das andere.

Ich finde diesen Teufelskreislauf aus Hamsterkäufen und steigenden Preisen wegen mehr Nachfrage ganz schlimm. Deshalb habe ich mich unter anderem auch so lange dagegen gewehrt, Hamsterkäufe zu tätigen.

Den Ausschlag für die Entscheidung zur Lagerhaltung hat am Ende dann die Preisentwicklung durch die hohe Inflation gemacht. Warum soll ich in sechs Monaten das dreifache für etwas bezahlen, dass ich heute kaufen und einlagern kann?

Unser bevorzugter Bio-Reis wurde zum Beispiel von 1,19 auf 2,79 Euro pro kg verteuert. Leckere 500 g Bio-Nudeln habe ich gerade für 99 Cent gekauft. Die können nur teurer werden, denn der Preis ist noch wirklich günstig.

Bei der Frage nach den Mengen, die ich schrittweise zusammenkaufe oder ein einem Schwung liefern lasse, spielen der individuelle Verbrauch und das Mindesthaltbarkeitsdatum eine Rolle. Und die Frage, wie weit man in die Zukunft planen möchte. Ich habe mich für maximal ein Jahr entschieden. Dann werden die Karten neu gemischt.

Was eignet sich für einen Jahresvorrat?

  • Klopapier, Küchenrolle, Papiertaschentücher
  • Putzmittel, Geschirrspülmittel, Waschmittel, Müllbeutel
  • Handseife, einige Körperpflegeprodukte
  • Kaffeebohnen
  • Nuss-Nougat-Creme
  • Reis, Nudeln
  • Tomatenmark, passierte Tomaten, getrocknete Tomaten
  • Olivenöl
  • Salz, ganze Pfefferkörner (gemahlene Gewürze kaufe ich lieber frisch, da fällt der Preis nicht ins Gewicht und sie verlieren bei der Lagerung an Geschmack), Backpulver
  • Einige Getränke
  • Fürs Büro: Papier, Tonerkartuschen

Du wunderst Dich, warum Mehl und Zucker in der Liste fehlen? Die gibt es nur in Papierverpackungen und ich habe Angst, dass die Ware im Keller Geruch annimmt oder durch Ungeziefer verderben kann. Da unserer Verbrauch sich bei beiden Produkten in Grenzen hält, habe ich jeweils weiterhin nur ein Paket neben dem im Anbruch im Küchenvorrat.

Bei einigen Produkten steht das Volumen – Klopapier, Küchenrolle – einem Jahresvorrat im Weg, bei anderen – Nüssen, Mandeln – das MDH. Davon gibt es deshalb nur einen Bestand für drei bis sechs Monate.

Mir ist wichtig, nur Produkte zu lagern, die wir wirklich verbrauchen. Ich fange nicht an, mir Dosengemüse, -fleisch oder -brot ins Regal zu legen, was ich nicht essen möchte. Der Tiefkühlschrank ist besser gefüllt als bisher, aber auch nur mit den Bergen von extrafeinen Erbsen und Blattspinat, die wir regelmäßig vertilgen. Außerdem verbraucht ein voller Tiefkühlschrank weniger Strom, wenn er geöffnet wird.

Vorratsmenge bewahren oder blockweise nachkaufen?

Die Frage bei dieser Art von Lagerhaltung ist, ob wir den Jahresvorrat in der Menge ständig halten wollen. Dann würden wir normale Mengen des täglichen Bedarfs nachkaufen, in den Keller tragen und uns aus dem Keller nach der FIFO-Methode First In First Out – bedienen.

Eine andere Option wäre, die Vorräte abzubauen und viertel-, halb- oder ganzjährlich blockweise aufzufüllen. Bei der regelmäßigen Rotation verteilt sich die Inflation besser, dafür macht es mehr Mühe.

Wie wird das in der Zukunft aussehen?

Im Moment kann man in Europa noch weniger in die Glaskugel sehen, als vor dem aktuellen Kriegsgeschehen. Ich habe definitiv Angst vor dem, was politisch und finanziell noch passieren wird. Aber Angst ist bekanntlich ein schlechter Berater. Vielleicht ist in einem Jahr ein Lebensmittelvorrat unser kleinstes Problem. Bis dahin helfe ich gerne aus, wenn jemandem etwas ausgeht.

Wie viele Vorräte hast Du und wie rotieren sie bei Dir?